„Morgen bin ich Barbara“ – Im Gespräch mit Bernhard Kempen

Bernhard ist ein Berliner Autor und Übersetzer mit Doktortitel. Barbara ist eine fetzige Kabarettistin und Sängerin. Und Bernhard ist Barbara.

Ein Bericht von Samuel Bereuther

Gestern hatte ich beim Transgender Filmfestival das Glück, den 46-Jährigen Berliner nach der Vorstellung von Mädchenseele vor dem Kino abzufangen und ihm ein paar Fragen zu stellen. Bernhard ist hier, um seinen Film „Cross Over“ beim Kurzfilmprogramm am Freitag vorzustellen.

Für Bernhard begann es vor neun Jahren, als er von Freunden auf eine Party eingeladen wurde. „Ich hatte irgendwie Lust, etwas Anderes auszuprobieren, also habe ich mir an dem Tag neue Klamotten gekauft und bin zur Party als Frau erschienen.“ Aber mit diesem Abend sollte es nicht zu Ende sein, denn wie es das Schicksal wollte, erschien ihm Barbara. „Da merkte ich: ‚Moment, da steckt doch irgendwie mehr dahinter‘, ich spielte nicht nur eine Rolle.“ Somit entdeckte Bernd seine zweite Identität als Frau. Seitdem erscheint er in der Öffentlichkeit mal in Frauen-, mal in Männerkleidung. Neben seiner Hauptbeschäftigung als Schriftsteller hat er das transerotische Kabarett für sich entdeckt.

 


Selfie mit Bernhard (links)

 

Der 46-Jährige ist sich dabei einer gewissen politischen Verantwortung bewusst. „Ich habe das Privileg, in einer geschützten und toleranten Umgebung aufgewachsen zu sein. Anderen Menschen, auch jüngeren, die sich ihrer sexuellen Identität noch nicht sicher sind, wird vielleicht nicht das gleiche Glück zuteil.“ Mit seiner Arbeit verfolgt Bernhard deswegen auch eine aufklärerische Absicht. Er möchte durch seine Filme ein Zeichen setzen, dass die Schwelle zum anderen Geschlecht kleiner ist, als man denkt, und dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau manchmal nur in einer millimeterdünnen Textilschicht liegen – Kleider machen eben Leute.

Und worum geht’s in „Cross Over“? Da möchte er natürlich nicht zu viel verraten. Sagen wir mal soviel: Es wird intim, verrucht, mit einem ironischen Twist. Man kann gespannt sein! Wenn ihr Bernhards Film sehen wollt, schaut am Freitag, den 28.4. um um 20:30 im Traum-Kino vorbei. Bis Mittwoch könnt ihr noch das Programm des fünften Kieler Transgender Filmfestivals genießen. Klickt auf den Link und erfahrt mehr zum Kinoprogramm!

Programmübersicht zum Festival: http://traumgmbh.de/events/5-transgender-filmfestival/
Barbaras Facebook-Seite: https://www.facebook.com/BeingBarbara

Schreibe einen Kommentar