Cinemare 2018: Buckelwale erobern den Mediendom

Buckelwale von Hawaii

„Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, Sie sind in dem schönsten Aquarium, das Sie je gesehen haben“, so Daniel Opitz, Kieler Filmemacher, der seinen Film über „Die Buckelwale von Hawaii“ erstmals auf dem diesjährigen Internationalen Meeresfilmfestival Cinemare im Mediendom der Fachhochschule Kiel vorstellte.

Bericht von Merle Dölle

Mit Tieren unter Wasser sein an Land

Die 3-D-Brille aufgesetzt, befindet man sich mitten vor der Insel Maui auf Hawaii, der meist isoliertesten Insel der Welt, und taucht ein in die Tiefen des Ozeans. Wahlgesänge ertönen und plötzlich rauscht gemächlich eine Wahlmutter mit ihrem Kalb an uns vorbei.

Der 15-minütige Film ist weniger eine Dokumentation als ein kurzer Einblick in das Verhalten dieser majestätischen Tiere. Durch die Dreidimensionalität von Bild und Ton und die 360°-Optik der Kuppel des Mediendoms bekommt der Zuschauer den Eindruck, mitten im Geschehen zu sein und den Buckelwalen ganz nah kommen zu können.

Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Digitalität. Die Wale im Film wurden am Computer erstellt, Aussehen und Verhalten allerdings exakt nachgeahmt, sogenanntes „ recreating reality“. Und auch die Tonaufnahmen sind original.

Medium über Emotionen

3 Jahre Produktions – und 10 Jahre Entwicklungsarbeit haben Opitz und sein Team in die Verwirklichung dieses Filmes investiert. Dabei versucht er weniger mit der Vermittlung von Wissen, sondern lediglich mit Emotionen zu arbeiten. 50% der Emotionen werden über die Musik gesteuert.

„Der Sound basiert auf einer Ebene, die man nicht hört sondern fühlt, sogenannte Psychosounds“, so Opitz und auch solch eine Perspektive hat es noch nie gegeben.

Die größte Herausforderung stellte hierbei jedoch der gesprochene Text dar: Emotionen sollten dadurch nicht zerstört werden.

Neue Generation von Technik

Dieser Film präsentiert eine neue Generation von Bild und Ton. Diese Technik steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber wird vermutlich das Filmemachen revolutionieren.

Produziert wurde der Film in Zusammenabreit mit dem Aquariumbetreiber Coral World International der Amerikanischen Meeresbehörde.

Die Weltpremiere findet in sechs Wochen auf Hawaii statt.

Borowski und das Haus der Geister – Kieler Tatort Rezension

Kieler Tatort

Was braucht man für einen „Tatort“? Man nehme eine altmodische Villa, einen Kommissar, eine große Portion Familienintrige, eine Prise Übernatürliches und ein Hauch von angespannter Stimmung.  Fertig ist der Kieler Tatort, der am 02.09.2018 von der ARD ausgestrahlt wurde. Für das vollendete Krimierlebnis packt man dann noch eine Leiche hinzu, nach welcher man in diesem Fall zunächst vergeblich sucht, im wahrsten Sinne des Wortes.

von Merle Dölle

Geister oder Hirngespinste?

Klaus Borowski (Axel Milberg) hatte die Ermittlungen zu dem Tod der Frau seines alten Schriftstellerfreundes bereits vor Jahren eingestellt. Doch jetzt beschäftigt ihn der Fall erneut. Hat Frank Voigt (Thomas Loibl ) seine Frau Heike umgebracht? Und was hat es mit dem Spuk auf sich, der das Haus und vor allem Franks neue Frau Anna (Karoline Schuch) heimsucht? Handelt es sich hierbei tatsächlich um den Geist der verstorbenen Ehefrau oder einfach nur um perfide Tricks der menschlichen Psyche?

„Dieses Haus will mich umbringen“, so Anna. Dabei bleibt bei mittlerweile zwei Morden im Laufe des Geschehens ziemlich unklar, wer jetzt eigentlich wen umbringen wollte.
Klar ist nur, nichts ist wie es scheint, denn die Familie ist verstrickt in ein Netz aus Lügen und Intrigen. Am Ende wimmelt es nur so von Tatverdächtigen und möglichen Spuren, allerdings nicht von echten Geistern, so viel sei gesagt. Nebenbei feiert der Tatort eine kleine Premiere: Almila Bagriacik ermittelt zum ersten Mal als Mila Sahin an der Seite von Kommissar Borowski.

Kleine Schritte in die Welt des Horrors

Der Kieler Tatort wagt sich vorsichtig ans Horror-Film-Genre ran und greift bekannte Klischees auf, wie z.B. das Gläserrücken. Allerdings schafft er es nicht über den Film die Spannung zu halten, weil übernatürliche Phänomene direkt geklärt werden, um scheinbar die Sachlichkeit zu bewahren. Es scheint, als würde sich dieser Tatort nicht so recht ans Genre herantrauen. Wie ein Geist, der sich nicht traut, seinem Publikum einen gehörigen Schrecken einzujagen.

Der Tatort ist noch bis zum 02. Dezember 2018 in der Mediathek zu sehen.

Bild: NDR

Husumer Filmtage 2018: Die Lust des Sich-treiben-Lassens

Whatever Happens Next

Ein Mann öffnet die Haustür, nimmt die Zeitung aus dem Briefkasten und radelt zur Arbeit los. Doch dann lässt er sein Fahrrad einfach an einer Pferdekoppel stehen und steigt von einer Sekunde zur anderen aus seinem Leben aus. So beginnt der Eröffnungsfilm der diesjährigen 33. Husumer Filmtage. Anna Lena Möller hat ihn sich angeschaut.

