Ingo Frenzel über DIE ZOMBIE JÄGER

Ingo Frenzel ist Filmemacher aus Uetersen in Schleswig-Holstein und dreht zurzeit eine Serie mit dem Titel DIE ZOMBIE JÄGER. Kim hat ihm ein paar Fragen gestellt.

Interview von Kim Kevin Weinbach

Du machst deine nicht kommerziellen Filme schon seit vielen Jahren und hast inzwischen viele Themen bearbeitet und verfilmt. Vor einigen Jahren z.b. hast du den abendfüllenden „James Bond Fanfilm“ gedreht, in dem ich eine kleine Rolle spielen durfte. Nun gehst du einen neuen Weg mit deiner kleinen Uetersener Produktion und wagst den Schritt zu zur Serie mit DIE ZOMBIE JÄGER. Wie bist du auf die Idee gekommen eine youtube Serie über Zombies zu machen?

Es ist keine Serie ausschließlich über Zombies, was der Titel der Serie schon verrät: DIE ZOMBIE JÄGER. 2012 hatte ich einen Spielfilm mit dem gleichen Titel gemacht, der eher eine Komödie geworden ist. Als Serie habe ich jetzt die Möglichkeit, die Story so zu erzählen, wie es damals eigentlich geplant war, also keine Komödie. Aber es wird trotzdem nicht furztrocken.

Wie viele Folgen sind geplant und wie lang wird eine Folge gehen?

Wir drehen zurzeit die erste Staffel á 7 Folgen. Laufzeit ca. 8 bis 12 Minuten pro Folge. Dann sehen wir erstmal, wie die Geschichte beim Publikum ankommt. Im Staffelfinale lassen wir die Möglichkeit die Serie fortzusetzen offen. Also kann es unter Umständen eine lange Serie werden.

 

 

Wo ist der Unterschied zwischen deiner Serie und kommerziellen Zombie-Serien und Filmen wie zum Beispiel THE WALKING DEAD?

Erstens: Es ist eine reine deutsche Serie, die in Hamburg und SH spielt.
Zweitens: Die Zombies stehen nicht im Vordergrund, sondern die Zombie-Jäger und ihre Geschichte /Geschichten. Hinzu kommt, dass es eigentlich ein Genremix ist. Ich würde sogar soweit gehen es Zombie Dallas/Denver zu nennen. Denn Politik, Macht und Intrigen spielen in dieser Serie eine sehr große Rolle. Und wir haben einen Helden, der eine Gabe hat, ähnlich wie die eines X – Man. Mehr verrate ich jetzt aber nicht. Guckt einfach und gut ist!

Wir hoffen, dass ab September die ersten Folgen laufen werden und es gibt keine wirkliche Premiere, sondern eher ein Preview für Cast, Crew und geladene Gäste. Dort zeigen wir dann die ersten drei oder vier Folgen, wie gewohnt im Burg Kino Uetersen.

Wie schafft man es trotz Familie und bürgerlichem Beruf nebenher Filme zu drehen? Und wie finanzierst du die Filme?

LEIDENSCHAFT heißt das Zauberwort. Ohne sie wäre das alles nicht möglich. Tja und finanzieren? Gute Frage. Privat, hier und da mal ein Sponsor und nach dem Motto eine Hand wäscht die andere, was leider heutzutage kaum noch jemand kennt.

Und viel Improvisation ist nötig, was ja einen guten Filmemacher eigentlich ausmacht. Man muss lernen mit den gegebenen Umständen klar zu kommen und da weiter zu machen, wo andere hinschmeissen würden.

Du machst ja gerne Premieren im Uetersener Burg Kino, wo der Eintritt dann komplett für gute Zwecke gespendet wird. Wie wichtig ist es dir, dass du mit deiner Leidenschaft zum Film auch noch was Gutes tust und wie suchst du dir aus, an wen du die Spenden geben wirst?

Das entscheide ich immer sehr spontan, wo halt Hilfe gebraucht wird. Bei BOND:RELOADED war es für die Kinderkrebs Station in Eppendorf, bei unserem Filmfest UNSCHÄRFE 2015 haben wir Sachgegenstände für die Flüchtlinge gesammelt. Dieses Jahr beim gleichen Filmfest, sammeln wir für Obdachlose, um ihnen ein schönes Weihnachtsessen zu organisieren.

Es gibt sicher einige die sagen, dass deine Werke Trash sind. Wie gehst du damit um?

Auf diese Frage zu antworten macht mir richtig Spaß. Kleines Beispiel: Deutschland gewinnt gegen die Ukraine 2 – 0. Es gibt nichts zu nörgeln, also suchen wir was. Jogi kratzt sich die Eier … Auweia. Leider ist es gerade in Deutschland zum Volkssport geworden, vieles schlecht zu reden und über andere ihre Erfolge freuen geht schon mal gar nicht. Lange Rede kurzer Sinn, die Leute, die das behaupten, gehen mir am Arsch vorbei. In erster Linie interessiert mich das Publikum im Kino und wenn die schmunzelnd, lächelnd und nicht gelangweilt nach dem Film den Kinosaal verlassen, dann habe ich gewonnen!

Du machst parallel zur Serie noch weitere Filmprojekte. Welche sind gerade in Produktion und was wird uns da erwarten?

Erwarten? Sehr viel. Storymäßig kack ich Hollywood zu. Nein im Ernst. Zwei Kurzfilme. SCHIZOPHONE mit Kai Svaennson Göhring in der Hauptrolle, der übrigens auch bei der ZJ Preview läuft. RADIO mit Rahel Leschnick in der Hauptrolle, der noch in der Postproduction ist und vorraussichtlich Ende des Jahres Premiere feiert. Unsere Mini Serie SO NAH UND DOCH SO FERN, die jetzt doch ein Spielfilm wird und für nächstes Jahr stehen STANLEY und ERSCHRECKT EUCH NICHT! in der Planung.

Also ich werde Euch noch eine lange Zeit Trash Filme abliefern.

Nun hast du die Gelegenheit, noch was loszuwerden, was dir besonders am Herzen liegt. Ich danke dir für das Interview und wünsche dir viel Spaß beim Drehen und viel Erfolg mit deiner Serie und deinen weiteren Projekten.

Äh ja. An alle Filmemacher da draußen, alt und jung, Profi, Semiprofi und Amateur, mit oder ohne Kohle, tut Euch und dem Publikum einen Gefallen: Langweilt es nicht und kommt vom Schema SISSI, WINNETOU, DER KOMMISAR und LÜMMEL VON DER LETZTEN BANK weg! Macht dann lieber mal einen trashigen Film! Und nehmt euch selbst nicht so ernst.

Skatecop – Rache auf Rollen – Trashspaß aus Kiel (Crowdfunding)

Skatecop - Rache auf Rollen

Trash. Das ist das Genre, bei dem es Filmemacher richtig krachen lassen können. Was zuerst nur als Trailer geplant war, wird nun in einen Spielfilm im 80er-Jahre-Look verwandelt. Wir haben dem Team einige Fragen gestellt.

 

Wer seid ihr und wie seid ihr an den irren Typen Skatecop gekommen?

[Lukas] Wir sind Peter Ahlers, Lena Günther, Lukas Klenke und Dung Pham. Wir studieren Multimedia Production an der FH Kiel. Seit einigen Jahren machen wir regelmäßig Kurzfilme zusammen, unter anderem „Bratfettkalle“ oder dieses Jahr „Der brennende Bus von Kiel“. Dabei erfahren wir viel Unterstützung von unseren filmbegeisterten Freunden und Kommilitonen. Schon lange haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, endlich etwas Größeres auf die Beine zu stellen. Und dann kam Skatecop!

 

Skatecop - Rache auf Rollen

 

Der Legende nach haben wir beim wöchentlichen Containern eine alte Videokassette in einer Mülltonne gefunden. Wir haben sie in den Player geschoben und dabei die Entdeckung des Jahrhunderts gemacht. Auf dieser Kassette war der Trailer zu Mike Litoris‘ Skatecop – Rache auf Rollen! Einem verschollenen Klassiker des Kieler Actionkinos. Der vollständige Film war leider unauffindbar, ebenso wie der Regisseur und der Cast. Wir denken, dass man in diesem Falle von dem Metropolis Kiels sprechen darf! Um zu retten, was noch zu retten ist, haben wir uns kurzerhand entschlossen, dieses Meisterwerk nachzudrehen!

