Patrick Templin über sein Filmprojekt P.U.L.S.E.

Patrick Templin dringt mit seinem neuen Serienprojekt P.U.L.S.E. in die Untiefen der menschlichen Psyche ein. Wir haben ihm dazu einige Fragen gestellt und wollten von ihm wissen, was ihn an der Filmproduktion im hohen Norden reizt.

Interview von Kim Kevin Weinbach

Hallo Patrick, erzähl uns doch mal worum es bei P.U.L.S.E. eigentlich geht?

Erst einmal ist wichtig zu sagen, dass das Projekt als Serie gedacht ist. Unsere Hauptfigur ISI (gespielt von LIZ GREENE) hat schwere Schicksalsschläge zu erleiden. Sie wird von ihrem Partner mit ihrer besten Freundin betrogen, erleidet eine Fehlgeburt und fliegt von der Uni. Dann streiten sich ihre Eltern an ihrem Geburtstag und daraufhin entscheidet sie sich, sich das Leben zu nehmen. Sie wird jedoch von einem unbekannten Mann gerettet und überlebt den Zwischenfall. Um nicht in die geschlossene Psychatrie zu müssen, entscheidet sie sich an einer experimentellen Behandlungsstudie teilzunehmen, die sich P.U.L.S.E. nennt und von einem Doktor van Maast geleitet wird. Bei PULSE (also dem Prosocial Uniting Life Stabilization Experiment) sollen junge, suizidgefährdete und depressive Menschen in einem mehrstufigen Programm langsam wieder
gesellschaftsfähig gemacht werden. Leider geht jedoch einiges schief und schließlich geschieht auch noch ein Mord. Ich will jedoch nicht allzuviel verraten.

Der Trailer ist inzwischen international erfolgreich. Wo genau?

Da viele deutsche Festivals im Serienbereich immer nur screenen, wenn es bereits ganze Folgen gibt, habe ich mich dazu entschlossen, erst einmal nur auf internationalen Festivals einzureichen. Mittlerweile lief der Trailer schon in sovielen Ländern, z.B. Hollywood (iffnoho), England (TMC London Filmfestival), Transsilvanien, Ukraine. Weiterhin sind wir auf dem TMFF und kürzlich in Israel auf dem Near Nazareth Festival gelaufen. Beim Broken Knuckle Film Fest (Greetz to the Guys from BKFF) haben wir sogar den Preis für den „am meisten erregendsten“ Trailer gewonnen.

Du hast ja nicht nur Regie geführt sondern auch mehrere Posten bei der Produktion bekleidet. Was genau waren deine Aufgaben?

Ich habe zu dem Zeitpunkt des Drehs noch alles aus meiner eigenen privaten Tasche finanziert, wobei auch hierbei Liz (Hauptdarstellerin und Co-Autorin) einen großen Teil beigetragen hat. Ich habe insgesamt natürlich Regie geführt (unter super Unterstüzung meines D.O.P. Guido Möller) und war einer der Hauptproduzenten. Ebenso habe ich mit Liz Greene zusammen das Drehbuch zum Pilotspielfilm und weitere Drehbücher verfasst.

Zum Cast gehört ja u.a. auch Mika Metz (von dem ich ein riesiger Fan bin) ein sehr erfolgreicher Schauspieler, den viele aus „The Curse of Doctor Wolffenstein“ , „La Petite Mort 2“ , „Raw3“ und vielen anderen erfolgreichen Filmen kennen . Wie hast du es geschafft, ihn für die Rolle zu begeistern?

Ich hatte für den Dreh auf verschiedenen Plattformen nach Darstellern gesucht und Mika hatte sich dann auf mein Inserat hin gemeldet. Ich war auch erstaunt, dass er sich damals beworben hat. Wir haben dann ein paar mal telefoniert, da er ja in Mainz wohnt und ich in Flensburg und danach haben wir zusammen gedreht. Ich denke, dass ihm mein Script einfach sehr gut gefallen hat. Da wir uns von Anfang an sehr gut verstanden haben, war die Zusammenarbeit wirklich klasse. Mika ist ein einzigartiger Schauspieler und ich würde jederzeit wieder gerne mit ihm zusammenarbeiten.

Ihr habt bei der Produktion ja sehr viel Wert aufs Equipment gelegt. Womit habt ihr gedreht und warum gerade mit dieser Kamera?

Es war mir seit ich Filme mache immer wichtig, dass das Endprodukt qualitativ hochwertig aussieht. Ein sehr großer Teil des damaligen „Budgets“ (eigentlich Null, aber alles an
Kosten habe ich ja wie gesagt zu einem sehr großen Teil privat finanziert) ging deshalb in das Equipment. Wir haben sehr gute Kontakte zur Leitung der MBF in Hamburg. Daher habe ich einen kleinen Rabatt bekommen und es war insgesamt irgendwie stemmbar. Wir haben auf der Blackmagic Cinema Camera (in 2.5k) gedreht, hatten aber noch allerlei weiteres Equipment (Kran, Slider, Dolly, Stative, viel Licht, Tonkoffer etc.) dabei.

Warum habt Ihr in Schleswig-Holstein gedreht und wo genau sind diese beeindruckenden Aufnahmen entstanden?

Ich bin 2006 in den Norden eingewandert, wurde ordentlich eingenordet und seitdem liebe ich es. Es war für mich also von vorne herein klar, dass PULSE ein regionales Projekt wird. Die gesamte Dramaturgie ist auf die Locations abgestimmt. Ohne die Seebrücke in Scharbeutz und die tolle Reetdachkate bei Itzehoe wären die Bilder niemals so schön geworden.

Du bist ja Wahl-Flensburger, hast aber eine Produktionsfirma in Hamburg. Wie schaffst du den Spagat vom Hohen Norden in die Hafenstadt Hamburg?

Das ist tatsächlich oft sehr anstrengend. Man pendelt ständig hin und her und kommt nur selten zur Ruhe, und die wenige Freizeit die man hat, ist man oft trotzdem noch am Arbeiten. Ich mache das jedoch sehr gerne, weil ich auch beim Arbeiten abschalten kann. Allerdings habe ich mir vorgenommen im nächsten Jahr wieder zurückzukehren. Ich bin aber noch nicht sicher, ob ich nach Hamburg oder in den Speckgürtel ziehen werde, das werde ich dann im nächsten Jahr sehen.

Wie geht es weiter mit P.U.L.S.E.? Die Fans warten sicher schon gespannt.

