Making of: Ich habe einen Traum!

Wenn weitgereiste Flüchtlinge warm, trocken und satt untergebracht wurden, sind sie hier noch lange nicht angekommen. Dazu zu gehören setzt voraus, die deutsche Sprache zu können und soziale Kontakte, Freundschaften in der neuen Heimat zu finden. Die Kieler Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten e.V. hatte die Idee, Flüchtlinge zu fördern und ihre Geschichten von Flucht und Vertreibung jungen Menschen näher zu bringen: In einem interkulturellen Theater- und Begegnungsprojekt lernen sich Schülerinnen, Schüler (SuS) und junge, meist afghanischen Flüchtlinge kennen und entwickelten ein gemeinsames Theaterstück. Das über neun Monate vom Dokumentarfilmer Fredo Wulf filmisch begleitete Projekt ist ein Experiment, da die Flüchtlinge nur wenig Deutsch sprechen und die SuS keine Erfahrungen mit Migranten haben.

Drei Theaterleiterinnen strukturieren die Treffen und ermuntern die TeilnehmerInnen, sich Geschichten und Szenen auszudenken und helfen bei der Umsetzung. Bei den ersten nonverbalen Kennenlernspielen und dem zunächst zaghaften Abtasten wird eine Annäherung beider Gruppen erlebbar. Die Flüchtlinge thematisieren ihre noch präsenten Erlebnisse der Flucht nach Europa. In den entwickelten Szenen geht es um erlittene Gewalt durch die Grenzpolizei, der Fahrt in überfülltem Boot über das Meer oder dem Miterleben vom Sterben anderer Flüchtlinge. Die SuS hingegen träumen von einer gelungenen Karriere als Boxerin oder Modedesigner und wünschen sich eine spannende Weltreise. Angesichts der Schicksale der Flüchtlinge machen sich die SuS Gedanken über ihr eigenes von Wohlstand und Frieden geprägtes Leben. Und je näher die Premiere rückt, desto hektischer und schneller werden die Proben am immer noch nicht fertigen gemeinsamen Stück…

Fredo Wulf. D 2014. 65 Min.

Shoki-Night: Vom Filmriss zum Ampelmann

Kiel im Januar ist grau und kalt. Die perfekte Zeit also, um sich in die warmen Kinosessel zu kuscheln und Kurzfilme zu schauen. Das dachten sich auch Christoph Zickler und Jessica Ullrich, die am 22. Januar zur ersten Shoki-Night ins Studio Filmtheater am Dreiecksplatz luden.

Der Studiengang Multimedia Production ist seit langem fester Bestandteil des Fächerangebots der FH Kiel. Zwei Masterstudenten suchten nach einem Forschungsprojekt und kamen unabhängig voneinander auf die Idee, einen Kurzfilmabend zu organisieren. „Jessica kam auf mich zu, um die Idee vorzustellen. So war schnell klar, dass wir das gemeinsam angehen“, erklärt Christoph Zickler filmszene-sh.de, „auf der Suche nach Vorbildern stellten wir fest, dass fast keiner der Veranstalter im Vorwege über die Filme, die gezeigt werden sollten, berichtete. Der Kurzfilm-Abend als Event war das gängige Konzept. Manche Veranstaltungen erschienen auch eher Kultur-Events und keine Unterhaltungsabende zu sein. Wir wollten Unterhaltung! Und so machten wir Unterhaltung.“

 

Eine Webseite und ein Trailer sollten Neugier wecken und den Fokus auf die Filme richten. „Da es bei einem Kurzfilmabend stets mehr als um nur einen einzigen Film geht und der Abend als Ereignis daher auch nicht ganz außer acht gelassen werden kann, standen wir vor der Herausforderung, einen Weg zu finden, sowohl die Filme als auch den Kurzfilmabend an sich als Ereignis zu präsentieren.“ Heraus kam die Shoki-Night mit einem durchaus sehr sehenswerten Programm. filmszene-sh.de hat die gezeigten Kurzfilme genauer unter die Lupe genommen.

