Samuels Top 5 vom Trans-Filmfest 2017

Als wäre es ein Tag gewesen, so schnell ist das fünfte Kieler Transgender Filmfestival an einem vorbeigezogen. Eine Woche der cineastischen Glücksgriffe und unterschätzten Geheimtipps. Mal informativ, mal emotional, hat die Auswahl an Filmen bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen und mir ein tieferes Verständnis für die Transgender-Community und die Schicksale der Einzelnen gegeben.

 

Ein Bericht von Samuel Bereuther

Zum Abschluss dieser wunderbaren Woche möchte ich euch meine fünf Lieblingsfilme vorstellen, um euch vielleicht die eine oder andere Inspiration für den nächsten DVD-Kauf zu geben.

 

#5 Princess (2017)

Eine Kurzfilmperle von Karsten Dahlem

 

 

Der taffe Bandenboss Ole (Phillip Breu) hat es mit seinen Kumpels auf die dickliche Davie (Ava Taremizad) abgesehen, die erst kürzlich zugezogen ist. Durch einige Wendungen gelingt es Davie jedoch, Ole zu erpressen. Er muss Davie beim Training für den Karaokewettbewerb helfen, der in einer Woche Woche in der Schulmensa stattfinden wird. Langsam bildet sich zwischen den beiden eine enge Freundschaft, während Ole eine Seite in sich entdeckt, die er seit dem Tod seiner Mutter zu unterdrücken versuchte.

Wunderschön gefilmt und mit zwei brillanten Hauptdarstellern, zeichnet dieser Film ein manchmal kitschiges, aber äußerst einfühlsames Bild von Transidentität im Kindesalter.

Mehr Infos: http://www.imdb.com/title/tt6423202/?ref_=nm_flmg_dr_1
Zur Website: http://www.doellsdog.com/de/princess.html

 

#4 Lucy (2016)

Erfrischende Dokumentation von Melinte Reitzema:

 

 

Die 45-minütige Doku begleitet die junge Britin Lucy Fizz. Während man Einblicke in ihren Alltag und ihr Familienleben bekommt, erzählt sie unverblümt von ihrer Geschlechtsumwandlung zur Frau und gesellschaftlichen Stigmas, die ihr alltäglich als Transfrau begegnen.

In glitzernden Zeitlupe-Aufnahmen und mit euphorischer Electro-Musik unterlegt, hat der Film eine zeitgenössische Hipster-Ästhetik, die jedoch Gott sei Dank von Lucys Authentizität und Charakterstärke in den Hintergrund gedrängt wird.

Mehr Infos: http://www.imdb.com/title/tt6142034/?ref_=nm_knf_i1
Zur Website: https://www.facebook.com/courfilms.lucy/

 

#3 From This Day Forward (2015)

Berührendes Portrait einer Familie in einer der Wohl intimsten Transformationen:

 

 

In dieser preisgekrönten Dokumentation begleitet die Regisseurin Sharon Shattuck ihre Eltern während der Vorbereitungen zu einem wichtigen Familienereignis: Sharons Hochzeit. Als ihr Vater sich vor vielen Jahren zu seiner Transsexualität bekannte, drohte diese Veränderung, die Familie zu zu zerreißen.

Intim und einfühlsam legt Sharon dar, wie ihre Familie letztendlich durch die Transformation stärker wurde und weshalb Sharons heterosexuelle Mutter sich entschied, trotz aller Schwierigkeiten an der Ehe festzuhalten.

Mehr Infos: http://www.imdb.com/title/tt4074296/
Zur Website: http://www.fromthisdayforwardfilm.com/

 

#2 Ekaj (2015)

Brilliant amateurhaft, ein brachial ehrliches Werk – in seiner Herkunftsstadt New York schlug der Film hohe Wellen:

 

 

Ekaj (Jake Mestre, r.) ist ein Alleingänger. Sein Geld verdient er mit Prostitution. Wenn er nicht in den Hotelzimmern seiner Klienten schläft, verbringt er die Nächte auf der Straße. Eines Tages lernt er Mecca (Badd Idea, l.) kennen, der immer mehr zu seinem Fels in der Brandung eines brutalen und einsamen Lebens wird.

Das Regieduo Cati und Mike Gonzales entschieden sich für ihren Film, die Rollen nicht mit professionellen Schauspielern, sondern mit Leuten aus der Szene zu besetzen, in der Ekaj spielt. Diese Entscheidung stellt sich als Geniestreich heraus. Viele der Dialoge sind improvisiert, die Interaktionen wirken organisch und ungezwungen. Durch die wackelige Kameraführung, das körnige Bild, die Verwendung natürlichen Lichts und den ruckartigen Schnitt entsteht eine Ästhetik, die das Schicksal so vieler junger LGBTs in den Großstädten umso gegenwärtiger in Erscheinung treten lässt: Prostitution, Gewalt, Einsamkeit, Aids. Alle Faktoren tragen in diesem Film zu einem außergewöhnlichen Filmerlebnis bei.

Mehr Info: http://www.imdb.com/title/tt4074296/
Website: ekajmovie.com

 

#1 Transit Havanna (2015)

Daniel Abmas Film über die sexuelle Revolution in Kuba kann sich ganz oben bei den besten Dokumentationen der letzten Jahre einreihen:

 

 

„Homophobia no, socialisme si!“, skandieren die Teilnehmer des kubanischen Christopher Street Day auf den Straßen Havannas. Unter ihnen: Odette, eine „frische“ Transsexuelle, die noch vor zwei Jahren nach eigenen Angaben der „beste Panzerfahrer Kubas“ war. Ebenso dabei: Malu, Vorstand der örtlichen LGBT – Vereinigung. Beide warten nun schon seit über einem Jahr auf ihre Geschlechtsumwandlung zur Frau. In Kuba werden davon nämlich nur fünf pro Jahr durchgeführt. Die Chirurgen werden aus Belgien und den Niederlanden eingeflogen. Und die Warteliste ist lang. Unterstützt werden sie von Mariela Castro, Nichte von Fidel Castro und Aktivistin für die Rechte von Schwulen und Transsexuellen. Gemeinsam drängen sie die Gesellschaft in bisher unbekannte Territorien, unter den wachsamen Augen religiöser Traditionen und politischer Ideologie.