In unseren Augen bietet die Welt des Skatecops eine fantastische Möglichkeit, einen anderen Blick auf die Stadt zu werfen, die im Laufe der Jahre zu unserer Heimat wurde. Kiel in einem postapokalyptischen Setting. Das bedeutet, dass Laboe endlich fällig wird, Düsternbrook abgebrannt ist und Mutantenpunks durch die Stadt marodieren und Chaos anrichten. Inmitten dieses Chaos ist der Skatecop der Letzte, der noch für Ordnung sorgt. Als gebrochener Charakter irgendwo zwischen Dirty Harry, Robocop und der City Cobra stellt er für uns ein Konglomerat dessen dar, was das maskuline Rollenbild der Achtziger zu bieten hat. Ihm wird natürlich ein bunter Strauß schillernder Charaktere an die Seite gestellt. Ob mexikanische Wrestler, schweigsame Auftragskiller mit Affenpfoten oder die Hobbyärzte der Untergrundorganisation „Der Untergrund“ – wir wollen mit der Geschichte des Skatecops eine Wundertüte des schlechten Geschmacks schnüren, das Freunden des Trashfilms ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert!

 

Skatecop - Rache auf Rollen

 

Hat Trash seine Berechtigung und was bedeutet Trash für euch?

[Peter] Natürlich hat er das. Trash wird ja seiner Übersetzung gemäß gerne als Müll bezeichnet. Als etwas minderwertiges, etwas über das man lachen darf und soll. Hahaha, so ein blöder Film, sind die doof, das kann ja selbst ich besser. Doch so eine Herangehensweise ist viel zu kurz gedacht.

Trash kann viel mehr sein. Ein Freiraum für Andersartigkeit und den Bruch mit Konventionen. Wo gerade durch Scheitern etwas Großes und eigentümlich Kreatives entstehen kann. Trash ist nicht an die Regeln des „guten Geschmacks“ gebunden und kann sich daher im besten Falle frei entfalten und bietet jede Menge Platz für Subversion und Experimentierfreudigkeit. Im Grunde alles Sachen, die man sich vom Arthouse wünscht. Bloß dass es mehr Spaß macht und man nicht ernst die Stirn in Falten legen muss. Viel mehr fordert Trash einen Filmemacher auf beherzt die Hosen runterzulassen und eine saftige Arschbombe in die Jauchegrube zu machen!

 

Skatecop - Rache auf Rollen

 

Was fasziniert euch an dem Look der 80er Jahre?

[Lena] Die 80er üben einfach eine große Faszination aus. Wir haben diese Zeit zwar nicht miterlebt, aber genau in dieser kollektiven Nostalgie liegt der Punkt. Vieles aus diesem Jahrzehnt erscheint „Larger than Life“. Und zwar nicht nur die irren Fönfrisuren und geschmacklosen Pastellklamotten! Auch der Genrefilm, ja sein goldenes Jahrzehnt! Filme wie Rambo II, Der Blade Runner oder eben Robocop lassen einem ob ihrer Wucht ja noch heute die Kinnlade runterklappen. Es liegt glaube ich auch an dieser paradoxen Mischung aus der brutalen Oberflächlichkeit der Konsumgesellschaft und der bunten Subkultur, die vor allem die Popkultur dieses Jahrzehnts so einzigartig macht. Auf der einen Seite hat man Miami Vice und auf der anderen dann Einstürzende Neubauten.

Man hat dadurch so ein utopisches, nostalgiebehangenes Bild im Kopf, bei dem das „damals war alles besser“, „ ach wär ich doch in dieser Zeit geboren worden“ mitschwingt. Verrückte Mode, bei der alles erlaubt war, Frisuren, die vor Hässlichkeit strotzten … diese Zeit steht für uns für das wilde, freie Ausprobieren von Stilen und Stilmixen. Wir haben den Eindruck, dass in dieser Zeit in Kunst, Mode und Musik viel Neues entstand und ein experimenteller Geist vorherrschte.

 

Wie finanziert ihr euch und wie kann man euch unterstützen?

[Dung] Einen Großteil des Filmes werden wir privat finanzieren, bzw. durch Unterstützung von Freunden. Jeder im Team, auch die Schauspieler arbeiten unentgeltlich, was bei knapp 3 Wochen Dreh eine enorme Unterstützung darstellt. Und viele befreundete Künstler stellen uns ihre Fähigkeiten zur Verfügung. Sei es im Soundtrack, in der Produktion oder vor der Kamera. Ohne sie wäre dass alles nicht möglich!

Trotzdem wird der Film so wie wir ihn uns vorstellen viel Geld kosten, welches vor allem in Kostüm und Requisite fließen wird. Auch für Equipment, Verpflegung und Fahrtkosten wird einiges an Kosten anfallen. Wir sind im Gespräch mit einigen lokalen Sponsoren und versuchen mit Hilfe von Sachspenden den Umfang der Kosten etwas zu senken. Außerdem haben wir Kulturförderung bei der Stadt Kiel beantragt.

Dreh und Angelpunkt wird aber unsere Crowdfundingkampagne auf www.startnext.com/skatecop. Da wir bereits im Vorfeld soviel positive Resonanz für unser Projekt bekommen haben, hoffen wir dadurch unser Budget aufzubessern, um auch wirklich den Film so realisieren zu können, wie wir ihn uns vorstellen. Deshalb ist uns eine Spende auf Startnext eine ganz ganz große Hilfe! Damit helft ihr uns den Film zu drehen, den wir immer machen wollten und dafür bekommt ihr den Film, den ihr immer gedreht haben wolltet! Und obendrauf gibt’s für den Spender noch ganz coole Dankeschön-Pakete!

Aber auch abseits des schnöden Mammons freuen wir uns über Hilfe und Angebote jeglicher Form! Sei es als Hilfe am Set, Statistenrollen oder auch Sachspenden, die unseren Requisitenfundus bereichern. Vielleicht hat zum Beispiel jemand Lust, mal seinen Oldtimer durchs Bild fahren zu lassen oder uns seine abgefahrenen Spielzeugwaffen oder Vintageklamotten zu leihen. Wie gesagt, jede Kleinigkeit ist wichtig und wir freuen uns über jede Art der Unterstützung!

Thies John über „Wo andere Urlaub machen“

Thies John ist Schauspieler, Regisseur und Autor aus Kiel und realisiert in diesem Sommer seinen ersten Langfilm in der Nähe von Eckernförde. Warum ihr ihn bei seiner Crowdfunding-Aktion unterstützen solltet, lest ihr im Interview.

 

Das Interview führte Jessica Dahlke

 

Du bereitest gerade die Produktion deines ersten Langfilms vor. Kannst du kurz erzählen, worum es darin geht.

Genau genommen ist es mein zweiter Langfilm, aber meinen ersten “Hab ich vergessen” kann man sozusagen vergessen. Es wird ein Horrorfilm. Es wird ein Film, der sehr schleswig-holsteinisch geprägt sein wird. Schon allein durch die Kulisse, in der er spielt. Er wird gänzlich am Strand der Eckernförder Bucht entstehen in der Nähe des kleinen Örtchens Noer. Dort gibt es eine wunderbare Steilküste, die schön zerklüftet und sehr einzigartig ist in ihrer gesamten Art. Ich habe mich erst letzten Samstag wieder in diese Kulisse verliebt, als wir dort den Trailer für unsere Crowdfunding-Aktion gedreht haben.

 

 

Es wird ein Zombiefilm, aber die Zombies sind nur Katalysator. Vordergründig geht es um Zombies, aber wenn man ein bisschen in die Handlung reinguckt, dann geht es um das, was bei den Menschen ausgelöst wird. Um Verlust von Unschuld, Überschreitung von Grenzen, gerade auch von moralische Grenzen. Und es gibt keine Figur, die nicht in irgendeiner Art ihre Unschuld verlieren wird.

