Interview mit Editor Dietmar Kraus „Familie Haben“

In seiner Dokumentation „Familie Haben“ begibt sich Jonas Rothlaender auf die Suche nach den Ursprüngen der vielen menschlichen Tragödien in seiner Familie. Dietmar Kraus hat ihn als Editor begleitet und stand beim Filmfest Schleswig-Holstein Arne Sommer Rede und Antwort.

Arne Sommer
Wie bist du zu dem Projekt gekommen und wann bist du eingestiegen?

Dietmar Kraus
Sehr früh. Ich bin mit Jonas schon vor dem Film befreundet gewesen und hatte einen seiner Kurzfilme geschnitten. Die Freundschaft hat sich durch dieses Werk noch einmal sehr verdichtet. Der Film ging mir auch gerade eben wieder ziemlich nah. Ich spüre, was noch alles unter dem Eisberg ist. Er hat mich von Anfang an in die Planung einbezogen. Jonas wusste nicht, was für einen Film er machen wollte. Er hatte aber dieses riesige Bedürfnisse dem Vermächtnis seiner Großmutter nachzugehen und daraus etwas zu machen. Die Kamera hatte er beim ersten Besuch bei seinem Großvaters mitgenommen, noch nicht wirklich wissend, ob daraus ein Film wird und schon gar nicht was für einer. Als die ersten Aufnahmen aus Zürich kamen, haben wir sie zusammen angesehen, darüber gesprochen und sie geschnitten. Erst da haben wir überlegt, wie es weitergehen soll. Schon in Zürich hatte Jonas gespürt, dass es auch um seine Mutter gehen muss. Denn das Interessante ist dieser Kreislauf zwischen den Generationen, weil sich immer wieder diese Muster wiederholen.

Sommer
Was ich interessant finde ist, dass Jonas quasi sein eigener Hauptdarsteller ist und damit sehr dicht dran ist. Andererseits hatte er noch Zeit Schnittbilder zu drehen. Entweder ihr habt sehr gut geschnitten oder er war streckenweise durch die Kamera sehr distanziert. Ist das so eine Art Distanzmittel zur eigenen Familie?

Kraus
Total. Vor allem in Zürich, wo ich dann auch nicht wirklich Schnittbilder hatte, ist die Kamera geradezu ein Hilfsmittel für ihn gewesen, um die Objektivität gegenüber dem Großvater zu behalten, eine Distanz zu ihm zu schaffen. Ich dagegen habe bei der Montage den Jumpcut lieben gelernt (lacht).

Sommer
Ja, die sind mir gerade am Ende im Krankenhaus aufgefallen. Da waren verschiedene Einstellungsgrößen, zwischen denen hin und her gesprungen wurde.

Kraus
Ja, das war auch bedingt durch die Situation. Jonas hat gefühlt: Jetzt muss ich mich zu meiner Mutter und den Großvater setzen. Da hat er die Kamera einfach hingestellt und sie laufen lassen. Das sind 15 Minuten, aus denen ich dann bestimmte Stellen rausgeholt habe. Da gibt es auch die Stelle, wo er und seine Mutter das Gefühl hatten, da käme nix mehr. Er stellt die Kamera aus, aber der Ton läuft noch und dann kommt doch noch das Bisschen, was Günther (der Großvater, Anm. der Red.) in der Lage ist zu geben. Und das ist mehr, als die beiden anderen erwartet hätten. Das Rohmaterial hat den Stil des Films und die Montage mitgestaltet, ja geradezu darum gebeten, so geschnitten zu werden.

Sommer
Konntet ihr nach Passagen, die ihr schon gedreht und geschnitten hattet, besser planen oder ist Jonas immer wieder reingegangen und wusste nicht, was auf ihn zukommt?

Kraus
Bei der ersten Reise wusste er überhaupt nicht, was auf ihn zukommt. Aber danach war es natürlich strukturierter. Es war klar, dass Bettina (seine Mutter, Anm. der. Red.) wichtig werden würde. Das war mir spätestens klar, als ich diese Situation mit Bettina im Hotelzimmer in Zürich das erste Mal gesehen hatte, wo sie auf die eher banal klingende Frage, was sie sich wünschen würde, wie das Gespräch mit ihrem Vater verlaufen solle, sie alles sofort herunterrattert, als hätte sie sich das schon lange überlegt. Und dann sitzt sie da und macht diese Pause, weil er das nicht sagen wird. Das war für mich so eindringlich, dass ich dachte, sie muss mindestens so wichtig werden wie der Großvater. Jonas dachte genauso. Und dann war da immer noch die Frage, wie wichtig Jonas für den Film ist. Du hast gesagt, dass er auch ein Hauptdarsteller in seinen Film ist, aber das will er nicht sein. In den Spiegelungen spürt man ihn jedoch deutlich. Man sieht die Drehsituation und wie winzige Kamera ist, die er mitgenommen hat.

