Das verkopfteste Filmfestival Kiels überrascht mit Genre

Am Donnerstag (11.09.2014) traf sich die Kieler Filmszene in der Szene-Disco Luna, um die „verkopftesten“ Filme der Stadt anzusehen. Doch die Veranstalter überraschen positiv mit einer guten Mischung und sogar Genre wie Horror, SciFi und Musical bekamen ihre Chance. Filmszene-sh.de stellt alle gesehenen Filme in einer Kurzrezension vor.

Sprachlos (Conrad Pfüller)

Ach ja, die Stummfilmzeit. Ach ja, dieses wunderbare Overacting. Machen wir doch einen Film draus. Und zwar einen ziemlichen witzigen, der vor allem von seinem Hauptdarsteller lebt. Für einen netten Abend wärmsten zu empfehlen.

Macher von Sprachlos

Traumwäsche (Olya Rada)

Das freudrische Kurzfilmdrama á la Ingmar Bergman hinterlässt einen positiven Eindruck, auch wenn Filmliebhabern und regelmäßige Besucher von Kurzfilmfestival wie ich immer wieder das Gefühl beschleicht, das Ganze schon unendlich mal gesehen zu haben. Es wäre schön endlich ein Festivalabend zu erleben, wo nicht jeder zweite Film irgendwas mit dem menschlichen, gruseligen Innenleben zu tun hat. Trotzdem, die Jury urteilte: Bester Film und Bester Schnitt

Filmemacherin Olya Rada

Der Philaterist (Jan-Gerrit Seyler)

Mächtig drollig erobert Hauptdarsteller Armin Dillenberger an diesem Abend die Herzen der Zuschauer. Als Briefmarkensammler mit Sozialphobie macht er die Wandlung des Helden, der gezwungen ist nach draußen zu gehen, auf sympathische Weise fühlbar. Die Jury vergab den 2. Preis und den Preis für die Beste Kamera. Zudem gab’s den Publikumspreis.

1984 (SoulfireHifi , Ronny Trettmann)

Als Knetfigur kommt der Rapper dieses Videos daher, der für den Dreh keine Zeit hatte. Übrigens eine Weltpremiere an diesem Abend.

Macher von 1984

Ebene Minus Eins (Gor Margaryan)

Ein Fahrstuhl, eine Videokamera, ein Experimentalfilm. Für das Genre, das nicht für jedermann ist, faszinierend anzusehen. Die Jury urteilte: Bestes Sound Design

Schmidts Katze (Felix Knoche)

Die besten Geschichten über die Deutschen erzählt man am besten – richtig – in einem Schrebergarten. Leider lässt sich der Mörder zu schnell erahnen. Schade. Trotzdem schaurig-schön.

ZDF Champions-League-Spot (Sven Sindt)

Zu hart für das ZDF, aber würdig genug für das Luna-Publikum, dachten sich die Veranstalter und nahmen diesen Spot mit ins Programm. Warum auch immer.

Filmemacher Sven Sindt

Von Sinnen (Ingo Rotkowsky & Co)

Ganz von Sinnen kommt Christian Kock in diesem Kurzfilm daher. Der während des 48-Stunden-Wettbewerbs im Mai entstandenen Beitrag funktioniert auch außerhalb diesen Rahmens.

Sarang Aria – Regisseur bei „Von Sinnen“

Piete

Der Zeichentrickfilm ist niedlich. Das finden zumindest alle Zuschauerinnen, die jedes Mal, wenn Piete mit seinen großen Kuhleraugen zwinkert, in ein kollektives „Oooh“ verfallen. Die Jury empfand wohl ähnlich und vergab für die animierten Vogelköpfe den Preis für den „Verkopftesten“ Film.

Feuer, Wasser, Erde, Luft und Zeit (Maria Reinhardt)

In die Trickkiste filmischer Natur greift dieser Film. Zusammen mit einer wunderschönen Kulisse und einer gut erzählten Handlung immer wieder sehenswert. Die Jury urteilte: Bestes Timing.

Hauptdarsteller Falk Szyba von „Feuer, Wasser, Erde, Luft und Zeit „

Aground: Terra 9629 (Kaweh Kordouni)

„Dieser Film funktioniert sogar, wenn das Bild ruckelt“, erklärte Moderator Felix. Die Dystopie entstand während des Nur-48-Stunden-Wettbewerbs im Anscharpark in Kiel-Wik.

