Wilder, lauter und freier – Vom Aufbau einer Webserien-Szene in Deutschland

Im November waren Dennis Albrecht (Filmstadt) und Michael Söth (Deichbullen) von der Initiative UnsereSerien zu Gast beim Kieler Filmemacher Stammtisch. Dort sprachen wir über die Potenziale des noch jungen Marktes für Filmemacher und die Förderungen einer deutsche Szene, die sich UnsereSerien auf die Fahnen geschrieben hat. Das ganze Interview lest ihr hier.

 

Bericht Jessica Dahlke

Jessica: Wo veröffentlicht ihr Webserien?

Dennis: Youtube kam für uns nicht in Frage. Stattdessen wollen wie eine eigene Plattform aufbauen. Man muss da technisch viel ausprobieren und das machen wir gerade. Filmstadt ist ganz unkommerziell produziert worden und die Gelder, die wir da reingesteckt haben, kommen nicht wieder zurück. Aber wir konnten dadurch sehr viel Freiheit gewinnen. Gerade in der Filmsprache und in der Länge konnte sich keiner einmischen. Filmstadt ist auf vielen Kanälen zu sehen, u.a. auf unsereserien.de.

 

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Michael: Meine Serie Deichbullen ist aktuell bei Watchever. Sie läuft demnächst in Frankreich, Spanien und England. Wir haben auf dem Webfest in Berlin einen Distributionsvertrag gewonnen und irgendwie scheinen die Franzosen auf norddeutschen Humor zu stehen.

Einige Filmkritiker haben geschrieben, Deichbullen wäre einer der wenigen Serien, wo nix passiert. Das war das Alleinstellungsmerkmal. Überall anders liefen Zombies herum, sind Köpfe geflogen, Sexszenen und politische Szenen. Meine Serie war die einzige, wo nix passiert ist. Die Deichbullen sind einfach Leute, die auf dem Land von rechts nach links laufen. Das scheint anzukommen.

Bevor wir den Vertrag gewonnen haben, liefen waren wir drei Monate auf Youtube online, das lief auch sehr gut. Da keiner die Serie auf Watchever kaufen würde, wenn sie zeitgleich kostenlos auf Youtube läuft, mussten wir uns entscheiden. Also entweder alles für alle oder lieber wieder ein bisschen Geld verdienen, um die zweite Staffel zu produzieren. Und trotz Leidenschaft sollte es das Ziel des Filmemachers sein, irgendwann auch ein bisschen Geld dafür zu bekommen.

Ich spreche da aus Erfahrung. Mein erster Film „Deichking“ aus 2007 hat jetzt erst die Kosten eingespielt, obwohl er acht Mal auf NDR und ARD einsfestival gesendet wurde. Der DVD-Verkauf läuft nach wie vor gut. Komischerweise vor allem in Bayern.

 

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Jessica: Kannst du kurz erklären, was das Webfest in Berlin ist?

Dennis: Das Webfest ist ein weltweites Festival-Netz. Es gibt das Webfest Sydney, das Webfest Rio, Bilbao und so weiter. Man kann sich auf dem ganzen Globus dafür bewerben. Das Webfest Berlin wurde dieses Jahr zum ersten Mal veranstaltet, mit dem Fokus auf Webserien. Die Filmemacher können da Distributionsverträge oder die Teilnahme an einem anderen Webfest gewinnen. Die Serie Kumbaya hat eine Teilnahme in Rio gewonnen und einer von denen fliegt jetzt dorthin. Das ist eigentlich eine ganz schöne Sache. Inzwischen kooperieren wir auch mit dem Webfest und haben zusammen ein Netzwerk aufgebaut.

Michael: Ich würde gerne mal eine Lanze für das Webfest und Webserien brechen. Ich hatte am Anfang auch nicht daran gedacht, eine Webserie zu machen. Deichbullen war eigentlich als Langfilm konzipiert und ich hatte das Drehbuch auch so geschrieben. Aber da mal wieder kein Sender und kein Geldgeber angebissen hatte, war ich kurz davor, die Idee in die Mülltonne zu werfen. Kurzfilm ist nicht so mein Ding, weil ich da den Markt nicht sehe. Mein Anspruch als Filmemacher ist es, die breite Masse zu unterhalten und möglichst vielen Leuten meine Werke zu zeigen. Und dann kam jemand und meinte: Macht doch eine Serie daraus. Die ersten zwei Folgen, die ihr gesehen habt, waren praktisch die ersten zwei Szenen im Drehbuch. Die Arbeit an einer Serie ist eine ganz andere als an einem Langfilm oder einem Kurzfilm. Ich finde aber, es ist ein guter Markt. Ein absolut interessanter Markt, weil er neu ist und die ganzen Global Player wie Amazon, Youtube und Google gerade wie blöd die ganzen Konzepte aufkaufen. Auch die Fernsehsender haben Budgets für genau solche Formate.

 

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Dennis: Man muss aber sagen, auch wenn die Sender solche kleinen Serien suchen und annehmen, es sind trotzdem immer dieselben Gesichter, die inszenieren oder vor der Kamera stehen. Das wollen wir so ein bisschen durchbrechen. Mit jungen Schauspieler und andersartigen Konzepten. Bei Deichbullen zum Beispiel wird der Mystery-Anteil immer größer, was ich bis zur achten Folge immer interessanter fand. Vielleicht haben die großen Sender deshalb nicht angebissen, weil das nicht zu den üblichen Formaten gehört, die gerade produziert werden. Wir versuchen diese Sparte auszufüllen. Das muss sich aber auch finanziell lohnen, denn immer für lau und zur eigenen Selbstausbeutung, das kann es nicht sein.

 

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Jessica: In der Folge, die wir gesehen haben, wirfst du einen sehr kritischen Blick auf die Filmbranche. Sind das eigene Erfahrungen?

Dennis: Ja, vor allem am Anfang sind viele autobiografische Bezüge eingeflossen. Angefangen hat es eigentlich in der ersten Episode mit einer Schauspielerin aus Hamburg, die nach Berlin ziehen will, weil sie sich dort größere Chancen erhofft. Ich habe damals auch meinen halben Freundeskreis nach Berlin verloren und mich gefragt, was macht die Filmstadt Hamburg so unattraktiv? Das war die erste Geschichte mit Figuren, die Sachen erlebt haben, die ich eben auch so ein bisschen durchgemacht habe. Zum Beispiel nachts in der Videothek zu arbeiten. Damals gab es noch 24 Stunden Videotheken und ich war die Nachtschicht. Ein tolles Erlebnis. Das fließt alles mit ein. Außerdem Anekdoten, die mir Kameraleute erzählt haben. Auch von Schauspielern haben wir sehr viel aufgenommen, weil bei ihnen so viele Problematiken vorhanden sind, die man unterhaltsam verpacken kann. So ist das alles entstanden.

 

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Jessica: Und bei dir?

Michael: Keine Ahnung. Sowas entsteht, wenn man auf dem Land aufwächst. Ich kenn die ja alle. Das ist das Schöne an den Deichbullen. Wir hatten als Set ein kleines Ferienhaus im Dorf. Am ersten Tag haben wir natürlich unser Equipment ausgepackt, mit den Lampen und all dem anderen Zeug. Da kam der erste Bauer vorbei: „Moin, moin.“ Dann fuhr er wieder weg. Zehn Minuten später war das komplette Dorf da. Mit Kinderwagen, Trecker, Polizeiwagen, Bus, zu Fuß… also alle wollten mal gucken, was ist da los. Das Geile ist, dass uns die Leute alles angeboten haben. Braucht ihr meine Kühe? Braucht ihr meine Schafe? Ich hab ’nen alten Deutz. Ich hab ’ne alte Mofa.

 

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Dennis: Im Gegensatz zu Hamburg, von man vom Hof gejagt wird.

Michael: Ja genau.

Dennis: Das ist ein Filmteam, die machen eh alles kaputt, sofort weg damit.

Michael: Ja, das ist aber auch für uns eine Warnung gewesen. Da ich in dieser Gegend groß geworden bin, kenne ich die Leute. Wenn du da jemanden auf die Füße trittst, hast du gleich das ganze Dorf gegen dich. Wir haben da auch die Premiere gefeiert. Die sind komplett begeistert, die reißen dir alles von der Wand. Mittlerweile schicken sie mir auch Ideen, also Sachen, die sie erlebt haben. Wir können damit noch 40 Jahre diese Serie fortführen.

Dennis: Gerade auf dem Lande bekommt man noch viel Zuspruch und Hilfe. Da müssen wir Filmteams Verantwortung übernehmen, keine verbrannte Erde zu hinterlassen. Gerade in Hamburg ist das problematisch, weil Filmteams sich hier und da nicht benommen haben. Wenn man aber nach MeckPomm oder Schleswig-Holstein rausfährt, bekommt man tolle Locations. Da gibt es noch viel zu entdecken. Deshalb sollte man sich so benehmen, dass man wiederkommen darf.