Sommer
Woraus speist sich das Voice-over? Sind das auch Notizen oder ist es im Laufe der Arbeit entstanden?

Kraus
Sein Voice-over? Nein, das ist nicht ganz am Ende entstanden. Wir haben nach dem Schnitt noch ein Jahr am Film gesessen. Insgesamt hat sich unsere Zusammenarbeit über zwei Jahre hingezogen, mit Pausen natürlich, weil man ja auch Geld verdienen muss, trotz eurer Förderung. Aber diese Pausen waren auch wichtig, damit wir den Film wieder spüren konnten. Die Voice-overs haben wir immer wieder neu aufgenommen und überlegt, wie wir sie brauchen. Ein anderes wichtiges Element ist auch das Voice-over der Großmutter. Das will ich deshalb erwähnen, weil das für mich auch eine Art Ausgangspunkt war. Ich habe die Notizen und Tagebucheinträge durchgelesen und war unglaublich fasziniert. Das war der erste Ruck. Die dritte Generation musste auch mit rein, weil die ganze Geschichte auch Jonas, seinen Bruder und die anderen Geschwister betrifft. Der Film ist ja zwei Stunden lang. Und da wird immer mal wieder gefragt: Muss man denn den Bruder noch drin haben? Ja, der ist ganz wichtig, damit Jonas nicht als Behauptung seiner selbst diese Generation vertritt, sondern auch sein Bruder.

Sommer
Das ist nicht der erste Film, der über die beiden Eltern gedreht worden ist. Wir haben auch einen anderen Film über sie gefördert. Der heißt „Erklär mir Liebe“ von Florian Aigner und da sind sie eines der Paare, die über ihre Trennung spricht.

Kraus
Ich fand das auch ganz witzig und dachte, vielleicht finde ich da auch was für unseren Film. Aber der war ganz anders aufgebaut. Da ging es um das Thema Scheidung. Da ist außerdem nie diese Nähe von „Familie Haben“ erreicht worden. Jonas hat natürlich eine ganz andere Beziehung zu den beiden Personen.

Sommer
Vielen Dank für das Gespräch.

Interview mit Susanna Salonen „Patong Girl“

Die Filmemacherin Susanna Salonen stellte auf dem Filmfest Schleswig-Holstein ihren ersten Spielfilm vor, den sie in Thailand gedreht hatte. Ein Interview vom Eröffnungsabend.

Arne Sommer
Zunächst muss ich fragen: Was hat der Film mit Schleswig-Holstein zu tun?

Susanna Salonen
Wenn es nicht die LAG Jugendfilm und die Kulturelle Filmförderung in Schleswig-Holstein gegeben hätte, wäre ich nicht Filmemacherin geworden. Ich bin in Lübeck aufgewachsen und meine ersten Kurzfilme sind nur möglich gewesen, weil es die Filmwerkstatt und die kulturelle Filmförderung gibt. Die Familie im Film kommt übrigens nur deshalb aus Lüneburg, weil ich dachte es sei zu peinlich, sie in Lübeck zu verorten. Denn die Lübecker wären wahrscheinlich ziemlich stinkig, wenn da stehen würde „So eine Kleinstadt irgendwo in Deutschland“. Bei Lüneburg kann man das noch irgendwie machen. (Gelächter im Saal) Sind Lüneburger hier? Ja, nee, wenn ich das mit Lübeck machen würde, könnte ich mich da nirgendwo mehr sehen lassen. Hat das die Frage beantwortet?

Sommer
Ich glaube schon. Das ist ja nicht dein erster Film, aber dein erster Spielfilm, den du als Regisseurin und Drehbuchautorin verantwortest. Kann man das so sagen?

Salonen
Ja.