Ein Bericht von Anna Lena Möller

1986 ins Leben gerufen, gehören die Husumer Filmtage zu den ältesten Filmfestivals in Norddeutschland. Über die Jahre konnten sie ihren Charakter als Filmschau ohne Wettbewerbscharakter erhalten und sich alljährlich einem Schriftsteller oder Künstler widmen. In diesem Jahr wird Schauspieler Bjarne Mädel geehrt. Zu den weiteren Programmschwerpunkten gehören Filmdiven des 20. Jahrhunderts, Neuer Deutscher Film und Schleswig-Holstein im Film.

„Whatever Happens Next“ (Debutfilm von Julian Pörksen)

Eine gesunde Mischung aus absurden trocken-humorischen Situationen und Genreanspielungen. Das macht den Film aus. Getragen wird das von Protagonist Paul Zeise (Sebastian Rudolf), der es versteht gekonnt auf dem feinen Grad zwischen Unverschämtheit und Charme zu wandeln, dass man ihm fast alles verzeiht. Er hört zu, ist die Projektionsfläche für die Menschen um ihn herum. Zum Beispiel als eine leicht demente Grauhaarige ihm voller Überzeugung erzählt, ein Japaner hätte sie mit HIV angesteckt, mithilfe von präparierten Rosendornen.

Bist du Tramper? So ähnlich

Er fährt mit: Bei dem Friedhofsgärtner, bei der Familie, die gerade von einer Trauerfeier kommt zu der sich Paul selber eingeladen hat. Bei dem Studenten auf dem Weg ins Erasmus-Semester in Polen. Autor und Regisseur Julian Pörksen verarbeitet in Bild und Ton viele Elemente eines Roadmovie: Angefangen mit der während der Fahrt aus dem Fenster gehaltenen Hand, die sich mit dem Fahrwind bewegt, über das bübische Brettern auf den Landstraßen mit einem Auto älteren Jahrgangs. Die T-Shirt Aufschrift des Protagonisten: „Just do it.“. Der erste Akt des Films dabei geprägt vom jazzig-folkigen Gitarrensound. Später kommt sogar ein, von den Bildern genretypisch aufgelöster, Western-Showdown hinzu. Doch diese Genremerkmale werden ironisch verkehrt: Das Auto landet im Graben, die demente Frau hat die Einladung zum spontanen Kino-Besuch einfach vergessen und der Showdown-Gegner kippt aus heiterem Himmel um.

Whatever Happens Next

Immer auf der Suche

Paul hat keinen Lebensentwurf, keine Sicherheiten. Er bindet sich nur kurze Zeit an seine Zufallsbekanntschaften. Immer auf seinen Fersen der Privatdetektiv Ulrich Klinger (Peter René Lüdicke), der ihn im Auftrag seiner Frau sucht. Er warnt die Menschen, Paul sei ein Schnorrer, ein Hochstapler, der sich nimmt, was er braucht und dann weiter zieht. Aber ist da nicht mehr? Ausgeraubt und ohne Schuhe übernimmt Paul in Polen die Verantwortung für einen im Koma liegenden Mann, den er bis zu dessen Tod begleitet. Es folgt eine der beeindruckendsten Szenen des Films: Paul begegnet im Krankenhaus den in schwarz gekleideten Angehörigen des Komapatienten. Sie ziehen an ihm vorbei ohne zu wissen, das der Mann, der die letzten Momente des Patienten miterlebt hat, ihnen gegenüber steht.

Eigentlich könnte Paul nun in sein altes Leben zurückkehren, der Detektiv könnte ihn ausfindig machen (tatsächlich verpasst er ihn in Polen nur knapp). Doch Paul geht seinen Weg weiter, sein nächstes Etappenziel: Kiel.

Whatever Happens Next

Und dann kommt er nach Kiel

Dort lernt er die liebevoll konfuse, borderline nervige Nele (Lilith Stangenberg) kennen, die Paul in vieler Hinsicht ähnlich ist. Auch sie lebt im Moment, ist verträumt, lässt sich von ihren Emotionen treiben: Vielleicht ist die Katze, die sie hüten soll schon tot, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht will sie baden gehen, vielleicht aber auch nicht. In diesem letzten Akt zeigt der Film Längen, das Katz-Maus-Spiel, das sich zwischen Paul und Nele, und dem inzwischen ebenfalls in Kiel angekommenen Privatdetektiv und Pauls Ehefrau Luise (Christine Hoppe) entwickelt, kommt nicht in Fahrt. Der Moment einer möglichen Rückkehr, einer Konfrontation mit seiner Ehefrau, tritt nie ein.

Und doch scheinen die Begegnung mit Paul in seinen Mitmenschen etwas ausgelöst zu haben. Der Friedhofsgärtner wird zum Tramper, die demente alte Frau geht auf eine Zugreise und der Privatdetektiv wünscht Paul schlussendlich viel Glück, als er ihn zufällig auf einem Spielplatz trifft. Und Paul? Der zieht natürlich weiter. Wohin: Völlig egal. An einer Bushaltestelle in den Schottischen Highlands verlassen wir ihn, mit ihm zusammen wartet: ein Japaner mit einem Strauß roter Rosen in der Hand.

Whatever Happens Next

Filmszene im Dialog: Das Wendie Webfest 2018 – German Newcomers

Wendie Webfest 2018

Einmal im Jahr findet am Rande der Hamburger Speicherstadt das Wendie Webfest statt. Und auch in diesem Jahr war es am 14./15. September wieder Anlaufstelle für deutsche wie internationale Webserienmacher. Anna Lena Möller und Jessica Dahlke im Dialog über die „German Newcomer“, denen das Programm in diesem sich Jahr ein ganzes Segment widmete.

Dennis Albrecht

Anna Lena: So Jessica, jetzt sind wir auf dem Rückweg vom Wendie Webfest und uns bleibt eine ganze Autostunde Zeit. Wie ist denn dein Fazit des Abends?

 

Jessica: Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die Webserien, die wir gesehen haben, waren nicht alle technisch perfekt, aber dafür voller frischer Ideen. Ich mag es, wenn Filmemacher*innen aus alten Mustern ausbrechen und einfach mal ein bisschen herumexperimentieren. Dennis Albrecht hat aus der Selection selbst ein unkonventionelles Experimentierstück gemacht. Die meisten Festivals sind ja sehr formalisiert. Heute Abend hatten sogar Pitches und Trailer ihres Platz. Gern mehr davon!