P.U.L.S.E. ist eine der vielen Sachen, die aktuell auf dem Plan stehen. Wir sind momentan dran, die alten Aufnahmen nochmal neu auszuwerten. Dazu muss allerdings noch nachgedreht werden und das Ganze werden wir dann als Mini-Serie / Kurzfilm unter dem Namen „ISI“ veröffentlichen. Es wird dazu auf jedenfall noch Neuigkeiten auf unseren Social Media Kanälen und auf IMDB geben.

Gibt es neue oder weitere Projekte von dir, und wenn ja, was wird uns erwarten?

Aktuell ist Renés und mein letzter Kurzfilm TENSION (2016) auf nationaler und internationaler Festivaltour und wird auf einer DVD veröffentlicht, deren Erlöse an einen Verein für Kätzchen gespendet werden. Des Weiteren arbeiten wir an ISI (2016), wie oben schon kurz angespoilert. Wir haben auch die Distribution für DIE TOTE IM UNTERHOLZ (2015) übernommen, welche bald auf DVD in einer kleinen limitierten Auflage erscheinen wird. Was mich persönlich angeht so stecke ich gerade (zusammen mit unserer Firma Uprise Pictures) in der Vorproduktion für meinen Debütspielfilm REYES (2017). Ich möchte nicht allzuviel zum Plot sagen, aber wir werden diesmal in ein völlig neues Genre eintauchen und auch etwas mehr experimentieren. Es sind schon einige internationale und interessante Leute dafür im Gespräch und es sieht so aus als wird das eine sehr spannende Geschichte.

P.U.L.S.E. auf Facebook

„Mythos am Meer“ – Neues Dokumentarfilm- und Crowdfunding-Projekt von Grote, Opperman & Bohde

Gerald Grote und Claus Oppermann sind als Kreativ-Duo in der schleswig-holsteinischen Filmszene seit ihrem erfolgreichen gemeinsamen Kurzfilmdebut „Tödliche Roman(z)e“ bekannt. Auf weitere Kurzfilmprojekte folgte eine Reihe mit Dokumentarfilmen, die man zusammenfassend als „Augenzeugenberichte von Privatmenschen über regionale historische Ereignisse“ beschreiben kann. Ob Schneekatastrophe, Kieler Woche oder Berliner Mauer. Grote und Oppermann montierten aus Kilometern von Super-8 und 16-mm-Filmen, ergänzt durch Interviews, kleine, dokumentarische Zeitkapseln. Der Erfolg in Form von ausgebuchten Kinovorstellungen und Absatz von DVDs belegt, dass die beiden dabei einen Nerv im Publikumsinteresse gefunden haben. Nun planen sie ein neues Projekt, Arbeitstitel „Mythos am Meer“. Daniel Krönke stellte den beiden und ihrem neuen Kreativpartner Sven Bohde ein paar Fragen dazu.

Das Interview führte Daniel Krönke

Gerald & Claus, nach mehreren erfolgreichen Dokumentarfilmen wie „8mm Kieler Woche“ und „Schnee von Gestern“ habt Ihr Euch eines weiteren regionalen Themas angenommen. Worum geht es in Eurem aktuellen Projekt?

Der Film „Mythos im Meer“ soll von den Besonderheiten der Insel Sylt handeln. Wir sammeln derzeit historisches Filmmaterial, u25m zu zeigen, wie es einst auf der Nordseeinsel war und was sich verändert hat. Das Material zeigt uns Geschichten und die Filmgeber erzählen uns diese zusätzlich in Interviews. Viele Geschichten würden sonst in Vergessenheit geraten. Ähnlich wie die alten Privatfilme. Zu sehen gibt es Strandleben, Sturmfluten und sonderbare Ereignisse.

Was hebt die Insel Sylt von anderen Inseln oder Küstenorten in der norddeutschen Region ab?

Überall an der Küste ist es schön, aber Sylt hat nun mal ein legendäres Image. Dadurch interessieren sich sehr viele Menschen für die Insel. Mehr als 800.000 Gäste zählt sie pro Jahr. Wir produzieren unseren Film für die Menschen, die auf der Insel leben, für die Touristen, aber auch für die, die bisher noch nie auf Sylt waren, um ihnen zu zeigen, was das Besondere dieser Insel ausmacht und was sich in nur wenigen Jahrzehnten verändert hat. Wir wollen die Zuschauer gut unterhalten und gleichzeitig ein Stück Inselgeschichte bewahren.

Wie geht ihr bei der Recherche und Suche nach Filmmaterial vor? Ist da viel Glück im Spiel oder hat das Aufspüren von unveröffentlichtem Material Methode?

Natürlich ist sehr viel Glück im Spiel. Aber wir steigern unsere Chancen, gutes Material zu finden durch eine strukturierte Pressearbeit und die Pflege von Kontakten. Indem wir Aufrufe in Zeitungen, Fachzeitschriften und im Internet machen, werden die Besitzer von Material auf uns und unser Projekt aufmerksam. Wenn Sie sich bei uns melden, bieten wir ihnen an, die Filmrollen persönlich einzusammeln, damit das Material nicht auf dem Postweg verloren geht. Auf diese Weise lernen uns die Filmgeber gut kennen. Ihr Vertrauen ist unser größtes Kapital.

Beschränkt Ihr Euch wie bei „8 mm Kieler Woche“ auf ein spezielles Filmformat?

Nein, wir suchen, sammeln und verwenden jedes Filmformat. Aber es muss Film sein! Videos oder Fotos nutzen wir nicht. Wir lieben die Ästhetik von Film. Das Filmmaterial digitalisieren wir mittlerweile selbst. Dafür haben wir uns das beste Abtastgerät angeschafft, das es derzeit gibt. Nach dem wir das Material digitalisiert haben, sieht es nach einer Bildkorrektur besser aus als jemals zuvor.

Mit Sven Bohde habt ihr aus dem bekannten Duo Grote/Oppermann jetzt ein Trio gemacht. Wie kam es dazu?

Ein Film wie „Mythos im Meer“ ist ein Langzeitprojekt. Somit ist es gut, die Arbeit auf mehreren Schultern zu verteilen. Die Gelegenheit war günstig. Sven ist Journalist, hat sich beruflich aber jüngst neu orientiert. Er gab eine Festanstellung beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag auf, um seinen Traum vom Filmemachen zu verwirklichen. Wir drei sind seit über zehn Jahren befreundet. Kennengelernt haben wir uns beim Filmdreh von „Tödliche Roman(z)e“.

Sven, Ihr finanziert das Projekt mittels Crowdfunding. Erklär doch bitte auch für Laien, wie das vor sich geht.