Sommer
Du bist einerseits Kamerafrau, aber auch Dokumentarfilmerin und ich finde, das merkt man dem Film relativ deutlich an. Wie bist du an den Stoff herangegangen? Das war ja immerhin ein neues Genre für dich oder eine neue Art von Film. Hast du mit ähnlichen Strategien wie vorher recherchiert und gerabeitet?

Salonen
Der Film spielt in Thailand, weil ich in den 90ern dort Tauchen unterrichtet habe und ich diese Urlaubswelt kannte. Deshalb war es nicht so abwegig, den ersten Film in Thailand zu machen. Ich bin hingefahren, um für den Film die Welt außerhalb dieser Urlaubswelt kennenzulernen. Außerdem habe ich mich mit unheimlichen vielen Lady-Boys getroffen und mit ihnen geredet, um eine Idee davon zu bekommen, was das bedeutet. Dann habe ich mich hingesetzt, um ein Drehbuch zu schreiben. Dokumentarfilme kann man ja auch anders anfangen, indem man sagt, ich habe eine Idee, fang einfach mal an zu drehen und sehe dann weiter. Beim Spielfilm geht das natürlich überhaupt nicht.

Sommer
Hast du alles auf Deutsch geschrieben?

Salonen
Die Figuren reden viel auf Englisch, Thai-Englisch und Deutsch-Englisch. Ich habe die Dialoge so geschrieben, wie sie sind.

Sommer
Erzähl doch mal von den Dreharbeiten in Thailand. Man hat im Abspann gesehen, dass ihr ein normales Spielfilmteam hattet.

Salonen
Wir haben den Serviceproduzenten zu Anfang etwas im Unklaren gelassen, denn wir haben gesagt, dass wir einen Dokumentarfilm drehen. Wir hatten nicht sehr viel Geld und dann war irgendwie klar, dass wir das brauchen und das brauchen. Die Liste wurde immer länger. Und schließlich war das eine ganz normale Teamgröße.

Sommer
Gibt uns doch mal einen ganz kleinen Einblick, wie ihr diese Busszenen gedreht habt?

Salonen
Die Leute im Bus mussten drei Tage lang die gleichen sein und dann macht man es so wie überall auf der Welt, man engagiert Statisten. Der Bus war ein alter Bus, den der Ausstatter gefunden hatte. Der hatte natürlich keine Klimaanlage und es war echt warm da drin. Das müssen Sie sich so vorstellen: Draußen sind 37 Grad und im Bus mussten die Fenster geschlossen bleiben für den Ton. Und dann sitzt man da ein paar Stunden im Bus. Es war so heiß, dass ich das Gefühl hatte, das es wirklich komisch ist. Ein bisschen wie in einer Sauna. Ich hatte das Gefühl, dass die Schauspieler so gut spielen, weil sie einfach nur noch da weg wollten. Das war innere Verzweiflung, die dann sozusagen alles fallen ließ.

Sommer
Kommen wir zur thailändischen Hauptdarstellerin. Oder den Hauptdarsteller? Ich weiß gar nicht. Gibt es ein Personalpronomen im Thailändischen für das Dritte Geschlecht?

Salonen
Nein, gibt es nicht. Ich sage sie, sie redet auch selber von sich in der weiblichen Form. Ja, Aimp, so heißt sie mit Spitznamen, ist tatsächlich ein Lady-Boy. Ich dachte, das wäre doof, das kann ich nicht bringen, eine normale Schauspielerin zu nehmen. Es gibt in Thailand eine Tradition von drei Geschlechtern und die ist sehr alt. Es ist ein interessantes Konzept und setzt interessante Gedanken frei. Ich habe in Bangkok eine Woche lang Lady-Boys gecastet, die schauspielaffin waren und Aimp war die, bei der ich dachte, sie ist sehr schön und sie spielt am besten von allen.

Sommer
Und das war ihr Debüt?

Salonen
Nein, sie hat schon vorher gespielt. Sie kommt aber aus einer anderen Spieltradition. Max Mauff, der den jungen Mann spielt, spielt anders: steht mit krummen Rücken da und nuschelt vor sich hin. Sie spielt ein größeres, zeigendes Spiel und da muss man aufpassen, dass das zueinander passt. Denn in dem Moment, wo du jemanden wie Max hast, wirkt das wahnsinnig schnell affektiert und wenn es affektiert ist, dann fragt man sich, warum verliebt er sich in sie? Das fällt auf beide zurück und keiner glaubt die Liebesgeschichte. In dem Fall kann man den ganzen Film in die Tonne treten.