 

Up up

 

A: Für die meisten Lacher des Abends haben ja die beiden Piloten von „Hinterher“ und „In Naher Zukunft“ gesorgt. Gerade Letzterer hat mir persönlich ja sehr gut gefallen, der Pilot war dramaturgisch einfach auf den Punkt und zeigt wieder einmal, was man mit wenigen Setaufbauten alles anstellen kann.

 

J: Der Humor von „In naher Zukunft“ funktioniert wirklich auf den Punkt und ist beinah realitätsnah. Jeder, der Alexa hat, kann mit dem armen Kerl mitfühlen. Wenn dann auch noch die Haus-KI dem Nutzer das Essen einer Pizza verbietet, weil diese ungesund ist und er sie sich bei einem Dealer besorgen muss, ist der Humor perfekt. Und dann dieses grandiose Ende, wirklich gut.

 

Nonbinary Girl

 

A: „Hinterher“, über den peinlichen Moment nach einem One-Night Stand, arbeitet da eher mit musikalischem Sarkasmus, wenn man das so nennen möchte. Eine gewisse Alltagsabsurdität scheint sowieso sehr im Trend zu liegen, die konnte man auch bei den Produktionen „Up Up“ und „Hart auf die 4“ wiederfinden.

 

J: „Hinterher“ tat in seiner Absurdität richtig weh, aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich für die Backstreet Boys nicht wirklich erwärmen kann. „Up, up“ funktionierte für mich da besser. Allein die Szene, wo drei Typen versuchen eine Krawatte per Youtube-Video zu binden und dann Papi per Skype anruft, genau mein Humor. Ein wunderbarer Cast! „ Hart auf Vier“ hat sehr viele schöne Momente, reizt es jedoch am Ende etwas zu sehr aus.

 

The very near future

 

A: Da muss ich dir zustimmen. „Up Up“ konnte vor allem auch im Visuellen etwas bieten: Sehr clean und mit einer reduzierten Einstellungszahl. Selbst das Blocking der Schauspieler, das manchmal wie mit dem Lineal gezogen wirkte folgte diesem Konzept, aber gerade dadurch bliebt genug Freiraum für die komödiantischen Elemente. „Hart auf die 4“, war dagegen auf der Soundebene exzellent. Gab es einen Serienpiloten, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

 

J: Am meisten beeindruckt hat mich ja „Nonbinary Girl“. Ich beschäftigte mich viel mit Trans- und Intersexualität und gerade das letztere findet sich im Film kaum wieder. Super, wenn sowas dann auch noch aus Kiel kommt.

 

Die Flunder

 

A: Mit der Thematik und seinem nachdenklichen Gestus ist der Film tatsächlich deutlich aus der Masse hervorgestochen. Die Geschichte trifft den Nerv eines Diskurses, der gerade sehr aktiv geführt wird und dieser Pilot, der hoffentlich fortgesetzt wird, trägt hierzu bei. Schön zu sehen, dass er durch die Einladung zum Webfest nach Miami einem größeren Publikum vorgestellt wird.
Was sagst du zu der Sport-Doku-Serie?

 

J: „Vierzehneinhalb“ war für mich eher uninteressant, diese Art von Dokus könnten auch im Fernsehen laufen. Ob sie fürs Web geeignet sind, muss sich zeigen.

 

A: Mir geht es da ganz anders, vielleicht auch weil ich sehr Dokumentarfilmaffin bin, und auf der DOK Leipzig schon mit ähnlichen Versuchen in Berührung kam. Es stimmt zwar, dass diese Erzählweise auch im Fernsehen wiederzufinden ist, aber der Vorteil dieser Form ist die Unmittelbarkeit der Erzählung, den Zuschauer über Wochen an einer aktuellen Entwicklung teilhaben zu lassen. Die Problematik liegt glaube ich bei dieser Serie eher in dem Umstand, dass sie gleichzeitig Imagefilm und Journalismus sein möchte, und gleichzeitig auch noch als Teaser für den bald in die Kinos kommenden Dokumentarfilm fungiert. Bei so viel Funktionalität geht die Nähe zu den Protagonisten zu sehr verloren und mit der Transparenz wird es auch schwierig.

 

J: Das könnte es sein, was mich gestört hat. Mich hat die Serie einfach nicht angesprochen. Und dann gab es noch die Flunder, sag mal, wie hast du die Webserie empfunden?

 

 

A: Ja in der Hamburger Sektion: Die Flunder hatte auf jeden Fall am meisten Unterstützer vor Ort. Damit eine solche Improvisationscomedy funktioniert, muss man ein großes Timingtalent und jede Menge Erfahrung haben. Eigentlich sind Superhelden ja voll mein Ding, aber bei diesem Piloten hatte ich das Gefühl, die eine Hälfte des Gesprächs verpasst zu haben und dann auch noch die Insider-Gags nicht zu verstehen. Es gibt ja noch einen Spielfilm über die Flunder, vielleicht muss man den ja vorher gesehen haben.

 

Alles in Allem würde ich aber sagen, dass der Abend mal wieder gezeigt hat, was für spannende, Konventionen brechende Stoffe entstehen können, wenn man den Machern genügend Platz lässt sich zu entwickeln, eine Möglichkeit die das Internet, im Gegensatz zum Fernsehen, bietet.

 

 

J: Das stimmt. Was mir ein bisschen Sorgen macht ist die Entwicklung der Webserien-Festivals in den letzten zwei Jahren. Da ist ganz viel Platz für internationale, hochprofessionelle Serien, aber kaum noch Platz für die, die erst damit anfangen Webserien zu drehen und eine Plattform gebrauchen können. Zudem sind die Einreichkosten immens hoch bei diesen Festivals. Man zahlt da zwischen 20 und 60 Euro. Dennis versucht mit seinem Programm dem entgegen zu wirken und die „German Newcomer“ zeigen ja, dass das funktioniert. Ich hoffe, dass man sich hier nicht in Zukunft die Potenziale verschenkt, die die Nachwuchsförderung und damit der Markt braucht. Ne Webserie ins Netz zu stellen reicht eben nicht. Erst durch die Webserien-Festivals und die Berichterstattung werden sie auch wahrgenommen. Wir werden sehen, wie es weitergehen wird.

