„Unsere Filme auf großer Leinwand“ – Nachbericht der Podiumsdiskussion

Schleswig-Holstein muss etwas tun und die Filmemacher im Norden wollen etwas tun. Dies klang bei der Podiumsdiskussion “Unsere Filme auf großer Leinwand” Ende Januar in der Hansa48 deutlich heraus. Geladen hatte der Kieler Filmemacher Stammtisch und über fünfzig Interessierte waren gekommen, um mitzudiskutieren. Eine Zusammenfassung.

Bericht von Yorck Beese

Es ist Dienstagabend der 31. Januar 2017 und der Kieler Filmemacher Stammtisch hat ins Theater der Hansa48 geladen. Erschienen sind 50 Filmschaffende und Kinobetreiber, Vertreter von Bildungseinrichtungen und Filmfestivals, alte Hasen und neue Gesichter, allesamt aus dem hohen Norden. Am Podium Jessica Dahlke, Johann Schulz, Christoph Zickler und Hille Norden, die den Abend mit einem Blick auf die Wirklichkeit eröffneten.

Sicher ist, dass es eine agile Filmszene in Schleswig-Holstein gibt, die über haupt- und nebenberufliche Filmemacher verfügt. Auch kann hier Film studiert werden, entweder Hands-On an den Fachhochschulen in Kiel und Flensburg sowie an der Muthesius Kunsthochschule oder theoretisierend an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Doch Motivation und Begabung blitzen nicht nur an den Hochschulen auf. Lübeck, Flensburg, Heide, Husum, Schersberg und Kiel sind nur einige Zentren des schleswig-holsteinischen Films – und hier beginnen die Sorgen, denn wer ist eigentlich diese Szene, was wird wo gefilmt und wie erfahren Zuschauer, Kinobetreiber und selbst Filmemacher davon, was es zu entdecken gibt? Die Gastgeber vom Verein Filmkultur SH e.V. haben über Monate eine ganze Reihe von Ideen entwickelt, die sie an diesem Abend präsentierten und zur Diskussion stellten. Marketing, Auswertung, Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerk und Archivierung sind fünf der Kernpunkte.

Szenenidentität und Markenbildung

Unter einer gemeinsamen Kulturmarke soll die Szene zueinanderfinden. Identität ist das Stichwort, mit der nicht nur Zusammenhalt und die Vernetzung gefördert wird, sondern ein gemeinsamer Auftritt die Kräfte für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bündelt.

Dabei tauchen sofort viele Fragen auf. Natürlich müsste eine solche Marke bestimmte Qualitätsansprüche erfüllen, um die Erwartung des Zuschauers nicht zu enttäuschen oder diese sogar durch schlechte Inhalte zu verprellen. Auf der anderen Seite sollte eine solche Auswahl auch nicht dazu führen, dass sich die Szene zersplittert. Und nach welchen Kriterien soll ausgewählt werden? Inhalt und Form wie es zum Beispiel das Manifest der Gruppe Dogma 95 forderte, können es nicht sein – zwar erhielte man damit einen Satz Regeln, den man bei Bedarf auch brechen könnte (die Dogma-Gruppe tat dies auch fleißig), aber dafür sind die Filme aus Schleswig-Holstein letztendlich zu unterschiedlich. Also blieben nur technische Merkmale sowie Standards bei Themen wie technische Qualität oder Mindestanforderungen beim Pressematerial. Diese könnten durch eine Redaktion verwaltet werden.

Informationen bündeln und archivieren

Seiten wie UnsereSerien haben es vorgemacht. Sie agieren quasi als Tor, über das sich Suchende in gebündelter Form über das Filmemachen in Schleswig-Holstein informieren könnten. Diese Plattform soll im Gegensatz zu den Nachrichtenseiten infomedia-sh.de und filmszene-sh.de eher lexikalische Form haben, ähnlich wie die Internet Movie Database (IMDB). Hier fände der Interessierte Filmtitel, Trailer, Genre, Laufzeit, Synopsis, Cast & Crew-Listen sowie viele weitere Infos. Zusammen mit den Archivdaten, die der Verein Filmkultur SH e.V. in den 26 Jahren seit seiner Gründung gesammelt hat, ließe sich eine umfassende Datenbank gewinnen und somit auch eine längst überfällige norddeutsche Filmgeschichte schreiben.

Filme verfügbar machen

Für Verleih und Marketing ebenso wichtig ist die Idee einer „Kino Cloud“ (Arbeitstitel): Eine Seite, über die man sich nicht nur schnell informieren könnte, sondern auch die Filme zum Download erhält. In kleiner Variante reicht den anwesenden Kinobesitzern jedoch auch die oben genannte Seite, über die sie möglichst einfach und schnell eine Auswahl von Filmen zusammenstellen und bestellen könnten. Denn der Informationsfluss zwischen Kinos und Filmemachern ist weiterhin zäh, was für Kinos, die gerne regionale Filme zeigen würden, mehr als bedauerlich ist.

Beim Thema „Kurzfilm als Vorfilm” trat leider sofort Ernüchterung auf. Das Problem ist die FSK. Ohne FSK-Freigabe können Kurzfilme aus der Szene nur vor Filmen ab 18 oder vor einer Sneak-Preview laufen. Und für den Antrag einer FSK-Freigabe fehlt den meisten No- und Low-Budget-Filmen das Geld.

Tu Gutes und sprich darüber

Auch die Kulturpolitik soll zukünftig wieder stärker ins Auge gefasst werden. Neben dem Online-Angebot könnte ein schön gestaltetes Jahresheft den Entscheidungsträger das Gefühl geben, die Gelder an der richtigen Stelle verteilt zu haben bzw. zu verteilen. Zudem vermittelt ein solcher Auftritt ein Bild hoher Professionalität der Filmszene nach außen hin.

Einen ersten Teilerfolg dürfen Dahlke, Schultz, Norden und Zickler von der Filmkultur SH e.V. und dem Landesverband Jugend & Film für sich verbuchen, denn eines war an diesem Abend spürbar: Es herrschte Aufbruchstimmung. Und damit diese nicht im Sand verläuft, lädt der Verein Filmkultur SH Interessierte dazu ein, in einer Arbeitsgruppe weitere Schritte zu erarbeiten und einzuleiten.

Wer der Arbeitsgruppe beitreten und damit die Herdplatte unter der Schleswig-Holsteinischen Filmszene anstellen möchte, ist hiermit herzlich eingeladen: jd@filmkultur.sh

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