 

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Jessica: Das heißt es ist schon eine zweite Staffel in Planung?

Michael: Ich schreib gerade an der zweiten Staffel. Die Finanzierung steht fast. Die Folgen werden diesmal länger, denn die Hauptkritik an der ersten Staffel war, dass die Folgen zu kurz waren. Da fehlte uns einfach die Erfahrung mit dem Internet. Zwanzig Minuten hält heute keiner mehr aus, so was zumindest unsere Erkenntnis, weil die jungen Leute nur noch nebenbei gucken. Darum hatten wir uns für fünf Minuten entschieden. Das ist bei Youtube wichtig, weil Klicks erst ab einer bestimmten Prozentzahl im Verhältnis zur Gesamtspieldauer zählen. Also haben wir uns gesagt, ok wenn die Leute nach einer Minute abspringen, zählt immerhin der Klick. Das war für uns wichtig bei der Akquise von den Investoren, denn die gucken nur auf die Zahlen.

Dennis: Dazu muss ich sagen, dass die Filmstadt zum Beispiel mit ganz anderen Budgets arbeitet. Ich bin der Meinung, dass man auch mit kleinen Mitteln etwas auf die Beine stellen kann. Das ist auch ein Aufruf an euch hier als Filmemacher, dass gerade diese Miniserien und seien es nur dreimal eine Minute, ein schönes neues Medium sind. Ich glaube, wir sind alle ein bisschen Seriengucker geworden, gerade durch die Formate aus den USA und Großbritannien. In Deutschland haben wir ein bisschen das serielle Erzählen verlernt. Ich bin mit Großstadtrevier in der fünften Wiederholung aufgewachsen und das kann es irgendwie nicht sein. Wir sollten viel mehr experimentieren und einfach drauf los erzählen, mit den Ressourcen, die wir haben. Dazu möchte ich hier aufrufen. UnsereSerien-Tour ist für alles offen.

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Johann Schulz (Filmemacher): Kannst du uns nochmal mehr über UnsereSerien erzählen? Was bedeutet das Label?

Dennis: Zur Zeit ist es nur eine lockere Initiative, eine Vereinigung von deutschsprachigen Serienmachern. Das erste Ziel war es, sich kennen zu lernen und sich auszutauschen. Wir treffen uns immer wieder. Wir haben auch ein eigenes Festival in Hessen auf die Beine gestellt, das auch gefördert wird. UnsereSerien ist dafür da, damit wir besser entdeckt werden und man sieht, dass es diese Art von Serien gibt. Wie eine Art Wegweiser. Denn das große Problem ist, man weiß nicht, auf welcher Plattform diese Serien hinterlegt sind. Ich könnte mir vorstellen, dass es irgendwann so eine Art Agentur wird. Wir wollen ab 2016 Tipps geben, welche Fallstricke oder welche Festivals es gibt. Das Programm soll soweit ausgebaut werden, dass wir unter den Sendern als Talentpool wahrgenommen werden. In den USA sind die Webserien sehr groß und sehr geil. Hier wollen wir eine ähnliche Szene aufbauen.

Michael: Wir haben einen Distributionsvertrag mit Rockzeline. Das ist ein Vertrieb, der sich hauptsächlich auf Webserien spezialisiert hat. Die sind sehr sehr umtriebig und kaufen Serien auf. Das läuft wie bei einer Plattenfirma. Rockzeline verdient nur, wenn sie die Serien weiter verkaufen. Sprich Watchever zahlt nicht nach Klicks, sondern sie kaufen die Serie und Rockzeline verdient am Verkaufspreis mit. Die Konditionen sind sogar besser als beim Kinoverleih.

 

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Dennis: Bei Youtube gilt die Faustregel: Eine Millionen Klicks bedeuten 1.000 Euro Verdienst. Youtube-Millionär können wir mit unseren Formaten nicht werden, denn dafür sind sie nicht gemacht.

Michael: Was ich auf jeden Fall merke, ist die größer werdende Resonanz der Zuschauer, obwohl die Deichbullen nicht mehr auf Youtube laufen.

Dennis: Vielleicht weil sie nicht mehr auf Youtube sind?

Michael: Ja das stimmt, das weckt natürlich eine gewisse Begehrlichkeit. Auf Watchever hat man ein Abo und die Zuschauer klicken dann mal rein, um zu gucken, ob es ihnen gefällt. Das ist ein großer Vorteil. Und wenn die Serie erstmal in Frankreich, Spanien und England läuft, dann hat man natürlich noch eine größere Reichweite. Und damit kann man auch Crowdfunding machen. Denn es reicht, wenn von 20.000 Zuschauern nur 2.000 Leute mitmachen.

Dennis: Und diese Richtung finde ich auch besser. Natürlich hätten wir auch auf englisch produzieren können, um die Serie bis nach Japan zu verkaufen.

Michael: Finde ich sehr skurril, die Deichbullen auf Englisch.

Dennis: Wir halten hier ein bisschen die kulturelle, deutschsprachige Fahne hoch. Das ist eben auch die Zukunft. Wo wollen wir mit unseren Kurzfilmen hin? Wo wollen wir mit unserem Dokumentarfilm hin? Den DVD-Markt kann man vergessen, Fernsehen hat keine Sendeplätze, deswegen glaube ich, dass der einzige Weg Video on Demand ist. Man muss nur dafür einen Wegweiser bauen, weil man nie weiß, auf welche Plattform man gehen muss, um einen schönen Kurzfilm oder eine Dokumentation zu finden, die in Kiel gedreht worden ist. Wir müssen auch mehr in die Presse, sonst wird wieder nur alles hochgeladen und versackt dann da.

Wir müssen also wilder, lauter und bekannter werden. Ich kann also nur den Aufruf starten, es im großen und kleinen Maße nachzumachen.

 

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Moritz Boll über seinen neuen Film „Elise“

Moritz Boll ist eines der vielen jungen Ausnahmetalente in der Filmszene Schleswig-Holstein. Aktuell arbeitet er an seinem neuen Spielfilm, der Anfang 2016 Premiere feiern wird. Wir haben mit ihm über die Dreharbeiten von „Elise“ gesprochen und seine Zusammenarbeit mit Schauspieler Michael Mendl.

 

Bericht von Jessica Dahlke

 

Hallo Moritz, dein Film „Elise“ ist fast fertig. Wie waren die Dreharbeiten?

Großartig, anstrengend, aufregend, wunderschön, lehrreich, wahnsinnig, warm, kalt. (Letzteres besonders für unsere tapferen Darstellerinnen, die in einem Swimmingpool mit 10° so tun mussten, als wäre Sommer..) Und insgesamt: eine ganz tolle Zeit! Unsere ersten beiden Drehwochen haben wir in Dänemark verbracht, wo wir die Außenaufnahmen für den Roadtrip-Teil des Films aufgenommen haben. Das hat großen Spaß gemacht und uns zu einem wunderbar funktionierenden, sehr engem Team zusammengeschweißt. Ich bin sehr dankbar, dass das alles so gekommen ist. Jeder Dreh war neu und aufregend, denn Elise ist unser bisher größtes Projekt. Die Landschaft und die menschenleere Gegend in einem benachbarten Militärgebiet haben uns sehr viel Freiheit in der Gestaltung gegeben und weil alle zusammengewohnt haben, gab es wenig zu disponieren. Das einzige, worauf man achten musste, war die Sonne, die irgendwann untergeht.

 

 

 

Das waren die ersten beiden Drehwochen. Wie ging es dann weiter?

Genau, es folgte ein kurzer Block in Kiel und zum Ende des letzten Jahres haben wir dann zwei Wochen in der Nähe von Schleswig gedreht, mit dem bekannten Schauspieler Michael Mendl. Das war für uns alle eine wahnsinnige Bereicherung – und auch eine große Herausforderung. Michael ist ein erstklassiger Darsteller, von dem ich ganz viel gelernt habe. Mich hat es sehr gerührt, dass er in seinem Drehbuch jeden freien Platz mit Notizen und Ideen zum Film beschrieben hat. Er hat sich wirklich voll auf uns und das Projekt eingelassen und keinen Unterschied zu den großen Produktionen gemacht, bei denen er normalerweise spielt. Das hat uns sehr gefreut, aber auch große Anstrengungen gekostet.

 

Wie kam es dazu, dass Schauspieler Michael Mendl eine Rolle übernommen hat?

Beim Schreiben der Rolle „Dorsday Uckhaus“ hatten wir uns schon einen Mann vorgestellt, der Charme und Charakterstärke ausstrahlt und Michael passte deshalb perfekt. Ich habe das Drehbuch an seine Agentur geschickt und einen Freudentanz durch‘s Zimmer gemacht, als er sich daraufhin meldete. Er ist dabei, aber in dem eigentlich geplanten Zeitraum hatte er andere Drehs. Das ist der Grund, warum wir die Drehzeit aufgeteilt haben. Im Nachhinein bin ich ganz froh darüber, weil wir in der Zwischenzeit (3 Monate) schon anfangen konnten zu schneiden und so auch über den einen oder anderen Fehler gestolpert sind, den wir im letzten Block beheben konnten.

