Nicht theoretisch sondern praktisch: Drehbuchdramaturgie zum Anfassen

Bücher zum Thema Dramaturgie gibt es für Autoren in Hülle und Fülle. Doch nicht viele davon sind in der Praxis hilfreich, wie schnell festgestellt wird. Sie versteifen sich zu sehr auf die theoretischen Grundlagen und bieten oft nur die gleichen, immer wiederkehrenden Informationen.

 

Eine Rezension von Anna-Lena Möller

So ganz anders das Buch von Christian Mertens und Bartosz Werner „So bekommen Sie Ihr Drehbuch in den Griff“. Es versteht sich als „Nahrungsergänzungsmittel“, als SOS-Ratgeber, um in der Praxis kurzfristig Fehler in der Drehbuchdramaturgie zu erkennen und zu vermeiden. Doch dieses selbstgegebene Mantra wird dem Buch nicht gerecht, denn es vermittelt mehr als das.

 

 

Die Vorteile des Buches liegen gerade in seiner leicht lesbaren Art und seinem direkten Praxisbezug. In den sieben Kapiteln wird ein solider Überblick über die von den Autoren in der Praxis am häufigsten bemerkten Schwierigkeiten im dramaturgischen Aufbau gegeben. Die Theorie wird dabei fast nebenbei vermittelt und aus jedem Kapitel kann ein „Catchphrase“, also eine Eselsbrücke, für die eigene Arbeit mitgenommen werden.

 

 

Den Kern des Buches bildet die Beschäftigung mit der Figur. Und sind Punkte, wie die Bedürfnispyramide oder die fünf Phasen der Trauer bereits aus anderen Zusammenhängen bekannt, so schaffen es die Autoren doch einen anderen Blickwinkel auf diese dramaturgischen Hilfsmittel zu eröffnen. Und so scheint das Buch immer wieder auch eine Anleitung zum guten Beobachten zu sein . Das dynamisch und weniger Blaupause sein will.

Auch was die Filmbeispiele angeht werden die Leser abgeholt. Als Beispiele dienen nicht die üblichen, oft veralteten oder wenig bekannten Arthousefilme, sondern die Mainstreamerfolge der letzten Jahrzehnte: Dirty Dancing, Rocky, Titanic oder Fight Club.

 

 

Ein „Nahrungsergänzungsmittel“ ist dieses Buch also bei Weitem nicht. Es verbindet Theorie mit praktischer Umsetzbarkeit und lohnt sich deshalb nicht nur für Regisseure und Filmemacher, sondern auch für jeden Prosaautor und jeden interessierten Laien.

Weitere Informationen unter: www.drehbuchimgriff.de und auf facebook.

 

Zur Autorin:
Anna-Lena Möller ist Leiterin der Kieler Drehbuch Werkstatt, die einmal im Monat stattfindet.

Die Bilder entstanden bei der Release-Party am 30. September 2016 im Café Godot.

 

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