Die Deichbullen: Eine norddeutsche Serie wird flügge

Was könnte norddeutscher sein, als zwei Hamburger Polizisten, die auf eine renitente Dorfgemeinschaft in Schleswig-Holstein treffen. Michael Söth hat daraus eine Serie gemacht: DIE DEICHBULLEN. Vor zwei Jahren startete diese zunächst auf Youtube, kam bei einer französischen Verleihfirma unter Vertrag und war zuletzt bei dem inzwischen geschlossenen Watchever zu sehen. Nun soll es weiter zu einem großen VOD-Anbieter gehen, für den eine Menge neues Material gedreht wurde. Wir haben Michael Söth getroffen.

 

Ein Bericht von Jessica Dahlke

 

Kurz vor sechs Uhr abends. An der Bar des Café Godot warte ich auf Michael Söth und unterhalte mich mit einem Mitarbeiter vom NDR. Das Café ist seit seiner Eröffnung zu einem Anlaufpunkt für Kieler Filmemacher geworden. Kein Zufall, denn der Besitzer ist selbst Filmemacher. Gut gelaunt, wie man ihn in der Szene kennt, betritt wenige Minuten später Michael das Lokal. Es gibt viel untereinander zu erzählen, ehe wir uns mit einem Bierchen vor das Café setzen, um die letzten Sonnenstrahlen des angenehmen Sommertages zu genießen.

 

 

Was klein anfing

Die neue Staffel der DEICHBULLEN ist ein kompletter Neustart. Die ursprüngliche erste Staffel wurde jetzt in den ersten beiden Folgen der neuen Serie verarbeitet. Das hat seinen Grund, denn im Gegensatz zur Webserie sind die Folgen jetzt weitaus länger: Sechs Folgen mit jeweils 25 Minuten Laufzeit wird es geben.

Das Team rund um die Deichbullen musste sich einigen Herausforderungen stellen, die vor allem dem geringen Budget geschuldet waren. „Wenn man mit wenig Geld arbeitet, ist man in erster Linie auf Menschlichkeit angewiesen”, erklärt Michael Söth, „du musst also mit den Leuten reden, stellst das Projekt vor und versuchst es auf die persönliche Ebene zu bringen, um das zu bekommen, was du brauchst.” Dadurch dauerte einiges viel länger, weil viele Leute erst einmal überzeugt werden müssten.

 

 

Die Kieler Crew

Das Team bestand diesmal aus vielen Vertreter der Kieler Szene. „Die Produktionsfirma, mit der ich die erste Staffel gedreht hatte, ist leider aus zeitlichen Gründen abgesprungen. Also musste ich mir kurzfristig neue Leute suchen”, kommt Söth ins Plaudern, „die meisten haben ich im Prinzip hier in Kiel kennengelernt, u.a beim Kieler Filmemacher Stammtisch. Hannes Gorrissen, den Kameramann, zum Beispiel. Von ihm kannte ich schon ein paar Sachen und ich dachte, der ist gut, der kann das wuppen. Aber auch alle anderen.” Am Ende war die Entscheidung die richtige für Söth. Alle seien stark an ihren Aufgaben gewachsen. „Im Gegensatz zu einem Studentenfilm steht man bei richtigen Filmarbeiten immer unter Druck. Die Leute können nur zu bestimmten Terminen. Und egal wie das Wetter ist, egal wie viel Zeit wir brauchen, der Film muss fertig werden”, sagt er und lacht.

Auch einige Promis waren diesmal mit von der Partie. So u.a. Konrad Stöckel, bekannt aus dem Schmidts Tivoli und EIS AM STIEL-Star Zachi Noy, der einen norddeutschen Polizisten mit starkem englischen Akzent spielt. „Besonders überrascht hat mich Andreas Elsholz, der mich schauspielerisch wirklich umgehauen hat. Er war vorbereitet und hatte vorher noch ein Schauspiel-Coaching für die Rolle gemacht, obwohl diese eher klein war – sehr professionell”, schwärmt Söth, „interessant und skurril natürlich Ben Becker. Sobald die Kamera läuft ist er Vollprofi. Das ist schon ein Unterschied zu: Ich spiel da mal irgendwo mit. Der ist es gewohnt vor 50 Leuten zu stehen und Dinge zu tun, die der Rolle geschuldet sind. Das ist ein Genuss, mit so einem Menschen zu arbeiten.”

 

 

Wo werden die DEICHBULLEN zu sehen sein?

Eine gute Frage, die noch nicht beantwortet werden darf. Studio Hamburg ist Co-Produzent und befindet sich aktuell in Verhandlung, doch es wird wohl auf einen großen Streamingdienst hinauslaufen. „Mich freut es sehr, dass es mal wieder eine norddeutsche Serie gibt. Im Moment haben wir aus dem Norden nur den TATORTREINIGER und BÜTTENWARDER. Da ist also locker noch Platz für eine dritte”, erklärt Söth.

 

Gibt es einen typisch norddeutschen Stil?

„Ich denke, wir Norddeutschen erkennen das gar nicht, wie wir sind. Ich merke das, wenn ich in einem anderen Bundesland bin. Da sagt man mir: Man merkt sofort, dass du aus Norddeutschland bist. Man redet so flach und breit, das fällt einem selber gar nicht mehr auf. Und wir haben angeblich eine gewisse Ruhe und keinen Humor. Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Ich finde, dass wir viel lachen, selbst über den größten Scheiß”, er lacht wieder. Söth selbst definiert diesen norddeutschen Stil über längere Kameraeinstellungen. Sich Zeit lassen für die Bilder. Den Blick über die karge Landschaft schweifen lassen.

„Daher reizt es mich gar nicht in Hamburg zu drehen. Das ist Großstadt mit tausenden Autos. Dann lieber diese Ruhe, zwei Schafe laufen durch, ab und zu ein Tourist, der in die Kamera schaut. Das wars auch. Diese Ruhe mag ich beim Arbeiten. Das halte ich auch für typisch Norddeutsch.” Dieser Stil zieht sich auch durch seine anderen Filme wie DEICHKING (D, 2006) und BAUERNFRÜHSTÜCK (D, 2011), stelle ich fest.

Da sei Söth von Detlef Buck geprägt, denn Filme wie KARNIGGELS (D, 1991) liebe er heute noch: „Im Auto sitzen und Fliegen tot schlagen finde ich viel spannender als Köpfe weg zu schießen. Das liebe ich als Stilmittel und versuche es in meine Filme einzubauen.“

 

 

Das neue Projekt

Zum Schluss sprechen wir über Michael Söths ersten Dokumentarfilm. Darin geht es um eine Gruppe von Männern über 60, die mit dem Mofa 1.800 km nach Biarritz fahren wollen.

„Mal gucken, wieviele ankommen. Das Thema hat mich nicht in Ruhe gelassen und damit hatte ich das Thema für meine erste Doku.” Der Film wird von der Filmwerkstatt Kiel gefördert.

Mehr Informationen über die DEICHBULLEN gibt es hier.

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