Abma war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Manchmal ist es schwer zu glauben, dass die Dinge, die dort auf der Leinwand geschehen, nicht gescriptet sind, so perfekt fügen sich die Aussagen der Protagonisten mit den Geschehnissen vor der Kamera zusammen und hinterlassen tiefe emotionale Auswirkungen. Transit Havanna ist traurig wie ermutigend, tragisch wie humorvoll und die eindeutige Nummer eins meines Rankings.

Mehr Info: http://www.imdb.com/title/tt5134750/
Website: http://transithavana-film.com/

Die offiziellen Publikumswertungen könnt ihr euch unter diesem Link anschauen:
https://www.facebook.com/groups/440452729329189/?hc_ref=SEARCH

„Morgen bin ich Barbara“ – Im Gespräch mit Bernhard Kempen

Bernhard ist ein Berliner Autor und Übersetzer mit Doktortitel. Barbara ist eine fetzige Kabarettistin und Sängerin. Und Bernhard ist Barbara.

Ein Bericht von Samuel Bereuther

Gestern hatte ich beim Transgender Filmfestival das Glück, den 46-Jährigen Berliner nach der Vorstellung von Mädchenseele vor dem Kino abzufangen und ihm ein paar Fragen zu stellen. Bernhard ist hier, um seinen Film „Cross Over“ beim Kurzfilmprogramm am Freitag vorzustellen.

Für Bernhard begann es vor neun Jahren, als er von Freunden auf eine Party eingeladen wurde. „Ich hatte irgendwie Lust, etwas Anderes auszuprobieren, also habe ich mir an dem Tag neue Klamotten gekauft und bin zur Party als Frau erschienen.“ Aber mit diesem Abend sollte es nicht zu Ende sein, denn wie es das Schicksal wollte, erschien ihm Barbara. „Da merkte ich: ‚Moment, da steckt doch irgendwie mehr dahinter‘, ich spielte nicht nur eine Rolle.“ Somit entdeckte Bernd seine zweite Identität als Frau. Seitdem erscheint er in der Öffentlichkeit mal in Frauen-, mal in Männerkleidung. Neben seiner Hauptbeschäftigung als Schriftsteller hat er das transerotische Kabarett für sich entdeckt.

 


Selfie mit Bernhard (links)

 

Der 46-Jährige ist sich dabei einer gewissen politischen Verantwortung bewusst. „Ich habe das Privileg, in einer geschützten und toleranten Umgebung aufgewachsen zu sein. Anderen Menschen, auch jüngeren, die sich ihrer sexuellen Identität noch nicht sicher sind, wird vielleicht nicht das gleiche Glück zuteil.“ Mit seiner Arbeit verfolgt Bernhard deswegen auch eine aufklärerische Absicht. Er möchte durch seine Filme ein Zeichen setzen, dass die Schwelle zum anderen Geschlecht kleiner ist, als man denkt, und dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau manchmal nur in einer millimeterdünnen Textilschicht liegen – Kleider machen eben Leute.

Und worum geht’s in „Cross Over“? Da möchte er natürlich nicht zu viel verraten. Sagen wir mal soviel: Es wird intim, verrucht, mit einem ironischen Twist. Man kann gespannt sein! Wenn ihr Bernhards Film sehen wollt, schaut am Freitag, den 28.4. um um 20:30 im Traum-Kino vorbei. Bis Mittwoch könnt ihr noch das Programm des fünften Kieler Transgender Filmfestivals genießen. Klickt auf den Link und erfahrt mehr zum Kinoprogramm!

Programmübersicht zum Festival: http://traumgmbh.de/events/5-transgender-filmfestival/
Barbaras Facebook-Seite: https://www.facebook.com/BeingBarbara

Der Film ruft – Drittsemester der FH Kiel zeigen ihre Filme

Mit dem Fachbereich Medien sorgt die FH-Kiel jedes Jahr für talentierte Nachwuchskräfte in ganz unterschiedlichen Einsatzgebieten. Audio-/Videoproduktion ist ein Teil der Ausbildung. Studierende, die sich vor ihrem Studium nicht weiter mit Filmproduktion auseinandergesetzt haben, lernen in den ersten drei Semestern die Grundlagen hierfür. Große Filmkunst ist natürlich noch nicht zu erwarten – zumal nicht jede/r Medien-Studierende/r später auch im Bereich Film tätig sein möchte.

Ein Bericht von Christoph Zickler

Die diesjährige Projektschau des Drittsemesters lässt erkennen, dass die Wahl der Kameraperspektiven, Schnittrhythmen und vor allem der Ton große Künste sind, die viel Zeit und Geduld brauchen, um sie beherrschen zu können. Jeder Film hat es jedoch trotz technischer Mängel geschafft, seine Geschichte mit interessanten Ideen zu erzählen. Wenn wir uns diese technischen Mängel einmal wegdenken, so ist jeder einzelne Film unterhaltsamer als 80% aller Kurzfilme der diesjährigen Berlinale.

 

#einfachperfekt

#EINFACHPERFEKT erzählt mit einer Parallelmontage … ja, was erzählt dieser Kurzfilm eigentlich? Es geht irgendwie um Social Media, Kochkünste, moderne Beziehungsführung, Konsumverhalten und das Erzeugen einer Scheinwelt. Vielleicht ist letzteres genau der Zweck dieses Films: der Schein. Denn leider sehen wir hier nur den Schein einer genialen Geschichte, einem Streich am Zuschauer, der jedoch nicht wichtig und interessant genug ist, um ein so elementarer Teil der Geschichte zu sein.

Ein Film der Gruppe Marie Kirsten, Melanie Dahm, Tim-Patrick Matthes, Sebastian Scholz, Cora Braun und Mira Haack.

 

 

Schlüsselerlebnis

Das Leben kann so schön sein, wenn eine neue Person ins Leben tritt. Plötzlich ist da jemand, der einem ganz viel bedeutet. Liebe ist schon etwas Besonderes. Doch in nur einem Augenblick, durch nur eine kleine Unachtsamkeit kann sich alles ändern.

