10. DBA Filmfestival im Luna – Ein Nachbericht

Das Kurzfilmfestival des bewegten Abends gehört inzwischen zu den wichtigsten Events in der Kieler Filmszene. Das machte sich vor allem in diesem Jahr durch die zahlreichen Einreichungen direkt aus der Stadt bemerkbar. Fünfzehn Kurzfilme aus aller Genre kamen in die Endauswahl. Vor vollem Haus gab es zudem interessante Interviews mit den Filmemachern zu sehen. Ein Bericht von Jessica Dahlke.

Bericht von Jessica Dahlke

Aloha Roads – Michael Stefan

 

 

Der Kurzfilm „Aloha Roads“ erzählt die Geschichte der Straßen von Hawaii. Und nein, es ist kein Gesellschaftsdrama, sondern ein nettes Nebenprodukt eines Reisevideos, das die 2.500 km fassende Tour über vier Inseln Hawaiis dokumentiert. Insgesamt neun Stunden des Materials bestanden aus Aufnahmen während der Autofahrt, die zu einem 3-minütigen Zusammenschnitt  gefasst und mit typischer GoPro-Musik untermalt wurden. Nett anzusehen.

 


Primetime of my life – Zerbe, Koch & Co.

 

 

„Von Bullerby bis Babylon“ durchschreitet der Film „Primetime of my Life“ die düstere Welt einer kapitalistischen Endzeit. Ein Thema, das zu den Lieblingen der DBA-Macher zu gehören scheint, denn es sollte nicht der einzige Film dieser Art an diesem Abend bleiben. Mit Texten, die ursprünglich für den Poetry Slam geschrieben wurden, fabuliert der Sprecher zu den Bildern einer verrotteten Gartenlaube. Stumm begleitet von zwei lustigen Aufziehfiguren, die das Gefühl einer hedonistischen Jugend vermitteln, die blind und unschuldig durch die zerstörte Landschaft hüpfen.

Was denn nun die Bananen sollten? Bemerkenswert finden die  Filmemacher Zarah Zerbe und Constantin Koch es, dass sie noch nie darauf angesprochen wurden.  Phallus? Anspielung auf die Welt des Kommunismus, in der es bekanntlich schwer war, an Bananen zu kommen? Kritik am Welthandel? Interpretationen sind dem Zuschauer selbst überlassen.

Ein starker Film, der nachdenklich macht.

 


Portrait Bunker D – Sascha Witt

 

 

Die Kurzdoku von Sascha Witt stellt den Schatz auf dem Gelände der FH Kiel vor. Denn in Deutschland sei es nach Angaben der Interviewten einmalig, dass ein solches Gebäude von einer Hochschule genutzt wird. Der Bunker ist inzwischen eine Institution auf dem Campus. Hier kann man am Bunkermittwoch schon mal bei einem Bier bis vier Uhr morgens versacken. Außerdem werden den Studis Konzerte, philosophische Salons und Filmabende geboten. Interessant auch die Geschichte des Bunkers, der zu Anfang nichts mehr als ein verrammeltes „Kellerloch“ voller Taubendreck war.

Der Multimedia-Production-Student Sascha Witt zeigt mit diesem Film, dass er sein Handwerk versteht.


On this Sunday – Kaweh Kordouni

 

 

Von Schicksal und der Käuflichkeit des Menschen erzählt der Kurzfilm „On this Sunday“ von Kaweh Kordouni – ein weiterer systemkritischer Film an diesem Abend. Der von der Filmförderung HHSH geförderte Kurzfilm zeichnet die Geschichte von Menschen nach, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch von den äußeren Umständen aneinander gekettet werden.

Wer das ein wenig zu Pathetische übersehen kann, dem gewährt Kordouni einen interessanten Einblick auf die Sicht eines Außenstehenden auf unser Land. Sehenswert.


Das letzte Date – moinmoin movies

 

 

Auch die moinmoin movies waren zu Recht mit ihrem neuen Film „Das letzte Date“ beim DBA Filmfestival mit dabei. Bereits nach der Premiere im August haben wir eine Besprechung darüber geschrieben, die ihr hier findet.


Multifunktionsebenen – Hannes Fleckstein

 

 

Auch das Genre des Experimental-Films durfte an diesem Abend nicht fehlen. Hannes Fleckstein, derzeit Student an der Muthesius Kunsthochschule, präsentierte „Multifunktionsebenen“ und zeigte sich begeistert darüber, den Film vor Publikum statt „in einem versteckten Ausstellungsraum auf dem Hinterhof“ zeigen zu können, was mit Applaus aus dem Publikum bejaht wurde.

Auf die Frage, was er mit dem Film sagen wolle, antwortete er, dass das „jeder für sich entscheiden“ müsse, „was er dabei“ fühle und entzog sich damit zurecht einer Vorinterpretation durch den Künstler.