Recordation (Sven-Friedrich Wiese)

Trash? Experimentalfilm? Das Spiel mit den Erwartungen? Ein interessanter Beitrag.

Filmemacher Sven-Friedrich Wiese

Opakustisch (Bernd Fiedler)

Mit Bildmaterial aus dem Archiv bastelt Bernd Fiedler eine schaurige Collage über Erinnerungskultur.

Filmemacher Bernd Fiedler

Mopping (Torben Sachert)

Natürlich darf bei einem solch verkopften Festival der lustige Abgang nicht fehlen, den Torben Sachert mit seiner in 48-Stunden gedrehten Musical-Nummer schafft. Ein Comedy-Stück á la Saturday Night Life Digital Shorts, das uns wohl noch einige Monate bei Kieler Kurzfilmabenden begegnen wird. Auf das uns der Film irgendwann aus Augen und Ohren blutet. Die Jury vergab den Preis für den Verfußtester Film (Choreografie in einem Musical).

Filmemacher Torben Sachert

Außer Konkurrenz liefen zudem Eis von Jessica Dahlke (Autorin dieses Artikels) und Cowboy und Indianer von Jan-Gerrit Seyler.

Wir sollen über dein Filmfestival oder deinen Kurzfilmabend berichten? Dann schreib uns an!

Fotos und Bericht: Jessica Dahlke

Sponsoring: Eine Sache der Glaubwürdigkeit

Am 18. August traf sich die Kieler Filmemacher-Szene wieder im Studio Kino am Dreiecksplatz, um sich über ihre Erfahrungen mit Sponsoring und Crowdfunding auszutauschen. Darunter etablierte Filmemacher, Studenten der CAU Kiel und der Muthesius Kunsthochschule sowie hauptberufliche Videoproduzenten.

Sponsoring ein wichtiges Mittel der Filmfinanzierung

Filme kosten Geld, das ist kein Geheimnis. Und wer nicht-kommerziell produziert, für den ist das eigene Werk oft ein Verlustgeschäft. Selbst wenn alle Beteiligten auf Gehälter verzichten und das Equipment vorhanden ist, müssen Kosten für Catering, Fahrten und die Anschaffungen von Ausstattung und Kostümen bedacht werden.

Dem Sponsor einen Mehrwert bieten

Bevor man jedoch losrennt und bei Sponsoren nach Geldern, Rabatten oder Sachgegenständen fragt, sollte man zunächst einen Mehrwert für den Sponsor finden, dem man ihm quasi im Tausch anbieten kann. Das können profane Dinge wie die Nennung im Abspann, in den sozialen Medien oder Pressetexten sein, aber auch komplexe Vereinbarungen wie die Verbindung des Films mit einer Veranstaltung, an der das Unternehmen beteiligt ist. Schnell stand beim Stammtisch die Frage nach der Einflussnahme im Raum. Die sei nach Erfahrung der Teilnehmer jedoch eher gering. Auch sollte der Sponsor zum Thema des Films passen und nicht ein Thema kritisieren, das Geschäftsinhalt des Unternehmens ist.


Karstadt Kiel als Sponsor von „An diesem Sonntag“

Der erste Kontakt

Zu Beginn der Sponsorensuche muss zunächst der richtige Ansprechpartner gefunden werden. Briefe und E-Mails an Generaladressen bleiben vor allem bei größeren Unternehmen meist unbeantwortet. Erste Anlaufstelle sind in der Regel die Pressestelle bzw. die Abteilung für Unternehmenskommunikation. „In jedem Fall ist der persönliche Kontakt immer die bessere Wahl“, erklärt Sigrun Benesch, die für Kaweh Kordounis „An diesem Sonntag“ Karstadt Kiel mit ins Boot holen konnte. Das Kaufhaus sponserte 2014 einen Großteil der Kostüme des Kurzfilms. „Nach einem Telefonat bin ich vom Filialleiter direkt eingeladen worden und habe ihm vor Ort unser Projekt vorgestellt.“ Als Gegenleistung wurde Karstadt als Hauptsponsor genannt und erhielt eine gesonderte Kampagne auf Facebook, Youtube, Google+ und Twitter in Form von Bildern, Berichten und einem Video. Product Placement fand nicht statt. Allgemein ist Product Placement ein schwieriges Thema, das beim Stammtisch leider unter den Tisch gefallen ist.

