Nachbericht: Musik im Film

Am 18. November trafen sich die Kieler Filmemacher in der Hansa 48, um über das Thema Filmmusik zu sprechen. Woher bekomme ich Musik? Wie hole ich mir die Rechte an Songs anderer Künstler? Wie arbeite ich als Regisseur mit einem Filmkomponisten zusammen, um das zu bekommen, was ich mir vorstelle? Den ganzen Bericht lest ihr hier.

Musik als Gestaltungsmittel im Film

Filmmusik wird in der Regel genutzt, um das Visuelle zu unterstützen und die emotionale Reaktion des Zuschauer in eine bestimmte Richtung zu lenken. Sie hilft dabei, das Gesehene besser zu verstehen oder intensiviert die emotionale Wahrnehmung des Zuschauers auf die Geschichte. Zudem kann sie eine dramaturgische Funktion einnehmen, indem sie zum Beispiel bestimmte Motive einzelnen Figuren im Film zuordnet, wie der „Imperial March“ (John Williams), der in Star Wars Bösewicht Darth Vader ankündigt. Zudem kann Musik die Atmosphäre eines Milieus miterzählen. Sie kann synchron zum Bild, aber auch asynchron arrangiert sein, so dass spürbare Spannungen zwischen Bild und Ton oder Verfremdungseffekte entstehen. Die Musik selbst kann auch zum unabhängigen Kommentator des Bildes werden oder den Zuschauer in die Irre führen, um einen humoristischen Effekt zu erzeugen.


Regisseure sollten sich also genau überlegen, wie sie Musik in ihren Filmen einsetzen wollen, bevor sie in den Dialog mit einem Komponisten treten oder sich auf die Suche nach einem passenden Sound im Internet machen. Zudem sollten sie sich die Frage stellen, ob Musik überhaupt eingesetzt werden muss oder ob die Bilder nicht alleine tragen. Ein inflationärer Gebrauch von Musik, wie er u.a. bei Fernsehfilmen und Soaps zu finden ist, sollte in jedem Fall vermieden werden.

Woher bekomme ich meine Filmmusik?

Die Suche nach geeigneter Musik kann mühsam sein, denn leider lassen sich die Stimmungen, die man im Kopf hat, nicht bei Google eingeben. So ist man gezwungen sich durch Datenbanken wie Soundcloud oder Soundtaxi zu wühlen, um dort freie d.h. CC-lizensierte bzw. gemafreie Musik zu finden. Ein Tipp aus der Stammtisch-Runde ist es, Webradios zu nutzen. „Dort gibt man einen Song ein und bekommt dann ähnliche Songs angeboten, darunter viele unbekannte Stücke“, rät Filmemacher Johannes Karstens, der auf diese Weise die Songs für seinen Kurzfilm „Labyrinth“ (2014) gefunden hat. Natürlich können die Lieder nicht einfach verwendet werden. Karstens schrieb die Musiker an und in allen Fällen willigten sie in eine kostenlose Verwendung ein, da es sich um eine nichtkommerzielle Produktion handelte.


Wer jedoch genaue Vorstellungen für seine Musik hat, für den kommt fertige Musik nicht in Frage. Hier können befreundete Musiker helfen, wie Kaweh Kordouni erklärt. „Bei meinem Kurzfilmen arbeite ich mit Pierre Schmalfeldt und Henrik Lungagnini zusammen, denn sie wissen, was ich möchte“, so der Iraner. Die Musiker hatten zuletzt den Soundtrack von „An diesem Sonntag“ komponiert, ein Kurzfilm, der jüngst auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck zu sehen war. „Musiker haben eine gewisse Vorprägung. Der eine spielt Bass, der andere Saxophon. Einer mag klassische Arrangements auf dem Klavier, der andere Jazz, das alles fließt meist in die Ideenfindung für einen Soundtrack ein“, ergänzt Henrik Lungagnini.


Einen ganz anderen Weg beschritt Jackie Gillies. Sie holte für ihren neuen SciFi-Kurzfilm „A Strange Place Called Earth“ (D, 2014) den bekannten Filmkomponisten Max Berghaus ins Boot, der für Kinofilme wie „Barfuß“ (Schweiger, D 2005) den Soundtrack geschrieben hatte. Er hatte spontan Lust und Zeit die junge Filmemacherin zu unterstützen. Herausgekommen ist ein überaus sehenswertes Werk, das aufgrund von Festivaleinreichungen bisher nur die Filmcrew sehen durfte. Dieser Weg ist jedoch nicht für jeden geeignet, da er ein gewisses Budget fordert. „Zudem hängt es vom Kurzfilm-Projekt ab und ob der Komponist gerade Zeit dazu hat. In meinem Fall hatte ich Glück“, so die Filmemacherin.

Wie arbeite ich mit einem Komponisten zusammen?

Wer Filme macht, kennt sich oft nicht mit dem musikalischen Vokabular aus, was die Zusammenarbeit zuweilen schwierig machen kann. Hier müssen Regisseur und Komponist einen Weg finden, miteinander zu kommunizieren. Hilfreich ist es, dem Musiker ähnliche Lieder vorzustellen. Das allein reicht aber nicht. Es sollte auch geklärt werden, wie die Musik den Film unterstützen und begleiten soll. Manchmal kann ein Beispiellied sogar dazu führen, dass sich Regie oder Komponist zu sehr darauf versteifen und kreative Einlassungen damit unterbinden. Daher kann es sinnvoll sein nur über Stimmungen, dramaturgische Funktionen und Musikrichtungen zu sprechen. Es sollte also viel miteinander geredet werden. Filmemacher fahren gut damit, sich intensiv mit der Funktionsweise von Musik im Film zu beschäftigen, um ihre eigenen Vorstellungen zu konkretisieren. Auch die Aneignung eines musikalischen Grundvokabulars kann viele Missverständnisse verhindern.


Der nächste Kieler Filmemacher Stammtisch findet am 16. Dezember um 19:30 Uhr im Studio Filmtheater am Dreiecksplatz statt. Wir freuen uns über neue und alte Gesichter.

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