SCHLÜSSELERLEBNIS setzt sich mit dem Tod und der damit einhergehenden Trauer auseinander, jedoch aus einer ungewöhnlichen Perspektive.

Der Kurzfilm der Gruppe Martje Nehlsen, Lars Wiesekopsieker, Tobias Schmidt, Julia Börth, Julia Fries, Dennis Przytarski ist in Punkto Kamera und Schnitt noch nicht perfekt. Die schauspielerischen Leistungen unterscheiden sich sehr stark und auch die Dialoge könnten noch einen Feinschliff vertragen. Trotz alledem erzählt Schlüsselerlebnis seine Geschichte unterhaltsam und regt zum Nachdenken an.

 

 

Abgestaubt

Laienhaftes Schauspiel verleiht diesem Film eine besondere Komik, wenn auch ungewollt(?). Der Film soll lustig sein, insofern ist dies unbedingt als Bereicherung zu sehen – es gibt auf jeden Fall den vollen Trash-Score. Abgestaubt erzählt die Geschichte einer (viel zu) jungen, männlichen Reinigungskraft, die fast ihren Job verliert, aber noch eine letzte Chance bekommt. Diese besteht aus einem Soforteinsatz bei einer Kundin. Er macht sich auf den Weg und nimmt schon bald voller Freude seine Arbeit auf. Weil es seine letzte Chance ist, hält die Wohnung natürlich ausreichend Potenzial bereit, um diese zu versauen.

ABGESTAUBT von Kirsty Rixen, Lea Wiegand, Madlin Streipert, Annika
Künstle, Tabea Bender zeigt sehr gut, wie sehr ein Publikum Fehler und Unschönheiten vergibt, wenn die Geschichte unterhaltsam erzählt ist.

 

 

Concilio

Was wäre, wenn heute mein Tag gekommen wäre, wenn ich heute dem Tod in die Augen schauen müsste? Wäre es möglich meine Zeit noch etwas zu verlängern, noch ein paar Tage, Wochen oder gar Jahre? Der Tod lässt ausnahmsweise mit sich verhandeln – das Spiel ums Leben beginnt, doch wer wird siegen?

CONCILIO vom Team Alexandra Metz, Natalie Adler, Nico Kuhn, Mats Claessen, Maria Wille, Kim Heinze möchte mit seiner düsteren Szenengestaltung, dem Spiel mit farbigem Licht, dem Einsatz von Nebel eine Atmosphäre der Angst, des Unwohlseins erschaffen. Eine Atmosphäre, in der der Zuschauer selbst dem Tod ins Gesicht blickt. Das schafft der Film auch, jedoch mit kleinen Einschränkungen.

In eine Geschichte, ja in eine andere Welt eintauchen, das möchte man als Kinozuschauer – die grelle Notausgangsbeleuchtung nicht mehr wahrnehmen und die popcornverzehrenden Sitznachbarn vergessen und einfach einen tollen Film genießen. Immer dann, wenn ein Film nicht perfekt ist, ist man draußen, also wieder zurück im Kino – das Notausgangschild ist wieder viel zu hell und neben einem wird geschmatzt.

Es waren vor allem die Dialoge und allgemein das Schauspiel, das einen zurück in die reale Welt wirft. Es fehlte noch der letzte Schritt zur gänzlichen Verinnerlichung der jeweiligen Rolle. Trotz aller Kritikpunkte muss hier gesagt werden: Weiter so!

 

 

Ins Herz geschlossen

Der große Tag ist gekommen. Die Frage des Lebens soll gestellt werden. Die Blumen sind bestellt, die Pralinen liegen bereit – alles ist perfekt, na ja fast alles. Die Welt ist halt voller Trottel und so muss noch schnell ein anderer Strauß besorgt werden. Die Zeit wird knapper und die Aufregung steigt. Wird sie ja sagen? Oder wird sie vielleicht einfach weglaufen?
Matthias Plich, Sönke Witt, Louisa Ziebell, Bastian Lorenzen, Paulina Burtz, Antonia Hauschild haben ausgesprochen gute Arbeit geleistet. Fast niemand würde hier vermuten, einen Drittsemesterfilm zu sehen. Lediglich die Nebenrollen ließen dies erahnen.

Der Hauptdarsteller schafft es, den Zuschauer auf seiner kurzen Reise zum großen Moment mitzunehmen und ihn dabei mitfühlen zu lassen. Mit seiner außergewöhnlichen Endszene wird jedem Zuschauer vor Augen geführt, wie echte Sprachlosigkeit aussieht und was es bedeutet, wenn endlich wieder Licht in den Raum des Lebens tritt.

 

 

Lasse rennt

Jeder hat diesen einen Freund, der einfach immer zu spät kommt. Die meisten schaffen es wenigstens pünktlich zur Arbeit zu kommen, doch in LASSE RENNT besteht genau darin das Problem. Die Verwarnung lässt nicht lange auf sich warten – das kann kein gutes Ende nehmen. Aber ebendies ist besonders gut an diesem Film.

Henrike Wiesemann, Sarah Flint, Paulina Artinger, Karen Krüger, Katja Becht und Lisa Vollack haben mit Lasse rennt eine witzige Geschichte auf die Leinwand gezaubert. Trotz klassischer Schönheitsfehler in Kamera, Schauspiel und Dialogen ist der Film gelungen.

 

 

Morbus

Schon viele Autoren waren fasziniert von dem schmalen Grat zwischen Realität und Einbildung. Morbus von Fynn Krüger, Natalie Wüpper, Neele Siemann, Philipp Pretel, Benedict Bremert, Eva Scharfenberg nimmt den Zuschauer mit in die Welt einer Person, die nicht mehr weiß, was real ist. Qualitativ entspricht er dem Niveau des dritten Semesters und lässt erahnen, dass Mitglieder des Teams zukünftig gute Filme produzieren werden.

 

 

Nice to meat you

Die Schweinesteaks sind in der Pfanne, der Tisch ist gedeckt – das Tinderdate kann losgehen. Eine letzte Nachricht vorm ersten Treffen erscheint auf dem Handydisplay und plötzlich steht ihm der Schweiß auf der Stirn.

