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Der Spielfilmwettbewerb der 60. Nordischen Filmtage Lübeck

In das Rennen um den mit 12.500 Euro dotierten NDR-Filmpreis gehen insgesamt 17 Filme im Spielfilmwettbewerb der 60. Nordischen Filmtage Lübeck (30.10.-04.11.2018), darunter 9 Spielfilmdebüts. Dass zugleich viele der Filmschaffenden und Castmitglieder nach Lübeck kommen, ist für das Festival eine große Ehre, und das Publikum freut sich auf den direkten Austausch mit den Filmgästen. Eröffnet wird das Festival am 30. Oktober 2018 – erstmals mit einem Film aus Estland: „Die kleine Genossin“ (EE 2018) von Moonika Siimets schildert die Schrecken und Wirrnisse der Stalinzeit aus der Perspektive eines 6-jährigen Mädchens. Die Regisseurin reist zusammen mit ihrem Hauptcast sowie Teammitgliedern in die Hansestadt, um ihr Spielfilmdebüt persönlich vorzustellen.

Im diesjährigen Wettbewerb treffen etablierte Filmschaffende, die bereits mehrfach im Programm der Nordischen Filmtage Lübeck vertreten waren, auf vielversprechende Newcomer. Dabei sind die baltischen Staaten neben Moonika Siimets mit zwei jungen innovativen Filmemacherinnen aus Litauen vertreten. Giedrė Beinoriūtė stellt ihre Familientragödie „Breathing into Marble“ (LT/LV/HR 2018) vor und Marija Kavtaradze ihre melodramatische Komödie „Summer Survivors“ (LT 2018), deren Hauptdarstellerin Gelmine Glemzaite ebenfalls in Lübeck sein wird.

Aus Island reist die Regisseurin Isold Uggadóttir an, die in „Atme ganz normal“(IS/SE/BE) vom Schicksal zweier unterschiedlicher Frauen erzählt, die unter ungewöhnlichen Umständen aufeinander angewiesen sind. Ein weiterer „Insel“-Film ist „Nina“ (DK/FO 2018) von Maria Winther Olsen, die das Leben und die Einsamkeit auf den Färöern aus der Sicht einer aus Kopenhagen zugezogenen jungen Frau beschreibt.

Mit seinem ersten Spielfilm „Ditte & Louise“ (DK 2018) zu Gast in Lübeck ist Niclas Bendixen, der darin auf humoristische Art und Weise Geschlechterrollen hinterfragt. Begleitet wird er von seinen beiden Drehbuchautorinnen und Hauptdarstellerinnen Ditte Hansen und Louise Mieritz. Ebenfalls aus Dänemark kommen Regisseur Kasper Kalle und die Schauspielerin Rosalinde Mynster. Sie präsentieren den Historienfilm „Christian IV. – Die letzte Reise“ (DK 2018), der über weite Strecken einer Pferdekutsche spielt.

Für Norwegen gehen Camilla Strøm Henriksen und Tuva Novotny ins Rennen. Bisher in erster Linie als Schauspielerinnen bekannt, sorgen sie nun mit ihren Regiedebüts für Furore. Strøm Henriksens nutzt in „Phönix“ (NO/SE 2018) Stilelemente des Horrorgenres für die Geschichte der 13-jährigen Jill, die unter dem Verlust ihres Vaters und dem psychisch labilen Zustand ihrer Mutter leidet. Novotnys Tragödie „Blinder Fleck“ (NO/DK 2018) begleitet die Eltern eines jungen Mädchens nach einem plötzlichen Unglück – Der Film wurde in einer einzigen Einstellung gedreht.

Neben diesen neuen Gesichtern sind gleich drei ehemalige Gewinner des NDR-Filmpreises mit ihren neuesten Arbeiten im diesjährigen Wettbewerb vertreten: Baldvin Z. aus Island zeichnet in „Lass mich fallen“ (IS/DE/FI 2018) die Abwärtsspirale einer in die Drogenszene geratenen Jugendlichen akribisch nach. Henrik Martin Dahlsbakken stellt zusammen mit seiner Hauptdarstellerin Andrea Bræin Hovig seinen neuen Film „Eine Affäre“ (NO 2018) vor. Sie spielt darin eine Lehrerin, die eine verhängnisvolle Romanze mit ihrem Schüler eingeht. Michael Noers „Vor dem Frost“ (DK 2018) zeichnet ein Porträt des bäuerlichen Lebens im Dänemark des 18. Jahrhunderts, das in Lübeck von dem Schauspieler Rasmus Hammerich vorgestellt wird. Und Klaus Härö, der bereits zweimal den Publikumspreis der Lübecker Nachrichten gewinnen konnte, präsentiert zusammen seinem Hauptdarsteller Heikki Nousiainen „Ein unbekannter Meister“ (FI 2018).

Benedikt Erlingsson, dessen Debüt „Von Pferden und Menschen“ das Festival 2013 eröffnete, schickt in diesem Jahr „Gegen den Strom“ (IS/FR/UA) ins Rennen, eine sympathische Komödie über eine Chorleiterin, die als Umweltaktivistin dem nationalen Energiekonzern die Stirn bietet. Heikki Kujanpää erzählt in seinem Historiendrama „Lach oder stirb“ (FI/SE/LV 2018) von den Herausforderungen eines Schauspielers am Ende des finnischen Bürgerkrieges. Der Regisseur wird aus Finnland anreisen, ebenso wie Simo Halinen, der in Lübeck sein Thrillerdrama „Wendepunkt“ vorstellt. Mit stimmigem Zeitkolorit hat Hannes Holms in „Ted – Alles aus Liebe“ (SE/NO 2018) ein berührendes Porträt des Musikers Ted Gärdestad gezeichnet, der von Adam Pålsson verkörpert wird. Regisseur und Schauspieler freuen sich ebenfalls schon auf die Nordischen Filmtage.

Die Filme des Spielfilmwettbewerbs sind, neben dem NDR Filmpreis, auch für den Publikumspreis der „Lübecker Nachrichten“ und den „Kirchlichen Filmpreis INTERFILM“ nominiert, entsprechende Filme zudem für den „Baltischen Filmpreis für einen nordischen Spielfilm“. Die Spielfilmdebüts der Sektion nehmen an der Abstimmung zum erstmalig ausgelobten „Preis des Freundeskreises für das Beste Spielfilmdebüt“ teil, dieser ist mit 7.500 Euro dotiert. 

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