 

Es klingt ein bisschen nach dem Konzept von “The Walking Dead” und “Fear Of The Walking Dead”. Dort geht es auch um die Entwicklung der Menschen und weniger um die Zombies.

Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass mich das nicht auch geprägt. Nur worauf ich verzichten werde, sind diese “Zerfleischungsaktionen” durch Zombies. Mir geht es wirklich darum, wie diese Leute miteinander kommunizieren, wie sie funktionieren. Ich habe mir mit Hille Norden Charaktere überlegt, die wirklich sehr sehr spannend sind, die ihre Brüche haben. Es gibt eigentlich keine glatte Figur. Es gibt trotzdem Sympathieträger, die aber an den Aufgaben, die sie sich selbst stellen, zu scheitern drohen. Ich glaube es wird äußerst spannend werden. Es wird kein Wohltue-Film, sondern es geht ans Eingemachte. Es gibt sehr harte Szenen.

 

 

Ich hab ein sehr tolles Team gefunden, das mich gerade unterstützt. Vor der Kamera und auch dahinter. Johann Schulz ist dran beteiligt, Hannes Gorrissen, Hille Norden, Torben Sachert, Arne Prill und viele mehr. Die sind alle heiß drauf jetzt loszulegen. Dafür fehlt uns im Moment noch die finanzielle Grundlage und die versuche ich jetzt über eine Crowdfunding-Aktion zu bekommen.

 

Crowdfunding ist ein gutes Stichwort. Wie finanziert man ein solches Projekt und wie wird das Geld verwendet?

Das Geld wird für die Dinge ausgegeben, die man bei jedem Film braucht. Zum Beispiel die Kostüme. Da die Zeitspanne, in der die Handlung abläuft relativ groß ist, brauchen wir Klamotten in verschiedenen Verschleißzuständen. Wir brauchen also für jeden mindestens drei gleiche Outfits, die dann mehr oder weniger ramponiert sind. Dann natürlich Make-Up. Wir haben eine Schauspielerin, die die normale Filmschminke nicht vertragen kann, da müssen wir dann Alkoholschminke kaufen. Das sind alles so Kleinigkeiten, die sich nachher aber summieren werden. Dazu kommt natürlich der abgelegene Drehort. Wir werden dort Toiletten und Catering benötigen. Wir brauchen ein Zelt als Aufenthaltsort, wo die Leute auch mal entspannen können. All das muss eben organisiert werden. Wir brauchen die Drehgenehmigung, wir brauchen Stellplätze für unsere Fahrzeuge, wir brauchen überhaupt Fahrzeuge. Und das summiert sich halt alles. Ich bin gerade dabei einen Finanzplan aufzustellen, was wir wirklich am Notwendigsten benötigen. Das wird dann unser Crowdfunding-Ziel ergeben. Das ist dann aber sehr knapp bemessen. Den Rest versuchen wir über Sponsoren zu finanzieren oder vielleicht überschreiten wir auch unser Crowdfunding-Ziel. Damit könnten wir dann auch einen Dolly ausleihen.

 

Wie ist die Idee entstanden einen Zombiefilm zu drehen?

Also ich habe da selbst ein besonderes Faible für das Genre. Ich würde mich schon als Fan von Horrorfilmen bezeichnen. Ich guck mir da natürlich an, was es schon gab und was noch nicht. Ich glaube allein durch die Art des Drehs wie den eingeschränkten Drehort, dass der Film komplett am Tag spielen wird und andere Besonderheiten, haben wir Merkmale, die ich so noch keinem Zombiefilm gesehen habe. Bei “The Walking Dead” läuft es anders ab, da wird viel mehr mit den Schockelementen gearbeitet und davon rücke ich ein bisschen ab. Es wird Schockelemente geben, aber die kommen von woanders.

Und die Idee diese Art von Film zu machen, die entstand wie viele Ideen in einem Kneipengespräch, das ich geführt habe mit einem Freund von mir, Daniel Chrommik.

 

 

Wie bist du zum Film gekommen?

Für Film interessiere ich mich seit den späten 70er Jahren. Ich hatte dummerweise nie eine Kamera zur Verfügung, sonst hätte ich viel früher angefangen mal was zu drehen. Ich habe dann Anfang der 90er mit einer geliehenden Kamera des Offenen Kanals einen Film produziert: der oben angesprochene Langfilm und war natürlich völlig überfordert damit, weil ich fast alles selbst gemacht habe und nicht wusste, wie man eigentlich an so einen Film rangeht. Zu der Zeit habe ich auch schon Theaterstücke geschrieben, die relativ erfolgreich hier in Kiel gelaufen sind. Über das Schneiden kam ich Mitte der 90er dazu, noch ein paar Kurzfilme zu machen. Zum Beispiel einen kleinen düsteren Horrorfilm, der leider verschollen ist, aber der visuell schon dem entsprach, was ich gerne in Horrorfilmen sehe. Ich habe dann an Wettbewerben teilgenommen und zweimal sogar einen Preis gewonnen. Doch dann habe ich das Filmemachen aus den Augen verloren.

 


Filmemacher Thies John (links)

 

Und wie ich jetzt zum Film gekommen bin, weißt du ja am besten. Ich bin bei deinem Projekt The Flying Discman gelandet und habe bei dem Sketch “Verkorkt” das erste Mal wieder Regie geführt. Es folgten einige Drehbücher für die Comedy-Gruppe und auch vor der Kamera habe ich gestanden. Schön war, dass wir 2015 dann auch noch den Jürgen-Prediger-Filmpreis gewonnen haben. Und sowas motiviert natürlich unglaublich. Man fängt an zu überlegen, was man noch alles machen kann. Der Langfilm ist jetzt das erste große Projekt, für den Herbst plane ich eine Webserie.

Webserien sind Moment ein gutes Mittel, mit relativ wenig Geld aber mit viel Originalität etwas Anständiges zustande zu bringen. Originalität ist mir daran das Wichtigste. Es sollte sich nicht dem normalen Fernsehzuschauer anbiedern, sondern Filmqualität und gute Schauspieler haben. Dann gibt es noch zwei Kurzfilmprojekte. Das ist so, was mich im Moment umtreibt.

Patrick Templin über sein Filmprojekt P.U.L.S.E.

Patrick Templin dringt mit seinem neuen Serienprojekt P.U.L.S.E. in die Untiefen der menschlichen Psyche ein. Wir haben ihm dazu einige Fragen gestellt und wollten von ihm wissen, was ihn an der Filmproduktion im hohen Norden reizt.

Interview von Kim Kevin Weinbach

Hallo Patrick, erzähl uns doch mal worum es bei P.U.L.S.E. eigentlich geht?

Erst einmal ist wichtig zu sagen, dass das Projekt als Serie gedacht ist. Unsere Hauptfigur ISI (gespielt von LIZ GREENE) hat schwere Schicksalsschläge zu erleiden. Sie wird von ihrem Partner mit ihrer besten Freundin betrogen, erleidet eine Fehlgeburt und fliegt von der Uni. Dann streiten sich ihre Eltern an ihrem Geburtstag und daraufhin entscheidet sie sich, sich das Leben zu nehmen. Sie wird jedoch von einem unbekannten Mann gerettet und überlebt den Zwischenfall. Um nicht in die geschlossene Psychatrie zu müssen, entscheidet sie sich an einer experimentellen Behandlungsstudie teilzunehmen, die sich P.U.L.S.E. nennt und von einem Doktor van Maast geleitet wird. Bei PULSE (also dem Prosocial Uniting Life Stabilization Experiment) sollen junge, suizidgefährdete und depressive Menschen in einem mehrstufigen Programm langsam wieder
gesellschaftsfähig gemacht werden. Leider geht jedoch einiges schief und schließlich geschieht auch noch ein Mord. Ich will jedoch nicht allzuviel verraten.

Der Trailer ist inzwischen international erfolgreich. Wo genau?