Crowdfunding ist kein Selbstgänger

Aller Anfang ist schwer und das gilt vor allem beim Crowdfunding. Viele Erstprojekte werden daher fast ausschließlich durch Freunde und Familienmitgliedern finanziert. Wer größere Projekte heben will, braucht eine bereits bestehende Fanbase, die mit aktivem Marketing und Social Media-Marketing vorher aufgebaut werden muss. Auch durch Pressearbeit können Fans akquiriert werden. Hier sollte der Fokus zunächst auf Lokalblätter liegen, da diese bei der Bevölkerung großes Vertrauen genießen. Zudem werden Projekte vor Ort gern unterstützt. Das wichtigste Erfolgsrezept bleibt jedoch Vertrauen, denn die Fans geben Geld für ein Produkt, von dem sie nicht wissen, ob es gut wird. Authentizität ist gefragt, genauso wie eine gut geschriebene (fehlerfreie) Projektbeschreibung und professionelle Bilder (Setfotos, Probeaufnahmen) sowie Videos. Image und Glaubwürdigkeit sind eben alles.

Habt ihr noch mehr Anregungen zum Thema Sponsoring. Dann schreibt uns eine Mail oder kommentiert diesen Artikel. Wir freuen uns auf euren Besuch beim nächsten Stammtisch.

Titelbild: Sven Uckermann

Beißende Fußballfans auf der Kieler Woche

Mit einem zähen aber verdienten Sieg gewann die deutsche Mannschaft am 26. Juni 2014 mit einem 0:1 das Spiel gegen die USA. Hunderte Studenten hatten sich an diesem sonnigen Sommertag in der Mensa I der CAU Kiel versammelt, um auf großer Leinwand dem Spektakel beizuwohnen. Was sie nicht wussten: Unter ihnen befand sich eine Horde Zombies, die die Zuschauer mit einem tödlichen Virus infizierten. Gott sei Dank alles nur Fiktion, denn Filmemacher Sven Heid drehte seinen neuen Zombiefilm SAILING CITY OF THE LIVING DEAD 2 – ZOMBIESCHLAND.

 

 

Insgesamt schon der fünfte Kurzfilm, in dem Heid mit seinen Zombies eine vermeintlich heile Welt zerstört. Erst im letzten Jahr drehte der Regisseur mit seiner Film- und Theatergruppe glaseisenbeton SAILING CITY OF THE LIVING DEAD 1, wo er seine Darsteller in den frühen Morgenstunden über die noch unaufgeräumte Kieler Woche schickte. Mit seinen oft unkonventionellen Trash-Streifen gehört Sven Heid zu den ausgefalleneren Filmemachern der Kieler Filmszene und produzierte bisher 18 Kurzfilme, darunter DIE BÜRGERINITIATIVE SCHREVENPARK, ZOMBIES IM BAU 2 sowie EINE JUNGFRAU FÜR GRAF DRACULA.

 

Fotos: Mirko Siebert

Dreharbeiten im Anscharpark

 

Entsetzte Blicke und das Geschrei zweier Männer rüttelten am Samstag (12. Juli 2014) den sonst so idyllischen Anscharpark in Kiel-Wik auf. Doch schnell legte sich die Aufregung, denn hinter der vermuteten, üblen Schlägerei unter Gangmitgliedern steckten die Schauspieler Martin Sprung und Kay Oeikim Kasman, die gerade eine Kampfszene für den neuen Kurzfilm von Jackie Gillies drehten. An vier Drehtagen entsteht zur Zeit eine düstere Geschichte um einen Astronauten, der an diesem morbiden Ort auf Menschen trifft, auf die das Adjektiv „normal“ in keinem Fall zutrifft.

 

Martin Sprung und Kay Oeikim Kasman in Aktion

Einen Titel für den Kurzfilm gibt es noch nicht, doch soviel kann gesagt sein, es handelt sich um eine zweite Version von Kaweh Kordounis AGROUND: TERRA 9629 (D, 2014), der im Mai den zweiten Platz beim „Nur-48-Stunden“-Wettbewerb gewann.