 

 

 

Worum geht es in dem Film?

Elise (Maren Kraus) ist 19 Jahre alt und hat gerade ihr Abitur bestanden. Das Gefühl der grenzenlosen Freiheit wird schnell von den großen Fragen überschattet: Was mache ich jetzt? Was für ein Leben möchte ich führen? Was sind eigentlich meine Ziele und Wünsche? Auf der Geburtstagsfeier ihres Vaters lernt sie Dorsday Uckhaus kennen. Uckhaus, gespielt von Michael Mendl, ist ein Freigeist, ein wohlhabender Künstler, der Elise und ihre Freundin Maria (Carolin Dietrich) auf die Idee bringt, einen Roadtrip zu seinem Ferienhaus im Norden Dänemarks zu unternehmen. Beide machen sich auf den Weg und erleben eine ereignisreiche Reise. Als sie bei Uckhaus ankommen, wird Elises Verhältnis zu dem alten Künstler schließlich besonders spannend: Er macht ihr den Vorschlag, sie nackt zu porträtieren.

 

 

 

Was waren die Highlights des Drehs?

Da gab es viele! Die unbeschwerte Zeit in Dänemark, der erste Dreh mit Michael, der Graben, die Szene mit Marko Gebbert und Claudia Friebel im Toni’s, das Drehen auf einem Segelschiff – das dank Reisetabletten zum Glück zu einem Highlight wurde. Insgesamt einfach das tolle Gefühl, als Team etwas Besonderes auf die Beine zu stellen.

 

Und die größten Herausforderungen?

Herausforderungen gab es neben dem normalen Wahnsinn – Zeit-, Equipment- und Geldsorgen – auch eine Menge! Wir haben zum Beispiel für eine Szene, die auf einer Landstraße spielt, einen Drehort mit Polizei und Ordnungsamt genau abgesteckt und als wir zwei Wochen später zum Drehen kamen, hatte es einen Rohrbruch gegeben und die ganze Straße war aufgerissen. Wir sind dann wie die Irren durch die Gegend gefahren, um noch
schnell einen Ersatzort zu finden. Da waren wir eigentlich schon k.o. bevor es überhaupt losging!

 

 

 

Wann werdet ihr Premiere feiern?

Anfang des nächsten Jahres. Das genaue Datum werden wir auf unserer Website www.moritzbollfilms.de und auf der facebook-Seite dann stündlich posten!

 

Wie bist du zum Filmemachen gekommen?

Durch Lego. Ich hab mit zehn Jahren begonnen, kleine (und furchtbar schlechte!) Stop-Motion-Filme zu drehen und zwei Jahre später habe ich dann meinen Kumpel Jan Jekal kennen gelernt, mit dem ich 2007 unseren ersten Kurzfilm Wrong gedreht habe. Der wurde durch viele glückliche Zufälle im Cinemaxx in Kiel aufgeführt. Das war so ein tolles Erlebnis, dass wir uns dachten, das kann nicht der Letzte gewesen sein! Das Drehbuch zu Elise haben wir auch zusammen geschrieben.

 

Wenn man auf deiner Homepage ist, bemerkt man auffällig viele größere Firmen, für die du schon gearbeitet hast. Wie hast du es geschafft, dir mit deinen jungen Jahren schon so eine Reputation aufzubauen?

Vielen Dank! Ich habe angefangen, Imagefilme oder Veranstaltungsfilme für kleinere Unternehmen zu drehen, um Erfahrungen und natürlich auch die nötige Finanzierung für meine größeren Projekte zu sammeln und dabei immer versucht, etwas Besonderes aus den Filmen zu machen. Ich wollte einen jungen Blick auf das Produkt oder das Unternehmen werfen und den Projekten eine möglichst hohe Professionalität geben. Das hat sich wohl herumgesprochen und so wurden die Auftraggeber immer größer. Vor einigen Jahren habe ich dafür ein Kleingewerbe angemeldet.

 

 

 

Was hast du in näherer Zukunft geplant? Hast du schon ein neues Filmprojekt?

Im Sommer haben wir einen Kino-Spot für die PSD-Bank gedreht. Der muss geschnitten werden. Aber zu einem neuen Spielfilm habe ich mir noch keine konkreten Gedanken gemacht. Ich muss auch erstmal eine ganze Menge Schlaf nachholen 😉

„Das tote Pferd von Plön“ – Das Webmusical

Eine Polizistin und viele tote Musical-Stars. Rainer Niermann und Florian Caspar Richter, selbst Musical-Profis, stellen sich der Herausforderung Internet Broadcast und sind dabei, ein völlig verrücktes Musical-Projekt auf die Beine zu stellen. Wir haben sie gefragt, wie es dazu gekommen ist und zeigen euch, wie ihr diese wirklich sehenswerte Idee auf startnext.de unterstützen könnt.

 

Bericht von Jessica Dahlke

Wie seid ihr auf die Idee gekommen ausgerechnet ein Web-Musical zu machen?

Rainer und ich kommen beide aus der Musicalbranche. Ich habe Dirigat und Regie studiert, Rainer war lange Zeit Regieassistent und Regisseur für Musicals. Daneben haben wir auch schon immer unser zweites Standbein in Film und Fernsehen gehabt. Jetzt, nachdem wir unsere gemeinsame Firma Play On Films in Malente gegründet haben, schien es irgendwie der nächste logische Schritt, beide Welten miteinander zu verknüpfen und die Kontakte, die wir in beide Branchen haben, zu nutzen, um etwas Einzigartiges und Neues zu machen. Außerdem ermöglicht es dieses Projekt etwas zu versuchen, was es in Deutschland immer noch viel zu selten gibt: Eine Slapstick-Komödie mit Musik.

 

 

Was erwartet den Zuschauer?

Bei uns gibt es brandneue Musik von Marc Schubring (der gerade als bester Musicalkomponist Deutschlands ausgezeichnet wurde), verrückte Texte von Heiko Wohlgemuth (der mit seinen Komödien das Schmidt Theater in Hamburg füllt), eine aberwitzige Geschichte von Rainer Niermann und Florian Caspar Richter, so ziemlich alle großen Musicalstars Deutschlands (Uwe Kröger, Pia Douwes, Jan Ammann, Andreas Bieber und viele, viele mehr), betörende Landschaftsaufnahmen aus ganz Schleswig- Holstein, und: pro Folge ein extra komponierter Song und ein abstrus-schaurig-blutiger Mord. Ziel ist es mindestens 6 Folgen a sechs bis acht Minuten zu produzieren, vielleicht auch mehr.

 

 

Worum geht es in der Geschichte?

Mit viel Tempo, wunderbar absurdem Witz und packender Musik wird im „toten Pferd von Plön“ die Geschichte von Anika Schönhaube erzählt, ihres Zeichens großer Musicalfan und Polizistin aus Plön in Schleswig-Holstein. Als Anika eines Tages Teil einer Musical-Produktion vor Ort wird, kann sie ihr Glück kaum fassen: Endlich kann sie den Stars der Branche ganz nah sein. Doch zu früh gefreut! Bitter wird sie von diesen enttäuscht und so fasst sie einen folgenschweren Plan: Um „ihr Musical“ vor den Allüren seiner Macher zu schützen, bringt sie kurzerhand genüsslich einen Musicalstar nach dem anderen um die Ecke.

 

 

Wie begeistert man Musical-Stars für so ein Projekt?

Die Stars freuen sich immer, wenn jemand mit etwas „Neuem“ um die Ecke kommt. In Deutschland wird viel zu viel „Konserve“ gespielt: Stücke, die es schon seit Jahren oder Jahrzehnten gibt. Wenig Neues wird gewagt – und wenn dann auch wenig „ernsthafte Komödie“. In Verbindung mit einem tollen Autorenteam lockt das unsere Darsteller vor unsere Kamera. Es scheint so, als habe die Branche ein wenig auf ein solches Projekt gewartet.

 

Warum habt ihr euch Scheswig-Holstein und nicht Berlin oder Hamburg ausgesucht?

Rainer ist in Malente aufgewachsen, Florians Tochter in Kiel zur Welt gekommen. Und – gerade fürs Internet gilt: Global denken, Regional verwurzelt bleiben. Schleswig-Holstein ist der perfekte „Backdrop“ für unsere Geschichten. Das Leben, Schreiben, Produzieren und Morden macht hier besonders Spaß. Außerdem: gerade als junge Filmfirma ist es gut, ein Alleinstellungsmerkmal zu haben. Das ist in Hamburg, Köln oder Berlin nicht einfach zu finden. Aber ein Büro mit kleinem Bootssteg macht dann doch etwas her. Im Ernst: wir finden in Schleswig-Holstein ideale Bedingungen vor, um uns freizuschwimmen. In Köln oder an anderen großen Standorten ist es schwer, sich als junger Fisch zwischen den dicken Brocken zu tummeln. Außerdem: Heimat ist eben Heimat.

