Tatort kiel

Borowski und das Haus am Meer- Kieler Tatort Rezension

Letzen Sonntag, den 15.12.2019 wurde ein neuer Kieler Tatort mit Kommissar Borowski und seiner Kollegin Mila Sahin ausgestrahlt. In „Borowski und das Haus am Meer“ versucht das Ermittler-Duo einen Drei-Generationen Konflikt zu entwirren und gleichzeitig einen Mord aufzuklären. Neben einer Leiche am Strand und dunklen Familien-Geheimnissen, kommen auch noch tiefe menschliche Abgründe zum Vorschein.

Rezension von Merle Dölle

Eine Familie und ihre Tragödien

Ein Junge läuft Klaus Borowski (Axel Milberg) und Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) eines Nachts in einem Waldstück vors Auto. Der Achtjährige Simon (Anton Peltier) ist sichtlich verwirrt und berichtet, dass sein Opa Heinrich (Reiner Schöne) von einem Hund angefallen worden wäre und er von einem Indianer beschützt worden sei.

Weder vom Hund noch vom Indianer gibt es eine Spur. Lediglich der Opa wird einen Tag später tot am Strand vergraben gefunden. Bei den Ermittlungen stoßen die Kommissare auf einen wirren Drei-Generationen-Konflikt der Familie des toten Großvaters. Er selbst hat seinen eigenen Sohn, heute ein frommer Pfarrer, verstoßen, weil er selbst versucht hatte, das nationalsozialistische Erbe seines Vaters zu verarbeiten. Fortan lebte er in einer Hippie-Kommune auf einem Segelschiff und gründete eine Schule mit radikal antiautoritärer Erziehung. Aus Pflichtgefühl nimmt Sohn Johann Flemming (Martin Lindow) den an Alzheimer erkrankten Vater wieder bei sich auf, worunter seine Beziehung zu seiner Frau Nadja (Tatiana Nekrasov) und seinem Sohn leidet.

Doch wer hat den Mord begangen? Und was hat es mit dem geheimnisvollen Indianer auf sich? Borowski glaubt, dass der kleine Simon etwas gesehen hat.

Ein Film wie ein Schuldgeständnis

Der Tatort von Drehbuchautor und Regisseur Niki Stein („ Der Mann im Strom“, „ Die Frau aus dem Meer“) macht es dem Zuschauer zunächst schwer, die Zusammenhänge zu durchschauen. Durch Rückblenden in die Vergangenheit der Protagonisten versucht er sie den Zuschauern deutlich zu machen: Da ist ein Vater, der Angst hat die nationalsozialistischen Züge seines Vaters fortzusetzen und will deshalb selbst keine Kinder in die Welt setzen, wodurch er seinen eigenen Sohn verstößt. Dieser findet Halt im Glauben, dem er seinen Sohn auferzwingt.

Am Ende geht hier nur um Schuld, die sich durch jede Generation zu ziehen scheint. Immer ist alles nur gut gemeint. Der Film spielt auch mit mystischen Elementen, wie das plötzliche Erscheinen eines Indianers und eines wolfähnlichen Hundes, für die es jedoch am Ende eine ganz einfache Erklärung gibt.

Ein gelungener Tatort?

„Borowski und das Haus am Meer“ stiftet ordentlich Verwirrung und stellt die Geduld der Zuschauer mächtig auf die Probe. Sind die Zusammenhänge jedoch einmal klar, so ist der Film im Nachhinein betrachtet gar nicht so übel, wie er zunächst scheint. Jedoch ist die teils weniger spannende Führung durch die zunächst komplizierte Handlung, wie alles im Film, nur gut gemeint.

Kommissar Borowski macht den Anschein, als hätte er nur wenig mit dem Fall zu tun und wirkt in der ganzen Geschichte eher wie ein Nebendarsteller. Dennoch lohnt es sich, den Kieler Tatort einzuschalten, wenn man bereit ist, sich auf verstrickte Handlungsstränge einzulassen.

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