Baltic Filmart Festival – Im Gespräch mit Kurator Dietmar Baum

Alles begann mit einem alten Industrie-Gebäude, in das sich der Künstler Dietmar Baum vor ein paar Monaten verliebte. Da, wo direkt am Hafen an der Lübecker Bucht einst der Vater von Karl Lagerfeld Dosenmilch produzierte, wurde der Neu-Schleswig-Holsteiner zu der Idee inspiriert, ein Festival für junge Kurz- und Kunstfilme zu schaffen: das Baltic Film Art Festival.

 

Herr Baum, Sie sind Initiator und Kurator des neuen Baltic Film Art Festivals in Neustadt in Holstein. Warum liegt es Ihnen am Herzen, an der Lübecker Bucht ein neues Filmfestival zu etablieren?

Wo ich bin, kann ich nicht still stehen. Ich rieche die kreativen Potentiale und Möglichkeiten in meinem Umfeld und bin ein Macher, der gerne im Team Ideen umsetzt. Es bedurfte eines Anstoßes. Eine Anfrage, einen Youtube-Abend in meinen Räumen zu veranstalten, brachte den Stein ins Rollen. Ich liebe den Film. Die Möglichkeiten eine Welt konstruiert und meisterhaft situativ in Szene gesetzt, zu genießen ist etwas großARTiges. Hier in der Lübecker Bucht in den alten Glückskleehallen bietet sich eine hierfür besondere Umgebung – Industriehallen direkt am Hafen mit der Aussicht auf die Altstadt.

 

Eine der Kategorien Ihres Festivals ist „Mehr Meer“. Was verbinden Sie mit Meer und Wasser?

Das Meer ist die Reflektion unserer Sehnsüchte und Wünsche. Ein LebensRaum der bedeutungsvoll für unsere Zukunft ist, wohlgleich ein Quell für Inspirationen und Ideen von zart bis hart.

 

Sie leben seit einem Jahr in Schleswig-Holstein. Was schätzen Sie an Land und Leuten und vor allem an der Kulturszene?

Ich erlebe die Menschen hier als sehr nett und offen. Generationsübergreifend und entspannt. Mich inspiriert die Küste und auch das Hinterland, welches für künstlerische Projekte viele Perspektiven bietet. Kulturszene klingt immer so spießig und befremdlich; das kulturelle Miteinander erschließt sich vielseitig. Schnittstellen, Motivation und Angebote sind in den ländlichen Regionen stark beschränkt, vor allem was die Jugendkultur betrifft.

Im Zeitalter der Digitalisierung muss sich über den Bereich der Kultur intensiver Gedanken gemacht werden, nicht nur hier im Norden, sondern in allen Regionen. Ich habe gerade an einem lokalen Gymnasium einen Video/Foto-Workshop gemacht. Toll, aber auch bemerkenswert war die dankbare und fruchtbare Ausarbeitung der gestellten Aufgaben. Junge Menschen müssen an kulturelle Aktivitäten und Werte herangeführt werden. Es gibt viel zu wenig Angebote, beklagen sie. Ein Plus für Facebook und Co. Aber es gibt auch Impulse aus den neuen vernetzten Bereichen, besonders im Film.

 

Schleswig-Holstein tut sich als Flächenland noch immer schwer, seine Kulturszene zu vernetzen. Ist das in anderen Bundesländern ähnlich?

Ich erinnere, dass es vor Jahren, als es das Rockbüro NRW noch gab (Vorläufer von Viva), in meiner alten Heimat NRW auch eher mau um die Kulturszene stand. Durch den Strukturwandel des Ruhrgebiets hat man jedoch viele Bereiche kommunikativ zusammengebracht. Das wünsche ich mir für SH auch. Es wird halt im Norden schnell der Eindruck vermittelt: Hamburg und der Rest. Aber ich bin auch noch nicht tief in die einzelnen Bereiche eingetaucht, sodass mein Eindruck durchaus noch unvollständig ist.

 

Was erwartet die Zuschauer und Filmemacher vom 29. September bis 01. Oktober 2017 beim Baltic Film Art Festival in Neustadt an der Lübecker Bucht?

Ich kann sagen, dass wir in den ersten Wochen schon über 100 Filme aus der ganzen Republik bekommen haben. Und ich meine echt tolle Filme! Ich bin dabei, das Programm in den drei Kategorien (Mehr Meer, Mensch zu Mensch, Kunstfilm) zusammenzustellen. Es werden an drei Tagen in drei dafür eingerichteten Programmkinos über 60 Filme gezeigt; hierbei wird das Glückscafé am Neustädter Hafen zum Festivalzentrum. Da es das erste Festival ist, sind alle Besucher eingeladen, sich die Filme kostenlos anzuschauen. Gemeinsam mit der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht, die als Veranstalter fungiert, gibt es ein buntes Programm rund um das Filmfestival.

Wir möchten das Publikum in den nächsten Jahren auch stärker in die Welt hinter die Kulissen führen. Dazu gehören Aussteller von Hard- und Software sowie Workshops und Aktionen. Aussteller und Anbieter von Workshops dürfen sich gerne unter info@balticfilm.de melden. Natürlich sollen auch gutes Essen und Partys nicht zu kurz kommen. Wir sind ganz am Anfang und hoffen, dass viele Filmemacher und Liebhaber, Schauspieler, Maske, Stylisten, Drehbuchautoren, Techniker, Kameraleute – also alle Macher der Filmszene – zusammenkommen und es zu ihrem Netzwerk und Filmfest machen.

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