 

 

Crowdfunding auf startnext.de

Unterstützt dieses Projekt noch bis zum 03.01.2016 auf startnext. Hier geht es zur Spendenseite.

Zum Pitch-Video auf Vimeo

Über Play on Films

Rainer uns Florians Produktionsfirma „Play On Films“ ist deutsch-britisch. Neben ihrem Standbein in London, haben sie sich in Schleswig-Holstein in Bad Malente niedergelassen. Neben individuellen Erfahrungen im Spielfilmbereich haben sie über die Jahre viele preisgekrönte Kurzfilme produziert, die auf Festivals in der ganzen Welt gezeigt wurden.

Zum Musical haben sie eine besondere Verbindung da beide ihre Laufbahn im Musical und Musiktheater begonnen haben. Rainer war jahrelang Assistent bei namhaften Regisseuren, u.a. bei Harry Kupfer und Gil Mehmert, bevor er selbst Musiktheater inszenierte. Florian war musikalischer Leiter und Dirigent bei vielen Musicalproduktionen in Deutschland und Amerika.

Rainer studierte Film, Theater und Musik in Hildesheim bevor er in New York und London mit dem Master of Arts in Filmproduktion und -regie abschloss. Florian studierte Musik und Regie in Chicago. Beide sind zudem Alumni der renommierten Internationalen Filmschule IFS in Köln (“International Producing”).

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„Kein Freund fürs Leben“ – Kurzfilm gegen Mobbing

Mit ihrem Kurzfilm „Kein Freund fürs Leben“ wollen Jonas Ems (uFoneTV) und Jonas Wuttke (Pianofilms) auf das Thema Mobbing und seine psychischen Folgen aufmerksam machen. UfoneTV gehört mit 850.000 Abonnenten zu den erfolgreichsten YouTubern Deutschlands. Wir haben mit Jonas Wuttke über das Projekt gesprochen.

Bericht von Jessica Dahlke

 

Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Jonas Ems gekommen?

Jonas Ems teilte Ende 2013 meinen ersten Antimobbingkurzfilm „Hilflos“ auf YouTube. Da wir beide auch beruflich in Richtung Film gehen wollen, beschlossen wir, nach dem Abitur gemeinsam einen Kurzfilm zu drehen. Schnell hatten wir dann auch schon erste Ideen für unser Projekt und begannen, gemeinsam ein Drehbuch zu schreiben.

 

 

Worum geht es in „Kein Freund fürs Leben“?

Zwei ehemalige Klassenkameraden begegnen sich an einem schönen Sommertag im Wald – Niklas war in der Schule der schüchterne Außenseiter, Tom hingegen derjenige, der immer im Mittelpunkt stand und von allen gemocht wurde. Als sich die beiden nun nach ihrer gemeinsamen Schulzeit wieder treffen, sieht man, dass die schwere Kindheit, die Niklas durchleben musste, Spuren hinterlassen hat und ihn bis heute verfolgt. Noch immer wünscht er sich nichts sehnlicher, als einmal einen Freund zu haben. Damit das Wirklichkeit wird, hat er am Morgen den Hund von Tom entführt und plant, sich so eine Freundschaft mit ihm zu erpressen. Zwei komplett unterschiedliche Persönlichkeiten, die nun gezwungen sind, einem Tag miteinander zu verbringen: Niklas, in seiner tiefen Verletztheit unberechenbar, und Tom, der einfach nur hofft, seinen Hund irgendwie wiederzubekommen – Alles dreht sich um die eine entscheidende Frage: Wird der hilflose Hund überleben?

 

 

Warum war es euch so wichtig, diesen Film zu machen?

Vor allem ging es uns darum, auf die Probleme und Folgen von Mobbing aufmerksam zu machen – Ich denke, dass jeder, der unseren Kurzfilm sieht, Denkanstöße erhält und vielleicht auch beginnt, über das eigene Handeln nachzudenken. Der Film soll dabei aber vor allem spannend und unterhaltsam sein, weshalb wir den Fokus auch auf das Thema Freundschaft gesetzt – also kann man eine solche erzwingen – und ein sehr gesättigtes Bild gewählt.

Ihr habt weitere Fragen, dann stellt sie uns in den Kommentaren. Wir leiten sie dann an Jonas weiter.

 

Deichbullen – Eine Webserie aus SH

Michael Söth liebt Filme. Daher ließ er sich auch bei seinem aktuellen Projekt „Deichbullen“ – die als Webserie gerade auf Youtube läuft – nicht durch Rückschläge aufhalten. Im Interview erzählt er, wie die Serie entstand und warum es sich lohnt, in Schleswig-Holstein Filme zu machen.

Bericht von Jessica Dahlke

Die Deichbullen laufen nun seit ein paar Wochen als Webserie auf Youtube. Bist du mit der bisherigen Resonanz zufrieden?

Mit der Resonanz zu „Deichbullen“ bin ich sehr zufrieden. Wenn der einzige Kritikpunkt an der Serie die zu kurze Dauer ist, muss man auch zufrieden sein. Denn das bedeutet das die Leute gerne mehr gesehen hätten. Auf YouTube werden pro Tag mehrere Tausend Stunden Material hochgeladen. Wenn bei der Masse an Filmen 13.000 Menschen auf Deichbullen klicken, finde ich das schon beachtlich. Davon bleiben dann immerhin gut 2.000 Menschen an der Serie dran.

 

 

Worum geht es in Deichbullen?

Zwei in die Jahre gekommene Hamburger Polizisten, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, werden in die Norddeutsche Tiefebene nach Kollmar versetzt. Wer glaubt, dass in einem 1.700 Seelen Dorf weniger passiert, als in einer Stadt wie Hamburg, der täuscht sich gewaltig.

 

 

Warum wolltest du eine Webserie machen?

Es war eigentlich nicht als Webserie geplant, sondern als Konzept für eine TV-Serie. Leider traute sich kein Sender die Deichbullen zu veröffentlichen. Mittlerweile hatten wir aber alle viel Arbeit in das Projekt gesteckt und wollten es nicht einfach sterben lassen. Der in Deutschland noch ziemlich neue Markt für Webserien erschien uns da als sinnvoll.

 

 

Wie ist die Idee entstanden?

Die Idee hatte ich schon bei der Produktion meines ersten Spielfilms „Deichking“ (2006). Läuft im übrigen am 18.12.2015 auf EinsFestival (ARD). Damals drehten wir einige Szenen in Kollmar. Die Hilfsbereitschaft in dem Dorf und die Menschen regten mich zu der „Deichbullen“-Idee an.

 

 

Freie Serienproduktionen in Deutschland haben es ja eher schwer, wie finanzierst du die Serie?

Freiheit – egal in welcher Form – bekommt man nicht umsonst. Man kann sich verkaufen und dafür Einschnitte in der Kreativität hinnehmen oder man bleibt frei, muss dann aber alles selbst finanzieren. Dies haben wir getan. Ein Privatinvestor hat die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt und alle Beteiligten haben weitesgehend auf Honorare verzichtet. Nur so kann es gehen. Die Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein hat leider noch keinen Topf zur Finanzierung von Webserien. Aber die Hoffnung bleibt, das dies bald geschieht.

 

 

Auch Youtube ist ja eher ein schwieriges Pflaster, was würdest du Filmemachern empfehlen, wie sie ihre Videos auf dem Kanal promoten können? Was hast du konkret bei den Deichbullen dafür getan?

YouTube ist eine tolle Möglichkeit, Eigenproduktionen an die Öffentlichkeit zu bringen. Das schwierige ist nur die Menschen auf deine paar Minuten Film aufmerksam zu machen. Da lerne ich auch noch täglich dazu. Ich habe die klassischen Medien (TV, Zeitung, Radio, usw.) genutzt. Durch meine Spielfilme (Deichking und Bauernfrühstück) habe ich ein paar Kontakte aufbauen können. Diese nutze ich auch. Man kann dann noch Werbung über die Facebook Seite schalten. Wenn man etwas Geld in die Hand nimmt, bringt das sogar was.

 

 

Wie bist du zum Film gekommen und warum nimmst du all das auf dich?

Ich hatte immer den Traum einmal meinen eigenen Film im Kino zu sehen und andere Menschen zu unterhalten. Also begann ich irgendwann einfach kleine Geschichten zu verfilmen. Als ich merkte, dass nicht nur Freunde Spaß daran hatten, begann ich weitere Drehbücher zu schreiben. Die Projekte wurden immer größer. Nur Geld bekam ich kaum zusammen. Aber selbst Filme zu machen ist meine Leidenschaft. Und der Spaß an der Sache vertreibt den Gedanken, dass es sich eigentlich nicht rechnet.

 

 

Denkst du, dass man in Schleswig-Holstein Filme machen kann?