Der Film zeigt auf zwei Bildebenen – die eine im Positiv, die andere im Negativ – verschiedene rechtwinklig lineare Gegenstände über die im Rhythmus des Sounds die Natur symbolisierende, Adern ähnlichende Linien projiziert werden. Beinah bedrohlich erscheint dazwischen ein Loch, ein Nichts. Ein donnernder, elektrisierender, manchmal an die Geräusche eines Geigerzählers erinnernder Sound vertont das Szenario.

Auf die Frage, wie der Film entstanden ist, antwortet Hannes Fleckstein: „Für mich ist er aus einem Gefühl heraus entstanden. Es ist da ein Fluss in diesem Film. Von diesen Dingen, in denen wir uns bewegen. Alles erneuert sich immer wieder, verdreht und verändert sich. Es bleibt halt immer in Bewegung.“

Eine inspirierende Reise hinterlässt Hannes Fleckstein da dem an narrative Filme gewohnten Kurzfilm-Zuschauer. Eine Bereicherung für diesen Abend war es allemal.


Zuckerfee(d) – Jörg Meyer

 

 

Mutig zeigt sich Jörg Meyer als Hauptdarsteller in seinem Film „Zuckerfee(d)“ – ein wie er es nennt – video.poem, der eine Ballerina aus Tschaikowskys Nussknacker und ihn im Gegenschnitt nackt tanzend zeigt. Dieser Mut wurde mit großem Applaus aus dem Publikum belohnt.

video.poems sind verfilmte Gedichte oder Filme, die wie Gedichte gestrickt sind, so Meyer. „Sie sind außerdem ein bisschen Tagebuchartig, weil sie in einer Nacht gemacht werden. Länger arbeite ich meistens nicht daran. Und es ist auch eine Selbsterfahrung sich so zu exhibitionieren, wenn man das so sagen kann“, erklärte er weiter.

Auf die Frage, ob es sich um einen männlichen Film handele, erntet der Moderator zunächst Gelächter aus dem Publikum. Die Ballerina mit ihrem Tanz auf den Zehenspitzen werde im Kontrast zu dem männlichen, untrainierten Körper nicht zum Symbol einer Hochkultur, sondern zu etwas unmenschlichem, so der Eindruck des Moderators. Nein, es sei eher ein menschlicher Film, antwortet Meyer: „Die Ballerina ist in der Tat eine Kunstfigur, sie ist völlig artifiziell. Doch auch ich als Hauptdarsteller bin inszeniert und damit artifiziell. Jedoch sehe ich nicht so gut aus wie sie. Insofern ist das kein männlicher Blick oder Film, sondern ein menschlicher Film. Also Mensch gegen Kunst oder Kunst gegen Leben.“

Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen will, kann das auf Meyers Blog tun. Es lohnt sich.


Zeitgeist – Rasmus Conrad

 

 

Nach all den starken Filmen hatte das Seminarprojekt und der Erstling „Zeitgeist“ keine Chance, wirklich Anklang beim Publikum zu finden. Die miese Kameraarbeit und das statische Spiel der Darsteller taten ihr übriges. Einzig Rasmus Conrad konnte im anschließenden Interview mit seiner sympathischen und lustigen Art beim Publikum punkten.


SkateCop: Rache auf Rollen – Peter Ahlers und Co.

 

Was bei einer Compositum-Übung an der FH Kiel für geile Trash-Sch*** rauskommen kann, zeigte Peter Ahlers mit „SkateCop: Rache auf Rädern“. Wer mit Klassikern wie Sharknado von The Asylum Spaß hat, wird es auch mit diesem Werk haben. Johlen inklusive! Die Frage also an Peter Ahlers und Team: Wann kommt der Spielfilm dazu?

 

 


Sherlock Holmes – Palm und Beyer

Beinah jeder, der in Neumünster lebt, scheint ihn zu kennen: Sherlock Holmes. Ein kauziger, alter Mann, der Tag ein Tag aus versucht mit der deutschen Bahn nach London zu kommen und spätestens in Kiel nach Neumünster zurückgeschickt wird. Eigentlich dürfte man über diesen Mann keinen Film machen, denn dieser könne nur furchtbar werden, so Moderator Torben, der selbst aus Neumünster stammt. Caro Palm und André Beyer haben es trotzdem getan und es geschafft, einen liebevollen Blick auf Sherlock zu werfen.

In Zeiten des voyeuristischen Krawall-Fernsehens sind wir vorsichtig geworden, Gott sei dank. Denn ist es verantwortungsvoll, Menschen mit psychischen Krankheiten als Idioten im TV vorzuführen? Sicher nicht. Deshalb ist es nicht einfach, eine solche Person auf journalistisch korrekter Art und Weise zu porträtieren. Der Grad ist schmal zwischen ernsthafter Dokumentation und lustvollem Entblößen.