 

Der Untermieter (D 2009, Max Zähle)


Wohnungen in Berlin sind rar. Warum also nicht ein bisschen Geld nebenher verdienen und die Abstellkammer an einen verzweifelten Untermieter vermieten? Doch Vorsicht. Dieser Herr ist schlauer, als das Vermieter-Paar gedacht hätte. Witzige Komödie über Dreistigkeit.

 

Lost in Kiel (FH Kiel 2014)


Der WG-Einstand von Lana wird ordentlich gefeiert, doch am nächsten Morgen kommt der Schock. Lana ist weg! Bei dem Versuch, den vorigen Abend zu rekonstruieren und Lana so wiederzufinden, klappern die WG-Mitglieder die halbe Stadt ab und erinnern sich Stück für Stück an die letzte Nacht. Ein Hangover mit witzigen Momenten zum Schmunzeln. Leider mit einem zu konstruierten Konflikt und klischeebeladenen Nebenfiguren.

 

Antje und wir (D 2007, Felix Stienz)


Acht Menschen erzählen von ihrer Begegnung mit Antje. Im Interviewstil geschnitten entblätterte sich das spannende Psychogramm der jungen Frau. An manchen Stellen jedoch zu vorhersehbar.

 

Ampelmann (D 2010, Giulio Ricciarelli)


Eine einspurig befahrbare Brücke, eine Polizeistation und ein gelangweilter Polizist. Eine neue Ampel soll etwas Leben in den öden Alltag des Dorfpolizisten bringen. Ein genialer Schabernack über Pflichtversessenheit und der Sehnsucht des Menschen nach einer erfüllenden Aufgabe.

 

Rotkäppchens Fahrrad (D 2014, FH Kiel)


Acaralp – ein junger Architekturstudent aus der Türkei – möchte ein Auslandssemester in Kiel absolvieren, um seinen Abschluss nachzuholen. Doch die wortkargen Norddeutschen machen ihm das Leben schwer. Dabei kann er ihnen bei einem ganz konkreten Problem helfen. Ein schönes Märchen aus der Ostseestadt, das nix weiter will, als schön zu sein. An einigen Stellen verläuft sich der Film jedoch zu sehr in Umgebungsaufnahmen und wird gerade zum Ende hin den Anschein eines Werbefilms nicht los. Die schönen Impressionen aus der Landeshauptstadt machen ihn trotzdem sehenswert.

 

Steinfliegen (D 2009, Anne Walther)


Steinfliegen können nicht fliegen. Doch Ferdis größter Wunsch ist es, fliegen zu können. So macht sich der kleine Steinfliegenjunge auf die Reise, um es zu lernen. Eine nette kleine Kindergeschichte.

 

Maries Lächeln – Distant Memory (D 2006, Michael Schäfer)


Die kleine Marie trifft in der NS-Zeit auf einen jüdischen Straßenclown, der Luftballons für ein Lächeln verschenkt. Marie kann seinen Wunsch anfangs nicht erfüllen, doch dann ist es zu spät. Es scheint, als bleibe sie ihm ihr Lächeln für ewig schuldig. Geschichten aus der NS-Zeit gibt es am Sand am Meer, doch dieser Kurzfilm schafft es, das Herz des Zuschauers mit seiner Menschlichkeit tief zu berühren.

Highlights der jungen Filmszene SH | Nachbericht

Seit einigen Jahren unterstützt die HypoVereinsbank die Werkschau junger Filmemacher im Traum-Kino Kiel. Unter Leitung von Andreas Steffens erlebten die Zuschauer einen gemütlichen Abend mit interessanten Diskussionen über die Filme. Beinah alle Filmemacher waren anwesend und stellten sich den neugierigen Fragen des Publikums.