Schleswig-Holstein ist das beste Land, um meine Filme zu machen. Ich liebe die Landschaft und die Menschen die hier leben. Die Hilfsbereitschaft und die Liebe zum Film ist bei fast allen Norddeutschen positiv ausgeprägt. Meine Filme brauchen dieses Land und die Menschen als Basis für die Geschichten. Schleswig-Holstein inspiriert mich.

 

 

Was würdest du dir Wünschen, was müsste man in SH ändern, damit den Filmemachern hierzulande geholfen wäre?

Geld macht keine Filme – Ideen, Leidenschaft und der Wille es trotz aller Widrigkeiten umzusetzen produziert Filme. Es läuft in SH schon vieles richtig.

 

Ist schon eine Fortsetzung der Deichbullen geplant?

Aktuell sitze ich an der Planung für die zweite Staffel. Ich hoffe das wir dann spätestens im März 2016 drehen können.

Bilder: Peter Lühr, Kiel

So geht Spielfilm! Wie „Jola“ in Kiel entstand

Einfach mal einen Spielfilm ohne großes Budget drehen? Das geht nur, wenn alle mit großen Enthusiasmus dabei sind. So wie die jungen Filmemacher Hille Norden und Johann Schultz, die ihren Film Jola“ als Ferienprojekt innerhalb von 14 Tagen abgedreht haben. Wir haben mit ihnen über die Drehbedingungen und die Geschichte gesprochen.

Bericht von Jessica Dahlke

 

Ihr habt gerade euren ersten Langfilm abgedreht. Wie fühlt ihr euch?

Hille: Nicht besonders außergewöhnlich, jetzt kommt der Schnitt und die nächsten Projekte. Ich glaube, dass wir es „geschafft“ haben, bewegt mich gerade am wenigsten, weil ich derzeit noch sehr damit beschäftigt bin, zu verarbeiten, was ich über Film, über mich und vor allem über Menschen gelernt habe. Ruhig werde ich wahrscheinlich eh erst bei der Premierenfeier sein.

Johann: Ich fühl mich richtig gut, denn ich war Teil eines krassen, kreativen Prozesses, hab wichtige Erfahrungen gesammelt und große Schritte Richtung Profi gemacht. Tut gut fürs Selbstbewusstsein.

 

 

War das euer erstes Filmprojekt?

Hille: Nein, aber ich habe überhaupt erst vor knapp einem Jahr angefangen, mich für Film zu interessieren. Meine ersten zwei Filme waren Dokumentarfilme, einer über Jazz (An expression of Freedom) und einer über jüdisches Leben in Kiel heute (Schalom heißt Frieden). Dann habe ich eins meiner Theaterstücke zu einem Drehbuch für einen Kurzfilm umfunktioniert und im Januar 2015 mit moinmoin movies realisiert. Der Film „der als letztes spielt“ ist allerdings noch im Schnitt.

Zeitgleich kamen die ersten Ideen für „Jola“, dann habe ich begonnen mich darauf zu konzentrieren. Damals sollte es mit einem anderen Team und Regisseur erst ein Kurzfilm werden. Dann habe ich im Mai mit Johann und Hannes (Gorrissen, Anm. d. Red.) das erste Mal zusammen gearbeitet und habe für den Nur-48h-Wettbewerb 2015 in „What the Art“ gespielt.

Johann: Es war mein erstes Filmprojekt in dieser Größenordnung. Mein Zweites, in dem ich nicht selber mitgespielt habe und mein Erstes, das ich nicht selbst geschrieben habe.

 

 

Worum geht es in Jola?

Hille: „Jola“ könnte auf den ersten Blick als klassisches Jugenddrama verstanden werden. Allerdings behandelt es nicht nur eins der großen Themen, wie Liebe, Herz-Schmerz, Familie, Selbstfindung etc., sondern die ganze Palette. Im Leben passiert einem ja auch immer alles, meistens auch noch gleichzeitig. „Jola“ ist ein Ausschnitt aus dem Leben einer jungen Frau, bzw. eines Mädchens. Es geht viel um Familie, Drogen, Sex, Freunde, ein bisschen Liebe und viel um Langeweile. Um das Gefühl, nichts mit dem Leben anfangen zu können, obwohl man so viele Möglichkeiten hat, weil man nichts damit anzufangen weiß. Um die Frage, was unsere Realität eigentlich ist, ob wir sie akzeptieren müssen, uns damit konfrontieren müssen, ob Realitätsflucht legitim ist oder nicht. Ob ein Rausch das Leben verändert oder uns von einer tatsächlichen Veränderung abhält. Ob Sex Liebe gleichzusetzen ist – oder das eine das andere ersetzten kann.

Diese Probleme werden von der Schwierigkeit zu kommunizieren, einander nicht nur akustisch, sondern wirklich zu verstehen, begleitet. Eben die eigene Stumpfheit die zur Stummheit wird, wodurch einem schnell die eigene Entscheidungskraft abgenommen wird. Und um das Aufwachen daraus.

Johann: Für mich geht es um ein Haufen ungeliebter Kinder, auf der Suche nach irgendeiner Art von Zuneigung, die sich sowohl körperlich, sexuell, rein freundschaftlich oder familiär ausdrücken kann.

 

 

Hille, Du hast das Drehbuch geschrieben und die Hauptrolle gespielt. Warum wolltest du diesen Film unbedingt machen?

Ich glaube, ich hatte nie einen wirklichen Grund, nur ein Bedürfnis und überhaupt keinen Schimmer. Ich habe Poetry Slam gemacht, ein Stück geschrieben und aufgeführt, gemalt und dann kam eben Film, ohne das ich wusste, wie das eigentlich geht.

Im Januar wollte ich einen Kurzfilm machen. Das Thema „Drogen“ war so gar nicht meins, aber das, was von meinen damaligen Teampartner gewünscht war. Dann habe ich aber angefangen zu recherchieren, mir Leute gesucht, die abhängig sind, waren, die mit Drogen ihr Leben definieren oder damit ihr Geld verdienen. Ich war offen und habe jedem vor den Gesprächen erzählt, worum es mir geht. Ich bin viel Offenheit und vielen interessanten Menschen und Geschichten begegnet. Dadurch habe ich zuerst festgestellt, das mein Bild von den Gründen, Drogen zu nehmen, sehr falsch war. Ich dachte, man müsse ein unglaublich schreckliches Leben haben, um sich mit Drogen trösten zu wollen. Solche Menschen habe ich auch getroffen. Aber die meisten sind einfach nur gelangweilt gewesen. Das ist es, Langeweile und eine fehlende Hemmschwelle. Und viele andere Gründe, obwohl die Konsequenz und der Verlauf oft ähnlich sind, sind Rechtfertigung und Erklärung bei jedem anders.

 

 

Was hat dich an der Figur der Jola gereizt?

Jola ist gelangweilt vom Leben. Sie sucht nach etwas, das sie fasziniert, das sie erfüllt und ausfüllt. Sie ist nicht dumm, auch wenn es manchmal so wirkt. Nur desinteressiert und naiv, dadurch fehlt ihr die Schärfe im Verstand. Ich war fasziniert von der Planlosigkeit, mit der sie ihr Leben angeht und was daraus entstehen kann. Weil sie doch ganz anders ist als ich. Es war spannend, sich in sie einzufühlen. Zu sehen, was passiert, wenn man nicht gerne denkt, aber viel fühlt. Ich bin eher ein rationaler Mensch und gut darin, mich auszudrücken. Das ist sie nun überhaupt nicht.

So wurde jedenfalls aus dem geplanten 20-Minüter schnell ein Film, der 60 Minuten lang ist und über den Prozess zu einem Film mit einer Spiellänge von 90 Minuten wurde.

Warum ich den Film letztlich machen wollte…. Weil ich Gottseidank keine Ahnung hatte. Vor allem nicht von Film. Erst habe ich das Projekt, was ich mir vorgenommen habe unterschätzt und als ich dann begriffen habe, was die Konsequenz meines kleinen, kreativen Anfalls beim Schreiben ist, war es schon zu spät um aufzugeben, weil zu viele Leute involviert und befragt worden waren. Dass ich das Projekt trotz vieler Durststrecken und Ungewissheiten durchziehen wollte, lag einmal an meiner anfänglichen Naivität, den lieben Menschen, die helfen und an meinem Stolz und der Erwartungshaltung, die ich an mich selber habe. Ich bringe Dinge, die ich beginne, äußerst gerne zu Ende.

 

 

Johann, wie bist du als Regisseur zum Projekt gekommen und was hat dich am meisten daran interessiert?

Als Regisseur bin ich dazugestoßen, nachdem auch unser Kameramann dem Projekt seine Zusage gab. Wir arbeiten schon länger zusammen, ergänzen uns sehr gut und verstehen einander immer besser. Ich glaube, dass das und auch die gute, vertraute Zusammenarbeit mit Hille maßgeblich für das Gelingen dieses 14-Tage-Projekts waren.

 

 

Wie ist der Film zustande gekommen? Hattet ihr Hilfe?