Sommer
Ich würde gern dem Publikum die Chance geben, ein paar Fragen zu stellen.

Helmut Schulzeck
Ich hab gesehen, dass ihr auch Aufnahmen mit Drohnen gemacht habt. Warum? Ist es nicht kompliziert genug im Ausland zu drehen?

Salonen
Es gab drei kleine Flugaufnahmen. Die Kamerafrau wollte eine Drohne mitnehmen und ich habe zugestimmt. Ich finde in der Szene, in der die beiden aus dem Urlaubsort rausfahren, ist die Luftaufnahme total richtig. Die anderen zwei Drohnenaufnahmen haben wir gemacht, um zu sehen, wie es aussieht. Aber tatsächlich, das ist nicht gut gegangen mit der Drohne. Menschen, die schon mal in Thailand waren wissen, dass die Elektroleitungen etwas anders aussehen. Und diese Leitungen haben interessante Magnetfelder. Das hat den Funk der Drohne gestört und die ist immer wieder abgestürzt. Insofern, ja wir haben es halt probiert.

Zuschauerin
Wann ist das kleine Fernsehspiel mit eingestiegen?

Salonen
Das kleine Fernsehspiel ist ziemlich früh dabei gewesen. Ich hatte eine erste Drehbuchfassung geschrieben und diese eingereicht, weil ich da Kontakte hatte. Ihnen gefiel die erste Fassung. Auch wenn klar war, dass man es umarbeiten muss, weil sie zu kompliziert war. Die Figuren sind dauernd hin und her geflogen und das ist nicht wirklich interessant. Die Vorurteile der Eltern waren zuerst auch viel stärker im Vordergrund. Die Mutter tut sich im Film immer noch ganz schön schwer. Ich habe totale Sympathien für diese Mutter. Wenn ich einen Sohn hätte, der sich in einem fernen Land eine Frau verknallt, würde ich mir auch Gedanken machen. Als Mutter hat man immer die Arschkarte. Mütter sind die, die sagen „Vergiss deinen Schal nicht“. Das ist alles sehr uncool. Die Mutter im Film schafft es, sich zu befreien. Zu sagen, er ist jetzt 18 und muss seine eigenen Fehler machen. Aber sobald er erwachsen ist, muss auch sie überlegen, was mache ich mit dem Rest meines Lebens und so lange das nicht so ist, muss sie sich keine Gedanken darüber machen. Also wird er besser nicht erwachsen. Das bedingt sich dann gegenseitig.

Helmut Schulzeck
Hast du den Film in Thailand schon gezeigt?

Salonen
Das Team hat ihn gesehen und das Goethe-Institut in Bangkok will ihn gerne Ende des Jahres zeigen. Worüber ich mich freue.

Zur Kritik von „Patong Girl“

Jungfilmer Marlon Heller: „Filmemachen ist ein großes Abenteuer“

Früh übt sich. Marlon Heller ist 16 Jahre alt. Trotzdem hat er bereits einige Filmprojekte umgesetzt und sich auch als Journalist ausprobiert. Was ihm am Filmemachen fasziniert, erfahrt ihr im nachfolgenden Interview.

 

Wie bist du zum Filmemachen gekommen?

Mit 12 Jahren habe ich zum Geburtstag einen Camcorder und ein Schnittprogramm geschenkt bekommen. Da habe ich mich dann mal ein bisschen ausprobiert und langsam wurde da großes Interesse fürs Planen, Filmen und die Postproduktion geweckt.

Wie hat alles angefangen?

Mit 14 Jahren habe ich mich beim Offenen Kanal Kiel angemeldet. Dort habe ich mit Freunden anfangs eine Satire-Sendung produziert. Nebenbei habe ich mich im Bereich Journalismus ausprobiert und hatte beispielsweise die Möglichkeit telefonisch ein Interview mit Dennis Kaup und Jesko Friedrich von Extra 3 zu führen. Bei einem Besuch im Naturfilm Camp im Wildpark Eekholt lernte ich meinen Kumpel Tjorven kennen, mit dem ich später weitere Clips drehte und Ideen umsetzte. Im Sommer 2014 besuchte ich mit Tjorven das Jugendfilmcamp Ahrendsee in Sachsen-Anhalt und drehte mit einem tollen Team unter Leitung von Schauspieler Norman Schenk einen Psycho-Film namens „Black Stories“. Mittlerweile bin ich als Moderator beim Kieler Jugendradio zusammen mit Erik Wildfang und Team aktiv.

