Cinemare Kiel Eröffnung

Cinemare Kiel: Till Dietsche holt das Festival-Feeling nach Kiel

Mit einem vollbesetzten Finale endete am Samstag das Internationale Meeresfilmfestival Cinemare im metroKino Kiel. Zu Gast diesmal nicht nur Filmemacher*innen und Filmliebhaber, sondern die beinah gesamte Politikprominenz aus Kiel inklusive Björn Engholm. Till Dietsche mitten drin, stets lächelnd, wie er eben ist. An diesem Abend sogar strahlend. Wir erzählen euch im Rückblick, was das neue Festival in Kiel so einzigartig macht.

Bericht Jessica Dahlke

Kino im Hause des Schirmherrns Ulf Kämpfer

Eigentlich könnte man denken, wer ein neues Festival macht, der veranstaltet seine Eröffnung in einem Kino. Das Cinemare hatte schon im letzten Jahr gezeigt, das sie andere Wege gehen wollen und das Filmfestival klar in der Stadt integrieren. Dieses Jahr sogar ins Herz der Kieler Verwaltung, dem Rathaus. Und nicht nur das. Die neue Partnerstadt von Kiel San Francisco war dank des Schwesternfestivals “International Ocean Festival” auch gleich mit an Bord. Ebenfalls hatten die Festivalmacher*innen trotz des dritten Jahres ihres Bestehens groß gedacht und gleich den NDR und ARTE als Medienpartner mit an Bord geholt, ebenso Sky – die einen Preis stifteten – und Pantaflix, die Vertreter*innen in die Jury entsandten. Auch der Medienstudiengang der FH Kiel, der Mediendom und die Muthesius waren fest mit eingebunden. Schon der Eröffnungsabend zeigte, ein Meeresfilmfestival gehört zu einer Hafenstadt wie Kiel wie Kiel zu einem Meeresfilmfestival gehört. Und man fragt sich, warum eigentlich erst jetzt?

Gewinnerfilm „White Waves“ (E, 2016)

Mit dem Anspruch für eine bessere Welt

Die Eröffnungsreden machten eines deutlich. Hier geht es um mehr als nur Filme schauen. Hier geht es darum, das Medium zu nutzen, um die im Blindflug agierende Weltbevölkerung auf die verheerenden Auswirkungen unserer Lebensweise aufmerksam zu machen. Hier natürlich im Bezug auf die Meere und nicht mit dem Anspruch den Zeigefinger zu heben, sondern mit künstlerischen Mitteln zu zeigen, was wir da gerade am verlieren sind. So sitzt man im Mediendom und schaut ein Walkuh mit ihrem Jungen zu und immer wieder kommt der Gedanke auf, verdammt, werde ich zur letzten Generation gehören, die diese Tiere noch in Wirklichkeit sehen konnten? Ebenso das Thema Plastik, das in fast jedem dritten Film eine Rolle spielte.

Änderungen beginnen bei den Jüngsten

„Einen Bewusstseinswechsel können wir vor allem bei den Jüngsten erreichen”, erklärt Ida von Saltzwedel, die das Schulprogramm des Cinemare betreut und dabei echte Highlights nach Kiel brachte. Darunter der Film „Wonders Of The Sea 3D” (USA, F 2017), der u.a. von Arnold Schwarzenegger produziert wurde. Begleitet wurden diese Vorstellungen von Expert*innen des Geomar, die von den Schüler*innen mit Fragen gelöchert wurden.

Gewinnerfilm „Sealers One Last Hunt“ (N, 2016)

Kunst und Wissenschaft zusammengebracht

Neben den gut besuchten Eröffnungsfilmen und dem Finale inklusive Premiere der ARTE Produktion „1918 – Aufstand der Matrosen”, war auch der Meereskurzfilmabend bis auf dem letzten Platz besetzt. Den Kurzfilmpreis gewann dabei der Film „Hybrids” (F, 2017), der sich dem Thema Müll in den Meeren widmete. „Plankton” (UK, 2018) erhielt den Publikumspreis, ein wirklich humorvoller Film, in dem Plankton synchronisiert wurde. Ebenfalls einen Preis erhielt die Kielerin Lisa Hoffmann für „On Scene”, der sich mit Traumata von Fotografen in Kriegsgebieten beschäftigte.

Da es mir nicht möglich war alle Filme zu sehen, möchte ich hier nur einige weitere Filme vorstellen.

Captain’s Dream (E, 2018)

Diese Dokumentation begleitet eine Gruppe Künstler*innen in die Antarktis, um dort für kurze Zeit den arktischen Raum künstlerisch zu erschließen. Die Faszination des vom Menschen nur wenig eroberten Kontinents schlägt sich in jeder Überlegung der Künstler*innen nieder, die in den Interviews von ihren Arbeiten erzählen. Da ist der junge Mann, der sich nackt kopfüber in den Schnee stellt oder die Künstler*in, die die Natürlichkeit von Farbe und Licht auf dem Eis erforscht. Ebenso der Klang der Musik, der sich durch die Stille einer unbewohnten Landschaft breitet. Dabei schafft es der Film, die Antarktis mit der Gedankenwelt des Menschens, der ihre Existenz durch den Klimawandel bedroht, zu verschmelzen und einen nachdenklichen Zuschauer zurück zu lassen.