Hille: Wir hatten Menschen. Ganz viele liebe, nette, hilfsbereite, erfahrene, begabte, kritische Menschen. Als ich im Januar die erste Drehbuchfassung fertig hatte, wurde mir schnell klar, dass ich Hilfe oder zumindest Beratung brauche. Die habe ich dann auch sofort in der Filmszene Kiel gefunden. Die bestand anfangs und bis zum Ende hin, vor allem darin, mich auf alle Fehler, Schwächen, Unsicherheiten und Lücken aufmerksam zu machen. Viele haben sich die Zeit genommen, alles zu lesen, zu fragen und vor allem zu kritisieren. Kritik ist das Wichtigste, daran konnte ich wachsen, lernen, viele Fehler vermeiden, mit Lob kann man nicht arbeiten. Keine Frage, ohne diese mentale Unterstützung wäre es nichts geworden oder zumindest sehr schlecht.

Auch dass viele sich zwar gewünscht haben, dass ich mich mit dem Vorhaben nicht übernehme, aber der Glauben darin nicht allzu fest war, hat geholfen. So musste ich jede Entscheidung selbst verantworten und habe sie so viel sorgsamer getroffen. Wenn man von seinem Umfeld ehrlich eingeschätzt und kritisiert wird, hat man wenig Chancen sich selbst zu überschätzen und sich zu verrennen.

 

 

Wie habt ihr es geschafft, dieses sehr große Projekt im No-Budget-Bereich auf die Beine zu stellen?

Hille: Ganz ohne Geld wäre es natürlich nicht machbar gewesen. Der Landesverband Jugend und Film hat uns gefördert, wofür ich sehr dankbar bin, weil das letztlich auch die Basis ist, auf der ich das Projekt konkretisieren konnte. Aber die 1500 Euro hätten nicht gereicht, ein Set über 14 Tage zu unterhalten, mit einer Teamstärke von bis zu 15 Leuten täglich. Dazu kommen natürlich noch Kostüme, Make-Up, Fahrtkosten, Verschleißmaterial und Sprit.

Ich hatte das Glück noch Sponsoren finden zu können: Sky, Dela Möbelhaus, Mister D, Traum GmbH, Jacks Kitchen, Café Godot und Druckart.

Vor allem aus meiner Perspektive als Produzentin war ich überrascht und dankbar mit wie viel Bereitschaft uns unser Team mit Tat und Rat zur Seite stand. Es hilft nichts, zu planen und eine großartige Organisation zu haben, wenn da keiner ist, der diese ausfüllt, ausführt und durchführt.

Vor allem Sunna Rebecca Reinhardt, die fürs Catering zuständig war und unsere Maske und Kostümbildnerin Sina Berhardt haben großartige Arbeit geleistet. Sie waren zu jeder Zeit da und haben alles im Hintergrund geregelt und dafür gesorgt, dass alles reibungslos verläuft. Auch trotz der Langeweile, die sich manchmal nicht vermeiden lässt, hat sich nie jemand beschwert, es war immer eine großartige Stimmung. Und natürlich alle anderen, die viel ihrer freien Zeit auf unserem Set verbracht haben.

Auch wenn das ein bisschen kitschig und schmalzig klingen mag: Obwohl ich den Dreh über unter Dauerstrom stand, hat ein Teil von mir in beständiger Dankbarkeit, Staunen, Überraschung und Bewunderung gegenüber all den besonderen Menschen, die sich um uns versammelt haben, innegehalten.

 

 

Was waren die größten Herausforderungen beim Dreh?

Hille: Ich glaube, dass es das Schlafdefizit war. Das ist einmal ein Problem des Budgets gewesen, wir hätten kaum mehr Drehtage finanzieren können. Aber es liegt auch an meiner Planung. Ich selber bin mit fünf bis sechs Stunden Schlaf zufrieden und hatte gedacht, dass acht Stunden für alle reichen. Was bei dem Kraftakt und den langen Drehtagen, bei teilweise wirklich schlechten Konditionen absoluter Quatsch ist. Vor allem Sina und Sunna haben darunter gelitten, schlechtes Licht zum Schminken, schlechte Sitzgelegenheiten. Aber die beiden haben trotz Rückenschmerzen und anderen Unannehmlichkeiten mit geradezu preußischer Disziplin durchgehalten.

Das andere war, alle Leute bei Laune zu behalten, da ich als Hauptverantwortliche und Organisatorin eigentlich genau dafür zuständig bin, aber gleichzeitig ja auch noch Schauspielerin war. Aber die Atmosphäre war immer entspannt und es gab immer die Zeit miteinander zu reden, sich in den Arm zu nehmen und ein offenes Ohr zu haben.

Ein anderer wichtiger Punkt: Energy Drinks, Schokolade sowieso, aber vor allem: Zigaretten umsonst. Am besten Stopfzeug. Da kann man in Zeiten absoluter Langeweile stopfen und rauchen. Klingt banal, hat aber viel geholfen.

Johann: Ja, die größte Herausforderung war die Müdigkeit. Von 19:00 abends bis 09:00 morgens am Set zu sein ist doll. Das geht auch nur wenige Tage. Jedenfalls bei mir.

 

 

Was war für euch das Spannendste, was während des Drehs passiert ist?

Hille: Es gibt viele Kräfte, die da am Werk waren. Manchmal geht das alles nahtlos ineinander über, manchmal ist es wie ein Reißverschluss und es bleibt eine kleine Dissonanz. Zu erleben, wie sich diese Kräfte bündeln lassen und dann ein Gesamtbild ergeben, ist berauschend. Aber auch für mich als Drehbuchautorin war es faszinierend, zu erleben, wie die Figuren ein Eigenleben entwickeln und die theoretische Geschichte Form und Farbe gewinnt.

Johann: Das Spannendste war für mich die Arbeit mit den Schauspielern. Da hat jeder seine eigene Art zu spielen. Manchmal kann man es einfach passieren lassen, manchmal muss man etwas mehr inszenieren. Letzteres war tatsächlich eher eine Seltenheit, wodurch ich mir oft nur als Beobachter vorkam. Aber ich denke, auch das brauchen die Schauspieler. Dieses Minimum an Inszenierung. Frei nach dem Motto: Wenn es mir nicht gefällt, würde ich ja schon was sagen.

 

 

Wie geht es jetzt weiter und wann habt ihr Premiere?

Hille: Jetzt sind alle erst einmal froh, das wir es geschafft haben. Die meisten erholen sich, es ist sicher auch cool, nicht den ganzen Tag von mir durch die Gegend gescheucht zu werden. Außerdem sortieren wir unsere nächsten Projekte und gucken, worauf wir als nächstes Lust haben. Ab Mitte September geht es in den Schnitt und an die Postproduktion. Wir hoffen im März 2016 Premiere feiern zu können.

Johann: Was jetzt passiert ist, dass wir den Film fertig schneiden und vertonen. Um die Musik kümmere ich mich selbst. Ich habe auch schon ein Thema komponiert und viele Ideen im Kopf. Danach müssen wir alles versuchen, den Film an die Zuschauer zu bringen. Am Besten so viele wie möglich und am Besten wird er gerade so gut, dass wir beweisen können: Wir können Spielfilm ohne Budget. Aber was meint Ihr, was wir erst mit Budget schaffen!

 

 

Was werdet ihr als nächstes machen?

Hille: Hannes, Johann und ich passen sehr gut zusammen und sicher folgt in Kürze auch das nächste Projekt gemeinsam. Aber auch jeder für uns hat seine Pläne, Skripte und Projekte, die wir unbedingt umsetzten wollen.

Bilder: Jessica Dahlke

 

Interview mit Urte Alfs „Meine Lieben Zuhause“

Mit ihren Postkartenfilm „Meine Lieben Zuhause“ war die Filmemacherin Urte Alfs in diesem Jahr zu Besuch auf dem Filmfest Schleswig-Holstein. Nach der Vorstellung ließ sich Felix Müller es sich nicht nehmen, sie mit seinen Fragen zu löchern. Das Interview lest ihr hier.

Felix Zimmer
Wir bist du zu den Postkarten und den Bildern gekommen?

Urte Alfs
Die Postkarten habe ich in einem Trödelladen in Berlin gefunden. Ich wollte ursprünglich nach einer Karte für einen kurzen Film suchen. Aber ich habe ziemlich schnell bemerkt, dass auf den Karten überall der gleiche Nachname stand. Da habe ich den ganzen Schwung Karten, das waren 80 Stück, gekauft und habe sie mir dann lange mit Freunden durchgelesen. Das war Anfang 2012.

Zimmer
Ist das eine Familie, die im Film gezeigt wird? Wieviele Personen waren das insgesamt? Ich
kam zwischendurch etwas ins Schleudern.

Alfs
Ja, das ist tatsächlich nicht so einfach. Ich hatte ziemlich viele Versionen, wo ich die Namen eingeblendet habe. Das fand ich aber irgendwie alles blöd. Die Karten stammen von der Großmutter Emmy oder Emma, der Elterngeneration, den beiden Kindern und den zwei Urenkeln. Es gab auch ein paar Karten, wo ich nicht genau weiß, wem die zu zuordnen waren. Einmal habe ich mich gefragt, ob sich die eine Tochter hat scheiden lassen oder ein neues Kind bekommen hat. Ich weiß es nicht.