Ein Filmprojekt kostet viel Geld. Dank Filmförderung und Sponsoren haben wir ein Startkapital. Weitere Geldmittel erhoffen wir durch das Crowdfunding zu erhalten. Dabei können uns Privatpersonen mit kleinen Beträgen unterstützen. Wir finden den Gedanken charmant, dass ein Film, der aus privatem Filmmaterial besteht, auch dank Privatpersonen möglich wird. Für einen selbstgewählten Geldbetrag erhalten die Unterstützer ein Dankeschön wie eine DVD, die Nennung im Abspann, eine Einladung zur Premiere auf Sylt oder sogar ein Ölgemälde. Das Crowdfunding ist unter www.startnext.com/sylt-film zu finden und läuft noch bis zum 31. Juli.

Wie geht es weiter? Wann wird der Film fertig sein?

Im Moment sammeln und digitalisieren wir das Filmmaterial. Anschließend sichten wir es. Bereits jetzt haben wir 160 Filmrollen mit etwa 40 Stunden Material. Dann interviewen wir einige der Filmgeber und setzen uns an den Schnitt. Wir lassen eigene Musik komponieren und den Kommentartext von einem Sprecher einsprechen. Premiere soll der Film im Frühjahr 2017 auf Sylt feiern.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Euch viel Erfolg und freuen uns auf Euren Film!

Gerne. Und wir freuen uns auf Euren Premierenbesuch.

Jan Kluczewitz über seinen Kurzfilm GRÜNES LICHT

Datenschutz, Überwachung, Freiheit. Themen, die heute mehr als denn je zur Disposition gestellt werden. Anlass für Jan Kluczewitz, einen Film darüber zu machen, der auch die Filmwerkstatt Kiel sofort begeisterte. Diese förderte das Projekt mit 5.000 Euro. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Das Interview führte Jessica Dahlke

Du hast gerade deinen Kurzfilm „Grünes Licht“ realisiert. Worum geht es darin?

In dem gesellschaftskritischen SciFi-Film geht es um die Datenpfleger Helga und Gerhard, die als ständig kontrollierte Arbeitssklaven gehalten werden. Deshalb wollen sie dem System entfliehen und sich einer illegalen Untergrundorganisation anschließen – dem Datenschutz.

 

Jan Kluczewitz

 

Warum ist dir das Thema Datenschutz so wichtig? Wie bist du darauf gekommen?

Datenschutz ist eins von vielen Gesellschaftsthemen, die gerade wichtig sind. Damit verbunden sind auch Kontrolle, Macht, Ungleichheit und Freiheit. Wenige Tage bevor ich den Förderantrag abgeschickt habe, schien es so, als wolle der britische Premierminister David Cameron bestimmte Formen von Datenverschlüsselung verbieten und dem Staatsapparat die Möglichkeit geben, jegliche Internetkommunikation zu überwachen (Quelle: i). Es schien mir fast, als versuche da jemand ein System vorzubereiten, in dem mein Film die traurige Realität sein könnte. Gruselig.

 

Jan Kluczewitz

 

Was fasziniert dich am Genre SciFi?

Unser Kurzfilm ist eher klassische SciFi, bei dem es viel darum geht, eine Welt als gedankliches Experimentierfeld zu erschaffen. Das finde ich grundsätzlich interessant, weil es ermöglicht, gleichzeitig unterhaltsam und anspruchsvoll zu erzählen und dabei noch ein relativ beliebtes Genre zu bedienen. Ich habe oft den Eindruck, dass Geschichtenerzählende glauben, sie müssen entweder unterhaltsam oder anspruchsvoll sein. Das nervt mich. Genauso wenig mag ich es, wenn eine Fantasiewelt nur erschaffen wird, um die Zuschauenden einzulullen und aus unserer Realität zu entführen. Mir gefällt es, wenn ich einerseits in eine interessante Welt einsteigen kann und andererseits bedeutungsvolle Themen differenziert behandelt werden.

 

Jan Kluczewitz

 

Dein Film wurde von der Filmwerkstatt Kiel gefördert. Wie bist du da ran gegangen?

Ich wollte einfach mal den Weg mit der Förderung ausprobieren. Deshalb habe ich allgemein über meine Möglichkeiten wie Drehbuchförderung, Kurzfilmförderung oder Langfilmförderung mit den hilfsbereiten Leuten bei der Hamburger Filmförderung gesprochen, die mich auch auf die Filmwerkstatt Kiel hingewiesen haben. Dort hatte ich ein aufgeschlossenes Gespräch mit dem Leiter Arne Sommer, und anschließend habe ich mir überlegt, welches meiner Projekte am besten in das Förderkonzept von Kiel passt. So bin ich dann bei „Grünes Licht“ gelandet. Beim Ausfüllen des Förderantrags habe ich mich bemüht, sehr ehrlich zu sein und nicht zu taktieren, sondern einfach mein Projekt so gut wie möglich vorzustellen und den Teil hervorzuheben, der mich selbst daran überzeugt, sowohl auf der inhaltlichen als auf der gestalterischen und drehkonzeptionellen Ebene.

 

Jan Kluczewitz

 

Die Filmförderung wird in Hinblick auf den deutschen Film im Augenblick sehr kritisiert. Vor allem Genrefilme sollen es schwer haben. Kannst du die Kritik nachvollziehen?

Mit dem Fördersystem und den möglichen Schwierigkeiten speziell von Genrefilmen kenne ich mich nicht gut genug aus, um etwas darüber sagen zu können, ob oder warum es Genrefilme grundsätzlich schwer haben, aber ich weiß, dass es grundsätzlich sehr schwer ist, einen guten Film zu machen, eine gute Geschichte gut zu erzählen. Mein Eindruck ist, dass dieser wesentliche Punkt oft übersehen, verkannt, ignoriert oder geleugnet wird. Ich habe die Vermutung, dass die Förderung tendenziell das Beste von dem abgreift, was ihnen vorgelegt wird. Das halte ich für wahrscheinlicher, als dass die die Schubladen der Autoren mit grandiosen und verkannten Geschichten überquellen. Aber bekanntlich fällt es oft leichter, sich über die andere Seite zu beschweren, anstatt zu gucken, wo bei einem selbst ein Problem liegen könnte. Das Problem ist aber nicht grundsätzlich die Förderung. Das Problem sind zu wenig gute Filme. Inwiefern das zusammenhängt, wage ich nicht zu beurteilen.

 

Jan Kluczewitz

 

Wann wird dein Film Premiere haben?

Das kann ich noch nicht sagen. Der Rohschnitt ist fertig, aber es fehlen unter anderem noch einige VFX und die Geräuscheffekte. Ich mache mich jetzt auf die Suche nach Hilfe in dem Bereich und hoffe, dass das relativ zügig von statten geht.

 

Jan Kluczewitz

 

Wie bist du zum Filmemachen gekommen?