Mit NICE TO MEAT YOU haben Sophie Schweitzer, Jasmin Meziou, Inken Rott, Clara Gigling, Sina Hoyer, Malin Metten witzige viereinhalb Minuten Film erschaffen.

Ein Witz lebt primär von der Pointe, ein lustiger Film braucht aber noch ein wenig mehr. NICE TO MEAT YOU hat schon ganz viel von dem was eine Komödie braucht, um so richtig rund und lustig zu sein. Der Raum wurde gezielt mit Accessoires gespickt, die jeweils selbst kleine Geschichte mit Witzpotenzial erzählen. Die Geschichte ist auch ohne große Schlusspointe unterhaltsam, jedoch fehlte ebendiese. Vor allem in Drehbuch, Regie und Schauspiel stecke noch mehr drin. Aber auch hier sei gesagt: Weiter so!

 

 

Null

Er ist angespannt. Zwei Stifte liegen auf seinem Schreibtisch. Eine Mappe kommt aus einem Schlitz im Schreibtisch. Er zieht sie heraus und schwärzt Wörter in einem Text aus der Mappe. Die Zeit läuft, er beeilt sich. Er legt das Papier zurück in die Mappe und schiebt sie in den Schlitz. Eine neue Mappe taucht auf. Er ist angespannt. Der Test geht weiter und auch die Uhr zählt weiter runter. Worum geht es in diesem Test? Was sind das für Aufgaben? Was passiert, wenn die Zeit abgelaufen ist?

NULL merkt man nicht an, dass er ein studentischer Film ist. Er schafft es den Zuschauer zum Nachdenken zu bringen. Er hält der Gesellschaft mit all ihren Fehlern einen Spiegel vor und regt dazu an, den ständigen Leistungszwang, enge Zeitpläne und die existenzielle Abhängigkeit davon zu hinterfragen.

NULL von Falko Behrens, Lorenzo Huskamp, Frithjof Kottek, Ulf Rasmus Schmidt, Nina G. Steinkamp, Erik Wetendorf hat null Sekunden Langeweile. Ein formvollendeter Kurzfilm auf den jeder Zuschauer sich freuen kann.

 

 

Tisch und Bett

Ein kurzer Blick auf das gemeinsame Frühstück eines Paares kann Bände sprechen. Er ist der Nörgler mit Ansichten aus dem letzten Jahrtausend und sie ist die Schweigsame, die scheinbar alles über sich ergehen lässt. Dieser kurze Blick in das Leben der beiden zeigt mehr einen Zustand als eine Abhandlung.

Während die Protagonistin ohne ein einziges Wort grandios ihre Lebensgeschichte erzählt, kränkelt es bei ihm vor allem an den Dialogen.

TISCH UND BETT entstand im Team Marie-Kristin König, Jan-Lukas Bichel, Jonathan Schulz, Timo Plähn, Nele Jo Thamsen, Karl Knobloch und ist ein gutes Beispiel für eine minimalistische Geschichte mit viel Aussage.

Dokumentarfilm Transit Havanna

Diesen Montag wurde im metro-Kino der erste Film im Rahmen des fünften Transgender Filmfestival in Kiel gezeigt. Die Dokumentation TRANSIT HAVANNA markierte die erste Station eines bunten Filmprogramms, das sich rund um die Themen Transsexualität, Travestie und Toleranz drehen wird.

Ein Bericht von Samuel Bereuther

„Homophobia no, socialisme si!“, skandieren die Teilnehmer des kubanischen Christopher Street Day auf den Straßen Havannas. Unter ihnen: Odette, eine „frische“ Transsexuelle, die noch vor zwei Jahren nach eigenen Angaben der „beste Panzerfahrer Kubas“ war. Die schulterlangen, losen Haare strohblond gefärbt und provisorisch mit einem Haargummi, einer Spange und einer Nadel fixiert, und dennoch mit einem silbernen Kruzifix um den Hals, vermittelt Odette ein Bild, das sich auf ihr Heimatland selbst übertragen lässt: Unter dem Regime Castros stark ideologisch geprägt, streng religiös und – vor Allem – in einer unaufhaltsamen Transformation, hin zu einer ungewissen Zukunft. Zusammen mit Malú und Juani bildet Odette den Kern dieser großartigen Dokumentation von Regisseur Daniel Abma, die einen intimen und unverblümten Einblick in eine Nation im Umschwung bietet.

Bis Samstag kann man noch weitere Dokumentationen, sowie Filme im Lang- und Kurzformat im Traumkino und Co. anschauen. Das Programm verspricht ein breites Spektrum an Eindrücken in Schicksale und Charaktere, die einem viel zu oft verschlossen bleiben. Dazu gibt es im Restaurantbereich der TraumGMBH eine kostenlose Ausstellung der Künstlerin Kirsten Wunsch, die sich in Zeichnungen und Installationen mit dem Thema Transsexualität und Maskierung auseinandersetzt. Jetzt kann man darauf hoffen, dass noch mehr Menschen in die Kinos strömen.

Mehr Informationen

Mutant Reavers – Das neue Musikvideo der Kieler Horror-Punkband

Kiel sieht rot – vor lauter Gedärmen. Im gestern erschienenen Musikvideo Give Me Back My Holotape der Mutant Reavers ergötzt sich das Team aus Kieler Filmemachern am 80er-Jahre Horrortrash. Das Ergebnis ist ein Fest für jeden Genre Nerd.

 

Ein Artikel von Samuel Bereuther

Da wollten sich die vier Bandmitglieder Oli Wonka, Necrola Nic, Doom Van Dan und Dr. Mo nur beim nächsten Weltraumkiosk ein kühles „Spacebräu“ genehmigen, als Kang der Kollektor (Filmemacher Johann Schultz als fabulöser Space-Cousin von Immortan Joe) es tatsächllich wagt, ihr wertvolles Holotape aus dem geparkten Raumschiff zu stehlen.