 

„Wir hatten uns von vornherein überlegt, zwei verschiedene Versionen der Geschichte im Anschar-Park zu drehen. Die jetzige ist etwa doppelt so lang wie AGROUND: TERRA 9629 und hat einen anderen erzählerischen Schwerpunkt. Auch der Soundtrack ist neu. Er wird von Max Berghaus komponiert und unterstreicht die drückenden Bilder dieses wirklich fantastischen Ortes“, erklärt Regisseurin Jackie Gillies, die das Drehbuch zusammen mit Kristin Danger geschrieben hat. Gedreht wird in den Ruinen der alten Anschar-Park-Klinik, die 2004 aus den Gebäuden auszog. Seitdem verfallen die Häuser zusehens und sollen Anfang 2015 teilweise abgerissen werden. „Es ist wirklich schade, dass dieser sehenswerte Ort dem Erdboden gleich gemacht wird. Leider gibt es hier in der Umgebung nur wenige Plätze wie diesen“, bedauert einer der Fotografen, die den Anscharpark für ihre Fotoprojekte nutzten.

 

Tonmann Pierre Schmalfeldt und seine Assistentin Nicole Nowak

Für Filmemacherin Jackie Gillies ist der Kurzfilm das erste Projekt, für das sie als Regisseurin verantwortlich ist. Zuletzt war sie als Regieassistentin bei zwei Kurzfilmen von Kaweh Kordouni (AN DIESEM SONNTAG, AGROUND: TERRA 9629, beide 2014) tätig. Zudem konzeptionierte sie mit Jan Waßmuth und Simon Hansen die Ausstellungsfilme BACK TO EARTH (D, 2013) und CANNONBALL PARADISE (D, 2014) für die Herbert Gerisch-Stiftung und agierte als Kameraassistenz und Cutterin. 2010/12 war sie bereits für den Schnitt der Wrestling-Dokumentation KIELER GIGANTEN zuständig, welcher 2013 auf dem Filmfest „Augenweide“ (seit 2014 Filmfest Schleswig-Holstein) gezeigt wurde. Beim Theaterstück „frankenstein. panik. halleluja.“ (Regie: Jan Waßmuth), das 2013 im Lessingbad einen achtenswerten Erfolg feierte, war sie u.a. für das Marketing verantwortlich.

 

Kamerfrau Jessica Dahlke

Der Kurzfilm wird erneut von der Kamerafrau Jessica Dahlke fotografiert, die bereits bei der Vorgänger-Version AGROUND: TERRA 9629 an der Kamera stand. Für Ausstattung, Maske und Kostüm ist Kristin Danger verantwortlich. Ton macht Pierre Schmalfeldt. Schnitt und Postproduktion erfolgt durch Max Reble. In der Hauptrolle ist Conrad Stoll zu sehen. Studenten der FH Kiel produzieren zudem ein Making-of.

Bilder: Frank Schmerschneider

Letzter Stammtisch vor dem „Sommerloch“

 

Während die ganze Nation auf Brasilien blickt, blicken die Kieler Filmemacher in ihre Terminkalender. Sommerloch und Sommerpause? Nicht in der Filmbranche. Das zeigt auch die rege Beteiligung am letzten Filmemacher-Stammtisch vor der Sommerpause in der Forstbaumschule in Kiel, der am Dienstag den 17. Juni 2014 stattfand. Bei kühlem Bier wurden in der schönen Abendsonne aktuelle Projekten vorgestellt und über die guten alten Zeiten philosophiert.

Caro Palm und Sascha Witt

FH-Studentin Caro Palm erklärt, warum der Sommer keineswegs drehfrei ist: „Ich finde im Sommer ist der Filmemacher viel freier, was das Drehen angeht. Man ist nicht an drinnen gebunden, das Licht ist länger da, die Temperaturen sind angenehmer und die Umgebung gibt einem mehr Möglichkeiten.“ Sascha Witt, auch Student Multimedia Production (FH), ergänzt: „Da es eine große Anzahl an Filmfesten im Herbst gibt, nutzen viele gerade die Sommermonate, um zu drehen oder Projekte fertigzustellen.“ Sascha arbeitet an einer Portrait-Reihe über besondere Menschen auf dem Campus der FH Kiel.