Following Habeck – „Und dann hielt das Auto da, wo alle bessern Geschichten anfangen: am Bahnhof“

Der Dokumentarfilm „Following Habeck“ von Malte Blockhaus gibt einen aufschlussreichen Einblick hinter die Kulissen des rasanten Politikerlebens. Auf Schritt und Tritt folgt die Doku Robert Habecks Kandidatur zur Urwahl für die Bundestagswahl 2017 seiner Partei Bündnis 90/Die Grünen. Auch der damaliger Bundesvorsitzender Cem Özdemir und der Bundestags-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter traten an. Neben Realo Cem, also der Linke Anton und als Underdog Robert, ein Starpolitiker, der es mit dieser Doku auf die Leinwand schafft.

Bericht von Dorian Bøyesen

Auf authentische Art und Weise folgt der Filmemacher Malte Blockhaus mit Handheld Kamera diesen Prozess zwei Jahre lang. Von der Bundesdelegiertenkonferenz im November 2015 bis zum Ergebnis der Urwahl im Januar 2017, bei der Robert Habeck nur knapp gegen dem Cem Özdemir verlor. Habeck fehlten nur 75 Stimmen, ein für viele überraschend knappes Ergebnis.

Habeck, der durch Lässigkeit auffällt, ist dabei offen, kämpferisch und ehrlich unterwegs, von Termin zu Termin, auf Autofahrten, Parteitagsbühnen, Fluren der Ministerien, TV-Studios und Bahnhöfen. Der promovierte Philosoph und Schriftsteller, der seit 2012 Schleswig-Holsteins Umweltminister war, will mit seiner Kandidatur einen Richtungswechsel der Partei, und den Wechsel von Landespolitik zu Bundespolitik. Dabei zeichnet sich die Doku durch Tempo aus, weil Regisseur Blockhaus vor allem eines einfängt: Bewegung. Es ist das ungeschminkte Leben eines Berufspolitikers, der auch alle Stimmungen wiedergibt, aber vor allem Robert Habeck so zeigt wie er ist: klar, offenherzig, kämpferisch, sympathisch, nah an den Menschen, norddeutsch, freundlich, teils ruhig und teils rebellisch, der wirklich Veränderung und Modernisierung will und als Pragmatiker die Partei umkrempelt.

Es ist das Portrait eines Umweltministers, der auf Menschen zugeht, und auch mit Humor und Herzlichkeit sich unters Volk mischt. So fragt er die Feuerwehr nach dem Weg zum Bürgertreff oder hält in der Kirche eine Rede. Habeck meistert den Sprung in den urbanen Politdschungel und hält auf dem Parteitag eine flammende Rede. Dann erzählt er der Kamera vom Kick bei Halten von Reden und setzt sich dann zu Hofreiter, um kollegial  mit zuzuhören. Als er dann wegen der Geflügelpest zurück nach Schleswig-Holstein muss, ist es für Habeck logisch den Parteitag und das Urwahlforum abzubrechen, um zu zeigen, dass er für das Bundesland da ist und Regierungsverantwortung trägt. Für Özdemir selbstverständlich, sich ebenso kollegial zu zeigen, und das Urwahlforum zu vertagen.

Hier wird die Etiquette, die ein Amt mit sich bringt aufgezeigt, und diese Gradwanderung zwischen Seriösität und Geselligkeit, zwischen Anzug/Krawatte und Backpacker Rucksack, zeichnen das Bild eines modernen Politikers, der den Sinn von Demokratie nicht aus den Augen verliert. Bezeichnerweise verrät Habeck in einem Interview mit einer Abiturientin, dass aus seiner Sicht die Machtzentren in der Politik, die Fürsten nach Niccolò Machiavelli, diejeingen sind, die Minister sind. An manchen Stellen in der Doku scheint hier also doch der Philosoph und Denker durch. Gleichzeitig zeigt Habeck durch eigenes Auftreten, da er ja selbst Minister zu dem Zeitpunkt ist, dass es anders geht, dass man einen Anzug auch mit Turnschuhen tragen kann. Er hört den Menschen zu und zitiert Kurt Tucholsky „Und dann hielt das Auto da, wo alle bessern Geschichten anfangen: am Bahnhof.“ [Tucholsky, Schloß Gripsholm] oder erklärt etwas unbeholfen die schleswig-holsteinische Flagge und die Bedeutung von „Up ewig ungedeelt“.  

Provinz trifft hier auf Urbanität, ein Thema, das immer wiederkehrt, weil die Stationen zwischen Bundeskandidatur und Landesebene springen, zwischen Großstadtpresse und ländlicher Entschleunigung. Dabei zeigt die Doku auch andere Gegensätze auf, womit Habeck als Berufspolitker  konfrontiert ist, und nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise zwischen politischer Bühne und dem Kieler Paternosteraufzug im Rathaus, leeren Fluren im Ministerium und dem ganzen Wirbel der Presse einschließlich schneller Schminke und Smalltalk vor dem Interview. Diese Vermischung verschiedener Bühnen verleiht der Doku eine ganz eigene Ästhetizität der Imperfektion und Ehrlichkeit, etwas Dogma95-haftes.  

Seit 2018 ist Robert Habeck Bundesvorsitzender in Berlin und hat somit den Sprung in die Bundespolitik geschafft.

Zum Interview mit Malte Blockhaus

 

Stadt Land Meer – Open Air Kurzfilmnacht an der Kieler Uni

Am 12. Juli präsentierte uns das Studentenwerk zusammen mit dem Meeresfilmfestival „Cinemare“ eine Kurzfilmnacht unter freiem Himmel vor der Mensa der CAU.  Gezeigt wurden insgesamt 19 Kurzfilme, darunter auch Teilnehmer des 48 Stunden- Wettbewerbes.

