Dennis Albrecht: Mit Indieserien alte Strukturen aufbrechen

Eine tolle Idee, aber bei Sendern und Produktionsfirmen gibt es nur ein müdes Lächeln dafür, weil das Drehbuch nicht ins Schema passt. In Deutschland können Serienautoren von himmlischen Zuständen wie in Dänemark (Borgen) oder den USA (Breaking Bad) nur träumen. Denn in diesen Ländern haben die Macher größtenteils freie Hand bei der Produktion ihrer Serie. Hierzulande bleibt das weiter eine Utopie. Doch mit den Möglichkeiten des Internets ändern sich auch die Bedingungen für Filmemacher wie Dennis Albrecht, der seine eigene Indieserie „Filmstadt“ produziert. Wie man ohne Sender eine Serie dreht und wie ihr innovative Formate unterstützen könnt, lest ihr in diesem Interview.

Bericht von Jessica Dahlke

 

Zunächst die Frage: Warum eine Independent-Serie machen, mit der man nichts verdient?

Weil das die einzige Chance ist, seine Träume zu erfüllen. In Deutschland gibt es kaum eine Gelegenheit, in gute Serien hineinzukommen. Es gibt einfach zu wenige. Da rafft man irgendwann lieber sein Geld zusammen und versucht es selbst. Mit kleiner Technik, vielen Helfern und viel Kraft gelingt das vielleicht auch. Aber dann hat man wenigstens etwas gegen die Misere getan und heult nicht irgendwo in der Ecke, wie schlecht doch alles ist.

 

 

Wie ist die Idee zu Filmstadt entstanden und warum ist es euch wichtig, diese Serie zu machen?

Die erste Folge entstand aus der Tatsache heraus, dass sich 2011 mein halber Freundeskreis nach Berlin verabschiedete. Viele haben in den Medien gearbeitet und ich habe mich gefragt, was an der Filmstadt Hamburg nicht stimmt. Dadurch habe ich erste Biographien und Anekdoten aus der Branche unterhaltsam und fiktiv nacherzählt. Die Serie „Filmstadt“ ist dadurch ein Sprachrohr für die Branche geworden und geht nach Außen, wie auch nach Innen. Außen sollen Menschen mitbekommen, was wir für ihre Unterhaltung alles durch machen, nach Innen wollen wir selbstkritisch unsere Arbeit hinterfragen und auch über uns lachen können. Die letzten Punkte funktionieren zur Zeit sehr gut.

 

 

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Offenen Kanälen wie TIDE und Alex und warum sendet ihr nicht einfach nur auf Youtube?

Wir nehmen jedes Angebot an, um bekannter zu werden. Denn wir haben mit der „Filmstadt“ ein kleines anspruchsvolles Format geschaffen, das eher zu Arte Creativ gehören könnte. Da kommt es vielleicht auch irgendwann hin, aber dort wird es vielleicht auch nicht so einfach entdeckt. Wir haben keine youtube-Stars, die das sofort automatisch durch alle Netze jagen. Wir haben TV-Schauspieler, die mal anders spielen möchten. Das gilt es zu entdecken. Wir „verschenken“ die Serie an jeden Sender und an jede Plattform, die sich dafür interessiert. So sind wir bis nach Österreich gekommen, mit OktoTV und demnächst auf Oeins in Oldenburg, sowie netfall.tv und CiNENET im Internet.

Denkst du, dass Filmemacher in Zukunft auch ohne feste Produktionsverträge von Independent-Serien leben können?

In näherer Zukunft sehe ich das leider nicht. Wir müssen noch eine Zeit lang idealistische Kraft dafür aufbringen, um überhaupt ein „cooles“ Image für WebSerien und IndependetSerien aufzubauen. Daran arbeiten wir jeden Tag. Es wird bald Festivals geben, wie DIE SERIALE in Gießen (Hessen) vom 12. bis 13. Juni, die sich z.B. nur auf deutsche, unabhängig produzierte Serien konzentriert und das innovativste Format auszeichnen wird. Es muss attraktiv werden, das Internet nach unseren Serien zu durchstöbern, dann können wir vielleicht irgendwann etwas Geld damit zurückholen.

 

 

Welche Rolle spielt Crowdfunding dabei? Wie kann man euch unterstützen?

Crowdfunding könnte eine Säule dafür sein. Auch Product Placement wird diskutiert, obwohl man Gefahr läuft, sich zu verkaufen. Die Freiheit könnte eingeschränkt werden. Ich würde gerne in Zukunft einen Förderverein für IndieSerien gründen. Dort könnte ein Gremium innovative Serienformate unterstützen. Denn selbst die Filmförderanstalten denken teilweise noch in so alten Mustern, dass sie einfach keine oder sehr wenige Fördertöpfe für uns haben. Dabei bricht gerade eine Welle los. Es gibt so viele Projekte und tolle Ideen. Deshalb mein Tipp. Geht einfach mal auf die Crowdfunding-Plattformen und schaut euch dort um. Und wenn ihr keine Serie findet, die euch zusagt, dann unterstützt etwas anderes. Kämpft für den Erhalt von Kultur – das „normale“ Fernsehen kann das leider kaum liefern.

Schreibe einen Kommentar