Die beiden Filmemacher haben sich trotzdem darauf und vor allem auf Sherlock Holmes eingelassen. „Ich habe mir sehr viele Gedanken über diesen Menschen gemacht und einige Wochenenden mit ihm verbracht. Das, was wir sehen ist live und echt. Es entstand eine menschliche Ebene zwischen uns. Da ist nichts geschrieben oder herbeigeführt, sondern es ist alles in Interaktion mit diesem Menschen passiert“, so Beyer.

Gerade diese Herangehensweise macht es dem Zuschauer leicht, Sherlock Holmes ins Herz zu schließen und seinen Spleen als individuelle Ausprägung seines Charakters zu akzeptieren, anstatt ihn dafür abzulehnen oder zu bemitleiden. Ein gelungenes Experiment.


Mutterliebe – Gillies und Büchel

 

 

„Mutterliebe“ von Imke Büchel und Jackie Gillies ist eine eindringliche Geschichte zum gleichnamigen Thema, das mit einem überraschenden Ende aufwartet. Bemerkenswert vor allem der Schnitt, der aus einem Gespräch beim Psychologen ein bedrohliches, schizophren wirkendes Szenario macht, das sich am Ende in Gänze entfaltet.

Imke Büchel zeigte sich sehr beeindruckt von der Kieler Filmszene, von der sie an diesem Abend einiges zu sehen bekommen hatte.


Musikvideo Avidus – Elliot Silva

 

 

Das filmische Mittel der übereinander gelegten Bilder nutzte auch Elliot Silva für ein Musikvideo von Avidus. Eine Fantasie eines Elektro-Musik produzierenden schwarzen Ritters zu den Bildern der heute eher albern wirkenden Ritterfilme in Technicolor.

„Für das Genre, was wir machen, wäre es typisch gewesen, eher ein abstraktes Video zu machen“, erklärt Fritz Wagner, Mitglied von Avidus, „das wäre für uns aber nur Mittel zum Zweck gewesen. Wir wollten etwas authentisches, persönliches. Ritterfilme haben meine Kindheit geprägt. Es hat etwas Infantiles. Und auf die Frage, ob das ernst gemeint ist. Für mich ist es sehr ernst gemeint, denn es ist ehrlich. Alles andere wäre nur Fake gewesen. Es ist zwar überzeichnet, aber genau so funktioniert Fantasie.“

Ein Video nett anzusehen zu guter Musik.

 


Breaking – Pipo Tafel

 

 

„Breaking“ von Pipo Tafel ist ein Ballett-Film, der versucht den spielerischen Ausdruck der beiden Tänzer einzufangen, die an einem Strand einen Beziehungsstreit ausfechten. Handwerklich gut gemacht und in schönen Bildern eingefangen kann der Film den Zuschauer leider nicht mit bis zum Ende mitnehmen.


Zeitgeist – Rasmus Conrad

 

 

Nach all den starken Filmen hatte das Seminarprojekt und der Erstling „Zeitgeist“ keine Chance, wirklich Anklang beim Publikum zu finden. Die miese Kameraarbeit und das statische Spiel der Darsteller taten ihr übriges. Einzig Rasmus Conrad konnte im anschließenden Interview mit seiner sympathischen und lustigen Art beim Publikum punkten.


Flora – Finn Karstens

 

 

Auch Finn Karstens greift in seinem Kurzfilm „Flora“ das Ritterthema auf. Ein junger Mann auf dem Drogentrip versucht die Hüterin des Waldes vor zwei schwarzen Rittern zu beschützen. Der Film lebt nicht nur von den tollen Aufnahmen und dem gutem Drehbuch, sondern auch durch die Kieler Darsteller Torben Sachert und Oliver Ott. Denn wer – so der Moderator – kennt Torben Sachert nicht? Er ist eine Größe in der Kieler Filmszene, auch wenn es nicht stimmt, dass er nur in lustigen Filmen mitspielt.

Ein schöner Film, an dem alles stimmt.


Elterngespräch – Strang und Henke

Abgerundet wurde der Abend durch den Kurzfilm von Imke Strang und Thomas Henke. Der Film versucht mit dem Das-Doppelte-Lottchen-Prinzip die Schauspielerin Imke Strang und ihre Tochter in jeweiligen Doppelrollen zu inszenieren. Zwei Mütter werden zur Direktorin bestellt, weil die eine Tochter der anderen einen Streich gespielt hat. Die Idee ist witzig und originell, jedoch weist das Drehbuch einige Schwächen auf und die Figuren sind unangenehm überzeichnet.

Trotzdem ein netter Abschluss eines bewegten Abends, der als Bonus den Kurzfilm „A strange place called earth“ von Jackie Gillies zeigte.

 

Bilderreihe 10. DBA Filmfestival

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