Unter dem Motto  „Stadt Land Meer“ wurde jedes denkbare Filmgenre einmal aufgegriffen. Eine bunte Mischung aus Schwarz-Weiß-Filmen, Animation, Komödien und Horror. Für jeden Geschmack also etwas dabei. Ich möchte euch nun meine fünf Lieblinge des Abends vorstellen.

Bericht von Merle Doelle

The Not So Great Escape

1930er Jahre. Die Flucht zweier Gefängnisinsassen in einem traditionellen Eisenbahnwagon. Trotz jeder Menge Pech und Pannen scheint die Flucht zunächst gelungen. Oder doch nicht?              Ein Kurzfilm, der ganz ohne gesprochene Sprache auskommt. Torben Sachert und Olli Ott lassen die Geschichte allein durch Mimik, Gestik und Musik erzählen. Der Finalist des Kurzfilm-Wettbewerbs sorgt nicht nur für Spannung, sondern auch für einige Lacher und hält am Schluss eine schräge Pointe bereit.

 

Das H in der Suppe

„Ich wollte mindestens sieben Lacher haben und ich habe sie bekommen“, sagt Gerald Grote über seinen Film am Ende der Vorstellung. Und das zu recht, wie ich finde.

Der Werdegang von der Ideenfindung für einen Kurzfilm bis zur tatsächlichen Umsetzung; Grotes Kurzfilm knapp zusammengefasst. Dabei arbeitet er in seinem Film nicht mit bewegten Bildern. Das Grundgerüst bauen Bilder, die in kurzen Sequenzen aneinandergeschnitten seine Geschichte erzählen und dabei keinesfalls auf Ironie und Witz verzichten. Nach diesem Kurzfilm stellt sich mir die Frage, ob das „H“ in der Suppe für Humor steht oder eher für „herrlich anders“. Das ist nämlich Grotes Kurzfilm: irgendwie anders.

 

Trashman

Und noch ein weiterer Schatz aus der 48h- Filmkiste. In Jackie Gillies Kurzfilm versucht der Müllmann Peter Plastik die Welt vor der bösen „Toxic Polymera“ zu retten, die die Erde mit Plastik bevölkern will. Am Ende gelingt es jedoch Peter die „Queen of Plastik“ zu besiegen und die Welt vor der Müllkatastrophe zu retten.

Ein Wunschdenken? Auf jeden Fall ein Weckruf und ein Appell. Für die Umwelt. Gegen die Verschmutzung der Meere und vor Allem gegen Plastik.

 

Blue Eyed Me

Jetzt mal weg von lokalen Produktionen aus dem Norden hin zu internationalen Kurzfilm- Produktionen aus den Vereinigten Staaten.

Was wäre, wenn du dir ein Haustier bestellst, dass deine Gene trägt und deine Eigenschaften hat?

Was wäre wenn, aus diesem einzigarten „Ich“ eine Massenproduktion wird, die das Gegenteil von einzigartig ist. Was passiert, wenn der Preis für dein „Ich“ immer mehr sinkt?

Auf all diese Fragen versucht Alexey Marfin in seinem Film einzugehen.  In Hong Kong, dem Sinnbild für die Verschmelzung von Industrie und Technologie.  Wer allerdings die versteckte Botschaft des Filmes erkennt, dem wird schnell klar, hier geht es um viel mehr als nur um Haustiere. Hier geht es um eine Sache, die uns alle betrifft: Unser Profil auf Social Media.

Repräsentiert von einem Fisch, der genauso sein soll, wie sein Besitzer und somit zum Massenprodukt wird, das immer mehr an Wert verliert.

 

Working with Animals

Ein kurzer Dokumentarfilm über den Naturfilmer Juan Sebastian Elcano. Der Beitrag bietet in nur vier Minuten einen kurzen aber prägnanten Eindruck in Juans Dreharbeiten auf den Galapagos Inseln.

„Nothing is better storrytelling than nature“, sagt Juan über seinen Job, der mehr Leidenschaft als Arbeit ist.

Er redet mit den Tieren als wären es Menschen. Hier werden Seerobben für die Dreharbeiten motiviert, dort eine Echse für ihre grandiose Performance gelobt. Er ist spezialisiert auf wilde Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum. Wobei es gleichzeitig auch ein bisschen wie sein eigener Lebensraum wirkt.

Dokumentarfilm Deutlichland – Auf den Spuren der Safar Band

Am 10. Juli feierte der Film „Deutlichland“ im Studio Filmtheater in Kiel Premiere. Das Projekt zweier Studentinnen der Muthesius Kunsthochschule visualisiert die Verschmelzung der arabischen mit der europäischen Kultur, nicht nur auf sozialer, sondern vor allem auf musikalischer Ebene.

Bericht von Merle Doelle

Reisen mit Musik und Hoffnung

Die „Safar Band“. Sechs Musiker, in verschiedenen Ländern geboren, begeistern mit traditioneller arabischer Musik mit europäischen Einflüssen.

Eugenia Bakurin und Laura Carlotta Cordt von der Filmklasse der Muthesius Kunsthochschule haben die Kieler Band begleitet. Nicht nur auf ihrer Reise von Bandproben zu Auftritten; die Bandmitglieder gewähren auch Einblicke in ihre ganz persönlichen Reisen.

Da wäre zum eine der junge Mann aus Ägypten, der seine Familie besuchen will. Allerdings kommt er nur durch Geld in sein Heimatland. 2000 Euro wollen die Behörden für sein Visum haben. Geld, das einfach nicht da ist. Doch kein Grund für den Percussionisten die Hoffnung aufzugeben. In der Band scheint er eine Art neue Familie gefunden zu haben.