Regisseur Peter Ahlers (in einer Szene kurz als Holo-Stripper zu sehen) hat seit seinem Retrowave-Trashfilm SKATECOP wohl Kunstblut geleckt. Unterlegt mit quäkigen Synthesizer-Sounds, ist auch dieses Musikvideo eine Hommage an die Horror- und Science Fiction-Filme der frühen 80er Jahre. Beim genauen Hinsehen erkennt man in den tollen Bildern von Kameramann Hannes Gorrissen Anspielungen auf ALIEN oder STAR WARS – im ganzen Video machen sich, ob bewusst oder unbewusst, die Einflüsse von Mario Bava bemerkbar.

Man sieht in jedem Bild, dass viel Liebe in die Low Budget-Produktion geflossen ist. Komplettiert durch das selbstironische Horror-Punk-Geschrei der Mutant Reavers (mit einem Hauch von Metal, so deren Website… dabei aber mehr Metal als Punkt – schaut euch nur ihr Makeup an!) und die nerdigen Trash-Fantasien des Kieler Filmteams ist Give Me Back My Holotape eine wirkliche Trash-Perle für Genrefans.

Website der Mutant Reavers: http://www.mutantreavers.com/

 

Kreuzweise 2017 – Kurzfilmwettbewerb zu den Landtagswahlen

Am Sonntag fand im Studio-Kino die Preisverleihung zum recht kurzfristig ausgelobten Kurzfilm-Wettbewerb „Kreuzweise, ich hab‘ die Wahl“ statt. Bei den Filmen setzten sich die FilmemacherInnen im Vorfeld zu den Landtagswahlen mit dem Thema Demokratie auseinander und setzten ihr Zeichen gegen den Wahlverdruss.

 

Ein Bericht von Samuel Bereuther

Um vier Uhr fand man sich im gut gefüllten Saal in der Marienstraße 10 ein, um gemeinsam die eingereichten Kurzfilme zu bestaunen und – ganz demokratisch – die drei Sieger zu küren. Der Wettbewerb, organisiert vom Landesbeauftragten für politische Bildung und der Firma EinfallsReich Media, wurde laut Bedenken mancher Teilnehmenden leider sehr spät öffentlich beworben, was es umso erstaunlicher macht, dass am Ende ganze vierzehn Kurzfilme eingereicht worden waren.

In den Filmen beschäftigte man sich mal subtil und mal plakativ, mal dokumentarisch und mal experimentell mit dem Wahlrecht und der Wichtigkeit, dieses Privileg wahrzunehmen. Das machte es umso begeisternder, an diesem Tag einen gut gefüllten Saal vorzufinden. Unter den Teilnehmenden konnte man sowohl bekannte Gesichter als auch Neulinge willkommen heißen, sogar aus Düsseldorf wurde ein Beitrag eingereicht.

Am Ende landete Max Wiecanowski mit „Mischt euch ein“ auf dem dritten Platz und Torben Sachert sowie Oliver Ott mit „Wahlhelfer“ auf dem zweiten. Als stolzer Gewinner ging Lorenzo Huskamp mit seinem Spot „Grenzenlos“ aus dem Abend hervor.

 

Platz 1 „Grenzenlos“

 

Platz 2 „Wahlhelfer“

 

Platz 3 „Mischt euch ein“

Into the Waves II – Fünf Fragen an die Filmemacher

Bei der heutigen Kiel-Premiere von Into the Waves II zeigte Eike Köhler eindrucksvolle Bilder, die er gemeinsam mit Sebastian Höfer während einer malerischen und nicht ungefährlichen Kajakreise zum Polarkreis gedreht hat. Das eingespielte Kajakduo wird dafür im Studio Filmtheater vom vollbesetzen Saal mit lautem Applaus belohnt und beantwortet seinem Publikum zahlreiche Fragen – fünf davon kommen von Filmszene SH.

 

Das Interview führte Yorck Beese

Mit Into the Waves II dokumentiert ihr eure Kajakfahrt zum Polarkreis. Wie kamt ihr darauf, diesen strapaziösen Weg auf euch zu nehmen?

EK: Wir sind schon immer gern gen Norden gefahren. Zwei Touren nach Skandinavien hatten wir bereits hinter uns. Im ersten Teil von Into the Waves haben wir unsere Norwegenreise auch dokumentiert. Wir steigern uns jetzt immer weiter, was die Entfernung angeht. Es war also nicht nur eine schnelle Idee.

SH: Das stimmt, es war auch schon immer mein Wunsch, einmal an den Polarkreis zu fahren. Als nächstes müssten wir eigentlich mal von den Lofoten nach Russland fahren.

 

Es ist eine logistische Herausforderung eine solche Tour zu filmen, gerade wenn man nur zwei Kajaks zum Transport hat. Wieviel Filmequipment hattet ihr bei euch und wie lief der Dreh ab?

SH (lacht): Also erstmal muss man mit Eike natürlich geduldig sein. Aber im Ernst: Man muss sich schon absprechen, wann man wo eine Kamera aufstellt und drehen, wenn es geht. Viele unserer Aufnahmen konnten wir so problemlos umsetzen. Am Stadhavet aber ging das nicht, da waren der Wellengang und das Wetter zu extrem.

EK: Ja, da hätte auch keine Absprache mehr geholfen. Insgesamt hatten wir aber fünf Kameras dabei, darunter zwei GoPros, eine Spiegelreflexkamera und eine unverspiegelte Kamera. Du brauchst wasserdichte Mikrofone und natürlich kannst du nicht noch eine Klappe mitnehmen, wenn du ohnehin auf das Gesamtgewicht des Bootes achten musst. Etwas Humor muss man dann schon haben, wenn z.B. das Stativ mal wieder baden gegangen ist. Außerdem ist viel in der Nachbearbeitung zu tun, denn Wind und Wasser liefern unglaublich viele Störgeräusche.

 

Stadhavet ist ein gutes Stichwort. Ihr zeigt die gefährliche Passage bei starkem Wellengang. Wie würdet ihr dieses schwierige Gewässer beschreiben?

EK: Wenn man so wie ich auf der Förde gelernt hat mit dem Kajak zu fahren, dann scheint das Meer zuerst noch berechenbar. Aber wenn du erst einmal in andere Regionen und speziell in Stadhavet fährst, dann merkst du schnell, dass das Meer eine multiple Persönlichkeit hat. Stadhavet selbst ist dunkel. Dort zu Filmen ist so gut wie unmöglich und die Basstölpel fliegen über deinem Kopf wie finstere Götterboten. Das klingt jetzt vielleicht übertrieben mythisch, aber anders kann ich Stadhavet nicht charakterisieren.

