Baltic Filmart Festival – Openair-Kino im Glückcafé

Am letzten Septemberwochenende fand das 2. Baltic Filmart Festival in Neustadt in Holstein statt. Kurator Dietmar Baum lud zusammen mit der Tourismusagentur Lübecker Bucht zu einem gemütlichen Festival direkt am Hafen ein. Dabei zeigt sich, dass das Festival noch in der Findungsphase ist, jedoch großes Entwicklungspotenzial hat.

Gezeigt wurden 15 Kurzfilme aus der Region und Deutschland. Das Programm war dabei gut gemischt vom Dokumentarfilm, Kunstfilm, klassischen fiktiven Kurzfilm bis hin zum Animationsfilm. In der Jury saßen: Dietmar Baum, Nicole Borchert, Manfred Witt, Matthias Schmidt und Jessica Dahlke.

 

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Cap Arcona

Am Ende hießen die Gewinner „You‘re Welcome“ von Rebecca Panian (Kategorie „Von Mensch zu Mensch) und „Follower“ von Jonathan Benedict Behr (Kategorie „Kunstfilm“). Als Gewinner aus der Region wurde „Cap Arcona“ von Jens Westen gekürt. Der Dokumentarfilm begleitet ein Schülerprojekt, das die Schiffskatastrophe direkt vor Neustadt aufarbeitet. Am 3. Mai 1945 versenkte die britische Luftwaffe die mit 8.300 KZ-Häftlingen besetzte Cap Arcona. 7.000 Menschen verlieren dabei ihr Leben. Für Neustadt bis heute ein kollektives Trauma, das noch immer nicht aufgearbeitet worden ist.

Aus Schleswig-Holstein waren ebenfalls einige Kurzfilme zu sehen. So war erneut der Kurzfilm von Moritz Boll „Abgetaucht“ präsent, genauso wie „Sandy Island“ von Jan Waßmuth und Felix Zimmer. Rezensionen zu beiden Filmen hier.

Das Bärtierchen (Kerstin Welther)

Die Wahl-Hamburgerin Kerstin Welther zeigte zwei Animationsfilme „Das Bärtierchen“ und „Blergh“. Vor allem das „Bärtierchen“ eroberte die Herzen der Zuschauer im Sturm. Darin wird die mikroskopisch kleine Spezies liebevoll und mit viel Witz vorgestellt.

 

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Das Bärtierchen

Herbst (Achim Kirsch)

Die Muthesius Kunsthochschule wurde durch Achim Kirsch vertreten, der eine Tuschemalerei auf 16 mm zeigte. Ein dystopisch wirkender Film, der immer wieder etwas Neues entdecken lässt, egal wie häufig man diesen Film guckt.

Mit im Bund (Lukas Nathrath)

Von der Hamburg Media School war in diesem Jahr “Mit im Bund” von Lukas Nathrath zu sehen. Im Film wehrt sich eine junge Offiziersanwärterin gegen die Anzüglichkeiten eines Kameraden. Großartig gecastet und inszeniert mit einem runden Drehbuch.

You‘re Welcome (Rebecca Panian)

Die Jury – zu der ich ebenfalls gehörte – votete in der Kategorie „Von Mensch zu Mensch“ diesen sehr zeitgeistigen Film, mit einer starken politischen Aussage zum Sieger. Eine Frau sitzt in einem Café. Alle scheinen nette Menschen zu sein, doch plötzlich verfallen die Gäste in rassistische Bemerkungen, als draußen ein Flüchtlingskind bettelt.

 

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You’re welcome

Follower (Jonathan Benedict Behr)

Der mit einfachsten Mitteln hergestellte Blair-Witch-Project-WhatsApp-Thriller gewann den Preis in der Kategorie Kunstfilm, da er es schafft, bis zum Schluss den Zuschauer zu packen, trotz Konzentration auf einen Messenger-Verlauf.

More than Pinguins (Elizaveta Snagovskaia, Michael Reber)

Als Vertreter der HFF München war der Schweizer Filmemacher Michael Reber persönlich angereist, um seinen Film vorzustellen. Im Dokumentarfilm arbeitet er mit seiner Filmpartnerin den Falkland-Krieg auf und schafft es, dass die Zuschauer tief in die Seele der Falkländern blicken können.

Ionela (Christoph Lacmanski)

Der Kurzfilm zeigt die Befreiung eines minderjährigen Mädchens aus der Zwangsprostitution. Hohe Spannung und ein wichtiges Thema führten diesen Film in das Programm des Festivals.

 

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Irgendwer

Irgendwer (Marco Gadge)

Der Kurzfilm beschäftigt sich mit der wahren Geschichte einer jungen Frau im zweiten Weltkrieg. 1945, die rote Armee ist in die Stadt einmarschiert. Es kommt zu einem furchtbaren Verbrechen, aber irgendwie muss dem Wahnsinn endlich ein Ende gesetzt werden.

Desweiteren wurden „Das sprichwörtliche Glück“ (Dave Lojek), „Liebesbrief“ (Marcus Hanisch) sowie „Morgen kommt kein Weihnachtsmann“ (Anna Ludwig) gezeigt, die das Programm durch ihren hohen Unterhaltungswert auflockerten.

„Das Festival hat in allen Bereichen meine Erwartungen erfüllt. Unterhaltsame Filme, anwesende Regisseure und Schauspieler, wichtige Netzwerkpartner aus der Region und zufriedene Sponsoren. Somit sind wir bestätigt worden, dass wir mit der Idee auf dem richtigen Weg sind“, sagt Kurator Dietmar Baum. Und in der Tat fühlten sich sowohl Gäste als auch Filmemacher sehr wohl in der familiären Atmosphäre des Glückscafés.

Mehr Informationen zum Baltic Filmart Festival gibt es hier.

Ein Interview mit Dietmar Baum aus dem Jahr 2017 findet ihr hier.

 

Instagram-Bilder vom Baltic Filmart Festival

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