Margit Waschull mit Olga „Gina“ Wanner

Auch Stammtisch-Neuzugang Margit Waschull, Drehbuchautorin, ist im Sommer nicht von Langeweile geplagt: „Beim Projekt ‚talentCAMpus‘ bietet die VHS Kiel jugendlichen Flüchtlingen in den Ferien eine Schreibwerkstatt an, die ich mitbetreue. In Zukunft möchte ich mich aber vermehrt dem Film widmen. Als Einstieg wäre ich gerne als ‚helfende Hand‘ am Set dabei. Später würde ich gerne meine Drehbücher verfilmen. Daher hoffe ich, bei diesem Stammtisch neue Kontakte knüpfen zu können.“

Filmemacherin und Kamerafrau Jessica Dahlke erzählt von ihren Sommerprojekten: „Im Juli drehen wir unter der Regie von Jackie Gillies eine zweite Version unseres 48-Stunden-Beitrags ‚Aground: Terra 9629‘ im Anscharpark. Darin wird es diesmal etwas blutiger zugehen. Im Spätsommer ist dann ein Sommerfilm in Schierensee geplant, den ich mit Sigrun Benesch umsetzen werde. Darin geht es um ein Senioren-Ehepaar, das den bürgerlichen Schein bewahren will, obwohl es sich seit Jahren hasst wie die Pest.“

Sven Heid

„Aber ein wenig ist das Sommerloch doch zu spüren,“ überlegt Sven Heid, der auf der Kieler Woche, am Tag des WM-Spiels Deutschland gegen USA, einen Zombiefilm drehen wird, „die richtig guten Schauspieler haben meist Spielpause.“

Neben jungen Studenten waren an diesem Abend auch viele alte Hasen aus der Kieler Filmszene gekommen. Denn hier kann man nicht nur neue Kontakte knüpfen, nein, man kann auch alte Verbindungen wieder aufleben lassen. So saßen sich Helmut Schulzeck und Peter Hertling nach über 10 Jahren endlich wieder persönlich gegenüber. „Das liebe ich an diesem Stammtisch. Er bringt die Leute dazu, sich aktiv zu vernetzen und am Ball zu bleiben, denn in Kiel tut sich viel. Man hat das Gefühl, an jeder Ecke sprießt momentan ein neuer Filmemacher hervor“, so Schulzeck. „Es ist schön zu sehen, wie Kiel sich entwickelt hat. Ich sag’s euch, damals wollte ich hier nicht begraben werden“, erinnert sich Peter Hertling und Helmut schmunzelt: „Ich weiß noch, wie ich damals eine Filmförderung beantragt habe und am nächsten Tag vorsprechen sollte. Ich fühlte mich, wie bei der mündlichen Abiturprüfung.“

Kaweh Kordouni und Helmut Schulzeck

Beim Thema Filmförderung kamen dann die ersten kritischen Stimmen. Früher sei es um einiges einfacher gewesen, an Fördergelder zu kommen. Zudem würden die finanziellen Mittel oft nicht optimal verteilt oder in Projekt anderer Bundesländer oder sogar anderer Staaten gesteckt statt damit die Filmschaffenden im eigenen Bundesland zu unterstützen. Schleswig-Holstein boykottiert sich selbst, so Meinung einiger.

Sommerloch hin oder her, in Kiel tut sich viel. Helmut Schulzeck stellt seine beiden Filme „Manchmal denk‘ ich jetzt auf deutsch“ und „Löcher im Kopf“ fertig. Der Filmessay von Stephan Sachs „Translating The Blue“ feiert am 16. Juli Premiere und Caro Palm schließt ihre bereits gedrehte Doku über die Kieler Tafel ab. Wir sind gespannt, was uns die Filmemacher beim nächsten Stammtisch im August zu erzählen haben.

Bericht: Olga „Gina“ Wanner
Fotos: Jessica Dahlke

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Vernissage „Dysfunctional Dialog“

Schleckermarkt Vineta-Platz Gaarden. Diesen ungewöhnlichen Ort wählten die Studenten der Freien Klasse Film der Muthesius Kunsthochschule für ihren dysfunktionalen Dialog mit der Welt.

Schlecker: Sinnbild für die Kapitulation vor dem mächtig gewordenen Weltmarkt, der für die Verkäuferin – Schleckerfrau – nichts mehr als einen warmen Handschlag übrig hatte. Und der Vineta-Platz in Kiel Gaarden. Symbol für die Gestrandeten, die in einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft keinen Platz haben. Dysfunktional eben: Sinnentleerter, unzweckmässiger und unpraktischer Dialog mit einer Welt, die sich selbst entfremdet hat. Der perfekte Ort für eine Videokunst-Ausstellung.