SH: Ich sehe das ganz pragmatisch. Klar sind die Wellen höher, aber man lernt, damit klarzukommen. Du musst immer den Respekt vor der See behalten.

 

Euer Film dokumentiert eure Reise zum Polarkreis, aber ihr erzählt natürlich auch ein wenig eure Geschichte und zeigt auch euren Humor. Wie würdet ihr Into the Waves II als Dokumentation verorten?

EK: Eindeutig eine Sportdokumentation.

 

Eike, einer der beiden Vorfilme, der heute vor Into the Waves II aufgeführt wurde, zeigt deine Begegnung mit Fiete dem Delfin, der uns im vergangenen Jahr auf der Förde besuchte. Dabei nutzt du eine Technik, auf die der durchschnittliche Kameramann nur neidisch sein kann: Du filmst den Delfin während einer halben Eskimorolle, das heißt, du hast ihn kopfüber unter Wasser gefilmt – Wahnsinn!

EK: Jeder Kieler wusste natürlich von dem Delfin, das ging ja auch durch die Nachrichten und die sozialen Netzwerke. Ganz klar, dass da auch die Kajakfahrer neugierig werden. Wie in unserem Vorfilm zu sehen ist, habe ich Fiete dann auch tatsächlich auf der Förde angetroffen und mit etwas Geduld konnte ich mich genug annähern, um einige Eskimorollen zu wagen.

 

Auf Facebook tauchten bei Fietes Besuch ja auch mehrere Videos von Sichtungen auf, aber niemand ist dem Delfin so nahe gekommen wie du. Was empfiehlst du einem Kameramann, der diese Technik ebenfalls meistern will?

EK (lacht): Intensives Training!

 

Eike, jetzt zeigst du erstmal Into the Waves II. Wie kann man in Zukunft auf dem Laufenden bleiben?

EK: Meine Website ist www.eikefilm.com und auf www.baltic-surge.de (YouTube: Baltic Surge) kannst du unseren Trailer sehen. Auf diesen Websites bleibst du auf dem Laufenden – und kannst natürlich den ersten Into the Waves nachträglich ansehen …und natürlich die Eskimorolle nochmal studieren!

 

 

Nach Sichtung des Films hat unser Redakteur es sich nicht nehmen lassen, beim HDK Kiel eine Milieurecherche anzustellen und erste Trockenübungen für die Eskimorolle zu machen. Vielen Dank an die beiden Kajakfans Christian Wiesner und Fanny Krause, die bei dieser Gelegenheit einige Fotos für das Interview machten.

 

Reyes – Erste Bilder vom düsteren Thrill Ride

Das Hamburger Produktionsteam Uprise Pictures hat sich mit Kurzfilmen wie Tension oder dem kommenden Retro-Trashfilm SKATECOP einen festen Namen in der Norddeutschen Filmszene gemacht. Mit Reyes wird nun eine deutlich ernstere Saite angeschlagen – in der internationalen Koproduktion versucht sich das Team unter der Regie von Patrick Templin und Rene Wiesner in dem wohl aufregendsten, aber auch riskantesten Genre für Indie-Filmemacher: Dem Horrorfilm.

Ein Bericht von Samuel Bereuther

Auf den Spuren eines blutigen Kultes

Die Handlung ist vielversprechend: Der erfolglose Mick (Kim Sønderholm: FOLLOW THE MONEY, SINISTER VISIONS) kämpft mit einer Schreibblockade und kehrt in seine alte Heimat zurück, um sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Kaum kommt er in dem verschlafenen Örtchen an, beginnen sich die mysteriösen Vorkommnisse zu häufen. Er begegnet der schönen Leyla (Aileen Dankyi-Sampong), einer Liebschaft aus vergangenen Zeiten. Diese scheint mit einem mysteriösen Kult in Verbindung zu stehen, der sich alter südamerikanischer Riten bedient und bei seinen Meetings gerne die eine oder andere Jungfrau über die Klinge springen lässt. Mick setzt sich zum Ziel, den Kult zu zerschlagen und Leyla aus dessen Klauen zu retten. Doch bald muss er herausfinden, dass sein eigenes Schicksal enger mit der dunklen Sekte verknüpft ist, als ihm lieb ist.

Story statt Splatter

Patrick Templin liefert mit REYES sein Langfilmdebüt. „In der Vergangenheit habe ich immer wieder festgestellt, dass die deutsche Independent-Szene, gerade im Horrorbereich, zwar fortlaufend Content produziert, dieser aber nicht wirklich meinen Geschmack trifft“, erklärt er im Interview, „Deshalb habe ich mich dazu entschieden, einen Film zu machen, den ich selbst gern sehen würde.“

 

Ein Independent-Thriller, der ein breites Publikum ansprechen soll, ohne dabei in die Genre-Fettnäpfchen zu treten, die so vielen Nachwuchs-Filmemachern zum Verhängnis werden – ein schwieriges Vorhaben. Patrick Templin räumt aber schnell mit den Bedenken auf, indem er sich zuerst einmal von dem Genre-Begriff distanziert: „Sicher wird REYES Elemente aus dem Horror-Bereich beinhalten, aber genauso wird es Elemente aus Mystery und Thriller geben, und natürlich auch eine gewisse Dramatik.“ Zusammen mit Co-Autor Peter Ahlers hat der Regisseur viel Wert auf die Ausarbeitung der Charaktere und emotionale Tiefe gelegt. „Ja, es ist unser erster eigener Langfilm“, sagt Patrick, „aber das heißt nicht, dass wir mit Wackelkamera im Wald herumlaufen und alles mit Kunstblut vollspritzen werden.“
Für den Low-Budget Genre-Mix fährt das Team große Geschütze auf. So sind am Dreh sogar Firmen aus der Schweiz, Mexiko und Schweden beteiligt. Mit von der Partie sind Schauspieler wie Antonio Monroi (APOCALYPTO) oder Bill Hutchens (THE HUMAN CENTIPEDE 2).

