5% Heimat: Filmdreh in der Alten Mu

Mit 5% HEIMAT meldet sich Sascha Witt mit einem neuen Kurzfilm zurück. Der in der Alten Mu in Kiel entstandene Film wird voraussichtlich am 15. September zu sehen sein. Wir haben mit den Machern gesprochen.

 

Das Interview führte Jessica Dahlke

Sascha, du hast das Drehbuch zu 5% HEIMAT geschrieben: Worum geht es im Kurzfilm?

SW: Im Grunde ist es ein kleines SciFi – Kammerspiel. Wir finden eine junge Frau vor, die einen Bezug zum Weltraum hat, aber offensichtlich stimmt etwas nicht: Sie wird gefangen gehalten.

Gefangen im Bezug auf das äußere oder ist da noch mehr? Etwas, was in ihr selbst liegt?

SW: Sowohl als auch, würde ich sagen. Eigentlich ist unsere Protagonistin Anne auf einer Sinnsuche und hat dabei unglaubliche Distanzen überwunden, nicht nur in räumlicher Hinsicht, sondern auch emotional und gesellschaftlich.

Sie ist also aufgrund einer Sinnsuche im All. Was assoziierst du mit dem Weltall?

SW: Ich begreife das Weltall als Sinnbild für eine Vielzahl von positiven, aber auch vielen negativen Dingen. Das Weltall kann für unendliche Möglichkeiten stehen und ebenso für unendliche Einsamkeit.

Oder für lebensbedrohliche Gefahr?

SW: Das sicher auch!

Du hast bei diesem Film mit Johann Schulz, Hille Norden und Hannes Gorrissen aus Kiel zusammengearbeitet. Was verbindet dich mit der hiesigen Filmszene?

SW: Was ich sehr schätze an der Filmszene Kiels und Schleswig-Holsteins ist der Zusammenhalt untereinander und die Passion, eine gute Idee mit wenigen und dennoch effektiven Mitteln umzusetzen. Ohne Hille, Johann und Hannes wäre ich aufgeschmissen gewesen. Ohne sie wäre einfach kein Film zustande gekommen. Und sie waren es auch, die einen einfachen Raum – unser Set – mit gutem Spiel, Licht und Farbe zum Leben erweckten.

Was interessiert dich besonders am Erzählen von Geschichten?

SW: Ich mag es mit den Erwartungen der Zuschauer zu spielen, ihn erst in einen Irrgarten voller Möglichkeiten hineinzuführen, wo sich am Ende aber doch nur ein Weg als der richtige herausstellt.

Wobei es manchmal auch mehrere Wege gibt eine Handlung zum Abschluss zu bringen. Das ist dann aber schon hohe Kunst.

Hille Norden, wen spielst du im Film?

HN: Die junge Astronautin Anne, die auf einem ESA-Stützpunkt festsitzt und nicht weiß warum. Bei einem Verhör, das ihr alter Bekannter Tayo Grabb durchführt, stellt sich der Grund heraus. Das eigentlich banale Gespräch entwickelt sich schnell zu einer Identitätssuche. 5% Heimat ist ein Kammerspiel, das sich mit der Wahrhaftigkeit der Wirklichkeit auseinandersetzt. Besonders in Zeiten von Fakenews ein wichtiger Film.

 

Was waren die besonderen Herausforderungen beim Dreh?
HN: Uns Filmemachern hat dieses Projekt vor eine ganz neue Herausforderung gestellt, denn wir haben uns für ein sehr schlichtes Setting entschieden. Das heißt, das Schauspiel und die Auflösung musste ganz besonders gut sitzen! Eine Aufgabe, die wir aus meiner Sicht, sehr gut erfüllt haben. Möglich wurde dieses Filmvorhaben natürlich nur durch den Landesverband Jugend und Film!

 

Miguel Francisco du spielst Tayo und bist ein neues Gesicht in der Filmszene in Kiel. Wie ist es zur Zusammenarbeit gekommen?

MF: Ich bin auf verschiedenen Schauspieler-Portalen registriert. Ich bekomme auf diese Art viele Anfragen für Rollen.

Bist du ausgebildeter Schauspieler?

MF: Nein ich bin Quereinsteiger. Ich stand immer schon auf der Bühne als Sänger und Tänzer, später kamen eigene Musikvideo hinzu die auch Geschichten erzählten und 2014 fing ich mit Theater an.

Wo lebst du?

MF: In Berlin

Was reizt dich am Filmschauspiel?

MF: Ich mag es, mit kleinen Gesten den Charakter zu gestalten. Im Theater spielt man oft groß und im Film reichen manchmal auch ganz kleine Gesten, die dann aber große Bedeutung haben können. Ich finde das realistischer, weil man ja auch alles bemerkt, wenn man jemanden vor sich hat. Dann gibt es beim Film unterschiedliche Projekte, die man nicht totspielen kann. In dem Projekt bist du der und im nächsten Projekt wieder jemand anderes.

 

Und wieder ein Kurzfilm von Johan Schultz. In diesem Jahr scheinst du der Powerseller unter den Kieler Filmemachern zu sein. Was bedeutet für dich Filmemachen?

JS: Filmemachen macht süchtig. Und ich liebe das Set-Life. Teil eines guten Filmteams zu sein finde ich einfach erfüllend. Sowohl als Regieassistent, als auch Set-Runner oder einfach nur Blocker einer Fernsehfilmproduktion. Das Filmset ist einfach mein Place To Be. Allerdings geht nix über das Regieführen. Das Inszenieren macht mir die größte Freude. Das hat mir dieses Projekt auch nochmal ganz klar vor Augen geführt.

 

Was hat dir besonders gut am Drehbuch von Sascha gefallen?

JS: Der Subtext. Das Mysteriöse. Es ist ein Kammerspiel mit Science-Fiction-Setting. Allein das finde ich schon cool. Zudem gefiel mir die Herausforderung, zwei Menschen zu inszenieren, die sich im Grunde nur gegenübersitzen. Ich glaube, wir haben interessante Lösungen gefunden.

 

Wann wird der Film zu sehen sein?

Am 15. September findet in der alten Muthesius Kunsthochschule eine große Veranstaltung statt, bei der viele Künstler aus aller Welt zusammengekommen. Querbeet 2017. Ein ehrgeiziges Ziel, den Film dort erstmalig zeigen zu können.

 

5% HEIMAT mit Hille Norden und Miguel Francisco
Regie: Johann Schultz
Drehbuch: Sascha Witt
Kamera: Hannes Gorrissen
Produktion: Hille Norden

Der Film wurde gefördert vom Landesverband Jugend & Film

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