 

 

Kommt der Besucher in den Raum, so findet er fünf Leinwände (in der Fachsprache Medien genannt) vor, auf denen in unregelmäßigen Abständen kurze Filme erscheinen. Töne und dysharmonische Musik wechseln einander ab. Das Klicken einer Computermaus folgt dem Gemurmel eines Mannes, dessen Worte unverständlich und damit bedeutungsleer bleiben. „Es ist das Spiel mit den Kombinationen“, erklärt Professor Stephan Sachs, selbst Filmemacher mit dem Schwerpunkt Experimentalfilm und essayistischer Dokumentarfilm. Seine zwölf Studenten haben ihre Filme für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Darunter Abstraktes, Experimentelles, Dokumentarisches aber auch Erzählerisches. „Die Filme erscheinen auf den Medien in immer neuen Kombinationen und setzen sich so zu Geschichten zusammen.“

 

 

Für den Zuschauer eine inspirierende und zugleich verstörende Reise. Die Ausstellung lädt zum Verweilen ein. Da sitzt man nun auf dem nackten Betonboden, auf dem sich jahrelang Schleckerkunden durch die engen Regale gedrängt haben. Da begegnet man dem Vineta-Alki, den die Neugier in den Kunstraum getrieben hat und der bewegungslos vor einem der Leinwände steht, als wäre er selbst eines der Kunstobjekte, die gezeigt werden. Man fragt sich: Was denkt er? Und was will die Kunst? Und welchen Beitrag trägt das junge Medium Film bei, das die Realität abbildet und doch ganz neue Wahrnehmungswelten schafft?

 

 

Wer ein bisschen Zeit mitbringt und sich ähnliche Fragen stellen will, der ist vom 20. Juni bis 03. Juli 2014 herzlich eingeladen, die Räumlichkeiten im alten Schleckermarkt (Elisabethstr. 68, Kiel) zu besuchen.

Mehr Informationen gibt es hier.

Bericht und Bilder: Jessica Dahlke

Du willst, dass wir über Deinen Dreh, Deine Premiere, Deine Veranstaltung oder Deine Filmarbeit im Allgemeinen berichten? Dann melde Dich einfach unter info[at]filmszene-sh[dot]de .

Außerdem suchen wir laufend rasende Reporter, die über die Filmszene Schleswig-Holstein berichten wollen.

Die norddeutsche (Film-) Jugend von Heute

Es gibt sie und zwar genau hier in Schleswig-Holstein. Filmbegeisterte Jugendliche, die mehr machen, als bloß die ewig gleichen Schulprojekte oder Dokumentationen über Schafe und das Wattenmeer. Die Jugendlichen von moinmoin movies haben sich zwei Leitsätze ganz groß auf die Fahnen geschrieben: „Spaß haben und die eigene Kreativität fließen lassen“. Wie das genau aussieht, wird auf dem Blog „moinmoin-movies.blogspot.de“ dokumentiert. Die 15- bis 19-Jährigen halten ihre Filmprojekte überwiegend in Form von Filmtagebüchern fest und ermöglichen somit einen Blick hinter die Kulissen.

Wie alles seinen Lauf genommen hat und wer genau hinter moinmoin movies steckt, verrät uns der 18-jährige Merlin Slamanig.

filmszene-sh.de: Wie bist du zum Filmemachen gekommen?

Merlin: Vor etwa zehn Jahren habe ich meine erste Digitalkamera geschenkt bekommen und war fasziniert davon, dass ich durch die Stopmotion-Technik meinen Legofiguren Leben einhauchen konnte. Danach habe ich mit meinem Bruder Marek (15) und unserem gemeinsamen Freund Jendrik (17) immer häufiger kleine Filmchen gemacht, von grottig schlecht bis gerade ansehbar. Später widmete ich mich ein wenig dem Dokumentarfilm und habe gleichzeitig angefangen, beim Offenen Kanal Kiel Seminare und Ferienworkshops zu besuchen. Im Jugend-Medien-Camp letztes Jahr lernte ich die Prinzipien des Szenischen Films kennen und so kam es zum ersten größeren Projekt.

filmszene-sh.de: Und das war der Grundstein für moinmoin movies?

Merlin: Ja so kann man es sagen. Noch berauscht vom Camp drehten Jendrik und ich einen ersten, eigenen Film „Breakdown“. Da uns die Qualität nicht überzeugte, wollten wir es noch einmal machen, diesmal aber besser. So suchte ich in meinem Freundeskreis nach Mitstreitern für diese Fortsetzung. Im Dezember fingen auch schon die ersten Drehtage (nachts) an. Neben der Größe des Teams, wuchsen auch unsere Fähigkeiten. Nach diesem Dreh stand fest: Wir wollen weitermachen und legten uns den Namen moinmoin movies zu.

