Ich habe KIEL zu erzählen – eine Kieler Kindheit in den 30er und 40er Jahren

Noch bis Ende März zeigt das Kino in der Pumpe den Dokumentarfilm „Ich habe KIEL zu erzählen“ von Gerald Grote und Oliver Boczek. Der Film zeigt die Kindheit von Dieter Schultz, der in den 30er und 40er Jahren in Kiel aufwuchs. 50 Minuten lang wird der Zuschauer gefesselt, von einer Kindheit im Krieg und dem Wandel einer Stadt an der Förde.

Bericht von Merle Dölle

Ich ergattere einen der letzten Plätze im Kinosaal der Pumpe. Der Film findet großen Andrang, fast alle Vorstellungen waren im Vorfeld ausverkauft. Daher wurde er aufgrund der hohen Nachfrage sogar zum zweiten Mal ins Programm aufgenommen. Umso gespannter bin ich also auf das Spektakel auf der Leinwand. Das Publikum an diesem Abend ist geprägt von Zuschauern der älteren Generation. Jene, von der auch der Film erzählt.  Und so begeben wir uns gemeinsam auf eine Zeitreise in die Vergangenheit.

Kindheit aus den Augen eines Vaters

1936 kauft sich der Zahnarzt Rudolf Schultz eine Filmkamera, um das Aufwachsen seines Sohnes Dieter in bewegten Bildern festzuhalten. Damals noch in schwarz-weiß, aber in erstaunlich guter Qualität. Dieter beim Spielen im Garten, Dieter beim Spielen mit Freunden und Dieter auf dem Fahrrad. Schnell wird klar, der Mann hat Talent und fühlt sich hinter der Kamera sichtlich wohl. Manche Szenen bleiben somit auch nicht unkommentiert. So begleitet er von 1936 bis 1949 das Leben seiner Familie mit der Kamera.   

Porträt eines Alltags im Krieg

Nicht nur das Heranwachsen seines Sohnes wird von der Kamera festgehalten,  sondern ganz nebenbei auch der Geist der Kriegszeit. Die Unbeschwertheit und Zuversicht in der Zeit vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, in der die Familie Schultz ihren Sommer noch bedenkenlos am Strand in Schilksee verbringt. Dann der Schrecken des Krieges, als die Familie nach Bordesholm flieht und sich eine Existenz aufbaut, die auf Landwirtschaft beruht, um zu überleben. Sowie die Rückkehr nach Kiel, als der Krieg vorbei ist und langsam die Stadt wiederaufgebaut wird, wie wir Kiel bis heute kennen. Ergänzt werden die Aufnahmen mit Erzählungen des heute 83-jährigen Dieters, der sich noch gut an seine Kindheit und das „alte“ Kiel erinnert.

Eine Stadt im Wandel

„Denn nur eine Stadt mit frischer Brise kann die Herzen im Sturm erobern“, so heißt es im Film. Die Liebe des Kameramanns zu diesem Stück Land an der Förde wird deutlich spürbar. Segelregatten, das maritime Flair, sehenswerte Gebäude und unbekümmerte, fröhliche Gesichter. Bilder, an die sich wahrscheinlich nur noch unsere älteren Mitmenschen erinnern können. Oder wer erinnert sich noch an die Kieler Straßenbahn, wie sie geschmeidig und wie selbstverständlich durch das Panorama fuhr?   

In den Jahren vor dem Krieg war das Stadtbild jedoch auch geprägt von Hakenkreuz-Fahnen und später von massiver Zerstörung. Auf Ästhetik hat man beim Wiederaufbau jedoch weitestgehend verzichtet. Praktisch musste es sein. Diese Bauweise prägt unser Stadtbild bis heute. So erkennen auch die jüngeren Generationen einige Plätze oder Gebäude eindeutig wieder.

Ich bin ohne Erwartungen ins Kino der Pumpe gegangen. Gegangen bin ich jedoch mit interessanten sowie authentischen Eindrücken aus einer Zeit, die ich nur aus dem Geschichtsunterricht kenne.  Mit nach Hause nehme ich einen völlig neuen Blickwinkel auf eine Stadt, die ich von nun an mit ganz anderen Augen sehen werde.

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