Da viele deutsche Festivals im Serienbereich immer nur screenen, wenn es bereits ganze Folgen gibt, habe ich mich dazu entschlossen, erst einmal nur auf internationalen Festivals einzureichen. Mittlerweile lief der Trailer schon in sovielen Ländern, z.B. Hollywood (iffnoho), England (TMC London Filmfestival), Transsilvanien, Ukraine. Weiterhin sind wir auf dem TMFF und kürzlich in Israel auf dem Near Nazareth Festival gelaufen. Beim Broken Knuckle Film Fest (Greetz to the Guys from BKFF) haben wir sogar den Preis für den „am meisten erregendsten“ Trailer gewonnen.

Du hast ja nicht nur Regie geführt sondern auch mehrere Posten bei der Produktion bekleidet. Was genau waren deine Aufgaben?

Ich habe zu dem Zeitpunkt des Drehs noch alles aus meiner eigenen privaten Tasche finanziert, wobei auch hierbei Liz (Hauptdarstellerin und Co-Autorin) einen großen Teil beigetragen hat. Ich habe insgesamt natürlich Regie geführt (unter super Unterstüzung meines D.O.P. Guido Möller) und war einer der Hauptproduzenten. Ebenso habe ich mit Liz Greene zusammen das Drehbuch zum Pilotspielfilm und weitere Drehbücher verfasst.

Zum Cast gehört ja u.a. auch Mika Metz (von dem ich ein riesiger Fan bin) ein sehr erfolgreicher Schauspieler, den viele aus „The Curse of Doctor Wolffenstein“ , „La Petite Mort 2“ , „Raw3“ und vielen anderen erfolgreichen Filmen kennen . Wie hast du es geschafft, ihn für die Rolle zu begeistern?

Ich hatte für den Dreh auf verschiedenen Plattformen nach Darstellern gesucht und Mika hatte sich dann auf mein Inserat hin gemeldet. Ich war auch erstaunt, dass er sich damals beworben hat. Wir haben dann ein paar mal telefoniert, da er ja in Mainz wohnt und ich in Flensburg und danach haben wir zusammen gedreht. Ich denke, dass ihm mein Script einfach sehr gut gefallen hat. Da wir uns von Anfang an sehr gut verstanden haben, war die Zusammenarbeit wirklich klasse. Mika ist ein einzigartiger Schauspieler und ich würde jederzeit wieder gerne mit ihm zusammenarbeiten.

Ihr habt bei der Produktion ja sehr viel Wert aufs Equipment gelegt. Womit habt ihr gedreht und warum gerade mit dieser Kamera?

Es war mir seit ich Filme mache immer wichtig, dass das Endprodukt qualitativ hochwertig aussieht. Ein sehr großer Teil des damaligen „Budgets“ (eigentlich Null, aber alles an
Kosten habe ich ja wie gesagt zu einem sehr großen Teil privat finanziert) ging deshalb in das Equipment. Wir haben sehr gute Kontakte zur Leitung der MBF in Hamburg. Daher habe ich einen kleinen Rabatt bekommen und es war insgesamt irgendwie stemmbar. Wir haben auf der Blackmagic Cinema Camera (in 2.5k) gedreht, hatten aber noch allerlei weiteres Equipment (Kran, Slider, Dolly, Stative, viel Licht, Tonkoffer etc.) dabei.

Warum habt Ihr in Schleswig-Holstein gedreht und wo genau sind diese beeindruckenden Aufnahmen entstanden?

Ich bin 2006 in den Norden eingewandert, wurde ordentlich eingenordet und seitdem liebe ich es. Es war für mich also von vorne herein klar, dass PULSE ein regionales Projekt wird. Die gesamte Dramaturgie ist auf die Locations abgestimmt. Ohne die Seebrücke in Scharbeutz und die tolle Reetdachkate bei Itzehoe wären die Bilder niemals so schön geworden.

Du bist ja Wahl-Flensburger, hast aber eine Produktionsfirma in Hamburg. Wie schaffst du den Spagat vom Hohen Norden in die Hafenstadt Hamburg?

Das ist tatsächlich oft sehr anstrengend. Man pendelt ständig hin und her und kommt nur selten zur Ruhe, und die wenige Freizeit die man hat, ist man oft trotzdem noch am Arbeiten. Ich mache das jedoch sehr gerne, weil ich auch beim Arbeiten abschalten kann. Allerdings habe ich mir vorgenommen im nächsten Jahr wieder zurückzukehren. Ich bin aber noch nicht sicher, ob ich nach Hamburg oder in den Speckgürtel ziehen werde, das werde ich dann im nächsten Jahr sehen.

Wie geht es weiter mit P.U.L.S.E.? Die Fans warten sicher schon gespannt.

P.U.L.S.E. ist eine der vielen Sachen, die aktuell auf dem Plan stehen. Wir sind momentan dran, die alten Aufnahmen nochmal neu auszuwerten. Dazu muss allerdings noch nachgedreht werden und das Ganze werden wir dann als Mini-Serie / Kurzfilm unter dem Namen „ISI“ veröffentlichen. Es wird dazu auf jedenfall noch Neuigkeiten auf unseren Social Media Kanälen und auf IMDB geben.

Gibt es neue oder weitere Projekte von dir, und wenn ja, was wird uns erwarten?

Aktuell ist Renés und mein letzter Kurzfilm TENSION (2016) auf nationaler und internationaler Festivaltour und wird auf einer DVD veröffentlicht, deren Erlöse an einen Verein für Kätzchen gespendet werden. Des Weiteren arbeiten wir an ISI (2016), wie oben schon kurz angespoilert. Wir haben auch die Distribution für DIE TOTE IM UNTERHOLZ (2015) übernommen, welche bald auf DVD in einer kleinen limitierten Auflage erscheinen wird. Was mich persönlich angeht so stecke ich gerade (zusammen mit unserer Firma Uprise Pictures) in der Vorproduktion für meinen Debütspielfilm REYES (2017). Ich möchte nicht allzuviel zum Plot sagen, aber wir werden diesmal in ein völlig neues Genre eintauchen und auch etwas mehr experimentieren. Es sind schon einige internationale und interessante Leute dafür im Gespräch und es sieht so aus als wird das eine sehr spannende Geschichte.

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„Mythos am Meer“ – Neues Dokumentarfilm- und Crowdfunding-Projekt von Grote, Opperman & Bohde

Gerald Grote und Claus Oppermann sind als Kreativ-Duo in der schleswig-holsteinischen Filmszene seit ihrem erfolgreichen gemeinsamen Kurzfilmdebut „Tödliche Roman(z)e“ bekannt. Auf weitere Kurzfilmprojekte folgte eine Reihe mit Dokumentarfilmen, die man zusammenfassend als „Augenzeugenberichte von Privatmenschen über regionale historische Ereignisse“ beschreiben kann. Ob Schneekatastrophe, Kieler Woche oder Berliner Mauer. Grote und Oppermann montierten aus Kilometern von Super-8 und 16-mm-Filmen, ergänzt durch Interviews, kleine, dokumentarische Zeitkapseln. Der Erfolg in Form von ausgebuchten Kinovorstellungen und Absatz von DVDs belegt, dass die beiden dabei einen Nerv im Publikumsinteresse gefunden haben. Nun planen sie ein neues Projekt, Arbeitstitel „Mythos am Meer“. Daniel Krönke stellte den beiden und ihrem neuen Kreativpartner Sven Bohde ein paar Fragen dazu.

Das Interview führte Daniel Krönke

Gerald & Claus, nach mehreren erfolgreichen Dokumentarfilmen wie „8mm Kieler Woche“ und „Schnee von Gestern“ habt Ihr Euch eines weiteren regionalen Themas angenommen. Worum geht es in Eurem aktuellen Projekt?

Der Film „Mythos im Meer“ soll von den Besonderheiten der Insel Sylt handeln. Wir sammeln derzeit historisches Filmmaterial, u25m zu zeigen, wie es einst auf der Nordseeinsel war und was sich verändert hat. Das Material zeigt uns Geschichten und die Filmgeber erzählen uns diese zusätzlich in Interviews. Viele Geschichten würden sonst in Vergessenheit geraten. Ähnlich wie die alten Privatfilme. Zu sehen gibt es Strandleben, Sturmfluten und sonderbare Ereignisse.