Als ich neun war, habe ich auf der Arbeit von meinen Eltern kurz eine VHS-Kamera in die Finger bekommen und war einfach nur fasziniert von dem Gerät und den Möglichkeiten, die sich dazu in meinem Kopf entwickelt haben. Zu meinem zehnten Geburtstag habe ich dann diese Kamera benutzen dürfen. Ich wusste sofort, dass jemand dieses Wundergerät für mich erfunden hat, habe sie zwei Tage lang nicht mehr aus der Hand gelegt und habe etliche Clips, Filmchen, und sogar Stop-Motion-Experimente und Interviews gefilmt. Alles nur mit den Schnittmöglichkeiten direkt beim Drehen, weil wir selbst keinen Videorekorder hatten. Das war vielleicht das beste Geburtstagsgeschenk meines Lebens. Und seitdem ist Filmemacher mein absoluter Traumberuf. Neben Schriftsteller. Seit ich meinen ersten Satz geschrieben habe, wollte ich Bücher schreiben. Studiert habe ich dann Musik.

 

Jan Kluczewitz

 

Hast du schon ein neues Projekt geplant?

Eins? Hahaha. Im Moment schreibe ich meinen ersten Roman. Vielleicht wird das ja mal zu einem Film oder eine Fernsehserie. Nebenbei schreibe ich Songs. Filme habe ich konkret viele kleinere Projekte weiter oben auf dem Schreibtisch und etliche längere und kürzere in der Schublade. Aber die Zeit …

TRAUMTESTER – Ein Film von Andre Umland

Andre Umland ist Hobby-Filmemacher aus Itzehoe. Sein erstes Werk kann sich schon sehen lassen. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Das Interview und Bericht von Kim Kevin Weinbach

Hallo Andre, Traumtester ist dein erster Film. Du hast das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Was hat dich dazu berufen, unter die Filmemacher zu gehen?

Ich habe die Story ausgearbeitet und teilweise das Drehbuch geschrieben, weil ich noch nicht so viel Erfahrung mit dem Drehbuchschreiben hatte. Ich wollte einen Film machen, weil ich schon immer kreativ war, was Geschichten angeht.

Worum geht es in deinem Film ?

Es geht darum, dass mein Protagonist versucht, seine Träume zu beeinflussen, was aber reichlich daneben geht.

Hattest du zuvor schon Erfahrungen mit Film, ob vor oder hinter der Kamera?

Eher weniger. Ich durfte schon einmal bei einer Filmproduktion dabei sein und fand es interessant. Da habe ich beschlossen, auch irgendwann mein eigenes Werk wie jetzt Traumtester entstehen zu lassen.

Kann man einen weiteren Film von Dir erwarten und wenn ja, auf was dürfen wir uns freuen?

Ich hoffe doch, dass ich bald einem weiteren Film machen werde. Es wird wahrscheinlich die Idee werden, die ich vor TRAUMTESTER entstand.

Was würdest du im Nachhinein an deinem Film ändern wollen oder anders machen?

Ich würde die Traumszenen noch etwas verändern und Schauspieler wählen, die sich 100% damit auseinandersetzen.

Kritik zum Film.

TRAUMTESTER ist eine wundervolle Idee verpackt in einem 20-Minüter. Haben wir nicht alle mal darüber nachgedacht, was wäre, wenn unsere Träume nicht so sind wie sie sind, sondern wie sie wären, wenn wir sie beeinflussen könnten?

Andre Umland aus Itzehoe hat für seinen ersten Film meiner Meinung nach solide Arbeit als Regisseur geleistet, auch wenn der Film nicht perfekt ist. Aber welches Erstlingswerk ist schon perfekt? Roland Emmerich hat auch klein angefangen.

Natürlich hat TRAUMTESTER seine Schwächen, die sich besonders in der Kameraführung, dem Voiceover, der sich abgelesen anhört und dem Schauspiel einiger Darsteller offenbaren. Was nicht bedeutet, dass es schlechte Schauspieler sind, denn bei einem No-Budget-Film gibt es viele Faktoren, die oft nicht berücksichtigt werden können. Wenig Zeit für Proben, Darsteller, denen es selbst überlassen wird, wie sie ihre Rolle angelegen usw.

Aber trotzdem gibt es zu der tollen Geschichte auch schauspielerische Lichtblicke wie Kai Uwe Wedel, der den Paketzusteller spielt und Oliver Kirchhoff, der den Selbstmörder spielt. Beide waren in meinen Augen nicht nur grandios, sondern haben leider auch alle anderen an die Wand gespielt.

Dennoch ist ein Film, der trotz kleiner Schwächen Spaß macht und ich freue mich auf weitere Filme von Herrn Umland.

PS: Film und besonders Filmemachen sind etwas Wundervolles und selbst Quereinsteiger sollten keine Angst haben, sich auszuprobieren und sich zu trauen, selbst etwas auf die Beine zu stellen.

WOLFGÄNG – Gewinner des Jürgen-Prediger-Filmpreises 2016

Wolfgäng

Ein Moped, eine Kolbenrückholfeder und ein Typ namens Wolfgäng. Das ist das Erfolgsrezept für die Sieger des diesjährigen „Nur 48 Stunden“-Wettbewerbs. Sowohl der Jürgen-Prediger-Filmpreis als auch der Publikumspreis gingen an das Team rund um Gunnar Dethlefsen. Wir haben die Truppe natürlich sofort zum Interview gebeten.

 

Das Interview führte Jessica Dahlke

 

Noch mal Herzlichen Glückwunsch zum Jürgen-Prediger-Filmpreis und zum Publikumspreis des diesjährigen „Nur 48 Stunden“-Wettbewerbs. Hättet ihr mit so einem überwältigenden Erfolg gerechnet?

Ich glaube, man hat uns angesehen, dass es uns alle völlig vom Moped gehauen hat. Was ist das nur für 1 Life, dachten wir. Es hatte uns im Vorfeld schon total glücklich gemacht, dass wir überhaupt im Finale waren und bei der starken Konkurrenz fühlen wir uns wirklich sehr geehrt.

 

 

Wie dreht man einen Film in 48 Stunden?

Mit ganz viel Flexibilität, einer großartigen (Wolf-)Gäng, einer Andeutung von Schlaf, Teamgeist und viel Spaß an der Sache.

 

Wie viel Schlaf habt ihr an diesem Wochenende gehabt?

Der Plan war in Schichten zu schlafen. Den Film in der „Sauna“ von Halkert zu schneiden, war nach dem langen Drehtag allerdings nicht die beste Idee. Das System kollabierte, sodass jeder von uns immerhin circa vier Stunden pro Nacht abbekommen hat.

