Filmfestival in Clubatmosphäre- oder was hat ein Eimer mit dem DBA zu tun?

Zum elften Mal öffnet am 8. September 2016 der Club Luna in Kiel seine Türen für das Kurzfilmfestival von DER BEWEGTE ABEND. Die flauschigen Sofas und Sessel werden zurechtgerückt und zwei Leinwände aufgestellt. Filmemacher aus ganz Deutschland und sogar Dänemark präsentieren ihre Kurzfilme. Die letzte Klappe fällt und Film ab!

Ein Bericht von Lisa Strobel

Der erste Streifen JAMES BOMB schleicht sich à la Geheimagenten Manier auf die Leinwand. Die kurze und knackige Animation wird wortwörtlich gesprengt vom nächsten Filmbeitrag: DER BRENNENDE BUS VON KIEL. Eine Mockumentary, die während des „Nur 48 Stunden“-Wettbewerbs in Kiel entstanden ist. Sehr trashig, mit viel boom boom. Zusammen mit einem ganz besonderen Farbenspiel beweist der Kurzfilm fantastischen Humor, doch der Fall bleibt trotzdem ungelöst. Der Bus steckt in einer Zeitschleife fest und die Legende kann nicht aufgelöst werden.

Bei wem das Emotionen ausgelöst hat, für den kommt der nächste Film ganz recht. GROW HATE heißt der Kurzfilm eines dänischen Filmemachers. Er zeigt die Psyche eines Jungen der gemobbt wird. Hass steht im Mittelpunkt und wird visualisiert mit Tonelementen und zahlreichen Überblendungen. GROW HATE ist sehr wirkmächtig und intensiv. Der Produzent ist trotzdem überzeugt von seinem Werk. Dass er selbst die Hauptrolle übernommen hat, begründet er mit folgenden Worten: „Ich mache das selbst am besten.“

Zum ersten Mal richtig nass wird es im Anschluss. Als audiovisuelle Erfrischung taucht das Publikum in Unterwasseraufnahmen aus isländischen Flüssen ein. Die Story fehlt leider und die Aufnahmen sind holprig. Die Filmemacherin begründet das mit schweren Bedingungen beim Dreh und fischähnlichen Bewegungen mit der GoPro. Fische und Wasser gibt es auch im nächsten Beitrag.

Grundvoraussetzung ist folgende Frage fürs Film schauen: Was braucht man für einen See? Wer jetzt verdutzt guckt, bekommt folgende Antwort: Man nehme einen Eimer, stecke ihn in einen Kontrollschacht, wie den Pfropfen in einer Badewanne und dann wartet man. Das Wasser steigt von selbst. Und fertig ist ein Eimersee. Skurril aber wahr, wurde genau das in Eckernförde so umgesetzt und schlug seinen Wellen sogar bis nach Asien. Der Dokumentarfilmer Sven Bohde hat dieses Naturerlebnis, dass sonst keiner mitbekommen hat, aufgenommen. In einem 15-Minüter präsentiert er den sympathischen Naturschutzbeauftragten der Stadt Eckernförde, Michael Packschies. Gummistiefel an und auf geht es zu einer Erkundungstour rund um den Eimersee. Unfreiwillig witzig, aber dabei wahnsinnig kompetent erzählt Packschies von seinen Tier Inventarlisten, die er führt und macht Krötenvergleich mit Bohde. Dann haben die beiden „einfach Bock in den See zu steigen.“ Warthose an und los geht es auf die Suche nach dem Eimer. Es herrscht Ausflugsstimmung und das komplexe Thema wird dabei mit geringem Aufwand einwandfrei erklärt. Trotzdem warnt Bohde: Bitte nicht nachmachen.

Experimente betreibt nicht nur Sven Bohde, sondern auch Jessica Dahlke mit ihrem Film END UP NOW. Ästhetische Naturbilder zu Beginn und visionäre Aufnahmen aus der Zukunft werden unterstützt mit passenden Geräuschen und zeigen einen Kontrast zwischen Moderne, Zukunft und Vergangenheit. Ein gelungener Experimentalfilm.
In eine ganz andere Richtung schlägt das nächste Musikvideo. Mit tollem Licht, gräulicher Grundstimmung und modernem Stil wird die Geschichte von Vater und Sohn erzählt. Emotion, Verzweiflung, Schmerz und Trauer werden gut übertragen und sorgen für Gänsehaut beim Publikum.

Von großen Gefühlen erzählt auch der Kurzfilm FICKEN. Was erwartet die Zuschauer wohl bei diesem Titel? Zwei Männer liegen in einem Bett und „spielen“. Plötzlich klingelt die Affäre. Hoffentlich kommt nicht auch noch die Freundin dazu. Blöd nur, dass die beiden Affären Geschwister sind. Verwirrt? Kein Wunder bei diesem etwas anderen vierer Gespann. Ein schmaler Grat zwischen Betrügen, Gefühlschaos und absurder Comedy. Ein Film, der mit den Erwartungen der Zuschauer bricht. Die Achsensprünge seien den Machern verziehen- schließlich werden sie auch als Experiment deklariert.

Bevor die letzte Klappe fällt brettert die WOLFGÄNG noch mit Fuchsschwanz, Mofa und Vokuhila auf die Leinwand. Dieser ikonische Beitrag des „Nur 48 Stunden“-Wettbewerbs sorgt für Begeisterung beim Publikum. Epische Drohnenbilder und ein einzigartiger Soundtrack machen den Kurzfilm zum Unikat.

Trotzdem gewinnt ein anderer. Was wir zuvor fast alle nicht wussten, ist was eben ein Eimer mit dem DBA Filmfestival zu tun hat. Aus diesem Grund oder vielleicht auch, weil der Dokumentarfilm auf ganzer Linie überzeugt hat (bis nach Japan), gewinnt Sven Bohde beim 11. DBA Filmfestival. Es bleibt spannend, welche Überraschungen beim nächsten bewegten Abend folgen werden.

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