59. Nordischen Filmtage: 195 Filme im Programm

In diesem Jahr starten die Nordischen Filmtage Lübeck mit 195 Filme im Programm, die an fünf Tagen in den vier Festivalkinos sowie diversen Sonderspielstätten gezeigt werden. Mehr als die Hälfte der Wettbewerbsfilme sind Debütfilme. Dabei sind die Länder Dänemark und Schweden mit fünf bzw. vier Filmen vertreten, neben Norwegen und Finnland mit je drei Filmen. Die Nordischen Filmtage Lübeck sind einzigartig als Filmfestival in Deutschland und auf dem europäischen Kontinent mit ihrem Schwerpunkt auf Filmen aus den Nordischen Ländern und dem Baltikum. Veranstalter des Filmfestivals ist die Hansestadt Lübeck.

1. bis 5. November 2017 // Lübeck

Eine Regisseurin eröffnet das Programm

Eröffnet wird das Festival am 1. November 2017 mit der Deutschlandpremiere der schwedischen Produktion „Träum’ weiter“ (Dröm vidare/Beyond Dreams), dem Spielfilmdebüt der jungen Regisseurin Rojda Sekersöz. Der Film steht stellvertretend für viele Produktionen im Wettbewerbsprogramm, die junge ProtagonistInnen in den Mittelpunkt der Handlung stellen und ihre Lebenswelten in großer Themenvielfalt abbilden. In vielen Filmen sind es junge Frauen, die in ganz vielfältigen Hauptrollen zu sehen sind. Wie in „Miami“ von Zaida Bergroth aus Finnland, in dem zwei ungleiche Schwestern durchs Land reisen. Die Regisseurin und beide Darstellerinnen stellen ihren Film in Lübeck vor. Auch in „Thelma“, ist es in Joachim Triers gleichnamigem Film eine junge Frau, die gerade ihr Studium begonnen hat und deren Liebe übernatürliche Kräfte freisetzt. „Darling“ aus Dänemark zeigt das Schicksal einer jungen Balletttänzerin, die aufgrund einer Krankheit ihre Karriere beenden muss (Regie: Birgitte Stærmose, mit Danica Curcic, Gustaf Skarsgård, Ulrich Thomsen uvm.) während in „Das Ende der Kette“ (Keti lopp / The End of the Chain) aus Estland, die Protagonistin auf einen Neuanfang hofft, inszeniert hat Priit Pääsuke. Beziehungsgeschichten behandeln zahlreiche Spielfilme auf vielschichtigen Ebenen wie in „Die Ex-Frau“ (Ex-frun) der schwedischen Regisseurin Katja Wik, in dem drei Frauen an ganz unterschiedlichen Punkten ihrer Beziehung stehen, während „Eine fürchterliche Frau“ (En frygtelig kvinde/A Horrible Woman)ganz damit beschäftigt ist, zerstörerische Kräfte darin zu entwickeln. Hier hat der Däne Christian Tafdrup Regie geführt.

Filme über Spannungen zwischen den Generationen

Generationenkonflikte zeigen weitere Spielfilme auf: in „Was werden die Leute sagen“ (Hva vil folk si / What Will People Say) von Iram Haq aus Norwegen, die in Lübeck 2013 mit dem NDR Filmpreis ausgezeichnet wurde, muss sich die junge Hauptfigur mit ihren Eltern auseinandersetzen, die sie gegen ihren Willen zu Verwandten nach Pakistan schicken. Eine deutsche Ko-Produktion von Rohfilm Factory, deutscher Verleih ist Pandora Film. „Das Entschwinden“, eine niederländisch-norwegische Ko-Produktion von Boudewijn Koole,zeigt hingegenden Versuch einer jungen Frau, sich mit ihrer Mutter und dem Leben auszusöhnen. Im Gegensatz dazu steht der 15-jährige Klas in „Die Raben“ (nach dem gleichnamigen Roman von Tomas Bannerhed) in Konflikt mit seinem Vater (Regie: Jens Assur, Schweden), der ihn unbedingt als Hoferben einsetzen möchte, er hingegen möchte lieber heute als morgen fort gehen. Auch der junge Leevi ist wegen seines strengen Vaters ins Ausland gegangen in „Ein Augenblick im Schilf“ (A Moment in The Reeds), eine Inszenierung von Mikko Makela (Finnland), kehrt allerdings zurück und erlebt die Liebe zu einem jungen Immigranten.In die 1970erJahre führt der Film „Sternsinger“ (Kaiken se kestää / Star Boys) von Regisseur Visa Koiso-Kanttila, in dem sich zwei Jugendliche mit den sexuellen Befreiungsversuchen ihrer Eltern auseinander setzen müssen.

Neuheit: 360 Grad Filme im Fulldome Kino

Auch in diesem Jahr laufen am neuen Standort Klingenberg in Lübeck im mobilen Fulldome Kino beeindruckende 360° Filme. Hier kann auch einer Weltneuheit beigewohnt werden, denn die Nordischen Filmtage zeigen in diesem Jahr zum ersten Mal interaktive realtime-VR-experiences, die in der Kuppel-Leinwand des Fulldome-Kinos gespiegelt werden. Das Festival beschreitet damit einen ganz neuen Weg, denn hinter dem INTERACTIVE DOME VR steckt ein neuer technischer Ansatz, den der Kurator der 360° Filme, Ralph Heinsohn, mit den Filmtage Partnern, der Firma VR Nerds GmbH aus Hamburg und den Filmkünstlern Michelle und Uri Kranot eigens für das Festival entwickelt hat: Anders als in linearen Filmen gibt es bei diesen immersiven Geschichten keine feste zeitliche Abfolge. Die Werke „Nothing Happens“ (Produktion: Dansk Tegnefilm, DK / Miyu Productions, F) und „Lucid Trips“ (VR Nerds) sind mehr als performative, installationsartige Inszenierungen zu verstehen, bei denen das Publikum Teil der Aufführung wird. Der Betrachter bewegt sich dabei buchstäblich durch eine neue Welt. Mit der VR-Brille kann er sich individuell um Objekte herumbewegen, die im Film zu sehen sind, hinter Wände schauen und selbst entscheiden, wann und wie schnell er es tut – ganz anders als im „klassischen“ Film, der ja den zeitlichen Ablauf der Erzählung vorgibt. Zum ersten Mal wird es so nun für ein Publikum möglich, die Perspektive eines VR-Spielers in der tatsächlichen Rundum-Darstellung mitzuverfolgen und Teil seiner Handlungen und seiner Erlebnisse zu werden. Ein ganz neuer Ansatz, der eigens für die diesjährigen Filmtage angeboten wird.

Zur Webseite der Nordischen Filmtage

 

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