Andere Länder gleicher Ton

Unterteilt in mehrere Kapitel, erzählt der Film  aus verschiedenen Perspektiven vom Alltag der sechs Jungs. Von  persönlichen Schicksalen, Hoffnungen und ihrer ganz besonderen Liebe zur Musik.

Diese gilt hier nicht nur als Instrument zur Unterhaltung oder Dramaturgie, sondern spielt die zentrale Rolle des Films. Als Brücke zwischen unterschiedlichen Kulturen und als Mittel der nonverbalen Kommunikation. Da bekommt man gleich ein bisschen Lust selber zu musizieren oder einfach noch ein bisschen länger zu lauschen.

Authentisch, humorvoll und mit vielen Methapern gespickt, macht der Film Mut zur interkulturellen Weiterentwicklung und gegenseitigem Respekt.

Ein bewegender Film, der zum Nachdenken anregt und vor Allem ein Genuss für die Ohren.

 

Weitere Vorstellungen

19. bis 21.07.2018 bei Einblick/Ausblick, der Jahresschau der Muthesius Kunsthochschule

 

Die NDR Nordstory – „Großes Kino zwischen den Meeren“ – Eine Rezension

Der NDR widmete vergangenen Freitag, den 29.06. in seiner „Nordstory“ einen ganzen Beitrag der Filmszene in Schleswig-Holstein. Unter dem Titel „ Großes Kino zwischen den Meeren“ stellt uns die Sendung drei Phänomene der Filmszene vor. Einblicke in die Produktion der „Deichbullen“ bis zu einem Freilichtkino on tour und der spannenden Arbeit als Location-Scout.

Ein Bericht von Merle Doelle

Die Deichbullen

Die Krimi-Serie des Kieler Filmemachers Michael Söth über zwei Hamburger Polizisten, die ins kleine Dörfchen Kolmar versetzt werden.
„Die Deichbullen gehören zu Kolmar, wie der Deich und die Elbe.“ (Marion Krause)
„Jeder Cent ist wichtig“, sagt Söth über die Produktion und somit ist bei dem Low-Budget Projekt vor Allem Improvisation und Einfallsreichtum gefragt. Nicht nur wenn mal wieder das Wetter nicht mitspielt, sondern auch wenn es gilt, bestimmte Requisiten zu beschaffen. Am Ende eines jeden Drehtages gibt es kein Problem, für das es keine Lösung gibt. Auch Söth spielt dabei mehrere wichtige Rollen- als Filmemacher, Produzent, Drehbuchautor und Regisseur, jedoch hauptsächlich hinter der Kamera.
Doch all die Mühen der 12 köpfigen Crew haben sich am Ende gelohnt und jetzt punktet die Web-Serie mit ihrem typisch norddeutschen Humor sogar auf Netflix.

 

Die Vier vom Frelichtkino

Sechs Wochen mit Leinwand und Projektor durch Schleswig-Holstein. Die Ehepaare Turowski und Fiebig vom „Filmclub Burgtheater Ratzeburg“ und dem Kino in Mölln fahren im Sommer 12 Spielorte an, um die Leute fürs Open-Air Kino zu begeistern. Das Herz des Freilichtkinos ist hier eindeutig der große Projektor, aber natürlich auch die 36 Quadratmeter große Leinwand. Diese schwimmt, wie am Ratzeburger See, auch gerne mal mitten auf dem Wasser. Für den Komfort sorgen die Gäste selbst, in dem sie ihre eigenen Stühle mitbringen. Manchmal sitzen die Zuschauer allerdings im Regen, denn auch hier ist das schnell umschlagende Wetter des rauen Nordens der größte Feind der Veranstaltung. Aber das hält weder „die vier vom Feilichtkino“, noch die im Schnitt 200 Gäste davon ab, „Großes Kino“ mit renommierten Kinofilmen und teils Vorpremieren unter freiem Himmel zu genießen.

 

Traumberuf Location-Scout

Karin Verbeek aus Hamburg fährt täglich hunderte Kilometer durchs Land um passende Drehorte für Film und Fernsehen zu finden.
„Unbekannte Orte ins Kino bringen“, ist was Karin Verbeek am Laufen hält. Die „nordstory“ belgeitet sie dabei, wie sie einen geeigneten Campingplatz und eine Kiesgrube am Salemer See für einen Verfolgungsfilm besichtigt, fotografiert und dokumentiert. Hierbei ist es nicht nur wichtig, die Besitzer von der Location als möglichen Drehort zu überzeugen. Es ist ebenfalls wichtig, der Produktionsfirma den Drehort schmackhaft zu machen.
„Man muss filmisch sehen und in Bildern denken“, sagt Verbeek über ihren Job. Der Druck für gute Ergebnisse ist groß und man muss auch Enttäuschungen wegstecken können. Aber sie hat auch schon u.a. für „Tatort“ unscheinbare Orte sichtbar gemacht. Dank ihr ist durch den Film „Fleisch ist mein Gemüse“ eine ganze Straße in Wilhelmsburg berühmt geworden.

Mit diesem Bericht hat der NDR deutlich bewiesen, dass Schleswig-Holstein viel mehr zu bieten hat, als nur Wasser und plattes Land, sondern auch ganz großes Kino.

Die Dokumentation findet ihr in der Mediathek des NDR.

Filmfest Schleswig-Holstein: Die Festivalfilme kurz betrachtet

Insgesamt wurden in diesem Jahr 25 neue Produktionen aus den Bereichen Dokumentarfilm, Kurzfilm, Musikvideo und Webserie in acht Filmprogrammen auf dem Filmfest Schleswig-Holstein gezeigt. Wir haben uns die meisten davon angesehen und stellen sie euch kurz vor.

 

Bericht von Jessica Dahlke

#1 Existenzfrage

Mit dem Dokumentarfilm „Deine Existenz” begleiten Hauke Wendt und Marc Schultz drei Kieler GründerInnen auf dem steinigen Weg ihrer Existenzgründung. Dabei sind sie dicht dran an den teilweise hoch emotionalen Höhen und Tiefen der StartUps, die mit einem Oldtimerverleih, einem Anti-Schneckenmittel und der Idee von Komposttoiletten für Festivals ihr finanzielles Auskommen suchen.