Was waren deine größten Momente bisher?

Einen wirklich tollen Moment kann ich nicht nennen, da für mich irgendwie das große Ganze ein Abenteuer und unvergessliches Erlebnis ist. Die Filmerei bietet viele Möglichkeiten tolle Menschen kennenzulernen und sich kreativ auszuleben.

Was treibst du zur Zeit und was sind deine Wünsche für 2015?

Momentan bin ich hinterm Mikro beim Jugendradio aktiv, freue mich aber immer gerne über Anfragen in Kiel und Umland zu Projekten vor und hinter der Kamera. Ich persönlich wünsche mir, dass dieses Jahr viele spannende Erlebnisse im Bereich Film für mich bereithält und ich im Vergleich zu 2014 noch einen daraufsetzen kann.

Und nun eine der Fragen, die gerade viele junge Filmer interessiert. Mit welchem Equipment arbeitest du?

Privat filme ich mit einer Canon EOS 600D und mehreren Objektiven.
Zum Schneiden und Bearbeiten nutze ich die Adobe-Angebote.

Mehr Informationen über Marlon und den direkten Kontakt gibt es hier: facebook.com/trampmovieofficial

Ein Dreh mit Hindernissen: Vom Filmemachen im Winter

Im Dezember und Februar drehten die FH-Studenten Sascha Witt, Carmen Sponholz und ihr Team einen Kurzfilm über das Verhältnis eines Sohnes zu seinem Vater. Doch die nordischen Wetterverhältnisse machten ihnen am ersten Drehtag einen Strich durch die Rechnung. Um den studienbedingten Abgabetermin einzuhalten, entschlossen sich die Filmemacher das Drehbuch umzuschreiben und das Setting nach drinnen zu verlegen. Ein Interview.

Worum geht es in eurem Film?

Es geht im Kern um den Konflikt zwischen einem jungen Mann und seinem Vater. Der Sohn erlebt durch das Aufsuchen des ehemaligen Hauses seines Vaters Teile seiner Vergangenheit erneut und stellt sich diesen, indem er das Haus betritt. Ein Dialog zwischen Vater und Sohn findet zum zweiten Mal statt. Letztendlich löst sich der Konflikt auf, indem der Sohn erwacht und durch die Anregungen des Vaters einen anderen, emotionalen Weg einschlägt.

 

Wie seid ihr auf dieses Thema gekommen?

Bei einem Gespräch im Kino vor dem Film „Gone Girl“ sind einige Anregungen festgehalten worden. Daraus entstand dann ein erstes Drehbuch, welches nach dem ersten Drehtag allerdings spontan umgeschrieben wurde, weil die „nordischen“ Wetterverhältnisse untragbar waren. So entstand dann „Vaterkomplex“ mit nur einer Location.

 

Warum ist es euch wichtig diese Geschichte zu erzählen?

Es ist sicherlich ein Thema, das viele Personen emotional ansprechen dürfte. Konflikte und der Wunsch nach Lösungen sind Teil des Lebens. Dieses Thema mit einem visuellen Mantel zu versehen, war eine Herausforderung und hat sehr viel Spaß gemacht.

 

Dezember ist ja eher eine schwierige Zeit zum Filmemachen. Wie habt ihr die Dreharbeiten organisiert, um wetter- und lichttechnischen Problemen aus dem Weg zu gehen?

Der erste Drehtag musste wettertechnisch abgebrochen werden. Beim nächsten Mal wird das Team wahrscheinlich gar nicht erst mit dem Dreh beginnen. Hier galt es eine Lösung zu finden, die den Abschluss des Projektes sicherstellt. Unser Team hat sich daraufhin entschieden, dass Drehbuch umzuschreiben. Die lichttechnischen Herausforderungen wurden gelöst, indem der Dreh auf mehrere Tage verteilt wurde, um konstante Lichtverhältnisse zu gewährleisten.

Fotos: Vaterkomplex und Jessica Dahlke (Bilder vom Außendreh)

Filmdreh „Frau Rose“

Alzheimer und Demenz gehören zu den häufigsten Krankheiten bei Menschen über 65 Jahren und verlangt sowohl Erkrankten als auch Verwandten und Pflegekräften viel ab. Zehn Studenten der FH Kiel wollen auf die Dringlichkeit dieses Themas aufmerksam machen und arbeiten aktuell an ihrem Kurzfilmprojekt „Frau Rose“. Unterstützen könnt ihr sie über eine Crowdfunding-Aktion auf Startnext. Wir haben mit Lana Riedel und Rebecca Rahel Schmidt über das Projekt gesprochen.