 

 

Noch lange nicht am Ziel

Nächstes Jahr soll der Film endlich auf diversen Festivals der Öffentlichkeit präsentiert werden, doch davor gibt es noch viel zu tun, und bis dahin wird ordentlich die Werbetrommel gedreht. Ende März ist der erste Trailer für Reyes erschienen, im Internet wurden schon zahlreiche Artikel über die Deutsch-Schwedisch-Schweizerisch-Mexikanische Produktion veröffentlicht; auf YouTube ist ein Shoutout zum Film vom bekannten Regisseur Uwe Boll zu bestaunen. Doch Templin hat noch immer einen langen Weg vor sich – bis jetzt hat er den Film größtenteils selbst finanziert. „Es ist nach wie vor schwierig, ‚kleine‘ Filme auf den Markt zu bringen, weil dieser einfach überfüllt ist. Wir werden aber versuchen, REYES in die Welt zu streuen. Dafür ist es enorm wichtig, dass wir Sponsoren finden.“

Nicht nur im Hinblick auf Finanzierung ist jede Hilfe willkommen, auch für kleinere Rollen werden noch Darsteller gesucht. Wer das Projekt unterstützen möchte, soll sich gerne bei Uprise Pictures melden.

 

 

Hier findet ihr die Links zu den wichtigsten Websites und die Email-Adresse für mögliche Investoren. Das Team von REYES bedankt sich im Voraus für jede Art der Unterstützung.

Reyes Facebookseite: http://www.facebook.com/reyesthemovie
Reyes IMDB Seite: https://www.imdb.com/title/tt5648984
Uprise Pictures FB: http://www.facebook.com/uprisepictureshh
Twitter Seite: http://www.twitter.com/uprisepictures
Kontakt für Investoren inbox@uprise-pictures.org

Von der Schlei in die Welt – Im Gespräch mit Regisseur Friedrich Tiedtke

Von Eckernförde ging er nach Berlin und von dort aus nach Dänemark, wo er unter den wachsamen Augen eines Lars von Trier an seinem Handwerk feilte. Jetzt läuft sein aktueller Film auf Festivals in Seattle und Cambridge. Zum Filmfest Schleswig-Holstein lässt er es sich nicht nehmen, in seiner Heimat Halt zu machen, um im Kommunalen Kino in der Pumpe THE BOY IN THE OCEAN zu zeigen. Fünf Fragen an Regisseur Friedrich Tiedtke.

 

Ein Interview von Yorck Beese

In deinem neuen Film zeigst du ein Thema, das im Kino noch eher selten ist: Das Erwachen der Sexualität im männlichen Kind, das sich eigentlich noch fest im Schoß der Familie befindet. Wie kamst du zu diesem Thema?

Ich bin mir nicht mehr sicher, was zuerst kam: Die Idee einen Film über den Übergang zwischen Kindheit und Jugend zu machen oder einen Film, der auf einem Segelboot spielt. Letztendlich ergänzen diese Ideen sich aber gegenseitig, denn das Segelboot hat als Ort eine Ambivalenz, die sowohl die äußere als auch die innere Gefangenschaft des Protagonisten einfängt.

 

THE BOY IN THE OCEAN nimmt sich dem Coming of Age an, ohne geschmacklos oder platt zu werden. Was verbindest du mit der Situation. Wie bewertest du die Rolle des Jungen, in dem die Lust gerade erst erwacht?

Üblicherweise wird Jungen eine eher einfache Rolle zugeschrieben, wenn es um pubertäre oder vorpubertäre Sexualität geht. Der Schmerz und die Tiefe, die mit dem sexuellen Erwachen verbunden sind, werden dagegen kaum beleuchtet. Dabei ist das ein komplexes Thema, das noch längst nicht ausgelotet ist.

 

Dein Film lässt den Zuschauer unmittelbar am Innenleben des Jungen teilhaben, macht seine Gedankengänge nah und nachvollziehbar. Wie wichtig ist dieser Aspekt für dich?

Psychologisierung ist eines der wichtigsten Elemente des Filmemachens. Das macht Kino spannend, schafft Komplexität, schafft Stimmung und Zeitbezüge. Um eine Figur spannend zu machen, muss der Zuschauer an ihrer Psyche teilhaben können. Für mich persönlich beginnt dieser Aspekt natürlich mit der Preproduction, aber er endet erst mit dem finalen Schnitt und selbst der bringt noch Neues hervor, an das ich vorher vielleicht nicht gedacht habe, im Nachhinein aber im Film haben möchte.

 

War es schwierig, diese Rolle mit einem Jugendlichen zu filmen?

Mein Hauptdarsteller, der selbst noch in diesem Alter ist, 12 bis 15 Jahre eben, hat mit seiner Professionalität voll überzeugt. Durch die Art und Weise, wie wir einige der „schwierigen“ Takes gedreht haben, in Verbindung mit seinem Spiel, konnte ich sicher sein, dass wir den Film in der gewünschten Form zeigen können.

 

Dein Film zeigt einen pointierten Umgang mit Sprache – die Dialoge der Figuren sind zugleich an die Situationen gebunden, in denen sie stattfinden, und vermitteln doch eine tragische Ironie, die der Szene innewohnt. Wie wichtig ist Sprache für dich?

Die Schwierigkeit ist es, die Sprache natürlich zu halten. Natürlichkeit zu erzeugen ist eine Kunst für sich. Ein Drehbuch zu erstellen ist da auch ein schwerer Prozess, doch muss man eine Abgewogenheit erreichen. Ich möchte so wenige Worte wie möglich benutzen, lieber nochmal einen Satz streichen. „Ist Sprache überhaupt in der Lage wiederzugeben, was wir sagen wollen?“, das ist eine Frage, die ich mir mehr und mehr stelle.

 

Bild: Berit Mölleken

„Unsere Filme auf großer Leinwand“ – Nachbericht der Podiumsdiskussion

Schleswig-Holstein muss etwas tun und die Filmemacher im Norden wollen etwas tun. Dies klang bei der Podiumsdiskussion “Unsere Filme auf großer Leinwand” Ende Januar in der Hansa48 deutlich heraus. Geladen hatte der Kieler Filmemacher Stammtisch und über fünfzig Interessierte waren gekommen, um mitzudiskutieren. Eine Zusammenfassung.