Was hebt die Insel Sylt von anderen Inseln oder Küstenorten in der norddeutschen Region ab?

Überall an der Küste ist es schön, aber Sylt hat nun mal ein legendäres Image. Dadurch interessieren sich sehr viele Menschen für die Insel. Mehr als 800.000 Gäste zählt sie pro Jahr. Wir produzieren unseren Film für die Menschen, die auf der Insel leben, für die Touristen, aber auch für die, die bisher noch nie auf Sylt waren, um ihnen zu zeigen, was das Besondere dieser Insel ausmacht und was sich in nur wenigen Jahrzehnten verändert hat. Wir wollen die Zuschauer gut unterhalten und gleichzeitig ein Stück Inselgeschichte bewahren.

Wie geht ihr bei der Recherche und Suche nach Filmmaterial vor? Ist da viel Glück im Spiel oder hat das Aufspüren von unveröffentlichtem Material Methode?

Natürlich ist sehr viel Glück im Spiel. Aber wir steigern unsere Chancen, gutes Material zu finden durch eine strukturierte Pressearbeit und die Pflege von Kontakten. Indem wir Aufrufe in Zeitungen, Fachzeitschriften und im Internet machen, werden die Besitzer von Material auf uns und unser Projekt aufmerksam. Wenn Sie sich bei uns melden, bieten wir ihnen an, die Filmrollen persönlich einzusammeln, damit das Material nicht auf dem Postweg verloren geht. Auf diese Weise lernen uns die Filmgeber gut kennen. Ihr Vertrauen ist unser größtes Kapital.

Beschränkt Ihr Euch wie bei „8 mm Kieler Woche“ auf ein spezielles Filmformat?

Nein, wir suchen, sammeln und verwenden jedes Filmformat. Aber es muss Film sein! Videos oder Fotos nutzen wir nicht. Wir lieben die Ästhetik von Film. Das Filmmaterial digitalisieren wir mittlerweile selbst. Dafür haben wir uns das beste Abtastgerät angeschafft, das es derzeit gibt. Nach dem wir das Material digitalisiert haben, sieht es nach einer Bildkorrektur besser aus als jemals zuvor.

Mit Sven Bohde habt ihr aus dem bekannten Duo Grote/Oppermann jetzt ein Trio gemacht. Wie kam es dazu?

Ein Film wie „Mythos im Meer“ ist ein Langzeitprojekt. Somit ist es gut, die Arbeit auf mehreren Schultern zu verteilen. Die Gelegenheit war günstig. Sven ist Journalist, hat sich beruflich aber jüngst neu orientiert. Er gab eine Festanstellung beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag auf, um seinen Traum vom Filmemachen zu verwirklichen. Wir drei sind seit über zehn Jahren befreundet. Kennengelernt haben wir uns beim Filmdreh von „Tödliche Roman(z)e“.

Sven, Ihr finanziert das Projekt mittels Crowdfunding. Erklär doch bitte auch für Laien, wie das vor sich geht.

Ein Filmprojekt kostet viel Geld. Dank Filmförderung und Sponsoren haben wir ein Startkapital. Weitere Geldmittel erhoffen wir durch das Crowdfunding zu erhalten. Dabei können uns Privatpersonen mit kleinen Beträgen unterstützen. Wir finden den Gedanken charmant, dass ein Film, der aus privatem Filmmaterial besteht, auch dank Privatpersonen möglich wird. Für einen selbstgewählten Geldbetrag erhalten die Unterstützer ein Dankeschön wie eine DVD, die Nennung im Abspann, eine Einladung zur Premiere auf Sylt oder sogar ein Ölgemälde. Das Crowdfunding ist unter www.startnext.com/sylt-film zu finden und läuft noch bis zum 31. Juli.

Wie geht es weiter? Wann wird der Film fertig sein?

Im Moment sammeln und digitalisieren wir das Filmmaterial. Anschließend sichten wir es. Bereits jetzt haben wir 160 Filmrollen mit etwa 40 Stunden Material. Dann interviewen wir einige der Filmgeber und setzen uns an den Schnitt. Wir lassen eigene Musik komponieren und den Kommentartext von einem Sprecher einsprechen. Premiere soll der Film im Frühjahr 2017 auf Sylt feiern.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Euch viel Erfolg und freuen uns auf Euren Film!

Gerne. Und wir freuen uns auf Euren Premierenbesuch.

Jan Kluczewitz über seinen Kurzfilm GRÜNES LICHT

Datenschutz, Überwachung, Freiheit. Themen, die heute mehr als denn je zur Disposition gestellt werden. Anlass für Jan Kluczewitz, einen Film darüber zu machen, der auch die Filmwerkstatt Kiel sofort begeisterte. Diese förderte das Projekt mit 5.000 Euro. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Das Interview führte Jessica Dahlke

Du hast gerade deinen Kurzfilm „Grünes Licht“ realisiert. Worum geht es darin?

In dem gesellschaftskritischen SciFi-Film geht es um die Datenpfleger Helga und Gerhard, die als ständig kontrollierte Arbeitssklaven gehalten werden. Deshalb wollen sie dem System entfliehen und sich einer illegalen Untergrundorganisation anschließen – dem Datenschutz.

 

Jan Kluczewitz

 

Warum ist dir das Thema Datenschutz so wichtig? Wie bist du darauf gekommen?

Datenschutz ist eins von vielen Gesellschaftsthemen, die gerade wichtig sind. Damit verbunden sind auch Kontrolle, Macht, Ungleichheit und Freiheit. Wenige Tage bevor ich den Förderantrag abgeschickt habe, schien es so, als wolle der britische Premierminister David Cameron bestimmte Formen von Datenverschlüsselung verbieten und dem Staatsapparat die Möglichkeit geben, jegliche Internetkommunikation zu überwachen (Quelle: i). Es schien mir fast, als versuche da jemand ein System vorzubereiten, in dem mein Film die traurige Realität sein könnte. Gruselig.

 

Jan Kluczewitz

 

Was fasziniert dich am Genre SciFi?

Unser Kurzfilm ist eher klassische SciFi, bei dem es viel darum geht, eine Welt als gedankliches Experimentierfeld zu erschaffen. Das finde ich grundsätzlich interessant, weil es ermöglicht, gleichzeitig unterhaltsam und anspruchsvoll zu erzählen und dabei noch ein relativ beliebtes Genre zu bedienen. Ich habe oft den Eindruck, dass Geschichtenerzählende glauben, sie müssen entweder unterhaltsam oder anspruchsvoll sein. Das nervt mich. Genauso wenig mag ich es, wenn eine Fantasiewelt nur erschaffen wird, um die Zuschauenden einzulullen und aus unserer Realität zu entführen. Mir gefällt es, wenn ich einerseits in eine interessante Welt einsteigen kann und andererseits bedeutungsvolle Themen differenziert behandelt werden.

 

Jan Kluczewitz

 

Dein Film wurde von der Filmwerkstatt Kiel gefördert. Wie bist du da ran gegangen?

Ich wollte einfach mal den Weg mit der Förderung ausprobieren. Deshalb habe ich allgemein über meine Möglichkeiten wie Drehbuchförderung, Kurzfilmförderung oder Langfilmförderung mit den hilfsbereiten Leuten bei der Hamburger Filmförderung gesprochen, die mich auch auf die Filmwerkstatt Kiel hingewiesen haben. Dort hatte ich ein aufgeschlossenes Gespräch mit dem Leiter Arne Sommer, und anschließend habe ich mir überlegt, welches meiner Projekte am besten in das Förderkonzept von Kiel passt. So bin ich dann bei „Grünes Licht“ gelandet. Beim Ausfüllen des Förderantrags habe ich mich bemüht, sehr ehrlich zu sein und nicht zu taktieren, sondern einfach mein Projekt so gut wie möglich vorzustellen und den Teil hervorzuheben, der mich selbst daran überzeugt, sowohl auf der inhaltlichen als auf der gestalterischen und drehkonzeptionellen Ebene.

 

Jan Kluczewitz

 

Die Filmförderung wird in Hinblick auf den deutschen Film im Augenblick sehr kritisiert. Vor allem Genrefilme sollen es schwer haben. Kannst du die Kritik nachvollziehen?

