Deichbullen – Eine Webserie aus SH

Michael Söth liebt Filme. Daher ließ er sich auch bei seinem aktuellen Projekt „Deichbullen“ – die als Webserie gerade auf Youtube läuft – nicht durch Rückschläge aufhalten. Im Interview erzählt er, wie die Serie entstand und warum es sich lohnt, in Schleswig-Holstein Filme zu machen.

Bericht von Jessica Dahlke

Die Deichbullen laufen nun seit ein paar Wochen als Webserie auf Youtube. Bist du mit der bisherigen Resonanz zufrieden?

Mit der Resonanz zu „Deichbullen“ bin ich sehr zufrieden. Wenn der einzige Kritikpunkt an der Serie die zu kurze Dauer ist, muss man auch zufrieden sein. Denn das bedeutet das die Leute gerne mehr gesehen hätten. Auf YouTube werden pro Tag mehrere Tausend Stunden Material hochgeladen. Wenn bei der Masse an Filmen 13.000 Menschen auf Deichbullen klicken, finde ich das schon beachtlich. Davon bleiben dann immerhin gut 2.000 Menschen an der Serie dran.

 

 

Worum geht es in Deichbullen?

Zwei in die Jahre gekommene Hamburger Polizisten, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, werden in die Norddeutsche Tiefebene nach Kollmar versetzt. Wer glaubt, dass in einem 1.700 Seelen Dorf weniger passiert, als in einer Stadt wie Hamburg, der täuscht sich gewaltig.

 

 

Warum wolltest du eine Webserie machen?

Es war eigentlich nicht als Webserie geplant, sondern als Konzept für eine TV-Serie. Leider traute sich kein Sender die Deichbullen zu veröffentlichen. Mittlerweile hatten wir aber alle viel Arbeit in das Projekt gesteckt und wollten es nicht einfach sterben lassen. Der in Deutschland noch ziemlich neue Markt für Webserien erschien uns da als sinnvoll.

 

 

Wie ist die Idee entstanden?

Die Idee hatte ich schon bei der Produktion meines ersten Spielfilms „Deichking“ (2006). Läuft im übrigen am 18.12.2015 auf EinsFestival (ARD). Damals drehten wir einige Szenen in Kollmar. Die Hilfsbereitschaft in dem Dorf und die Menschen regten mich zu der „Deichbullen“-Idee an.

 

 

Freie Serienproduktionen in Deutschland haben es ja eher schwer, wie finanzierst du die Serie?

Freiheit – egal in welcher Form – bekommt man nicht umsonst. Man kann sich verkaufen und dafür Einschnitte in der Kreativität hinnehmen oder man bleibt frei, muss dann aber alles selbst finanzieren. Dies haben wir getan. Ein Privatinvestor hat die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt und alle Beteiligten haben weitesgehend auf Honorare verzichtet. Nur so kann es gehen. Die Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein hat leider noch keinen Topf zur Finanzierung von Webserien. Aber die Hoffnung bleibt, das dies bald geschieht.

 

 

Auch Youtube ist ja eher ein schwieriges Pflaster, was würdest du Filmemachern empfehlen, wie sie ihre Videos auf dem Kanal promoten können? Was hast du konkret bei den Deichbullen dafür getan?

YouTube ist eine tolle Möglichkeit, Eigenproduktionen an die Öffentlichkeit zu bringen. Das schwierige ist nur die Menschen auf deine paar Minuten Film aufmerksam zu machen. Da lerne ich auch noch täglich dazu. Ich habe die klassischen Medien (TV, Zeitung, Radio, usw.) genutzt. Durch meine Spielfilme (Deichking und Bauernfrühstück) habe ich ein paar Kontakte aufbauen können. Diese nutze ich auch. Man kann dann noch Werbung über die Facebook Seite schalten. Wenn man etwas Geld in die Hand nimmt, bringt das sogar was.

 

 

Wie bist du zum Film gekommen und warum nimmst du all das auf dich?

Ich hatte immer den Traum einmal meinen eigenen Film im Kino zu sehen und andere Menschen zu unterhalten. Also begann ich irgendwann einfach kleine Geschichten zu verfilmen. Als ich merkte, dass nicht nur Freunde Spaß daran hatten, begann ich weitere Drehbücher zu schreiben. Die Projekte wurden immer größer. Nur Geld bekam ich kaum zusammen. Aber selbst Filme zu machen ist meine Leidenschaft. Und der Spaß an der Sache vertreibt den Gedanken, dass es sich eigentlich nicht rechnet.

 

 

Denkst du, dass man in Schleswig-Holstein Filme machen kann?

Schleswig-Holstein ist das beste Land, um meine Filme zu machen. Ich liebe die Landschaft und die Menschen die hier leben. Die Hilfsbereitschaft und die Liebe zum Film ist bei fast allen Norddeutschen positiv ausgeprägt. Meine Filme brauchen dieses Land und die Menschen als Basis für die Geschichten. Schleswig-Holstein inspiriert mich.

 

 

Was würdest du dir Wünschen, was müsste man in SH ändern, damit den Filmemachern hierzulande geholfen wäre?

Geld macht keine Filme – Ideen, Leidenschaft und der Wille es trotz aller Widrigkeiten umzusetzen produziert Filme. Es läuft in SH schon vieles richtig.

 

Ist schon eine Fortsetzung der Deichbullen geplant?

Aktuell sitze ich an der Planung für die zweite Staffel. Ich hoffe das wir dann spätestens im März 2016 drehen können.

Bilder: Peter Lühr, Kiel

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