Baltic Sea in Motion – SH empfing baltische Filmemacher auf der Berlinale

Die internationalen Filmfestspiele Berlin, kurz die Berlinale, bieten Filmemachern aus aller Welt eine gute Möglichkeit sich zu vernetzen. Diesen Anlass des Zusammentreffens nutzte das Land Schleswig-Holstein und die freie Hansestadt Hamburg, um ein Forum ins Leben zu rufen, das gezielt Filmemacher aus dem Baltikum miteinander vernetzt. Seit 2012 lädt daher die schleswig-holsteinische Landesvertretung gemeinsam mit der Filmwerkstatt Kiel, der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und den Nordischen Filmtagen Lübeck jährlich im Rahmen der Berlinale alle Medien und Filmschaffende aus dem Ostseeraum zum Empfang ein. In diesem Jahr eröffnete Arne Sommer (Filmwerkstadt Kiel) das baltische Forum. Abseits der „Baltic Sea in Motion“ nahm er zusammen mit Martina Binder (Filmwerkstatt Kiel) an einer Konferenz teil, die sich mit Weiterentwicklung und Unterstützung von jungen Filmtalenten befasste. Anschließend übergab er das Wort an den Gesprächsleiter Steen Lorenzen (Radio Eins). Gäste der Podiumsdiskussion waren Astra Zoldnere, Regisseurin aus Lettland, Alanté Kavaïté, Regisseurin aus Litauen sowie Filmstudent Jürgen Moor aus Estland und Ehrengast Jan Erik Holst, norwegischer Autor und „Botschafter des norwegischen Filmes“. Gemeinsam diskutierten sie über regionale Identitäten im Film.

In Alanté Kavaïtés Film „The Summer of Sangaile“ (Preis für beste Regie auf dem Sundance Film Festival, Utah 2015) erzählt von einer 17jährigen, die vom Stunt-Fliegen träumt. „Die Litauer sind besessen vom Fliegen“, sagt Alanté. Doch bei der Produktion des Films musste sie schnell feststellen, dass ihre neue Wahlheimat Frankreich viele Schranken auferlegt, wenn es um Filmförderung geht. „Frankreich fördert nur Filme, die auf französisch gedreht werden oder in Frankreich spielen. Erfüllt dein Film diese Kriterien nicht, wirst du allein gelassen. Das Thema Fliegen ist kein typisch französisches Thema. Mir sagten viele, ich solle doch einfach den Drehort und die Sprache ändern, um die Förderung zu bekommen. Aber das wollte ich nicht. Denn es geht um litauische Identität, um die Findung von sich selbst und das Erwachsenwerden“.

Astra Zoldnere, diesjähriges Jurymitglied beim Filmfest Schleswig-Holstein, sprach über ihre preisgekrönte Dokumentation „Treasures of the Sea“. „Dieser Film entstand innerhalb eines Wettbewerbes zum Thema „Kulturelle Identität der Ostsee“. Die Dokumentation soll die Co-Existenz zwischen dem aussterbendem Beruf Fischer und den großen Unternehmen zeigen. „Wir wollten es zeigen, solange es noch da ist. Es geht um Nostalgie über eine aussterbende Kultur“, erklärt Astra.

Auf die Frage, ob es eine regionale Identität bei den jungen Filmemachern gibt, antwortete Jan Erik Holst: „Die jungen Filmemacher machen ihre eigene, neue Identität. Eine post-russische, post-Tschaikowsky-Identität“. Die Entwicklung die Jan Erik Holst beobachte, zeige, dass die Filmförderung der baltischen Region sehr eifrig und clever dabei sei, die eigenen Filme voranzutreiben. In seinem Buch „Stork flying over Pinewood. Nordic-Baltic Film Cooperation 1989 – 2014“ setzt er sich unter anderem damit auseinander, wie sich das Filmschaffen in den baltischen Republiken entwickelt und die nordisch-baltische Kooperation entfaltet hat. Seine These „Das Baltikum ist der neue Norden. Es geht gerade erst richtig los“.

Von Entwicklung und neuen Kooperationen berichtet auch Jürgen Moor, Filmstudent im dritten Lehrjahr an der internationalen Baltic Film and Media School in Tallinn. „Wir arbeiten mit über 30 Partnerhochschulen in Europa und China zusammen und auch unsere Professoren und Lehrer sind international.“ Auf die Frage, ob Jürgen seine estnische Umgebung mit anderen Augen sieht, seitdem er Film studiert antwortet er: „Wir Filmstudenten fühlten uns oft unter Druck, wenn es darum ging mit anderen Ländern mithalten zu wollen und wussten oft nicht, wie wir an Themen heran gehen sollten, gerade wenn es um Identität und regionale Themen ging. Einer von unseren Lehrern, Produzent und Filmemacher, kommt aus Ungarn und sagte uns immer „Bleibt euren Wurzeln treu“. Dies half uns und so entstanden viele neue estnische Kurzfilme. Mit dem Medium Film gehen wir in der Geschichte „zurück“ und setzen uns mit unserer Identität auseinander. Und das liebe ich sehr“.

Am Ende der Podiumsdiskussion gab es nicht nur die Möglichkeit, das Buch von Jan Erik Holst zu einem Festivalpreis zu ergattern, sondern die Gespräche bei Speis‘ und Trank im Foyer der Landesvertretung Schleswig-Holstein weiter zu vertiefen und gezielter auf einander zu zu gehen.

Eröffnung durch Arne Sommer, Filmwerkstatt Kiel
Podiumsgesprächleiter: Steen Lorenzen (Radio Eins Moderator)
Gäste: Astra Zoldnere (Lettland)
Alanté Kavaïté (Litauen)
Jürgen Moor (Estland)
Special Guest: Jan Erik Holst (Norwegen)

ein Bericht von Olga „Gina“ Wanner

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