#2 Junges Schleswig-Holstein

Das Filmprogramm #2 widmet sich den jungen Filmer*innen im Lande. Highlight ist der Gruselfilm „Forsthaus” von Paul Vincent Mayr, der mit gekonnter Präzision den Zuschauer mit Perspektivwechseln überrascht und so die Geschichte zwischen einem Exorzisten und seiner (eventuell) vom Satan besessenen Patientin zu einem spannenden Thriller macht. Das „Date Op De Diek” (Lara Pansegrau) erkundet das typisch norddeutsche Paarungsverhalten auf dem Deich und sorgte für so manchen Lacher im Publikum. Dies war vor allem dem humoristisch-talentierten Hauptdarsteller Moritz Wandl zu verdanken.

Spannend erzählt und mit fein komponierten Bildern zog der SciFi-Kurzfilm „Fünf Prozent Heimat” von Johann Schultz die Zuschauer in ihren Bann. Gefolgt von dem ebenfalls in der Zukunft spielenden Film „Grünes Licht” von Jan Kluczewitz, der stark an die kuriose Erzählweise eines Terry Gilliam erinnerte. Schön und dem Groove der Musik angepasst kommt das Video für den Song „Games in the Darkness” (Lasse Heisel) daher.

#3 Following Habeck

Wie porträtiert man einen der zur Zeit interessantesten deutschen Politiker? Malte Blockhaus rutschte durch Zufall in dieses Projekt, das ursprünglich ein kurzer Dokumentarfilm für sein Studium werden sollte. „Man muss sich Robert Habeck als glücklichen Berufspolitiker vorstellen: Gleich dem mythischen Sisyphos, der immer den selben Felsen den Berg hinaufrollte, nur damit der auf der anderen Seite wieder herunterpolterte, so schleppt der Landespolitiker seine Aktentasche oder sein Backpack und manchmal auch nur sich selbst plus Handy die Treppen der Ministerien hinauf, die Flure entlang, durch Bahnhöfe und Straßen, über Wiesen und durch Parteitagshallen”, beschreibt Daniel Krönke von infomedia-sh.org den Film. Das Publikum erhält durch den Dokumentarfilm einen Eindruck davon, dass Politik kein Selbstläufer ist und in vielerlei Hinsicht eine unbefriedigende und frustrierende Angelegenheit sein kann, außer man bringt die nötige Leidenschaft dafür mit.

#4 Webserie

Die Webserie gehört zu den jüngeren Filmgenres und bietet Filmemacher*innen die Möglichkeit, sich als Serienmacher zu profilieren. Eine Webserie wird in der Regel auf Plattformen wie Youtube gezeigt und erzählt in kurzen Episoden aus dem Leben ihrer Protagonisten. Die Spannweite reicht von Dokumentarfilmserien bis hin zu Genre-Filmen. Inzwischen hat sich ein weltweites Netz rund um die Webserien gebildet, es gibt internationale Filmfestivals wie das Webfest Berlin oder das Wendie Webfest in Hamburg sowie Ranglisten über die besten Webserien weltweit. Auch in Schleswig-Holstein werden Webserien gedreht.

Einer der ersten war der Kieler Michael Söth, der mit seinen „Deichbullen” mittlerweile auch auf Netflix und demnächst im deutschen Fernsehen zu sehen ist bzw. sein wird. Inhalt: Zwei Hamburger Polizisten stoßen in Kolmar auf eine renitente Dorfgemeinschaft. Die Scifi-Comedy-Webserie „PentaQuad“ lehnt sich an alte SciFi-Filme der 60er und 70er Jahre an. Dafür wurde in Neumünster in einer alten Bahnhalle eine komplette Raumschiffkulisse gebaut. Alltagsgegenständen wurden zu futuristischen Requisiten umgestaltet. So wurden aus Staubsaugern Astronauten-Rucksäcke und aus alten Motherboards Schaltflächen. Die Webserie ist auf Youtube zu sehen.

#5 Unsere Dorfschule

Gabriele Kob begibt sich in ihrem Dokumentarfilm „Unsere Dorfschule” auf die Pfade einer eher aussterbenden Institution. Dabei zeigt sie auf, wie wichtig Dorfschulen für Familien und Gemeinschaften sind. Denn eine Schule direkt in der Ortsgemeinde kann ganz anders auf die Bedürfnisse der Kinder und ihrer sozialen Entwicklung eingehen, als eine auswärtige Schule in der Stadt. Der kurze Vorfilm „Colours” (Lisa Oppermann) nähert sich dem Thema Tod auf ungewöhnliche Weise.

#6 Kriegskinder

Nach dem letzten Schuss ist der Krieg noch nicht vorbei” (Jess Hansen & Kay Gerdes) gehörte wohl zu den emotionalsten Beiträgen dieses Filmfestes. Der Dokumentarfilm begleitet eine Therapiegruppe von Senior*innen, die sich mit ihren Kriegs-Traumata auseinandersetzen. Der Film zeigt eindrücklich, dass Menschen bis zu ihrem Lebensende unter ihren Kriegseindrücken leiden und diese sogar an ihre Kinder und Enkel weitergeben können. Die schlichte Erzählweise des Films passt zum Thema und lässt den Zuschauer das Erzählte nachfühlen. Gerade in unserer Zeit, wo traumatisierte Geflüchtete ebengleiche Therapiemöglichkeiten benötigen, ein zeitgemäßer und wichtiger Film. Ebenfalls mit dem zweiten Weltkrieg beschäftigt sich Pola Rada in „Aber schreib”. Der Film visualisiert vorgelesene Feldpost zwischen einem Ehemann und seiner Frau. Unvollständig bleibt der Film „Jahresringe” (Jens Becker), der sich mit dem Leben eines ehemaligen Spions auseinandersetzt. Leider ist die Hintergrundgeschichte des Protagonisten Siegfried Wanka viel spannender als die filmische Auswertung. Die Zuschauer wünschten sich daher eine weiter Verfilmung.

