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Ein Boot, drei Menschen, eine Geschichte – Sebastian Husak über seinen neuen Kurzfilm

Sebastian Husak zog von Norddeutschland nach München, um an der Hochschule für Fernsehen und Film Regie zu studieren. Mit „Aus deinen Händen“ gewann er 2014 zusammen mit Hannes Lieschke den Nachwuchspreis des Jugendfilmfest Schleswig-Holstein. Nun kehrte er für ein Studienprojekt nach Neustadt in Holstein zurück.

Das Interview führte Jessica Dahlke

Hallo Sebastian, du hast gerade einen Studienfilm für die HFF München in Neustadt in Holstein abgedreht. Worum geht es bei deinem Projekt?

In meinem Film geht es um die ehemals besten Freunde Max und Jonas, die früher jeden Sommer auf dem Boot von Max’ Eltern verbracht haben. Irgendwann haben die beiden sich aus den Augen verloren und der Kontakt ist abgebrochen. Jetzt treffen sie sich mit Jonas‘ Freundin Nora auf dem alten Boot wieder und jeder kommt in dieser Dreierkonstellation mit einer anderen Erwartungshaltung an diesen Ort der Jugend und der Erinnerungen zurück – das ist die Ausgangssituation.

 

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Wie kam es dazu, dass du dich für einen Drehort in Schleswig-Holstein entschieden hast?

Gedreht haben wir auf einem Boot am Hafen ANCORA MARINA in Neustadt in Holstein, das den Eltern einer ehemaligen Schulkameradin von mir gehört. Ich komme ja selbst aus der Gegend und tatsächlich haben wir früher in der fünften oder sechsten Klasse mal einen Schulausflug zu dem Boot gemacht – damals war ich das erste Mal an diesem Ort. Irgendwann in der Oberstufenzeit war ich dann wieder dort, und seitdem ließ mich der Gedanke nicht mehr los, auf diesem Boot einen Film zu drehen. Am größten Yachthafen der Ostsee fällt der alte Kutter mit seiner hölzernen 60er Jahre Inneneinrichtung und der schweren, etwas in die Jahre gekommenen Metall-Außenhülle unter den modernen Yachten komplett heraus, was ich damals schon interessant fand. Schon für meinen ersten Film an der HFF München wollte ich ursprünglich auf diesem Boot drehen, aber damals war das für einen ersten Film viel zu groß und aufwendig und mir wurde geraten, mir die Idee für einen späteren Film aufzuheben. Das habe ich gemacht und meinen Boot-Film nun endlich realisiert.

 

Du selbst bist von Norddeutschland nach Bayern umgezogen, was bedeutet es für einen jungen Menschen alles hinter sich zu lassen?

Ich glaube damit geht jeder anders um. Für das Studium sein Umfeld komplett zu wechseln, ist ja nichts Außergewöhnliches. Ich würde auch gar nicht sagen, dass ich „alles hinter mir gelassen“ habe, denn ich bin ja hin und wieder immer noch im Norden und habe auch noch regelmäßigen Kontakt mit alten Freunden und Bekannten. Auch der Wechsel nach München ist mir nach einer kleinen Eingewöhnungsphase relativ leicht gefallen. In meinem Film geht es um eine Figur, die diesen Absprung – das Loslösen von Orten und Freunden der Jugendzeit – nicht geschafft hat und sich in die alte vergangene Zeit zurücksehnt.

 

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Du hast ein großes Talent darin, die menschlichen Katastrophen deiner Figuren in einer eindringlichen Stille zu inszenieren, die den Zuschauer ganz dicht an den Menschen heranführt. Wie gehst du bei der Inszenierung und der Arbeit mit den Schauspieler*innen vor, um diese Eindringlichkeit zu erreichen?

Ich freue mich, dass du diesen Eindruck gewonnen hast. Meistens kommen mir Ideen für Filme durch Fragen, die mich deshalb beschäftigen, weil ich selbst noch keine Antworten darauf habe. Die äußere Handlung des Films kommt dann meistens erst dazu, wenn ich eine Figur gefunden habe, die ebenfalls auf der Suche nach einer Antwort ist. Die Drehbücher – genau wie dieses, das ich zusammen mit meinem Kommilitonen Daniel Thomé entwickelt habe, entstehen dann meistens aus der Hauptfigur heraus.

Die Besonderheit bei der Inszenierung dieses Films war allerdings, dass sich im Drehbuch keine ausformulierten Dialoge finden, sondern die Schauspieler diese während des Drehs improvisiert haben. Ich habe mit den drei Schauspielern Leonard Scheicher, Mala Emde und Vincent Redetzki vor dem Dreh sehr intensiv über das Drehbuch und vor allem über die Figuren und deren Beziehung und Dynamik untereinander gesprochen und vor der Ankunft des restlichen Teams ein paar Tage mit den Schauspielern auf dem Boot verbracht, wodurch wir uns gemeinsam den Figuren angenähert und die Schauspieler sich diese ein Stück weit zu Eigen machen konnten.

 

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Was unterscheidet die Drehbedingungen auf dem Land von Schleswig-Holstein zu denen einer Großstadt wie München?

Wir haben ja an und auf der Ostsee gedreht – etwas ähnlich Passendes hätten wir in der Nähe Münchens einfach nicht finden können. Es gab in der Entwicklung des Projekts auch immer wieder Vorschläge, doch einfach an einem bayerischen See mit einem anderen Boot zu drehen, um nicht den Aufwand auf uns nehmen zu müssen, mit komplettem Team und Equipment fast 900km weit in den Norden zu fahren. Aber das wäre einfach nicht das Gleiche gewesen, und ich bin froh, dass wir uns dagegen entscheiden haben.

Die Dichte an Equipment-Verleihen ist in München natürlich höher. Als bei uns mal ein Satz Akkus den Geist aufgegeben hat, konnte unser Producer Daniel Kunz allerdings über einen Facebook-Aufruf schnell Ersatz finden. Die sehr aktive und breit aufgestellte Filmszene Schleswig-Holstein hat uns damit den Drehtag gerettet.

 

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Bilder: ©Rebecca Hoeft

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