 

Worum geht es in eurem Film?

Unser Kurzfilm „Frau Rose“ handelt von einer älteren Dame die an Demenz leidet und fälschlicherweise in dem Glauben ist, dass sie nach Rom reisen wird.

Wie seid ihr auf das Thema gekommen oder warum war es euch so wichtig?

Die Idee kam uns, als wir uns immer wieder Geschichten von unseren – leider verstorbenen – Großeltern erzählten. Dabei kamen wir unausweichlich auf das Thema Demenz bzw. Alzheimer und unsere persönlichen Erlebnisse mit dieser Krankheit.
Uns wurde die Dringlichkeit des Themas bewusst. Dabei kam uns die Idee, einen Film darüber zu machen.
Nach einiger Recherche und vielen Überlegungen wurde uns bewusst, dass die von Demenz betroffenen Menschen auch ihre guten Momente haben. Und vor allem, dass sie nicht zwangsläufig unter der Krankheit leiden, so wie die Familienangehörigen. Viel eher scheinen Demenzkranke in ihrer eigenen Welt zu leben, die sie mit alten Erinnerungen auffüllen.
Unser Ziel ist es mit unserem Kurzfilm „Frau Rose“ den Menschen die Augen zu öffnen, wie präsent Demenz ist.
Zusätzlich wollen wir mit den Vorurteilen bezüglich Pflege – und Altersheimen aufräumen, da es sich nicht darum handelt, Personen abzuschieben, sondern sie – im besten Fall – vor sich selber zu schützen.

Dezember ist ja eher eine schwierige Zeit zum Filmemachen. Wie habt ihr die Dreharbeiten organisiert, um wetter- und lichttechnisch bedingten Problemen aus dem Weg zu gehen?

Der Drehtermin im Dezember bedeutete mehr Aufwand beim Dreh- und Dispositionsplan. Auf der einen Seite hieß das für die Innenaufnahmen, dass keine Fenster im Bild zu sehen sein durften, da unser Film tagsüber spielt und man im Dezember nur vier bis fünf Stunden Tageslicht zur Verfügung hat. Außerdem mussten wir verstärkt auf die Lichtsetzung achten, um Tageslicht zu simulieren.
Für den Außendreh war es wichtig, echtes Tageslicht zur Verfügung zu haben. Deshalb mussten wir im Vorfeld die Szene und deren dazugehörige Einstellungen genau durchplanen und als Team zügig arbeiten. Auch die niedrigen Temperaturen und der Kieler Wind erforderten eine schnelle Arbeitsweise. Immerhin war uns das Kieler Wetter für den Außendreh wohl gesonnen.

Wie kann man euch bei eurem Projekt unterstützen?

Damit wir diesen Film – der uns sehr am Herzen liegt – realisieren können, benötigen wir noch dringend finanzielle Unterstützung! Schaut doch einfach mal auf unserer Startnext-Seite vorbei: www.startnext.de/frau-rose
Wenn euch unser Projekt gefällt, könnt ihr uns mit dem einen oder anderen Euro sehr gerne weiterhelfen.

Das Interview führte Jessica Dahke mit Lana Riedel (Regie-Assistenz, Drehbuch, Ton, Tonschnitt) und Rebecca Rahel Schmidt (Regie, Drehbuch, Casting, Bildschnitt)

Crowdfunding | Motten im Kopf (Kurzfilm)

Karl ist ein Eigenbrödler und Fan von „Die Drei Fragezeichen“. Getreu den Worten von Steve Jobs (“Stay hungry. Stay foolish.”), möchten die Filmemacher von „Motten im Kopf“ zeigen, dass Ausdauer und ein gewisser Grad an Wahnsinn dabei helfen können, Fantastisches zu erleben und seine Träume zu erfüllen. Unterstützt wird das Kurzfilmprojekt von einer Crowdfunding-Aktion auf Startnextt. Wir haben mit den Machern Jan-Eric Krajewski und Sascha Würker über das Projekt gesprochen.

Erzählt einmal kurz, wie ihr zum Filmemachen gekommen seid?