#7 Kursmeldungen

Wer steckt eigentlich hinter dem Nissen-Haus in Husum? Diese Frage führte Martina Fluck nach New York City. Sie folgt dort dem Auswanderer und Selfmade-Millionär „Ludwig Nissen” durch ein bewegtes Leben. „Herr Möller” sucht dagegen sein Glück als Strandkorb-Vermieter und ist der erste Film der Kunststudentin Johanna Borelli. Für „Kursmeldungen” (Rainer Komers) brauchte der Zuschauer viel Sitzfleisch und Vorstellungsvermögen. Der Film versucht in Einzelbildern das Leben im nördlichsten Bundesland von Nordseefähre bis Windrad zu beschreiben.

#8 Kurze aus Schleswig-Holstein

Auch in diesem Jahr wird der Kurzfilmabend des Filmfest Schleswig-Holstein als Highlight der Veranstaltung seinem Ruf gerecht. Gar nicht abtauchen muss Jungfilmer Moritz Boll. Er erzählt die Geschichte eines Vaters, der vor seiner Tochter ein Geheimnis zu verstecken versucht („Abgetaucht”). Hauptdarsteller Marko Gebbert ist in diesem Jahr mit dem Kulturpreis der Stadt Kiel ausgezeichnet worden. Einen der bekanntesten Männer aus Kiel Gaarden folgt Natalie Beck in ihrer Kurzdoku „Der schwarze Mann vom Bosporus”.

Eine ganze Nordsee-Fähre mieteten Jan Waßmuth und Felix Zimmer für ihren Mystery-Kurzfilm „Sandy Island”. Sie schicken darin den Zuschauer auf einen abenteuerlichen Trip durch das Seelenleben eines jungen Mannes, der seinen Vater sucht. Träumerisch und märchenhaft ging es in der deutsch-französischen Produktion „Mein Vater, der Fisch” von Britta Potthoff und Adrien Pavie zu. In liebevollen Bildern erzählt der Kurzfilm die Geschichte zwischen einem Jungen und seinem kranken Vater. Großartig an diesem Film ist der infantile Blick des Kindes, der sich durch die ganze Erzählstruktur zieht.

Aron Krause schickt uns mit seinem halbstündigen Musikfilm „Eure Kinder” auf eine 30jährige-Reise durch unsere Jugend. Er verwebt persönliche Schicksale mit aktuellen politischen Ereignisse. Dabei fragt der Film, wie es zum aktuellen Rechtspopulismus kommen konnte. Zahlreiche aufwendige Plansequenzen inklusive.

Preisträger*innen

Am Ende überzeugte Moritz Boll mit seinem Kurzfilm “Abgetaucht” die Jury des 22. Filmfest Schleswig-Holstein. Zudem gingen zwei Publikumspreise jeweils an “Mein Vater, der Fisch” und den Dokumentarfilm “Nach dem letzten Schuss ist der Krieg noch nicht vorbei”.

Wie Studenten das Gruseln lernen

In den letzten beiden Semestern haben die Studierenden der Medienwissenschaft an der CAU Kiel nicht nur unzählige Horrorfilme geschaut und analysiert, sondern haben in den letzten Monaten auch selber hinter und teilweise vor der Kamera gestanden. Dabei herausgekommen sind drei Kurzhorrorfilme, die am 25. April 2018 um 19 Uhr im Kino in der Pumpe Premiere feiern.

von Anna Lena Möller

Es ist das Ende eines langen Prozesses der im Wintersemester 2016/17 mit der theoretischen Beschäftigung mit Horrorfilmen anfing und durch mehrere filmpraktische Workshops im Sommersemester 2017 ergänzt wurde: So lud Seminarleiter Dr. Eckhard Pabst beispielsweise den Berliner Regisseur Christian Mertens ein, der in einem Workshop den Studenten das Drehbuch Schreiben näher brachte. Des Weiteren konnte auch ein Kameraworkshop besucht werden der die Grundlage für die bevorstehenden Dreharbeiten schaffte. „Vor der handwerklichen Umsetzung habe ich echt Respekt. Ein Drehbuch schreiben ist eine Sache, aber Schauspieler zu finden und alles so zu filmen, dass es auch gut aussieht – das wird bestimmt gar nicht so einfach“, so die Studentin Lea Eckert.

Je näher der Drehtermin rückte desto mehr organisatorische Fragen mussten die Gruppen von ihrer Liste abhaken: Woher bekommen wir geeignete Schauspieler? Woher eine Location? Welches Licht nutzen wir? Wie sehr hallt ein Badezimmer? Und auch an die Postproduktion musste gedacht werden: Wer übernimmt den Schnitt? wer die Nachbearbeitung der Audiospur? Wer das Colourgrading? „Es ist ein komisches Gefühl, dass der Film jetzt wirklich fertig ist“, sagt Lea, „Ich bin schon gespannt wie die Zuschauer und die anderen Gruppen reagieren“. An dem Seminar gefiel ihr am meisten, selbst aktiv zu werden und die Produktion eines Filmes mit ganz anderen Augen wahrnehmen zu können.


Insgesamt drei Filme feiern im Kino der Pumpe nun Premiere. Obwohl die drei Filme alle aus dem Genre Horror stammen sind sie sehr verschieden, und doch haben sie eines gemeinsam: Sie erzählen die Geschichten von drei Frauen.

In „5 Stars“ lernt eine junge Backpackerin aus Island die hässliche Seite des Couchsurfings kennen als sie in einem abgelegenen Haus strandet, während in „Natalie“ Traum und Wirklichkeit immer weiter miteinander kollidieren als die Protagonistin von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. In „Draugr“ hingegen dringt Lynns Unterbewusstsein nach und nach an die Oberfläche und bedroht ihre bekannte Welt.

Die Premiere ist bereits ausverkauft doch keine Sorge: Am 04./05. Mai folgen weitere Screenings im Kino in der Pumpe, Kiel.

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