Bei moinmoin movies gilt das Prinzip Do-It-Yourself

filmszene-sh.de: Was genau ist nun moinmoin movies?

Merlin: Wir sind kein Verein und schon gar keine Firma, einfach nur eine Zusammenkunft aus film- und schauspielbegeisterten Schülern von bisher drei verschiedenen Schulen. Alles passiert in der Freizeit und ist zu unserer Leidenschaft geworden.

filmszene-sh.de: Wer ist bei euch der „Chef“?

Merlin: Bei uns funktioniert vieles aus sich selbst heraus. Ich werde oft als Antreiber oder Ansprechpartner angesehen, da der Blog sowie die anderen Social Media Kanäle von mir administriert wird. Aber bei uns übernimmt jeder die Aufgabe, die er oder sie gerne ausüben möchte und daher steht Teamarbeit im Vordergrund. Nur durch die Ergänzung unserer individuellen Fähigkeiten sind wir in der Lage, unsere Projekte durchzuziehen. Einen Chef gibt es also nicht.

filmszene-sh.de: Technik kostet bekanntlich viel Geld. Wie finanziert ihr das?

Merlin: Jeder von uns steuert das bei, was er privat an Technik besitzt. Aber wir haben auch eine „Do it yourself“-Ausstattung, zu der ein Kamerakran, ein Dolly auf Schienen und Tageslichtscheinwerfer gehören.

Szene aus dem jüngsten Projekt „Verrannt“

filmszene-sh.de: Was sind die nächsten Projekte?

Merlin: In den Sommerferien stehen zwei Kurzfilme an und ein Imagefilm für den Musikzug Plön.

filmszene-sh.de: Wie kann man sich bei euch aktiv beteiligen?

Merlin: Mitmachen kann bei uns quasi jeder, der – so wie wir – filmbegeistert ist und seine Fähigkeiten ins Team mit einbringen will. Egal, ob als Blogger, Kameramann oder als Helfer hinter den Kulissen.

Zu den jüngsten Projekten von moinmoin movies gehört der Kurzfilm „Verrannt“, der im Rahmen des „Nur-48-Stunden“-Filmwettbewerbs entstanden ist. Die gesamte Entwicklung des Films von der Idee bis zur Postproduktion ist auf dem Blog moinmoin movies nachzulesen.

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Doppel-Teampremiere im KoKi Kiel

Trotz sommerlicher Temperaturen und Strandwetter fanden sich am Samstag zwei Filmteams sowie ihre Unterstützer in der Pumpe ein, um gemeinsam ihre Teampremieren zu feiern. Eingeladen hatte Kaweh Kordouni, der seinen im März gedrehten Kurzfilm „An diesem Sonntag – On this Sunday“ vorstellte. Zudem wurde der erste Kurzfilm von Jessica Dahlke „Eis“ gezeigt, der erst am vorherigen Donnerstag fertig geworden war.

Kaweh Kordouni mit Thomas Plöger (Studentenwerk SH)

Ein Stunde buntes Programm

Nach einer herzlichen Begrüßung, einige der Teammitglieder waren extra aus Berlin und Lübeck angereist, startete Jackie Gillies den einstündigen Filmnachmittag. Gezeigt wurden neben „An diesem Sonntag“ von Kaweh Kordouni und „Eis“ von Jessica Dahlke auch die Nur-48-Stunden-Beiträge „Von Sinnen“ (Christian Kock, Ingo Rotkowsky, Sarang Aria) und „Aground: Terra 9629“ (Kaweh Kordouni) sowie das halbstündige Making-of von „An diesem Sonntag“ (Jessica Dahlke). Zu Beginn bedankte sich Kaweh Kordouni bei seinem Team und lobte die tolle Zusammenarbeit, die in ihrer Gänze für ihn einmalig war. Sein Kurzfilm wurde von der Filmförderung HSH – Filmwerkstatt Kiel (8.000 Euro), der Landeshauptstadt Kiel (700 Euro) und zahlreichen Sponsoren unterstützt. Gedreht wurde an zwei Wochenenden im März 2014. Der Kurzfilm erzählt die Geschichte einer kleinen Anzahl von Menschen, die aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände aufeinandertreffen. Es ist der zweite Teil einer Kurzfilmreihe, die mit „On this Monday“ im Iran begann. Das Making-of zum Dreh erscheint in Kürze auf Vimeo.