Jan: Ich habe damals ein Praktikum beim Offenen Kanal Hamm absolviert. Eigentlich wollte ich nur wissen, wie man Videos schneidet. Der Sendeleiter ist aber schnell auf mich aufmerksam geworden und im Nu unterstützte ich seine kleine Produktionsfirma, die Kinderkrimis produziert. Anfangs wurde ich als Set-Runner und Cutter eingesetzt und beim letzten von mir betreuten Projekt habe ich die Aufnahmeleitung übernommen.

Sascha: Filme haben mich schon immer interessiert. Die Plots, die Schauspieler und ganz besonders die Regisseure. Aber es blieb immer nur beim Filme schauen. Bis ich mein Medientechnik-Studium begonnen habe. Dort habe ich die Anwendung der notwendigen Technik fürs Filmemachen erlernt und konnte mich voll und ganz auf das Kreative stürzen. Um notwendige Erfahrungen auch am Set zu sammeln, arbeitete ich bei einer ZDF-Filmproduktion in Köln als Set-Runner.

Worum geht es in eurem Film?

In Motten im Kopf geht es um einen Studenten namens Karl. Er ist Fan von „Die Drei Fragezeichen“ und liebt Tierdokumentationen. In Kiel absolviert er mittlerweile sein drittes Studium – die vorherigen hat er abgebrochen. Von Außenstehenden wird Karl belächelt und als Eigenbrötler wahrgenommen. Dabei macht er sich nur nichts aus Alkohol, Partys und oberflächlichen Kontakten. Im Laufe der Geschichte muss er aber mit seinen Prinzipien brechen, um am Ende ein großes Rätsel lösen zu können.

Wir sehen unseren Film als eine Art Abenteuermärchen an. Also eine Mischung aus Gute Nacht Geschichte und Indiana Jones. Allerdings ist die Figur des Dr. Henry Jones dann doch ein wenig cooler als die unseres Karls. Der Entdeckungsdrang und der nötige Trotz, sich nicht von seinen Zielen abhalten zu lassen, sind aber bei beiden gleich.

Wieso habt ihr euch fürs Crowdfunding entschieden?

Der Film entsteht im Rahmen unseres Multimedia Production-Studiums an der Fachhochschule Kiel. Da wir in dieses Projekt so oder so eine Menge Energie stecken mussten, haben wir uns dazu entschlossen das Ganze ein wenig größer aufzuziehen als nötig. Zwei Schauspieler kommen zum Beispiel aus München und Stuttgart und die Crew besteht aus 10 freiwilligen Helfern. Diese Meute musste natürlich versorgt werden und das kostet Geld.

Der anfänglichen Planung haben wir unser Eigenkapital zugedacht. Wir wollten nicht „über unsere Verhältnisse drehen“ und eine Abhängigkeit von Familie und Fans erzeugen. Der Film sollte ja so oder so fertiggestellt werden. Um das arme Studentenportemonnaie aber zu entlasten, haben wir uns für eine Startnext-Kampagne entschieden. Diese deckt zwar nicht alle geplanten Kosten ab, hilft uns aber dabei unseren Dispo wieder auszugleichen. Das Crowdfunding ist zusätzlich ein Experiment. Wir beide kannten diese Form der Finanzierung bisher nur von der Spenderseite und sind sehr gespannt, ob das Prinzip jetzt für Motten im Kopf funktioniert.

Wie geht es weiter mit „Motten im Kopf“?

Wir haben jetzt noch drei Szenen, die gedreht werden müssen. Danach gönnen wir uns, wegen zwei anderer Abgabetermine im Studium eine kurze Pause vom Film. Bis auf die Materialsichtung und die grobe Vorauswahl schaffen wir bis Mitte Dezember nichts weiteres. Danach soll es aber relativ zügig weitergehen. Die Mutter von Karl und der Erzählertext werden noch eingesprochen und bis Mitte/Ende Februar möchten wir den fertigen Film in den Händen halten. Anfangs war eine kleine Premiere geplant. Da wir aber von den ersten Drehtagen und vor allem von unserem Hauptdarsteller Markus Michalik sehr begeistert sind, haben wir ein gutes Gefühl, dass es unser Film ins Programm diverser Kurzfilmfestivals schafft. Die zeitliche Planung steht also noch aus und wird uns gerade in der vorlesungsfreien Zeit zum Jahresanfang auf Trab halten.

Vielen Dank für das Interview.

