Elise (D 2016) – Einfach Kino machen

Am 19. März feierte Moritz Boll mit seinem Spielfilm ELISE im Cinemaxx Kiel Premiere. Der Mut des 21-Jährigen zum Einen einen Langfilm zu realisieren und zum Zweiten bekannte Gesichter wie Michael Mendl und Jan Hofer zu engagieren, zahlte sich an diesem Abend mit einem ausverkauften Saal und Standing-Ovations aus.

Nachdem ich in der Filmszene Kiel mal hier mal dort kleine Ausschnitte von ELISE gesehen hatte, war die Neugier natürlich groß, wie Moritz Boll mit seinem Team dieses Mammutprojekt bewältigt hat. Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass es sich um ein sehr junges Team handelt, das keine Filmausbildung hat, sah ich über das ein oder andere Tonproblem und die mager inszenierte Elternszenen schnell hinweg. Es waren nur Kleinigkeiten, die aber im Großen und Ganzen dem Film seine Magie nicht nehmen konnten. Absolut lobenswert das Drehbuch (Jan Jekal und Moritz Boll), das rund und spannend die Geschichte von Elise und ihrer Freundin erzählt, die sich auf einem Roadtrip zu einem Freund des Vaters die Hörner abstoßen wollen. Michael Mendl als dänischer Freund Dorsday Uckhaus und Maren Kraus als lebenshungrige Elise gelingt es, den Zuschauer in die spannungsgeladene Situation des moralisch Verbotenen zu ziehen und ihn eine Stunde lang mitzureißen, immer in dem Wissen, dass diese Beziehung zwischen dem älteren Herren und der jugendlichen Elise nicht sein darf. Dabei ist Elise nicht das naive Mädchen, das in die Fänge eines Mannes gerät, der ein Stück seiner Jugend zurückbekommen will. Im Gegenteil. Elise weiß, was sie will und was sie haben kann. Und damit spielt sie Uckhaus immer schwindliger bis die Sitaution eskaliert.

Es steckt viel Potenzial in dem jungen Filmemacher Moritz Boll, das er mit ELISE zum wiederholten Mal unter Beweis stellt. Daher sollten wir uns in Schleswig-Holstein überlegen, wie wir talentierte und mutige Filmemacher wie ihn besser fördern, denn auch in diesen ambitionierten Projekt steckt mal wieder privates Geld. Der Film muss raus aus der Ecke des reinen Luxusgutes, für den dieses Bundesland ihn hält. Es ist ein Wirtschaftsfaktor, den sich eine Region wie Schleswig-Holstein durchaus leisten kann. Denn im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen kann Film seinen fruchtbaren Boden fast überall finden. Abhängig ist er nur von guten Stoffen und Menschen, die diese Projekte umsetzen. Und das können sie nicht dauerhaft durch Selbstausbeutung schaffen.

Hier geht es zum Interview mit Moritz Boll

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