Zimmer
Das ist ganz interessant, wie die Fantasie da in Schwung kommt, um die ganzen fehlenden Geschichten zu ergänzen. Hat jemand aus dem Publikum eine Frage?

Zuschauerin
Sag doch mal was über das Verhältnis zwischen Postkarte und Foto.

Alfs
Ursprünglich war es so, dass ich nur die Postkarten und die von mir gedrehten Bilder hatte und irgendwann bemerkt habe, dass das nicht funktionierte, weil ich für die Orte gute Bilder, aber
keine guten Texte hatte. Ich kaufe ziemlich häufig alte Fotos auf. Ich weiß nicht, was ich damit mache, aber ich finde es spannend. Ich habe auch noch aus weiteren Nachlässen Fotos gekauft, das heißt es sind ganz unterschiedliche Leute, die da zu sehen sind. Die habe ich nach Datum oder nach den Gefühlen sortiert, die ich transportieren wollte. Letztendlich haben die Fotos nichts mit den Postkarten zu tun.

Zimmer
Wenn ich mich richtig erinnere, ist die letzte Postkarte von 1989. Hattest du einfach keine Postkarten mehr oder war der Film an dieser Stelle einfach beendet.

Alfs
Es gab tatsächlich noch eine einzige von 1990, die ich am Ende weggelassen habe. Für mich war da aber auch das Ende. Die Postkarte war in der DDR ein günstiges Kommunikationsmittel, wenn man sich überlegt, dass kaum jemand ein Telefon hatte und Telegramme einfach viel zu teuer war. Es war ein Kommunikationsmittel, mit dem man schnell jemanden etwas mitteilen konnte.

Zimmer
Und schlagartig wurde alles anders.

Alfs
Das Ding ist, dass ich behaupten möchte, dass die Familie schon besonders linientreu war, dadurch dass zumindest die Elterngeneration offenbar Parteimitglieder waren und auch teilweise die Orte, an denen sie sich aufgehalten haben auch Parteimitglieds-Ferienorte waren.

Zimmer
Also an diesen Orten durften nur Parteimitglieder Urlaub machen?

Alfs
Nicht unbedingt die Orte, aber die Unterkünfte, in denen sie gewohnt haben.

Zimmer
Wo kommst du her?

Alfs
Ich bin in Bad Oldesloe geboren und wohne seit 10 Jahren in Berlin. Dadurch habe ich den Osten für mich entdeckt und lieben gelernt. Es gibt auf jeden Fall eine große Begeisterung, die bei mir gewachsen ist. Ich hab dadurch vielmehr Verständnis für die Probleme, die durch diese komische Annektion des Westens entstanden sind.

Lachen im Publikum

Zimmer
Gibt es Fragen aus dem Publikum?

Zuschauer
Hast du mal versucht mit dieser Familie Kontakt aufzunehmen?

Alfs
Ich habe mir gesagt, dass möchte ich nicht. Weil ich es spannender fand mir auszudenken, was das für Leute sind, was dazwischen ist. Ich wollte auch nicht mit den Postkarten bei denen auftauchen und sagen: Hallo ich will einen Film über euch machen. Ich war einmal da bei den verschiedenen Adressen. Auf den Klingelschildern standen keine mir bekannten Namen und ich hab beschlossen, es jetzt zu machen, wo der Film fertig ist. Es ist bestimmt komisch denen zu sagen, dass ich einen Film über sie gemacht habe.

Zimmer
Ist das dein erster Film?

Alfs
Nein

Zimmer
Planst du weitere Filme.

Alfs
Ja

Zimmer
Dann wünsch ich dir viel Erfolg damit.

Dennis Albrecht: Mit Indieserien alte Strukturen aufbrechen

Eine tolle Idee, aber bei Sendern und Produktionsfirmen gibt es nur ein müdes Lächeln dafür, weil das Drehbuch nicht ins Schema passt. In Deutschland können Serienautoren von himmlischen Zuständen wie in Dänemark (Borgen) oder den USA (Breaking Bad) nur träumen. Denn in diesen Ländern haben die Macher größtenteils freie Hand bei der Produktion ihrer Serie. Hierzulande bleibt das weiter eine Utopie. Doch mit den Möglichkeiten des Internets ändern sich auch die Bedingungen für Filmemacher wie Dennis Albrecht, der seine eigene Indieserie „Filmstadt“ produziert. Wie man ohne Sender eine Serie dreht und wie ihr innovative Formate unterstützen könnt, lest ihr in diesem Interview.

Bericht von Jessica Dahlke

 

Zunächst die Frage: Warum eine Independent-Serie machen, mit der man nichts verdient?

Weil das die einzige Chance ist, seine Träume zu erfüllen. In Deutschland gibt es kaum eine Gelegenheit, in gute Serien hineinzukommen. Es gibt einfach zu wenige. Da rafft man irgendwann lieber sein Geld zusammen und versucht es selbst. Mit kleiner Technik, vielen Helfern und viel Kraft gelingt das vielleicht auch. Aber dann hat man wenigstens etwas gegen die Misere getan und heult nicht irgendwo in der Ecke, wie schlecht doch alles ist.

 

 

Wie ist die Idee zu Filmstadt entstanden und warum ist es euch wichtig, diese Serie zu machen?

Die erste Folge entstand aus der Tatsache heraus, dass sich 2011 mein halber Freundeskreis nach Berlin verabschiedete. Viele haben in den Medien gearbeitet und ich habe mich gefragt, was an der Filmstadt Hamburg nicht stimmt. Dadurch habe ich erste Biographien und Anekdoten aus der Branche unterhaltsam und fiktiv nacherzählt. Die Serie „Filmstadt“ ist dadurch ein Sprachrohr für die Branche geworden und geht nach Außen, wie auch nach Innen. Außen sollen Menschen mitbekommen, was wir für ihre Unterhaltung alles durch machen, nach Innen wollen wir selbstkritisch unsere Arbeit hinterfragen und auch über uns lachen können. Die letzten Punkte funktionieren zur Zeit sehr gut.

 

 

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Offenen Kanälen wie TIDE und Alex und warum sendet ihr nicht einfach nur auf Youtube?

Wir nehmen jedes Angebot an, um bekannter zu werden. Denn wir haben mit der „Filmstadt“ ein kleines anspruchsvolles Format geschaffen, das eher zu Arte Creativ gehören könnte. Da kommt es vielleicht auch irgendwann hin, aber dort wird es vielleicht auch nicht so einfach entdeckt. Wir haben keine youtube-Stars, die das sofort automatisch durch alle Netze jagen. Wir haben TV-Schauspieler, die mal anders spielen möchten. Das gilt es zu entdecken. Wir „verschenken“ die Serie an jeden Sender und an jede Plattform, die sich dafür interessiert. So sind wir bis nach Österreich gekommen, mit OktoTV und demnächst auf Oeins in Oldenburg, sowie netfall.tv und CiNENET im Internet.

Denkst du, dass Filmemacher in Zukunft auch ohne feste Produktionsverträge von Independent-Serien leben können?

In näherer Zukunft sehe ich das leider nicht. Wir müssen noch eine Zeit lang idealistische Kraft dafür aufbringen, um überhaupt ein „cooles“ Image für WebSerien und IndependetSerien aufzubauen. Daran arbeiten wir jeden Tag. Es wird bald Festivals geben, wie DIE SERIALE in Gießen (Hessen) vom 12. bis 13. Juni, die sich z.B. nur auf deutsche, unabhängig produzierte Serien konzentriert und das innovativste Format auszeichnen wird. Es muss attraktiv werden, das Internet nach unseren Serien zu durchstöbern, dann können wir vielleicht irgendwann etwas Geld damit zurückholen.

 

 

Welche Rolle spielt Crowdfunding dabei? Wie kann man euch unterstützen?

Crowdfunding könnte eine Säule dafür sein. Auch Product Placement wird diskutiert, obwohl man Gefahr läuft, sich zu verkaufen. Die Freiheit könnte eingeschränkt werden. Ich würde gerne in Zukunft einen Förderverein für IndieSerien gründen. Dort könnte ein Gremium innovative Serienformate unterstützen. Denn selbst die Filmförderanstalten denken teilweise noch in so alten Mustern, dass sie einfach keine oder sehr wenige Fördertöpfe für uns haben. Dabei bricht gerade eine Welle los. Es gibt so viele Projekte und tolle Ideen. Deshalb mein Tipp. Geht einfach mal auf die Crowdfunding-Plattformen und schaut euch dort um. Und wenn ihr keine Serie findet, die euch zusagt, dann unterstützt etwas anderes. Kämpft für den Erhalt von Kultur – das „normale“ Fernsehen kann das leider kaum liefern.