Margareta Kosmol im Gespräch mit Andreas Steffens

Kurzfilme sehen oder nicht. Das fällt an einem Tag, an dem die Anti-Pegida Großdemo mit 11.000 Teilnehmern in Kiel stattfindet natürlich schwer. Und verständlicherweise waren die Zuschauer nicht so zahlreich erschienen, wie es in den letzten Jahren der Fall gewesen war. Dennoch entpuppte sich der Abend für alle Anwesenden als gelungen, denn das Publikum nutzte während und nach der Veranstaltung die Gelegenheit, ausführliche Gespräche über die hiesige Filmszene und die gezeigten Kurzfilme mit den Filmemachern zu führen.


Oliver Boczek

So traf man auf Torben Sachert, Kameramann und leidenschaftlicher Schauspieler, der seinen Musical-Comedy-Film „Mopping“ zeigte. Oder die junge Filmemacherin Margareta Kosmol, die trotz ihrer 15 Jahren erstaunliche Kurzdokumentationen produziert und „Rot=Grün“ vorstellte. Kaweh Kordouni – „Aground: Terra 9629“ – und Maria Reinhardt – „Feuer, Wasser, Erde, Luft und Zeit“ – konnten leider nicht anwesenden sein, dafür war Oliver Boczek gekommen, mit seinem Film „Spoiler“ im Gepäck. Neben meinem (Jessica Dahlke) eigenen Kurzfilm „Eis“, feierte außerdem der erste Kurzfilm der Comedygruppe „The Flying Discman“-Premiere. Viele der Kurzfilme wurden bereits auf filmszene-sh.de besprochen und sind entsprechend verlinkt. Die restlichen drei wollen wir euch hier vorstellen.

„Rot = Grün“ von Margareta Kosmol


„Wenn man in Armenien ist, fällt auf, dass alle Taxifahrer immer die gleiche Geschichte erzählen. Daraus wollte ich einen Film machen und habe einige Taxifahrer gecastet“, so Margareta Kosmol. Dabei ist sie auf Armen Hovhannisjan gestoßen. Seine Geschichte ist die des kleinen Mannes und der großen Welt der Wohlhabenden. Eine Reise in ein Land, in dem alles mit Geld kaufbar ist. „Für uns ist Rot Rot. Für die ist Rot Grün und Gelb auch Grün“, erklärt Hovhannisjan der jungen Deutschen mit armenischen Wurzeln. Ein überraschend kapitalismuskritischer Film, rund erzählt.

„Verkorkt“ von The Flying Discman

Ähnlich kritisch geht es auch im Comedy-Kurzfilm „Verkorkt“ zu. Sechs nicht weiter benannte Menschen treffen sich zu einem edlen Abendessen. Doch statt sich auf die dampfenden Kartoffeln und den Hummer zu stürzen, müssen sie sich erst den ganzen Stolz des Gastgebers ansehen. Ein Gagdet, das ihnen ziemlich bald die Laune verderben wird und für viele Lacher unter den Zuschauern sorgt. Die Comedy-Gruppe „The Flying Discman“ gibt es seit vier Monaten. Geplant sind episodenhafte Comedy-Filme mit kurzen und längeren Sketchen, die im Internet veröffentlicht werden sollen.

„Spoiler“ von Oliver Boczek


Jeder kennt sie, keiner liebt sie. Menschen, die aus Überschwang oder Dummheit wichtige Details aus Filmen oder Serien verraten. Im Kurzfilm von Oliver Boczek hat Kurt Berger eine Geschäftsidee daraus gemacht. Der selbsternannte Spoiler knöpft den Besuchern mit geschäftstüchtiger Seriosität Geld für nicht verratenden Enden und Details ab. Schön erzählt.


Torben Sachert mit filmszene-sh-Autorin Jessica Dahlke

„Konflikte am Set“ Nachbericht vom Stammtisch

Warum entstehen Konflikte am Set? Und wie löst man sie bzw. beugt ihnen vor? Über diese und andere Fragen diskutierten am 20. Januar Filmemacher, Studenten der FH und ein Schauspieler aus Kiel im Studio Filmtheater. Ein Bericht.