Bericht von Yorck Beese

 

Es ist Dienstagabend der 31. Januar 2017 und der Kieler Filmemacher Stammtisch hat ins Theater der Hansa48 geladen. Erschienen sind 50 Filmschaffende und Kinobetreiber, Vertreter von Bildungseinrichtungen und Filmfestivals, alte Hasen und neue Gesichter, allesamt aus dem hohen Norden. Am Podium Jessica Dahlke, Johann Schulz, Christoph Zickler und Hille Norden, die den Abend mit einem Blick auf die Wirklichkeit eröffneten.

Sicher ist, dass es eine agile Filmszene in Schleswig-Holstein gibt, die über haupt- und nebenberufliche Filmemacher verfügt. Auch kann hier Film studiert werden, entweder Hands-On an den Fachhochschulen in Kiel und Flensburg sowie an der Muthesius Kunsthochschule oder theoretisierend an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Doch Motivation und Begabung blitzen nicht nur an den Hochschulen auf. Lübeck, Flensburg, Heide, Husum, Schersberg und Kiel sind nur einige Zentren des schleswig-holsteinischen Films – und hier beginnen die Sorgen, denn wer ist eigentlich diese Szene, was wird wo gefilmt und wie erfahren Zuschauer, Kinobetreiber und selbst Filmemacher davon, was es zu entdecken gibt? Die Gastgeber vom Verein Filmkultur SH e.V. haben über Monate eine ganze Reihe von Ideen entwickelt, die sie an diesem Abend präsentierten und zur Diskussion stellten. Marketing, Auswertung, Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerk und Archivierung sind fünf der Kernpunkte.

 

Szenenidentität und Markenbildung

Unter einer gemeinsamen Kulturmarke soll die Szene zueinanderfinden. Identität ist das Stichwort, mit der nicht nur Zusammenhalt und die Vernetzung gefördert wird, sondern ein gemeinsamer Auftritt die Kräfte für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bündelt.

Dabei tauchen sofort viele Fragen auf. Natürlich müsste eine solche Marke bestimmte Qualitätsansprüche erfüllen, um die Erwartung des Zuschauers nicht zu enttäuschen oder diese sogar durch schlechte Inhalte zu verprellen. Auf der anderen Seite sollte eine solche Auswahl auch nicht dazu führen, dass sich die Szene zersplittert. Und nach welchen Kriterien soll ausgewählt werden? Inhalt und Form wie es zum Beispiel das Manifest der Gruppe Dogma 95 forderte, können es nicht sein – zwar erhielte man damit einen Satz Regeln, den man bei Bedarf auch brechen könnte (die Dogma-Gruppe tat dies auch fleißig), aber dafür sind die Filme aus Schleswig-Holstein letztendlich zu unterschiedlich. Also blieben nur technische Merkmale sowie Standards bei Themen wie technische Qualität oder Mindestanforderungen beim Pressematerial. Diese könnten durch eine Redaktion verwaltet werden.

 

Informationen bündeln und archivieren

Seiten wie UnsereSerien haben es vorgemacht. Sie agieren quasi als Tor, über das sich Suchende in gebündelter Form über das Filmemachen in Schleswig-Holstein informieren könnten. Diese Plattform soll im Gegensatz zu den Nachrichtenseiten infomedia-sh.de und filmszene-sh.de eher lexikalische Form haben, ähnlich wie die Internet Movie Database (IMDB). Hier fände der Interessierte Filmtitel, Trailer, Genre, Laufzeit, Synopsis, Cast & Crew-Listen sowie viele weitere Infos. Zusammen mit den Archivdaten, die der Verein Filmkultur SH e.V. in den 26 Jahren seit seiner Gründung gesammelt hat, ließe sich eine umfassende Datenbank gewinnen und somit auch eine längst überfällige norddeutsche Filmgeschichte schreiben.

 

Filme verfügbar machen

Für Verleih und Marketing ebenso wichtig ist die Idee einer „Kino Cloud“ (Arbeitstitel): Eine Seite, über die man sich nicht nur schnell informieren könnte, sondern auch die Filme zum Download erhält. In kleiner Variante reicht den anwesenden Kinobesitzern jedoch auch die oben genannte Seite, über die sie möglichst einfach und schnell eine Auswahl von Filmen zusammenstellen und bestellen könnten. Denn der Informationsfluss zwischen Kinos und Filmemachern ist weiterhin zäh, was für Kinos, die gerne regionale Filme zeigen würden, mehr als bedauerlich ist.

Beim Thema „Kurzfilm als Vorfilm” trat leider sofort Ernüchterung auf. Das Problem ist die FSK. Ohne FSK-Freigabe können Kurzfilme aus der Szene nur vor Filmen ab 18 oder vor einer Sneak-Preview laufen. Und für den Antrag einer FSK-Freigabe fehlt den meisten No- und Low-Budget-Filmen das Geld.

 

Tu Gutes und sprich darüber

Auch die Kulturpolitik soll zukünftig wieder stärker ins Auge gefasst werden. Neben dem Online-Angebot könnte ein schön gestaltetes Jahresheft den Entscheidungsträger das Gefühl geben, die Gelder an der richtigen Stelle verteilt zu haben bzw. zu verteilen. Zudem vermittelt ein solcher Auftritt ein Bild hoher Professionalität der Filmszene nach außen hin.

Einen ersten Teilerfolg dürfen Dahlke, Schultz, Norden und Zickler von der Filmkultur SH e.V. und dem Landesverband Jugend & Film für sich verbuchen, denn eines war an diesem Abend spürbar: Es herrschte Aufbruchstimmung. Und damit diese nicht im Sand verläuft, lädt der Verein Filmkultur SH Interessierte dazu ein, in einer Arbeitsgruppe weitere Schritte zu erarbeiten und einzuleiten.

Wer der Arbeitsgruppe beitreten und damit die Herdplatte unter der Schleswig-Holsteinischen Filmszene anstellen möchte, ist hiermit herzlich eingeladen: jd@filmkultur.sh

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