 

 

Gab es vorab schon eine Idee oder habt ihr euch erst am Freitag an das Drehbuch gesetzt?

Als sich das Team zusammengefunden hat, wussten wir, wir haben Bock auf etwas mit einem Moped. Mehr nicht. Aber wir hielten das für eine gute Basis. Um 18 Uhr trafen wir uns zum Bolognese essen und dank der Kolbenrückholfeder-Vorlage war die Story tatsächlich schnell zusammengebaut.

 

Worum geht es in eurem Film?

Der Film erzählt tiefschürfend über das ergreifende Leben von Wolfgäng. Der unbekümmerte Held der Geschichte erleidet einen niederschmetternden Schicksalsschlag. Seine Situation erscheint zunächst aussichtslos, doch durch unerlässlichen Mut, Raffinesse und Durchhaltevermögen gelingt es ihm, sich aus der Misere herauszukämpfen.

 

 

Euer Film ist sehr professionell produziert, wie lange macht ihr schon Filme und was reizt euch an diesem Medium?

In der Wolgäng-Konstellation haben wir vor dem Wettbewerb noch nie zusammen gearbeitet. Wir haben uns tatsächlich erst am Freitagabend das erste Mal mit allen Beteiligten zusammengesetzt. Es war ein wirklicher Glücksgriff. Jeder brachte unterschiedliche Fähigkeiten mit, aber den gleichen Humor, und so ergänzten wir uns fantastisch.

Wir studieren alle Multimedia Production oder Medienkonzeption an der FH Kiel, dadurch sind wir natürlich fit, was Medienproduktion angeht. Unser Interesse geht seit Jahren über das Studium hinaus, so konnte das gesamte Projekt mit eigener Technik verwirklicht werden.

 

 

Beim Finale von „Nur 48 Stunden“ war das breite Spektrum des Mediums Film zu sehen, was für uns den Reiz ausmacht. Nicht nur die Produktion unseres Films, sondern auch die Betrachtung der vielen anderen sehr guten Filme hat uns sehr viel Spaß gemacht.

 

Die Filmszene in Schleswig-Holstein ist klein aber fein. Was gefällt euch daran im Norden Filme zu machen und wie würdet ihr die Filmszene in Kiel beschreiben?

Bei der Premiere waren wir sehr über die große Community der SH-Filmszene erstaunt. Besonders die Vielfalt der verschiedenen Dreh- und Produktionsarten gefiel uns sehr und wir hoffen zukünftig auf gemeinsame Produktionen.

Am Norden gefällt uns natürlich das Wasser, aber es gibt auch sehr viel mehr.

 

 

Was können wir als nächstes von euch erwarten? Gibt es schon Folgeprojekte?

Teile der Wolfgäng-Crew werden auch weiterhin zusammenarbeiten und uns, wie auch hoffentlich euch, wieder überraschen. Ideen sind einige da, aber „wir überheizen die Kiste erstmal nicht“. Neben unseren Gängleben verfolgen alle Teammitglieder noch eigene Projekte in verschiedenen Sparten (Film/Foto/Ton/Design). In erster Linie freuen wir uns darauf, den Film bald zu veröffentlichen. Die ersten Infos dazu gibt es bald auf Facebook.

Kim-Kevin Weinbach über DIE TOTE IM UNTERHOLZ (Krimi)

Kim-Kevin Weinbach ist Filmemacher und Schauspieler aus Nordfriesland. Zusammen mit Kai Uwe Wedel hat er den Hamburger Krimi DIE TOTE IM UNTERHOLZ koproduziert. Zum betreibt er die sehr erfolgreiche Facebook-Gruppe „Norddeutscher Film“. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Hallo, du bist Indie-Filmer aus Schleswig-Holstein und hast letztes Jahr deinen ersten Langfilm herausgebracht. Worum geht es in diesem Film?

Der Film handelt von einem Ex-BKA-Beamten, der der Hamburger Polizei bei Ermittlungen zu einem Mordfall im Volkspark helfen soll. Dabei wird nicht nur er, sondern auch seine neue spanische Kollegin ihr wohl spannendste Abenteuer erleben. Ein Krimi, bei dem man erst kurz vor Schluss erfährt, wer der Mörder ist. Mitfiebern und raten wird für jeden Zuschauer ein absoluter Kriminalspaß werden.

Es ist ein Hamburger Krimi aus der Feder von Kai Uwe Wedel, den ich koproduziert habe und selbst eine kleine, aber feine Rolle spiele. Nachdem wir in Uetersen die Premiere hatten, lief er einige Male in kleinen Programmkinos. Für eine kleine Produktion wie wir es sind und Staubwedel Filmproduktion von Kai Uwe Wedel ist es nicht einfach, einen Film, der mit privaten Mitteln finanziert wurde und ohne Verleih ans große Publikum zu bringen. Inzwischen hat Herr Wedel, der nicht nur Hauptproduzent und Drehbuchautor vom Film ist, sondern auch die männliche Hauptrolle spielt, es geschafft, das unser Film bald auf DVD rauskommt. Der Vertrag mit einer Kleinen Hamburger Firma wurde gerade unterzeichnet. Natürlich können wir uns nicht mit Blockbustern messen, aber wir haben einen schönen TVtauglichen Krimi geschaffen.

 

 

Wie bist du zum Film gekommen?

Zum Film hat mich König Zufall gebracht. Beim örtlichen Supermarkt hing ein Zettel am schwarzen Brett, über den man Komparsen für einen ZDF Krimi (UNTER ANDEREN UMSTÄNDEN) gesucht hat. Ich habe mich einfach mal beworben und wurde angenommen. Beim Dreh wurden mir dann Agenturen empfohlen, bei denen ich mehr Jobs vor der Kamera bekommen konnte. Nach einige Zeit als Komparse trat König Zufall wieder heran und ich wurde gefragt, ob ich mir Text zutrauen würde. So wurde aus etwas Text immer mehr und ich bekam neben Großstadtrevier, Notruf Hafenkante auch bei großen US-Produktionen, u.a. mit Kim Basinger, Größeres im kleinen Rahmen. Im Laufe der Zeit dachte ich mir, warum nicht auch mal Filme machen? So entstanden erste, kleine (sehr schlechte) Kurzfilme, die dann immer aufwändiger und professioneller wurden.

Was bedeutet es ganz konkret Indie-Filmemacher zu sein? Wie finanziert man sich zum Beispiel und wie läuft der Vertrieb der Filme?

Indie ist vielleicht nicht das richtige Wort für mich. Ich sehe mich als Filmemacher aus Leidenschaft, der mit seinen Filmen, die nicht kommerziell sind, seine Leidenschaft auslebt. Finanzieren tue ich aus eigener Tasche und durch viele Freunde, die mir mit Equipment und Hilfe zur Seite stehen. Meine eigenen Filme werden nicht vertrieben, sondern fürs breite Publikum online gestellt.

 

 

Filmemachen in Schleswig-Holstein. Worin besteht deiner Meinung der Unterschied zu Medienhauptstädten wie Berlin, München, Köln oder München?

Einen Unterschied zu Medienhauptstädten? Schwer zu sagen. Immerhin ist Schleswig-Holstein nicht nur das schönste Bundesland der Welt, sondern auch die schönste Filmkulisse, die man sich vorstellen kann.

Du hast die Facebook-Gruppe „Norddeutscher Film“ gegründet. Was können Filmemacher dort finden?

„Norddeutscher Film“ ist eine inzwischen sehr erfolgreiche Gruppe bei Facebook, über die sogar Pro7 in der Sendung Galileo berichtet hat. Wir legen großen Wert darauf, dass nur Leute in die Gruppe kommen, die auch im Norden leben. Bei uns können Filmemacher ihre Crew finden, Schauspieler und Komparsen für sich werben und vielleicht entdeckt werden. Natürlich tauschen wir uns auch mit Erfahrungen aus und helfen uns, wo wir nur können.

 

 

Hast du schon ein neues Projekt geplant? Wie geht es bei dir weiter?

Geplant sind neue Projekte. Als erstes eine DVD mit Kurzfilmen befreundeter Filmemacher aus dem Norden. Der komplette Erlös der DVD wird ab a href=“http://www.stubentiger-eiderstedt.de/“ target=“_blank“>einen Tierschutzverein gespendet. Dann kommt noch mein nächster 20-minütiger Spielfilm, den wir noch in diesem Jahr anfangen werden zu drehen. Ein Film über häusliche Gewalt mit mir in der Hauptrolle. Mein guter Freund und norddeutscher Schauspieler Oliver Kirchhoff wird die Regie übernehmen. Oliver ist sicher vielen aus dem Tatort, Coca Cola Werbung und vielen anderen Produktionen bekannt. Er spielt sogar eine große Rolle in der Neuverfilmung von Raumpatrouille Orion.

Screen Talent Europe – Färöer Shorts

Screen Talent Europe ist ein Netzwerk aus Film-Werkstätten und Medienzentren aus Dänemark, Schweden, Norwegen, den Färöer Inseln, Deutschland, Irland, Nordirland und Frankreich. Ziel des Netzwerkes ist es, Koproduktionen zwischen den Partnern zu fördern und den Filmemachern zu helfen, ihr Wissen zu erweitern und Erfahrungen während der Talentcamps, Netzwerktreffen und Koproduktionen zu sammeln.

Das letzte Talentcamp fand im Juni 2015 auf den Färöer-Inseln statt. Unter den Teilnehmern befanden sich auch die Kieler Caro Palm und David Brych. Die daraus entstandenen Kurzfilmen waren im März auf dem Filmfest Schleswig Holstein zu sehen. Bei Interesse können sich Bewerber in der Filmwerkstatt Kiel melden.

 

Interview mit Caro Palm und David Brych auf dem Filmfest

Arne Sommer: Wie ist es möglich gewesen, in relativ kurzer Zeit Themen zu finden und darüber Filme zu machen? Ihr habt euch dort ja erst alle kennengelernt.

Caro Palm: Wir hatten zuerst Workshops, wo er darum ging herauszufinden, warum wir eigentlich Filme machen. Unsere Themen haben wir gefunden, indem wir ins Pub gegangen sind und mit den Einheimischen geredet haben. Sebastian hat mit THE TOURIST sehr gut aufgegriffen, was die Leute da so bewegt. Der Tourismus, die Schafzucht, Transgender, Musik. Also eigentlich hat er alles in seinen Film gepackt, was wir dann in jeweils einen Film thematisiert haben. Nach den Workshops gab es dann Pitches. Die Regisseure haben drei Filme vorgeschlagen und sich während eines solchen Pitches ihren Produzenten gesucht.

Arne: Vielleicht erzählst du einmal, wie ihr zusammen gelebt habt.

David: Wir waren in einer verlassenen Schule, die wegen der Ferien zu war. Wir haben da quasi in den Klassenzimmern auf Luftmatratzen geschlafen, wie in einer großen WG. Das war schon sehr lustig, wie auf einer Klassenfahrt.

Zuschauer: Wie lange hattet ihr Zeit, die Filme zu drehen?

Caro: Wir hatten eine Woche um anzukommen und uns kennen zu lernen. Da waren auch diese Workshops. Nachdem wir herausgefunden hatten, was die Einheimischen so bewegt, hatten wir eigentlich nicht wirklich viel Zeit ein Thema zu finden. Innerhalb von zehn Tagen wurden die Filme gedreht. Als die Editoren nach zweieinhalb Wochen dazu kamen, wurde sofort angefangen zu schneiden. Die Postproduktion hat dann im jeweiligen Land stattgefunden. Wir haben die Filme nicht komplett auf den Färoern fertig gestellt.

David: Die Teilnehmer waren zwischen 18 und 32 und hatten ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Film. Die 18jährigen kamen gerade von der Schule und andere hatten schon beruflich mit Film gearbeitet. Dadurch gab es einen ganz unterschiedlichen Erfahrungsschatz. Die Filme wurden im Zweimann-Team gedreht. Der Regisseur hat Regie geführt und Kamera gemacht und der Produzent hat alles andere gemacht: Ton, Auto fahren und die Technik besorgen. Es war relativ wenig Technik dort. Einige hatten Kameras dabei, aber es gab auch einen Technikverleih auf der Insel, der uns unterstützt hat. Aber da die dort nicht so eine große Filmindustrie haben, waren die natürlich auch nicht so gut ausgestattet.

Caro: Es gab offiziell drei Tonangeln, aber nur einen Windschutz, eine Hardcover- und eine Teleskopstange. Also zusammengenommen eigentlich nur eine. Außerdem hatten wir einen unglaublichen Kamerawechsel.

David: Für die sechs Teams gab es nur drei Autos. Das waren alles ziemlich alte, kaputte Autos. Und man dachte, hoffentlich springt der Wagen an und wenn man dann auf der anderen Seite der Insel war, hoffentlich kommt man wieder zurück.

Arne: Aber auf gewisse Art und Weise hat das gezeigt, dass ihr mit jedem Equipment hervorragende Filme machen könnt und das es nicht darum geht, welche Kamera ihr habt, sondern was ihr mitbringt. Filme, die so unterschiedlich sind, die gleichzeitig alle auf der gleichen Insel gedreht hat, die aber trotzdem die Persönlichkeit jedes einzelnen Filmemachers zeigen. Gibt es Fragen aus dem Publikum?

Zuschauer: Wie habt ihr eure Protagonisten gefunden?

Caro: Das war Zufall. Johan wurde uns als der junge Farmer verkauft, der ganz innovativ ist und sich mit Medien auskennt, weil das lokale Fernsehen natürlich öfter bei ihm ist. Er ist halt jung und dynamisch. Außerdem kann er ohne Punkt und Komma quasseln.

Zuschauer: Wie habt ihr das mit der Sprache gemacht.

Caro: Wir hatten drei Färöerer im Team. Johan und ich haben uns auf Englisch geeignet, obwohl alle Färöerer auch Dänisch sprechen und meine Produzentin Dänin ist.

Arne: Wenn keine Fragen mehr aus dem Publikum sind, dann bedanke ich mich, dass ihr hier wart.

 

Die Filme im Überblick

Boys (Sunniva Sundby)

Der Kurzfilm BOYS von Sunniva Sundby begleitet Färöerer Jugendliche einen Tag lang. Moped tunen, rumhängen und auf dem Friedhof arbeiten, wo die Jungs dann auch ein bisschen philosophisch werden.

Driving to Thule (Tommy Flavin)

Wie beschäftigt man sich als junger Mensch auf einer kleinen Insel wie Färöer? Diese Frage stellte sich auch Tommy Flavin und ließ seinen Protagonisten nachts aus lauter Langeweile über die Insel fahren. Allein mit sich in einer Blechkiste macht nachdenklich.

Inside Out (DK, Kristopher Paterson)

Dem Thema Metamorphose widmet sich Kristopher Paterson in seinem Kurzfilm INSIDE OUT. Eine junge Frau stellt ein Kostüm her. Tut sie es, weil es ihr Beruf ist oder hat sie etwas ganz anderes vor? Spannende Kurzdoku über eine Verwandlung.

Sofia (Viana Mikkelsen)

Mit diesem Portrait gibt Viana Mikkelsen Einblicke in das Leben der Transsexuellen auf Färöer. Vorurteile und Probleme unterscheiden sich kaum von denen auf dem Kontinent. Das Interview vor der Kamera, die sich ganz dicht an Sofias Gesicht geht, macht diese Doku zu einem intimen Tagebuch. Spannend.

The Tourist (Sebastian Cordes)

Poetische Dokumentation über das Verhalten von Touristen. Wir folgen einem Besucher der Faröer Inseln bei seiner Wanderung durch die pitoreske Landschaft.

Jóhan (Caro Palm)

Dokumentation über einen Changemaker. Eigentlich kann man von der Schafzucht auf den Färöer Inseln längst nicht mehr leben, aber Schaf-Farmer Jóhan Jógvansson will das ändern, indem er traditionelle mit modernen Techniken der Viehwirtschaft kombiniert.

Kulturelle Filmförderung SH e.V. wählt neuen Vorstand

Der 1989 gegründete Verein Kulturelle Filmförderung Schleswig-Holstein e.V. hat mit Jessica Dahlke, Christoph Zickler und Kay Gerdes bereits im März einen neuen Vorstand gewählt. Die gute Mischung aus den zwei jungen Filmemachern Jessica Dahlke und Christoph Zickler sowie dem erfahrenen Dokumentarfilmer Kay Gerdes will auf der bisherigen Arbeit aufbauend frische Ideen in den Verein bringen.

Die neue Vorsitzende Jessica Dahlke ist studierte Filmwissenschaftlerin und arbeitet seit fünf Jahren als PR-Managerin im Online-Bereich. Zur Zeit studiert sie in der Filmklasse von Prof. Stephan Sachs an der Muthesius Kunsthochschule. Christoph Zickler ist Multimedia Producer und gelernter Fachinformatiker. Kay Gerdes zählt zu den Gründungsmitgliedern der Kulturellen Filmförderung, arbeitet hauptberuflich als Cutter beim Fernsehen und macht seit vielen Jahren Dokumentarfilme.

Mit der Wahl eines komplett neuen Vorstandes sollen neue Akzente im Verein gesetzt werden, der auch für junge Filmemacher wieder attraktiver werden will. Hauptaugenmerk in diesem Jahr ist die stärkere Vernetzung der Filmszene, die durch Veranstaltungen, eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit sowie Kooperationen mit anderen Vereinen und Institutionen vorangetrieben werden soll. Der von Dahlke gegründete Kieler Filmemacher Stammtisch sorgt für neue Impulse im Vereinsleben. Zudem wird mit dem Zusammenschluss der vereinseigenen Plattform infomedia-sh.de mit Jessica Dahlkes Blog filmszene-sh.de das neue Internetmagazin „Filmszene Schleswig-Holstein“ entstehen, das die Filmemacher und Medienschaffende im Land mit umfangreicher Berichterstattung unterstützen wird. Auch ein Ausbau des Seminarangebots ist geplant.

Zuletzt soll mit einer Profilstärkung die Verwechslungsgefahr mit der Filmwerkstatt Kiel minimiert und dem Verein ein eigenes Gesicht gegeben werden. Da sich die Kulturelle Filmförderung SH e.V. für die Interessen der Filmemacher in Schleswig-Holstein einsetzt, sind diese herzlich eingeladen, sich mit ihren Ideen und Wünschen an den Verein zu wenden oder sich aktiv einzubringen.

„Schleswig-Holstein hat eine lebendige Filmszene, die im Schatten der Medienhauptstadt Hamburg gern übersehen wird. Dabei bietet das Bundesland einen fruchtbaren Boden für innovative Projekte und besitzt eine sehr gute Nachwuchsförderung sowohl im schulischen als auch im akademischen Bereich. Diese Schätze gilt es zu heben und sichtbar zu machen“, erklärt Jessica Dahlke, Vorsitzende der Kulturellen Filmförderung SH e.V.

Nach einer Pressemitteilung der Kulturellen Filmförderung Schleswig-Holstein e.V.

Kurzfilm TENSION (D 2016, Wiesner, Templin) feierte Premiere auf der HORRORCON 2016

Jack will doch einfach nur seine verdammte Ruhe haben… Aber wann läuft es schon mal so wie man will? Und selbst in der eigenen Komfortzone ist Angriff manchmal die beste Verteidung. Wird Jack Ruhe und Frieden finden oder werden andere es sein denen eine solche Erfahrung zuteil wird?

Der aus Heide stammende Filmemacher Rene Wiesner begeht mit TEMPLIN sein Regiedebüt. Unterstützt wurde er dabei von Patrick Templin. Beide arbeiteten bereits als Producer und Executive Producer in Hamburg.

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Recap – Kurzfilmrolle 2015/16 mit Claus Oppermann

Die Kurzfilmrolle ist eine Institution in Schleswig-Holstein. Seit 1986 tourt die Projektschau mit preisgekrönten Filmen aus dem Land durch das Land. Auch im Tourneejahr 2015/16 konnte die Kurzfilmrolle wieder zahlreiche Zuschauer in 17 Orten begeistern.

Viele Veranstaltungen waren bis zum letzten Platz besetzt und teilweise Tage vorher ausverkauft. Das zeigt, wie beliebt die Kurzfilmrolle ist und dass die Kontinuität und Qualität des Tourneeprogramms einen besonderen Stellenwert für viele Kinobetreiber und Kulturveranstalter in Schleswig-Holstein einnimmt.

Seit 30 Jahren treffen Filme, Filmemacher und ein sehr interessiertes Publikum in Kinos, Kneipen, Kulturhäusern, Kunstbetrieben und Schulen aufeinander. In kleinen und größeren Orten in Schleswig-Holstein hat sich die Kurzfilmrolle vom Landesverband Jugend und Film (LJF) als feste Größe und echtes Kulturgut für die Region bewährt.

Rückblick auf die Filme der letzten Tour

Auch das Programm 2015/2016 konnte wieder mit einer bunten Mischung von Kurzfilmen aufwarten, egal ob Dokumentation, Stop-Motion, Drama oder Comedy. Für jeden Geschmack war etwas dabei.

Den Film MEERENGE haben Niklas Martensen und Bastian Köhn aus Niebüll innerhalb von drei Tagen produziert. 19 Jahre waren sie damals alt. Der Film entstand für einem Wettbewerb, bei dem sie zuerst den Landes- und dann den Bundeswettbewerb gewonnen haben.

MARGA UND DER WAL von Annette Ortlieb ist ein “Spinoff” aus dem Langfilm INSELTÖCHTER. Dort werden drei ältere Damen von der Insel Sylt porträtiert, die aus ihrer Kindheit zwischen 1905 und 1930 erzählen. Marga war eine dieser Damen. Annette Ortlieb hat diesen Teil herausgenommen und nochmal neu montiert, weil ihr viele gesagt haben, dass das Interview ein tolles Dokument über die Zeit während des ersten Weltkriegs ist. Er lief auf vielen Festivals, hat das Prädikat besonders wertvoll bekommen und Kurzfilmpreise gewonnen. Das Besondere an diesem Film ist die sehr bildhafte Erzählweise von Marga, der man einfach gern zuhört.

„Die Indoor-Garten als Institution zur mentalen Zufriedenheit ist eine Indoorgarten-Insitution zur Stärkung der mentalen Zufriedenheit und des Glücks. Kommen Sie vorbei und lassen sie sich fallen, einfach mal vom Alltag abschalten. Geld gibt es bei Unzufriedenheit zurück.“ So beschreibt Rike Hoppe ihren Kurzfilm DRAUSSEN IST WO DU NICHT BIST. Sie stammt aus Kiel und studiert derzeit in Berlin Regie. Der Film ist mit erheblichen Aufwand entstanden. Allein 53 Leute sind vor der Kamera zu sehen. Für ihre akribische Arbeit wurde sie weltweit mit vielem Festivalteilnahmen und einigen Preisen belohnt.

Der Film GRANDPRIX (2002) wurde in der Kurzfilmrolle 2015 noch einmal gezeigt, weil Oppermann jedes Jahr einen kleinen Rückblick geben möchte, was aus den Filmemacher von damals heute geworden. Einer der beiden Filmemacher, Rasmus Kleiner, ist inzwischen Doktor für Filmwissenschaften und lehrt an der Uni Marburg und Bremen. In Akebek (Ditmarschen), wo er den Film zusammen mit Sebastian Thiessen gemacht hat, gab es 40 Jahre lang eine Filmgruppe, in der Lehrer ihre Schüler früh an das Medium Film herangeführt haben. Einer dieser Lehrer war Hans Friedrich Helfrich, der leider 2014 verstorben ist. Einige seiner Schüler sind tatsächlich Filmemacher geworden.

WHO DONE IT von Jim Lacy und Katrin Albers ist eine Mischung aus Quizshow und Krimi. Der Animationsfilm ist in drei Jahren in Hamburg entstanden. Alle Figuren sind selbst gebaut und von Hand animiert. Jim Lacy ist Dozent an der Fachhochschule Flensburg für Werbe- und Stoptrickfilm und Katrin Albers lehrt an der Fachhochschule für Gestaltung in Zürich. Auch dieser Film lief auf vielen Festivals.

Margarete Kosmol ist eine junge Filmemacherin, die jeden Sommer nach Armenien fährt und von dort eine kleine Dokumentation aus dem Land ihrer Eltern mitbringt. Die Kronshagenerin hat sich das Filmemachen mehr oder weniger selbst beigebracht. Der Film ROT = GRÜN hat 2015 den Preis für die beste Jugendfilmproduktion auf den Schersberg erhalten. Sie war erst 15 Jahre alt, als sie ihn gemacht hat. Damals ist sie ist einfach in ein Taxi gestiegen und hat den Taxifahrer gefragt, wo das Dorf mit den vielen Störchen ist. Und dann hat sie gemerkt, dass dieser Taxifahrer unheimlich viel zu erzählen hatte.

AUS DEINEN HÄNDEN von Sebastian Husack und Hannes Lischke ist in Lauenburg entstanden. Sebastian Husack ist kurz nach der Produktion an die Filmhochschule in München gegangen. Eine sehr renommierte Filmhochschule, an der man eigentlich erst mit Ende 20 anfangen kann zu studieren, weil man Praktika und Filmpreise vorweisen muss. Bei diesem Film haben die beiden Filmemacher viel Mut bewiesen und sich professionelle Hilfe an der Kamera und im Schauspiel geholt. Sabine Mittelstett und Thomas Arnold sind bekannte Schauspieler. Die beide haben sie einfach angesprochen und da das Drehbuch überzeugen konnte, haben die Schauspieler ohne Gage mitgemacht. Sonst wäre der Kurzfilm gar nicht möglich, obwohl er gefördert worden ist. Aber die Gelder sind eigentlich immer nur dazu da, um Fahrgelder, Materialkosten, Leihmiete für Kameras usw. zu finanzieren.

Den Abschluss machte der Comedy-Kurzfilm und Publikumsliebling DER MANN, DER ZU VIEL MUSSTE der Filmgruppe THE FLYING DISCMAN, die 2015 den „Nur 48 Stunden“-Wettbewerb damit gewannen. Derzeit arbeitet die Gruppe an ihrer ersten Webserie.

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