Technische Probleme, miese Laune und lange Diskussionen, die in einem handfesten Streit enden. Das kann keiner am Set gebrauchen. Bei Extrembedingungen wie Zeitdruck, schlechtem Wetter oder anderen Stressfaktoren lassen sich Konflikte nicht immer vermeiden. In den meisten Fällen lösen sich die Spannungen jedoch schnell auf, wie die anwesenden Filmemacher zu berichten wissen. Eingespielte Teams wissen, dass sie viel kommunizieren müssen und eine ausgeprägte Empathie füreinander brauchen, um nicht jedes übellaunige Kommentar auf die Goldwaage zu legen.

 

Viele Konfliktquellen ließen sich von vornherein umgehen. Besonders anstrengend sei es, wenn aufgrund schlechter Vorbereitung oder mangelnder Führung (alle führen Regie) Drehtage verschleppt werden. Zu den Klassikern gehören gerade bei unerfahrenen Teams lange Diskussionen über einzelne Einstellungen am Set oder über unterschiedliche künstlerische Vorstellungen. Wenn Regie, Kamera, Drehbuch oder Hauptdarsteller gegenseitig ihre Vorstellungen durchboxen wollen, bedeutet das für alle anderen unnötige Warterei, manchmal sogar stundenlang. Daher sollte schon vor Drehbeginn klar sein, wie der Film aussehen soll. Locationbesichtigungen, eine Auflösung, ein Storyboard und Vorgespräche mit den Schauspielern gehören nicht umsonst seit Beginn der Filmgeschichte zu den wichtigsten Instrumenten des Filmemachens. Auch das klare Abstecken einer Hierarchie ist wichtig, denn spätestens am Set merkt jeder, dass letztendlich nur einer Regie führen kann und Basisdemokratie hier nicht funktioniert.

Wer sein Team und seine Schauspieler auch für Folgeprojekte wieder buchen möchte, sollte zudem den Drehtag gut planen. Ein Drehplan legt fest, welche Szenen wann gedreht werden. Er gibt zudem einen guten Überblick darüber, wann wer gebraucht wird. Für jeden Schauspieler ist es ärgerlich zwischen seinen Szenen stundenlang Pause zu haben. Ähnliches gilt für das Team. Ist von vornherein klar, dass zum Beispiel der Ton nicht gebraucht wird, so sollte man ihn frühzeitig nach Hause schicken. In einem der genannten Negativbeispiele hatte ein Tonmann mit seiner Assistentin sieben Stunden am Set gewartet, bis er zum Einsatz kam. Auch Umbauarbeiten und das Setzen von Licht brauchen Zeit, die gut eingeplant werden muss. Hier kann durch eine effiziente Organisation der Drehabfolge viel Zeit gespart und die Nerven des Teams geschont werden. Zuletzt ist Pünktlichkeit sehr wichtig. Jeder, der zu spät kommt, sollte sich bewusst machen, dass ein ganzes Team auf ihn warten muss.

 

Zu einem konfliktfreien Drehtag gehört zudem gegenseitiger Respekt. Niemand am Set ist ein Lakai, sondern ein vollwertiges Mitglied, das seine ihm zugeteilte Aufgabe erfüllt. Sprüche wie: „Jetzt müssen wir die Leute nochmal ordentlich treten.“ gehören in die Armee und nicht an ein Filmset. Genauso ist divenhaftes Verhalten völlig fehl am Platz. Wer glaubt, alle müssten sich der künstlerischen Vision des Einen unterwerfen, sollte lieber Romane schreiben.

Filmarbeit ist Teamarbeit. Das bedeutet, dass sich niemand zu schade ist, auch niedere Arbeiten zu erledigen bzw. sich nach Arbeit umsieht, wenn er gerade nichts zu tun hat. Ein solches Verhalten sorgt für gute Stimmung am Set und erzeugt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Das Wichtigste jedoch gegen schlechte Laune und Konflikte am Set sei ein gutes Catering. Das sei wie in der Seefahrt, denn wenn alle in einem Boot sitzen, ist gutes Essen unerlässlich, so die Filmemacher am Schluss der Diskussionsrunde.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Diese Seite verwendet Google Analytics. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen