„Zeile für Zeile“ | Interview mit den Filmemachern

Viola Rusche und Hauke Harder stellten auf dem Filmfest Schleswig-Hostein ein faszinierendes Portrait des Komponisten Ernstalbrecht Stiebler vor. Das Interview mit Felix Zimmer und die Rezension könnt ihr hier nachlesen.

Felix Zimmer
Das Stück, das wir gehört haben: War das 12-Ton-Musik, 4-Ton-Musik oder 2-Ton-Musik?

Hauke Harder
Gezählt habe ich die Tonhöhen nicht, aber im Wesentlichen geht es im Film um Tonintervalle und das Prinzip der Reduktion und der Wiederholung. Hier handelt es sich um reduziertes Material, das umspielt wird. In diesem Fall Quaten, die viel umspielt werden.

Zimmer
Das Spiel ist für nur ein Cello geschrieben worden? Nein, oder?

Harder
Das Stück ist eigentlich für drei Celli geschrieben, aber es wird meistens mit einem Cello und einem Zuspielband gespielt. Hier kommen zwei Cellostimmen vom Band.

Viola Rusche

Viola Rusche
Ja, die Cellistin hat alle Spuren selbst eingespielt und sie spielt sozusagen mit sich selbst.

Zimmer
Das ist also so ein Loopgerät.

Harder
Nein, das ist kein Loopgerät. Solche Stücke macht er auch, aber in diesem Fall sind die zwei Stimmen schon vorproduziert und sie spielt die dritte Stimme live.

Zimmer
Der Komponist heißt Ernstalbrecht Stiebler. Kann man sagen, dass er für neue Musik steht?

Zeile für Zeile

Rusche
Ja, auch. Musik ist ja ein riesiger Begriff, auch die neue Musik unterteilt sich nochmal in verschiedene Bereiche. Er macht Musik wie wir sie heute im Film gehört haben.

Zimmer
Wie kam es zu der Idee über ihn einen Film zu machen?

Harder
Ich bin mit Ernstalbrecht seit 1988 befreundet und wir beide vertreten einen ähnlichen musikalischen Stil. Damit sind wir in Deutschland mit unserer Musik eher abseitig. Da fand ich es zu seinem 80sten Geburtstag lohnenswert, einen Film über ihn zu machen.

Zimmer
Also hat er sich zum 80sten Geburtstag eine Kahnfahrt gewünscht?

Rusche
Nein, die hat er schon zum 70sten bekommen. Das ist auch nicht direkt ein Geburtstagsfilm. Wir machen gerade eine Reihe von Komponisten-Portraits. Zum Beispiel haben wir auch einen über einen amerikanischen Komponisten gedreht.

Zimmer
Wie heißt der?

Rusche
Alvin Lucier. Der Film wurde hier auch aufgeführt, vor zwei Jahren. Und jetzt dieser und dann gibt es noch einen dritten Film über einen japanischen Komponisten. Wir wollen die Zuschauer in Welten eintauchen lassen, die man sonst nicht sieht oder hört. Für das Fernsehen ist es meist zu speziell und deshalb ist es super, dass die Filmförderung so etwas fördert, denn das sind Geschichten, die eher am Rand stehen und besonders sind. Genau dafür ist Filmförderung da.

Zimmer
Und wo wird solche Musik aufgeführt? Eher in einem großen Konzertsaal mit einer Philharmonie oder als Kammerkonzert?

Harder
Das hängt vom Veranstalter ab. Ich hab auch selbst zehn Jahre eine Konzertreihe gemacht, zum Beispiel in der Stadtgalerie. Natürlich wird so etwas eher nicht in großen Sälen aufgeführt, das sind eher kleine Sälen. Aber auch das ist grundsätzlich denkbar.

Hier geht es zur Rezension von „Zeile für Zeile“ auf infomedia-sh.org

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