Bis zum 20. Dezember 2014 habt ihr die Möglichkeit die beiden Filmemacher auf Startnext zu unterstützen. Hier geht es zum Projekt.

Labyrinth | Kurzfilmdreh

Vom 7. bis 9. August 2014 drehte Johannes Karstens seinen neuen Kurzfilm „Labyrinth“ in Kiel. Für den angehenden Kameramann war es der erste Film in der Rolle des Regisseurs. Eine ganz andere Art des Arbeitens und eine tolle Erfahrung, wie er filmszene-sh.de im nachfolgenden Interview verrät.

Wie waren die Dreharbeiten?

Sehr angenehm. Wir haben mit einem kleinen Team an verschiedenen Orten in Kiel gedreht, unter anderem in der Gaststätte Blücher, eine wirklich großartige Location, und im Sechseckbau (Studentenwerk SH, Anm. d. Red.) an der Uni Kiel. Außer einem kleinen Regenschauer hat alles geklappt und nach der ersten Durchsicht des Materials bin ich sehr zufrieden.

Worum geht es in Labyrinth?

Es ist die Geschichte von Alicia, gespielt von Eva Charlotte Koschinsky, die uns im Film ihre Innenwelt offenbart. Ihre Vorstellungen von Liebe, die eigene Beziehung zu Patrick (Christian Ramcke) und die als Störfaktor der perfekten Beziehung auftretende Jenny (Jana Ulrika Peinelt) spielen dabei eine tragende Rolle.

In diesem Film hast du das erste Mal Regie geführt, wie waren deine Erfahrungen?

Ja stimmt, normalerweise bin ich im Kamera-Department zu Hause. Das hat diesmal Torben Sachert übernommen. Wenn man Regie führt, nimmt man einen ganz anderen Blickwinkel zum Film ein. Als Kameramann hat man die Aufgabe die Bilder zu gestalten. Als Regisseur arbeitet man dagegen viel intensiver mit den Schauspielern. Das hat mich an der Aufgabe gereizt. Ich möchte an dieser Stelle einen großen Dank an meine Regieassistentin Alexandra Eck aussprechen. Sie hat schon bei vielen Filmen Regieassistenz gemacht und ihre Erfahrung hat mir den Einstieg mehr als erleichtert. Auch die Arbeit mit Torben war großartig. Überhaupt, das ganze Team.

Wie arbeitet es sich mit einem Kameramann wie Torben Sachert, der seit Jahren im Filmgeschäft tätig ist?

Sehr angenehm. Wir kennen uns schon seit einigen Jahren und haben ähnliche Vorstellungen davon, wie ein Film funktioniert und aussehen muss. Vorher haben wir im gleichen Department zusammen gearbeitet, da war diese Rollenverteilung als Kameramann und Regisseur natürlich neu für uns. Zwischen uns besteht ein großes Vertrauensverhältnis, so ist es auch möglich, über Einstellungen zu diskutieren, wenn man verschiedener Meinungen ist.

Du hast bewusst nur mit einem kleinen Team gearbeitet. Warum?

Die Story des Films ist sehr intim und ich wollte für die Schauspieler die richtige Atmosphäre am Set erzeugen, damit sie sich ganz auf ihre Rolle einlassen können. Außerdem finde ich die Arbeit in kleinen Teams sehr angenehm.

Das Drehbuch stammt von dir. Wie lange hast du daran gearbeitet?

Den ersten Entwurf habe ich in einer Nacht geschrieben. Danach begann die Überarbeitungsphase, die ein halbes Jahr dauerte und in der sich langsam der endgültige Film herausbildete. Es nützt kein schöner Text, wenn man den nicht in Bildern erzählen kann. Auch die Arbeit mit den Schauspielern und an der Auflösung des Films modifiziert das Drehbuch mehrfach bis es schließlich drehreif ist.

Wann wird der Film fertig sein?

Ich denke, so Mitte bis Ende September wird er hier in Kiel Premiere haben. Danach würde ich ihn gerne bei Filmfestivals einreichen und hoffe, dass er auch hier in Kiel bei diversen Veranstaltungen laufen wird.

Zum Schluss würde ich mich gern noch einmal herzlich bei Thomas Plöger vom Studentenwerk und bei Kostja Eulitz, dem Besitzer des Blüchers, für die Bereitstellung der Drehorte bedanken.

Das Interview führte Jessica Dahlke

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