Mit dem Fördersystem und den möglichen Schwierigkeiten speziell von Genrefilmen kenne ich mich nicht gut genug aus, um etwas darüber sagen zu können, ob oder warum es Genrefilme grundsätzlich schwer haben, aber ich weiß, dass es grundsätzlich sehr schwer ist, einen guten Film zu machen, eine gute Geschichte gut zu erzählen. Mein Eindruck ist, dass dieser wesentliche Punkt oft übersehen, verkannt, ignoriert oder geleugnet wird. Ich habe die Vermutung, dass die Förderung tendenziell das Beste von dem abgreift, was ihnen vorgelegt wird. Das halte ich für wahrscheinlicher, als dass die die Schubladen der Autoren mit grandiosen und verkannten Geschichten überquellen. Aber bekanntlich fällt es oft leichter, sich über die andere Seite zu beschweren, anstatt zu gucken, wo bei einem selbst ein Problem liegen könnte. Das Problem ist aber nicht grundsätzlich die Förderung. Das Problem sind zu wenig gute Filme. Inwiefern das zusammenhängt, wage ich nicht zu beurteilen.

 

Jan Kluczewitz

 

Wann wird dein Film Premiere haben?

Das kann ich noch nicht sagen. Der Rohschnitt ist fertig, aber es fehlen unter anderem noch einige VFX und die Geräuscheffekte. Ich mache mich jetzt auf die Suche nach Hilfe in dem Bereich und hoffe, dass das relativ zügig von statten geht.

 

Jan Kluczewitz

 

Wie bist du zum Filmemachen gekommen?

Als ich neun war, habe ich auf der Arbeit von meinen Eltern kurz eine VHS-Kamera in die Finger bekommen und war einfach nur fasziniert von dem Gerät und den Möglichkeiten, die sich dazu in meinem Kopf entwickelt haben. Zu meinem zehnten Geburtstag habe ich dann diese Kamera benutzen dürfen. Ich wusste sofort, dass jemand dieses Wundergerät für mich erfunden hat, habe sie zwei Tage lang nicht mehr aus der Hand gelegt und habe etliche Clips, Filmchen, und sogar Stop-Motion-Experimente und Interviews gefilmt. Alles nur mit den Schnittmöglichkeiten direkt beim Drehen, weil wir selbst keinen Videorekorder hatten. Das war vielleicht das beste Geburtstagsgeschenk meines Lebens. Und seitdem ist Filmemacher mein absoluter Traumberuf. Neben Schriftsteller. Seit ich meinen ersten Satz geschrieben habe, wollte ich Bücher schreiben. Studiert habe ich dann Musik.

 

Jan Kluczewitz

 

Hast du schon ein neues Projekt geplant?

Eins? Hahaha. Im Moment schreibe ich meinen ersten Roman. Vielleicht wird das ja mal zu einem Film oder eine Fernsehserie. Nebenbei schreibe ich Songs. Filme habe ich konkret viele kleinere Projekte weiter oben auf dem Schreibtisch und etliche längere und kürzere in der Schublade. Aber die Zeit …

TRAUMTESTER – Ein Film von Andre Umland

Andre Umland ist Hobby-Filmemacher aus Itzehoe. Sein erstes Werk kann sich schon sehen lassen. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Das Interview und Bericht von Kim Kevin Weinbach

Hallo Andre, Traumtester ist dein erster Film. Du hast das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Was hat dich dazu berufen, unter die Filmemacher zu gehen?

Ich habe die Story ausgearbeitet und teilweise das Drehbuch geschrieben, weil ich noch nicht so viel Erfahrung mit dem Drehbuchschreiben hatte. Ich wollte einen Film machen, weil ich schon immer kreativ war, was Geschichten angeht.

Worum geht es in deinem Film ?

Es geht darum, dass mein Protagonist versucht, seine Träume zu beeinflussen, was aber reichlich daneben geht.

Hattest du zuvor schon Erfahrungen mit Film, ob vor oder hinter der Kamera?

Eher weniger. Ich durfte schon einmal bei einer Filmproduktion dabei sein und fand es interessant. Da habe ich beschlossen, auch irgendwann mein eigenes Werk wie jetzt Traumtester entstehen zu lassen.

Kann man einen weiteren Film von Dir erwarten und wenn ja, auf was dürfen wir uns freuen?

Ich hoffe doch, dass ich bald einem weiteren Film machen werde. Es wird wahrscheinlich die Idee werden, die ich vor TRAUMTESTER entstand.

Was würdest du im Nachhinein an deinem Film ändern wollen oder anders machen?

Ich würde die Traumszenen noch etwas verändern und Schauspieler wählen, die sich 100% damit auseinandersetzen.

Kritik zum Film.

TRAUMTESTER ist eine wundervolle Idee verpackt in einem 20-Minüter. Haben wir nicht alle mal darüber nachgedacht, was wäre, wenn unsere Träume nicht so sind wie sie sind, sondern wie sie wären, wenn wir sie beeinflussen könnten?

Andre Umland aus Itzehoe hat für seinen ersten Film meiner Meinung nach solide Arbeit als Regisseur geleistet, auch wenn der Film nicht perfekt ist. Aber welches Erstlingswerk ist schon perfekt? Roland Emmerich hat auch klein angefangen.

Natürlich hat TRAUMTESTER seine Schwächen, die sich besonders in der Kameraführung, dem Voiceover, der sich abgelesen anhört und dem Schauspiel einiger Darsteller offenbaren. Was nicht bedeutet, dass es schlechte Schauspieler sind, denn bei einem No-Budget-Film gibt es viele Faktoren, die oft nicht berücksichtigt werden können. Wenig Zeit für Proben, Darsteller, denen es selbst überlassen wird, wie sie ihre Rolle angelegen usw.

Aber trotzdem gibt es zu der tollen Geschichte auch schauspielerische Lichtblicke wie Kai Uwe Wedel, der den Paketzusteller spielt und Oliver Kirchhoff, der den Selbstmörder spielt. Beide waren in meinen Augen nicht nur grandios, sondern haben leider auch alle anderen an die Wand gespielt.

Dennoch ist ein Film, der trotz kleiner Schwächen Spaß macht und ich freue mich auf weitere Filme von Herrn Umland.

PS: Film und besonders Filmemachen sind etwas Wundervolles und selbst Quereinsteiger sollten keine Angst haben, sich auszuprobieren und sich zu trauen, selbst etwas auf die Beine zu stellen.

WOLFGÄNG – Gewinner des Jürgen-Prediger-Filmpreises 2016

Wolfgäng

Ein Moped, eine Kolbenrückholfeder und ein Typ namens Wolfgäng. Das ist das Erfolgsrezept für die Sieger des diesjährigen „Nur 48 Stunden“-Wettbewerbs. Sowohl der Jürgen-Prediger-Filmpreis als auch der Publikumspreis gingen an das Team rund um Gunnar Dethlefsen. Wir haben die Truppe natürlich sofort zum Interview gebeten.

 

Das Interview führte Jessica Dahlke

 

Noch mal Herzlichen Glückwunsch zum Jürgen-Prediger-Filmpreis und zum Publikumspreis des diesjährigen „Nur 48 Stunden“-Wettbewerbs. Hättet ihr mit so einem überwältigenden Erfolg gerechnet?

Ich glaube, man hat uns angesehen, dass es uns alle völlig vom Moped gehauen hat. Was ist das nur für 1 Life, dachten wir. Es hatte uns im Vorfeld schon total glücklich gemacht, dass wir überhaupt im Finale waren und bei der starken Konkurrenz fühlen wir uns wirklich sehr geehrt.

 

 

Wie dreht man einen Film in 48 Stunden?

Mit ganz viel Flexibilität, einer großartigen (Wolf-)Gäng, einer Andeutung von Schlaf, Teamgeist und viel Spaß an der Sache.

 

Wie viel Schlaf habt ihr an diesem Wochenende gehabt?

Der Plan war in Schichten zu schlafen. Den Film in der „Sauna“ von Halkert zu schneiden, war nach dem langen Drehtag allerdings nicht die beste Idee. Das System kollabierte, sodass jeder von uns immerhin circa vier Stunden pro Nacht abbekommen hat.