Ocean Gravity (F, 2014)

Ein Apnoe-Taucher taucht in der Stille des Meeres über den Meeresboden. Der Film verschiebt dabei die Perspektive und vermittelt so das Fehlen vom Kleben am Boden und den neuen Möglichkeiten, die dadurch entstehen. Ein wunderbar impressiver Kurzfilm.

A Whale Of A Tale (J, 2016)

A Whale Of A Tale (J, 2016)

Jeder, der sich mit Tierschutz beschäftigt, kennt wahrscheinlich den oscarprämierten Dokumentarfilm „Die Bucht”. Darin wird das Delfinschlachten in der japanischen Stadt Taiji angeprangert. Die japanisch-amerikanische Filmemacherin Megumi Sasaki rollt dieses Thema wieder auf und zeigt, dass die schwarz-weiß Darstellung des amerikanischen Films die Verhältnisse gegenüber den Walen und Delphinen vor Ort nicht stehen gelassen werden kann. Sie versucht dabei auch die japanische Seite zu beleuchten und sich dabei möglichst neutral zu verhalten. Ein Film mit einem hohen Anspruch auf Reflexion, der es sich eben nicht so leicht macht, ein Urteil über die Delfinfänger zu machen und dennoch ihnen gegenüber kritisch bleibt. Im Anschluss des Films erzählte der Delfinschützer Richard O’Barry über die aktuelle Lage und warum es so wichtig ist, mehr für den Schutz der Wale zu tun.

The Secret World Of Foley (UK, 2015)

Wisst ihr was Foley ist? Um ein schönes Sounddesign zu bekommen werden Filme auch auf der Soundebene komplett oder teilweise nachvertont. Die Geräuschemacher sind Mittelpunkt dieses Films, mit hohem Unterhaltungswert.

Dolphin Man (F, 2017)

Dolphin Man – Mit Einem Atemzug In Die Tiefe (F, 2017)

Der Film erzählt die Lebensgeschichte des Delfinliebhabers und Apnoetauchers Jacque Mayol, der sein ganzes Leben dem Wasser widmete. Dabei arbeitet der Filmemacher mit historischen Material und gibt so einen spannenden Einblick in die Biografie des Mannes. Ein Film, den man bis zum Ende folgt, als wäre es das eigene Leben gewesen. Er zeigt, wie wichtig eine Leidenschaft für einen Menschen ist und wie dramatisches dieses Leben endet, wenn die Leidenschaft von einem Tag auf dem anderen wegbricht.

Plastik In Jeder Welle (D, 2017)

Zwar kommt dieser Film wie eine klassische Fernsehdoku daher, was sie auch ist. Dennoch vermittelt er eindringlich das Problem der Plastikvermüllung der Meere und zeigt, dass diese kein Problem ärmerer Länder ist, sondern auch eines der Küsten Schleswig-Holsteins.

1918 – Aufstand der Matrosen (D, 2018)

Das Meeresfilmfestival Cinemare 2019

Auch im nächsten Jahr wird es Ende Oktober wieder ein Meeresfilmfestival in Kiel geben. Durch die Förderung der Stadt Kiel ist die Existenz des Festivals für die nächsten drei Jahre gesichert. Natürlich kommt da die Frage auf, wie es weiter geht mit den Filmfestivals in Kiel? Denn neben dem Cinemare gibt es auch das Filmfest Schleswig-Holstein, das als Schaufenster der schleswig-holsteinischen und Kieler Filmszene eine wichtige Rolle einnimmt, jedoch mit seinem niedrigen Budget keine großen Sprünge machen kann. Als Werkschau der Filmszene sollte die Filmwerkstatt Kiel enger mit den Hochschulen zusammenarbeiten und eine Verbreiterung des Angebots ins Auge fassen. Zu den Kurz- und Dokumentarfilmen sollten neue Formate wie VR, 360°, Medienkunst und Corporate Videoformaten sowie Webformate hinzu kommen. Zudem ist eine Ausweitung von der Pumpe in die Stadt hinein, also in andere Kinos, notwendig, um neue Zuschauerkreise zu erreichen. Hier könnte das Filmfest Schleswig-Holstein klar an Profil gegenüber anderen Festivals wie dem Filmforum in Lübeck gewinnen. Zuletzt könnte es für ein so ausgerichtetes Festival und den Hochschulstandort Medien ein wichtiges Signal sein, wenn sich Stadt und Land hier auch finanziell mehr engagieren.

Preisträger des Cinemare Filmfestivals

  • Sealers One Last Hunt – Seefahrerpreis
  • Reefs At Risk – Wissenschaftsvermittlungspreis
  • Hybrids – Kurzfilmpreis
  • White Waves – Meeresschutzpreis (dotiert)
  • On Scene – Deutscher Kurzfilmpreis
  • Wale Vor Unserer Küste – Deutscher Meeresfilmpreis
  • Plankton – Publikumspreis Kurzfilm
  • 1918 – Aufstand der Matrosen – Publikumspreis Spielfilm

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Internationales Meeresfilmfestival Cinemare 2018

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