Kaweh Kordouni mit Schauspieler Dennis Hoppe

Bewegende Stille für „Eis“

Filmemacherin Jessica Dahlke stellte an diesem Nachmittag auch ihren ersten Kurzfilm „Eis“ vor, den sie zusammen mit Sigrun Benesch (in der Hauptrolle) von Februar bis Mai 2014 gedreht hatte. Dazu komponierten die Musiker Pierre Schmalfeldt und Ingo Rotkowsky einen bewegenden Soundtrack, der weit weg von der Dosenmusik ist, auf die Filmemacher leider häufig zurückgreifen müssen. In dem fünfminütigen Film geht es um die ersten Sekunden, nachdem man eine furchtbare Nachricht erhalten hat. Ursprünglich als Kameraübung gedacht verschmelzen Bilder, Schnitt und Montage sowie Musik zu einem emotionalen Gesamtwerk.

Sigrun Benesch, Hauptdarstellerin von „Eis“

Mehr über Kaweh Kordouni und Jessica Dahlke gibt es auf ihren Webseiten www.kaweh-kordouni.de und www.die-dahlke.de zu lesen bzw. zu sehen. Die beiden Filme gehen in Kürze auf Festival-Tour.

Bericht von Olga „Gina“ Wanner

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Außerdem suchen wir laufend rasende Reporter, die über die Filmszene Schleswig-Holstein berichten wollen.

Die Oscars von Kiel | Finale Nur-48-Stunden

Der rote Teppich im Eingangsbereich des Metro-Kinos war kaum zu erkennen. Denn über 400 Filmemacher aus Kiel und Umgebung strömten mit Freunden und Familienangehörigen in das ausverkaufte Kino 1. Endlich die 18 besten Filme des Wettbewerb Nur-48-Stunden auf der großen Leinwand sehen.

20 Uhr, es geht los. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Veranstalter des Wettbewerbs (Studentenwerk Schleswig-Holstein – Kunst/Kultur, Landesverband Jugend & Film Schleswig-Holstein und Offener Kanal Kiel) erklärte Moderator Ingo Mertins den Ablauf des Abends. Nach jeweils sechs gezeigten Filmen wurde jedes Team auf die Bühne gebeten und musste sich Fragen wie „Wer hat am wenigsten aus dem Team geschlafen?“ stellen.
Soweit so gut. Nach 18 köstlichen Filmen, die unterschiedlicher nicht sein konnten, zwei Pausen und viel Verzehr im Foyer, war der Augenblick gekommen. Die Jury, bestehend aus Tina Wagner, Peter Hertling und Martina Binder, hatte sich entschieden.

Der dritte Preis, dotiert mit 100 Euro, ging an „Großer Traum“ von Giuseppe Cascio, „welcher die großen Träume von kleinen Leuten wunderschön ins Bild setzt“. Die Rede ist von zwei kleinen Papierschiffchen, die hinaus in die weite Welt wollen.

Der zweite Preis (150 Euro) ging an “Aground: Terra 9629″ von Kaweh Kordouni. „Eine Reise durch Raum und Zeit, dargestellt durch schöne, dichte Bilder. Das Thema unterstrichen durch ein schönes Sounddesign und Montage“. „Aground: Terra 9629“ erzählt die Geschichte eines Astronauten, der auf Terra 9629 landet und sowohl Bekanntes als auch Bizarres vorfindet.

Tosenden Applaus und den ersten Preis, dotiert mit 250 Euro, ergatterte sich „Mopping“ von Torben Sachert und Oliver Ott. „Starke Bilder, mit vielen, rasanten Schnitten. Ein stimmiges Gesamtwerk mit viel Witz und Humor.“ „Mopping“, ein Musical über zwei Reinigungskräfte, Gangs und dem Phantom der Oper.

Sieger der Herzen und somit Publikumspreisträger (100 Euro) wurde „Feuer, Wasser, Erde, Luft, Zeit” von Maria Reinhardt-Szyba. Ein Film, der allen gezeigt hat, welche unglaublichen Dinge in der Postproduktion möglich sind.

Neben dem Preisgeld, erhielten alle vier Gewinner ein kleines Gemälde von Björn Kurpjuweit.

Übrigens. Wer alle 37 eingereichten Filme sehen will, der hat am 6. Juni ab 21 Uhr auf KielTV und am 13. Juni ab 21 Uhr auf FlensburgTV die Gelegenheit.

Ein Augenzeugenbericht von Olga Wanner

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