 

 

Gab es vorab schon eine Idee oder habt ihr euch erst am Freitag an das Drehbuch gesetzt?

Als sich das Team zusammengefunden hat, wussten wir, wir haben Bock auf etwas mit einem Moped. Mehr nicht. Aber wir hielten das für eine gute Basis. Um 18 Uhr trafen wir uns zum Bolognese essen und dank der Kolbenrückholfeder-Vorlage war die Story tatsächlich schnell zusammengebaut.

 

Worum geht es in eurem Film?

Der Film erzählt tiefschürfend über das ergreifende Leben von Wolfgäng. Der unbekümmerte Held der Geschichte erleidet einen niederschmetternden Schicksalsschlag. Seine Situation erscheint zunächst aussichtslos, doch durch unerlässlichen Mut, Raffinesse und Durchhaltevermögen gelingt es ihm, sich aus der Misere herauszukämpfen.

 

 

Euer Film ist sehr professionell produziert, wie lange macht ihr schon Filme und was reizt euch an diesem Medium?

In der Wolgäng-Konstellation haben wir vor dem Wettbewerb noch nie zusammen gearbeitet. Wir haben uns tatsächlich erst am Freitagabend das erste Mal mit allen Beteiligten zusammengesetzt. Es war ein wirklicher Glücksgriff. Jeder brachte unterschiedliche Fähigkeiten mit, aber den gleichen Humor, und so ergänzten wir uns fantastisch.

Wir studieren alle Multimedia Production oder Medienkonzeption an der FH Kiel, dadurch sind wir natürlich fit, was Medienproduktion angeht. Unser Interesse geht seit Jahren über das Studium hinaus, so konnte das gesamte Projekt mit eigener Technik verwirklicht werden.

 

 

Beim Finale von „Nur 48 Stunden“ war das breite Spektrum des Mediums Film zu sehen, was für uns den Reiz ausmacht. Nicht nur die Produktion unseres Films, sondern auch die Betrachtung der vielen anderen sehr guten Filme hat uns sehr viel Spaß gemacht.

 

Die Filmszene in Schleswig-Holstein ist klein aber fein. Was gefällt euch daran im Norden Filme zu machen und wie würdet ihr die Filmszene in Kiel beschreiben?

Bei der Premiere waren wir sehr über die große Community der SH-Filmszene erstaunt. Besonders die Vielfalt der verschiedenen Dreh- und Produktionsarten gefiel uns sehr und wir hoffen zukünftig auf gemeinsame Produktionen.

Am Norden gefällt uns natürlich das Wasser, aber es gibt auch sehr viel mehr.

 

 

Was können wir als nächstes von euch erwarten? Gibt es schon Folgeprojekte?

Teile der Wolfgäng-Crew werden auch weiterhin zusammenarbeiten und uns, wie auch hoffentlich euch, wieder überraschen. Ideen sind einige da, aber „wir überheizen die Kiste erstmal nicht“. Neben unseren Gängleben verfolgen alle Teammitglieder noch eigene Projekte in verschiedenen Sparten (Film/Foto/Ton/Design). In erster Linie freuen wir uns darauf, den Film bald zu veröffentlichen. Die ersten Infos dazu gibt es bald auf Facebook.

Kim-Kevin Weinbach über DIE TOTE IM UNTERHOLZ (Krimi)

Kim-Kevin Weinbach ist Filmemacher und Schauspieler aus Nordfriesland. Zusammen mit Kai Uwe Wedel hat er den Hamburger Krimi DIE TOTE IM UNTERHOLZ koproduziert. Zum betreibt er die sehr erfolgreiche Facebook-Gruppe „Norddeutscher Film“. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Hallo, du bist Indie-Filmer aus Schleswig-Holstein und hast letztes Jahr deinen ersten Langfilm herausgebracht. Worum geht es in diesem Film?

Der Film handelt von einem Ex-BKA-Beamten, der der Hamburger Polizei bei Ermittlungen zu einem Mordfall im Volkspark helfen soll. Dabei wird nicht nur er, sondern auch seine neue spanische Kollegin ihr wohl spannendste Abenteuer erleben. Ein Krimi, bei dem man erst kurz vor Schluss erfährt, wer der Mörder ist. Mitfiebern und raten wird für jeden Zuschauer ein absoluter Kriminalspaß werden.

Es ist ein Hamburger Krimi aus der Feder von Kai Uwe Wedel, den ich koproduziert habe und selbst eine kleine, aber feine Rolle spiele. Nachdem wir in Uetersen die Premiere hatten, lief er einige Male in kleinen Programmkinos. Für eine kleine Produktion wie wir es sind und Staubwedel Filmproduktion von Kai Uwe Wedel ist es nicht einfach, einen Film, der mit privaten Mitteln finanziert wurde und ohne Verleih ans große Publikum zu bringen. Inzwischen hat Herr Wedel, der nicht nur Hauptproduzent und Drehbuchautor vom Film ist, sondern auch die männliche Hauptrolle spielt, es geschafft, das unser Film bald auf DVD rauskommt. Der Vertrag mit einer Kleinen Hamburger Firma wurde gerade unterzeichnet. Natürlich können wir uns nicht mit Blockbustern messen, aber wir haben einen schönen TVtauglichen Krimi geschaffen.

 

 

Wie bist du zum Film gekommen?

Zum Film hat mich König Zufall gebracht. Beim örtlichen Supermarkt hing ein Zettel am schwarzen Brett, über den man Komparsen für einen ZDF Krimi (UNTER ANDEREN UMSTÄNDEN) gesucht hat. Ich habe mich einfach mal beworben und wurde angenommen. Beim Dreh wurden mir dann Agenturen empfohlen, bei denen ich mehr Jobs vor der Kamera bekommen konnte. Nach einige Zeit als Komparse trat König Zufall wieder heran und ich wurde gefragt, ob ich mir Text zutrauen würde. So wurde aus etwas Text immer mehr und ich bekam neben Großstadtrevier, Notruf Hafenkante auch bei großen US-Produktionen, u.a. mit Kim Basinger, Größeres im kleinen Rahmen. Im Laufe der Zeit dachte ich mir, warum nicht auch mal Filme machen? So entstanden erste, kleine (sehr schlechte) Kurzfilme, die dann immer aufwändiger und professioneller wurden.

Was bedeutet es ganz konkret Indie-Filmemacher zu sein? Wie finanziert man sich zum Beispiel und wie läuft der Vertrieb der Filme?

Indie ist vielleicht nicht das richtige Wort für mich. Ich sehe mich als Filmemacher aus Leidenschaft, der mit seinen Filmen, die nicht kommerziell sind, seine Leidenschaft auslebt. Finanzieren tue ich aus eigener Tasche und durch viele Freunde, die mir mit Equipment und Hilfe zur Seite stehen. Meine eigenen Filme werden nicht vertrieben, sondern fürs breite Publikum online gestellt.

 

 

Filmemachen in Schleswig-Holstein. Worin besteht deiner Meinung der Unterschied zu Medienhauptstädten wie Berlin, München, Köln oder München?

Einen Unterschied zu Medienhauptstädten? Schwer zu sagen. Immerhin ist Schleswig-Holstein nicht nur das schönste Bundesland der Welt, sondern auch die schönste Filmkulisse, die man sich vorstellen kann.

Du hast die Facebook-Gruppe „Norddeutscher Film“ gegründet. Was können Filmemacher dort finden?

„Norddeutscher Film“ ist eine inzwischen sehr erfolgreiche Gruppe bei Facebook, über die sogar Pro7 in der Sendung Galileo berichtet hat. Wir legen großen Wert darauf, dass nur Leute in die Gruppe kommen, die auch im Norden leben. Bei uns können Filmemacher ihre Crew finden, Schauspieler und Komparsen für sich werben und vielleicht entdeckt werden. Natürlich tauschen wir uns auch mit Erfahrungen aus und helfen uns, wo wir nur können.

 

 

Hast du schon ein neues Projekt geplant? Wie geht es bei dir weiter?