„Zeile für Zeile“ | Interview mit den Filmemachern

Viola Rusche und Hauke Harder stellten auf dem Filmfest Schleswig-Hostein ein faszinierendes Portrait des Komponisten Ernstalbrecht Stiebler vor. Das Interview mit Felix Zimmer und die Rezension könnt ihr hier nachlesen.

Felix Zimmer
Das Stück, das wir gehört haben: War das 12-Ton-Musik, 4-Ton-Musik oder 2-Ton-Musik?

Hauke Harder
Gezählt habe ich die Tonhöhen nicht, aber im Wesentlichen geht es im Film um Tonintervalle und das Prinzip der Reduktion und der Wiederholung. Hier handelt es sich um reduziertes Material, das umspielt wird. In diesem Fall Quaten, die viel umspielt werden.

Zimmer
Das Spiel ist für nur ein Cello geschrieben worden? Nein, oder?

Harder
Das Stück ist eigentlich für drei Celli geschrieben, aber es wird meistens mit einem Cello und einem Zuspielband gespielt. Hier kommen zwei Cellostimmen vom Band.

Viola Rusche

Viola Rusche
Ja, die Cellistin hat alle Spuren selbst eingespielt und sie spielt sozusagen mit sich selbst.

Zimmer
Das ist also so ein Loopgerät.

Harder
Nein, das ist kein Loopgerät. Solche Stücke macht er auch, aber in diesem Fall sind die zwei Stimmen schon vorproduziert und sie spielt die dritte Stimme live.

Zimmer
Der Komponist heißt Ernstalbrecht Stiebler. Kann man sagen, dass er für neue Musik steht?

Zeile für Zeile

Rusche
Ja, auch. Musik ist ja ein riesiger Begriff, auch die neue Musik unterteilt sich nochmal in verschiedene Bereiche. Er macht Musik wie wir sie heute im Film gehört haben.

Zimmer
Wie kam es zu der Idee über ihn einen Film zu machen?

Harder
Ich bin mit Ernstalbrecht seit 1988 befreundet und wir beide vertreten einen ähnlichen musikalischen Stil. Damit sind wir in Deutschland mit unserer Musik eher abseitig. Da fand ich es zu seinem 80sten Geburtstag lohnenswert, einen Film über ihn zu machen.

Zimmer
Also hat er sich zum 80sten Geburtstag eine Kahnfahrt gewünscht?

Rusche
Nein, die hat er schon zum 70sten bekommen. Das ist auch nicht direkt ein Geburtstagsfilm. Wir machen gerade eine Reihe von Komponisten-Portraits. Zum Beispiel haben wir auch einen über einen amerikanischen Komponisten gedreht.

Zimmer
Wie heißt der?

Rusche
Alvin Lucier. Der Film wurde hier auch aufgeführt, vor zwei Jahren. Und jetzt dieser und dann gibt es noch einen dritten Film über einen japanischen Komponisten. Wir wollen die Zuschauer in Welten eintauchen lassen, die man sonst nicht sieht oder hört. Für das Fernsehen ist es meist zu speziell und deshalb ist es super, dass die Filmförderung so etwas fördert, denn das sind Geschichten, die eher am Rand stehen und besonders sind. Genau dafür ist Filmförderung da.

Zimmer
Und wo wird solche Musik aufgeführt? Eher in einem großen Konzertsaal mit einer Philharmonie oder als Kammerkonzert?

Harder
Das hängt vom Veranstalter ab. Ich hab auch selbst zehn Jahre eine Konzertreihe gemacht, zum Beispiel in der Stadtgalerie. Natürlich wird so etwas eher nicht in großen Sälen aufgeführt, das sind eher kleine Sälen. Aber auch das ist grundsätzlich denkbar.

Hier geht es zur Rezension von „Zeile für Zeile“ auf infomedia-sh.org

„A strange place called earth“ | Interview mit den Filmemacherinnen

Im Sommer 2014 drehte Jackie Gillies mit ihrem Team den Kurzfilm „A strange place called earth“ im Kieler Anscharpark. Der SciFi-Film ist eine zweite Version des einige Wochen zuvor entstandenen Kurzfilms „Aground: Terra 9629“. Auf dem Filmfest Schleswig-Holstein standen Gillies und Mitautorin Kristin Danger dem Moderator Felix Zimmer Rede und Antwort.

Felix Zimmer
Kommt dir die Welt manchmal so strange vor, als würdest du sie aus den Augen eines Astronauten sehen?

Jackie Gillies
Ja, manchmal durchaus. Ich hab mir abgewöhnt die Nachrichten zu gucken, weil die mich immer ein bisschen traurig machen.

Zimmer
Weil gerade so viel Schreckliches in der Welt passiert?

Gillies
Nicht nur jetzt, eigentlich immer.

Zimmer
Und jetzt gerade besonders. Wann ist der Film entstanden?

Gillies
Im Sommer 2014 haben wir im Anscharpark gedreht. In Kiel Wik. Der ganze Prozess ging etwa von Mai bis November.

Zimmer
Die Shopping-Queens mutieren langsam zu Shopping-Zombies. Ist das Konsumkritik? Das Ende des Wachstums?

Gillies
Ja genau. Im Grunde hat jede dieser Szenen viel Gesellschaftskritisches an sich. Wie man gesehen hat, sind die Tüten leer.

Kristin Danger
Ja, sie versuchen diesen Hüllen herzujagen. Es geht darum, dass das Glücksversprechen heute an den Konsum gekoppelt ist und das ist einer der Aspekte, an dem man sehen kann, dass unsere Gesellschaft gerade im Zerfall ist. Bei manchen Sachen ist es wichtig umzudenken und sich diesen Problematiken bewusst zu werden.

Zimmer
Und deshalb auch der traurige McDonalds-Clown?

Danger
Ja genau. Die Frage ist die nach Nachhaltigkeit und der Beeinflussung von Global-Playern. Wie wirkt sich das zum Beispiel auf unser Essverhalten aus und unsere Gesundheit. Oder wenn man sich die erste Szene mit der Putzfrau anschaut, die Ausbeutung von Niedriglohn-Verdienern und der Verlust von zwischenmenschlichen Bindungen. Wir haben versucht alles aufzuzeigen, wo wir glauben, woran unsere Gesellschaft gerade krankt und man mal darüber nachdenken sollte.

Zimmer
Kennt ihr den Film von Tarkowski STALKER? Der spielt auch in so einem Setting. Denn für euren Film war das Setting sehr wichtig. Der Anscharpark hat eine sehr bedrückende Atmosphäre. Wie seid ihr da reingekommen bzw. draufgekommen?

Gillies
Ich hatte über meine Arbeit Dirk Scheelje kennengelernt und der ist in den Initiativen rund um den Anscharpark aktiv. Er hatte mir den Platz gezeigt und meinte er sei auf jeden Fall offen dafür, dass man da verschiedene künstlerische Projekte umsetzt. Da haben wir die Chance natürlich gleich genutzt.

Danger
Manche von den Gebäuden werden jetzt im Frühjahr abgerissen. Das war also die letzte Chance, etwas künstlerisch dort zu machen.

Zimmer
Kein Denkmalschutz?

Danger
Nee, ich glaube nur teilweise. Das ist ja ein ehemaliges Marine-Lazarett und man kann nicht mehr alles retten, leider.

Zimmer
Wie seid ihr zum Filmemachen gekommen?

Danger
Wir haben damit eigentlich gar nichts zu tun.

Zimmer
Also einfach einen Film gemacht?

Danger
Genau. Jackie hat schon vorher bei mehreren Filmprojekten mitgearbeitet und das ist jetzt ihr Regie-Debüt, aber wir kommen eigentlich nicht aus der Filmbranche.

Zimmer
Das Lied, das die Dame singt. Hält das die ganzen agierenden Figuren gefangen? Kann man das so interpretieren? Und ist das die Lösung, als plötzlich diese Stille da ist? Sie sind ja nicht wirklich glücklich.

Danger
Also vorher war das Leben der Figuren schon nicht gut, das kann man ja sehen in den einzelnen Räumen und dann verlieren sie auch noch die Musik, von der sie nicht wussten, dass sie eine Bedeutung für sie hat. Danach ist eigentlich jegliche Hoffnung verloren und es weicht das letzte Schöne aus der Welt.

Gillies
Naja, es ist durchaus so, dass offen gelassen wird, was dann passiert. Gerade dieser Konflikt, was ist gut und was ist schlecht. Das wird ganz bewusst offen gelassen. Natürlich gehen wir im ersten Moment davon aus, dass dieses junge, unschuldige Mädchen das Schöne in der Welt personifiziert, aber andererseits genau die Frage, ob sie die Leute gefangen hält. Man könnte im Bezug auf Religion fragen. Ist Religion Erlösung oder hält sie uns gewissermaßen gefangen in Konzepten, aus denen wir dann nicht ausbrechen können. Das sind auch viele Fragen, die wir bewusst aufwerfen wollten.

Zimmer
Vielen Dank

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