Geplant sind neue Projekte. Als erstes eine DVD mit Kurzfilmen befreundeter Filmemacher aus dem Norden. Der komplette Erlös der DVD wird ab a href=“http://www.stubentiger-eiderstedt.de/“ target=“_blank“>einen Tierschutzverein gespendet. Dann kommt noch mein nächster 20-minütiger Spielfilm, den wir noch in diesem Jahr anfangen werden zu drehen. Ein Film über häusliche Gewalt mit mir in der Hauptrolle. Mein guter Freund und norddeutscher Schauspieler Oliver Kirchhoff wird die Regie übernehmen. Oliver ist sicher vielen aus dem Tatort, Coca Cola Werbung und vielen anderen Produktionen bekannt. Er spielt sogar eine große Rolle in der Neuverfilmung von Raumpatrouille Orion.

Screen Talent Europe – Färöer Shorts

Screen Talent Europe ist ein Netzwerk aus Film-Werkstätten und Medienzentren aus Dänemark, Schweden, Norwegen, den Färöer Inseln, Deutschland, Irland, Nordirland und Frankreich. Ziel des Netzwerkes ist es, Koproduktionen zwischen den Partnern zu fördern und den Filmemachern zu helfen, ihr Wissen zu erweitern und Erfahrungen während der Talentcamps, Netzwerktreffen und Koproduktionen zu sammeln.

Das letzte Talentcamp fand im Juni 2015 auf den Färöer-Inseln statt. Unter den Teilnehmern befanden sich auch die Kieler Caro Palm und David Brych. Die daraus entstandenen Kurzfilmen waren im März auf dem Filmfest Schleswig Holstein zu sehen. Bei Interesse können sich Bewerber in der Filmwerkstatt Kiel melden.

 

Interview mit Caro Palm und David Brych auf dem Filmfest

Arne Sommer: Wie ist es möglich gewesen, in relativ kurzer Zeit Themen zu finden und darüber Filme zu machen? Ihr habt euch dort ja erst alle kennengelernt.

Caro Palm: Wir hatten zuerst Workshops, wo er darum ging herauszufinden, warum wir eigentlich Filme machen. Unsere Themen haben wir gefunden, indem wir ins Pub gegangen sind und mit den Einheimischen geredet haben. Sebastian hat mit THE TOURIST sehr gut aufgegriffen, was die Leute da so bewegt. Der Tourismus, die Schafzucht, Transgender, Musik. Also eigentlich hat er alles in seinen Film gepackt, was wir dann in jeweils einen Film thematisiert haben. Nach den Workshops gab es dann Pitches. Die Regisseure haben drei Filme vorgeschlagen und sich während eines solchen Pitches ihren Produzenten gesucht.

Arne: Vielleicht erzählst du einmal, wie ihr zusammen gelebt habt.

David: Wir waren in einer verlassenen Schule, die wegen der Ferien zu war. Wir haben da quasi in den Klassenzimmern auf Luftmatratzen geschlafen, wie in einer großen WG. Das war schon sehr lustig, wie auf einer Klassenfahrt.

Zuschauer: Wie lange hattet ihr Zeit, die Filme zu drehen?

Caro: Wir hatten eine Woche um anzukommen und uns kennen zu lernen. Da waren auch diese Workshops. Nachdem wir herausgefunden hatten, was die Einheimischen so bewegt, hatten wir eigentlich nicht wirklich viel Zeit ein Thema zu finden. Innerhalb von zehn Tagen wurden die Filme gedreht. Als die Editoren nach zweieinhalb Wochen dazu kamen, wurde sofort angefangen zu schneiden. Die Postproduktion hat dann im jeweiligen Land stattgefunden. Wir haben die Filme nicht komplett auf den Färoern fertig gestellt.

David: Die Teilnehmer waren zwischen 18 und 32 und hatten ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Film. Die 18jährigen kamen gerade von der Schule und andere hatten schon beruflich mit Film gearbeitet. Dadurch gab es einen ganz unterschiedlichen Erfahrungsschatz. Die Filme wurden im Zweimann-Team gedreht. Der Regisseur hat Regie geführt und Kamera gemacht und der Produzent hat alles andere gemacht: Ton, Auto fahren und die Technik besorgen. Es war relativ wenig Technik dort. Einige hatten Kameras dabei, aber es gab auch einen Technikverleih auf der Insel, der uns unterstützt hat. Aber da die dort nicht so eine große Filmindustrie haben, waren die natürlich auch nicht so gut ausgestattet.

Caro: Es gab offiziell drei Tonangeln, aber nur einen Windschutz, eine Hardcover- und eine Teleskopstange. Also zusammengenommen eigentlich nur eine. Außerdem hatten wir einen unglaublichen Kamerawechsel.

David: Für die sechs Teams gab es nur drei Autos. Das waren alles ziemlich alte, kaputte Autos. Und man dachte, hoffentlich springt der Wagen an und wenn man dann auf der anderen Seite der Insel war, hoffentlich kommt man wieder zurück.

Arne: Aber auf gewisse Art und Weise hat das gezeigt, dass ihr mit jedem Equipment hervorragende Filme machen könnt und das es nicht darum geht, welche Kamera ihr habt, sondern was ihr mitbringt. Filme, die so unterschiedlich sind, die gleichzeitig alle auf der gleichen Insel gedreht hat, die aber trotzdem die Persönlichkeit jedes einzelnen Filmemachers zeigen. Gibt es Fragen aus dem Publikum?

Zuschauer: Wie habt ihr eure Protagonisten gefunden?

Caro: Das war Zufall. Johan wurde uns als der junge Farmer verkauft, der ganz innovativ ist und sich mit Medien auskennt, weil das lokale Fernsehen natürlich öfter bei ihm ist. Er ist halt jung und dynamisch. Außerdem kann er ohne Punkt und Komma quasseln.

Zuschauer: Wie habt ihr das mit der Sprache gemacht.

Caro: Wir hatten drei Färöerer im Team. Johan und ich haben uns auf Englisch geeignet, obwohl alle Färöerer auch Dänisch sprechen und meine Produzentin Dänin ist.

Arne: Wenn keine Fragen mehr aus dem Publikum sind, dann bedanke ich mich, dass ihr hier wart.

 

Die Filme im Überblick

Boys (Sunniva Sundby)

Der Kurzfilm BOYS von Sunniva Sundby begleitet Färöerer Jugendliche einen Tag lang. Moped tunen, rumhängen und auf dem Friedhof arbeiten, wo die Jungs dann auch ein bisschen philosophisch werden.

Driving to Thule (Tommy Flavin)

Wie beschäftigt man sich als junger Mensch auf einer kleinen Insel wie Färöer? Diese Frage stellte sich auch Tommy Flavin und ließ seinen Protagonisten nachts aus lauter Langeweile über die Insel fahren. Allein mit sich in einer Blechkiste macht nachdenklich.

Inside Out (DK, Kristopher Paterson)

Dem Thema Metamorphose widmet sich Kristopher Paterson in seinem Kurzfilm INSIDE OUT. Eine junge Frau stellt ein Kostüm her. Tut sie es, weil es ihr Beruf ist oder hat sie etwas ganz anderes vor? Spannende Kurzdoku über eine Verwandlung.

Sofia (Viana Mikkelsen)

Mit diesem Portrait gibt Viana Mikkelsen Einblicke in das Leben der Transsexuellen auf Färöer. Vorurteile und Probleme unterscheiden sich kaum von denen auf dem Kontinent. Das Interview vor der Kamera, die sich ganz dicht an Sofias Gesicht geht, macht diese Doku zu einem intimen Tagebuch. Spannend.

The Tourist (Sebastian Cordes)

Poetische Dokumentation über das Verhalten von Touristen. Wir folgen einem Besucher der Faröer Inseln bei seiner Wanderung durch die pitoreske Landschaft.

Jóhan (Caro Palm)

Dokumentation über einen Changemaker. Eigentlich kann man von der Schafzucht auf den Färöer Inseln längst nicht mehr leben, aber Schaf-Farmer Jóhan Jógvansson will das ändern, indem er traditionelle mit modernen Techniken der Viehwirtschaft kombiniert.

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