Into the Waves II – Fünf Fragen an die Filmemacher

Bei der heutigen Kiel-Premiere von Into the Waves II zeigte Eike Köhler eindrucksvolle Bilder, die er gemeinsam mit Sebastian Höfer während einer malerischen und nicht ungefährlichen Kajakreise zum Polarkreis gedreht hat. Das eingespielte Kajakduo wird dafür im Studio Filmtheater vom vollbesetzen Saal mit lautem Applaus belohnt und beantwortet seinem Publikum zahlreiche Fragen – fünf davon kommen von Filmszene SH.

 

Das Interview führte Yorck Beese

Mit Into the Waves II dokumentiert ihr eure Kajakfahrt zum Polarkreis. Wie kamt ihr darauf, diesen strapaziösen Weg auf euch zu nehmen?

EK: Wir sind schon immer gern gen Norden gefahren. Zwei Touren nach Skandinavien hatten wir bereits hinter uns. Im ersten Teil von Into the Waves haben wir unsere Norwegenreise auch dokumentiert. Wir steigern uns jetzt immer weiter, was die Entfernung angeht. Es war also nicht nur eine schnelle Idee.

SH: Das stimmt, es war auch schon immer mein Wunsch, einmal an den Polarkreis zu fahren. Als nächstes müssten wir eigentlich mal von den Lofoten nach Russland fahren.

 

Es ist eine logistische Herausforderung eine solche Tour zu filmen, gerade wenn man nur zwei Kajaks zum Transport hat. Wieviel Filmequipment hattet ihr bei euch und wie lief der Dreh ab?

SH (lacht): Also erstmal muss man mit Eike natürlich geduldig sein. Aber im Ernst: Man muss sich schon absprechen, wann man wo eine Kamera aufstellt und drehen, wenn es geht. Viele unserer Aufnahmen konnten wir so problemlos umsetzen. Am Stadhavet aber ging das nicht, da waren der Wellengang und das Wetter zu extrem.

EK: Ja, da hätte auch keine Absprache mehr geholfen. Insgesamt hatten wir aber fünf Kameras dabei, darunter zwei GoPros, eine Spiegelreflexkamera und eine unverspiegelte Kamera. Du brauchst wasserdichte Mikrofone und natürlich kannst du nicht noch eine Klappe mitnehmen, wenn du ohnehin auf das Gesamtgewicht des Bootes achten musst. Etwas Humor muss man dann schon haben, wenn z.B. das Stativ mal wieder baden gegangen ist. Außerdem ist viel in der Nachbearbeitung zu tun, denn Wind und Wasser liefern unglaublich viele Störgeräusche.

 

Stadhavet ist ein gutes Stichwort. Ihr zeigt die gefährliche Passage bei starkem Wellengang. Wie würdet ihr dieses schwierige Gewässer beschreiben?

EK: Wenn man so wie ich auf der Förde gelernt hat mit dem Kajak zu fahren, dann scheint das Meer zuerst noch berechenbar. Aber wenn du erst einmal in andere Regionen und speziell in Stadhavet fährst, dann merkst du schnell, dass das Meer eine multiple Persönlichkeit hat. Stadhavet selbst ist dunkel. Dort zu Filmen ist so gut wie unmöglich und die Basstölpel fliegen über deinem Kopf wie finstere Götterboten. Das klingt jetzt vielleicht übertrieben mythisch, aber anders kann ich Stadhavet nicht charakterisieren.

SH: Ich sehe das ganz pragmatisch. Klar sind die Wellen höher, aber man lernt, damit klarzukommen. Du musst immer den Respekt vor der See behalten.

 

Euer Film dokumentiert eure Reise zum Polarkreis, aber ihr erzählt natürlich auch ein wenig eure Geschichte und zeigt auch euren Humor. Wie würdet ihr Into the Waves II als Dokumentation verorten?

EK: Eindeutig eine Sportdokumentation.

 

Eike, einer der beiden Vorfilme, der heute vor Into the Waves II aufgeführt wurde, zeigt deine Begegnung mit Fiete dem Delfin, der uns im vergangenen Jahr auf der Förde besuchte. Dabei nutzt du eine Technik, auf die der durchschnittliche Kameramann nur neidisch sein kann: Du filmst den Delfin während einer halben Eskimorolle, das heißt, du hast ihn kopfüber unter Wasser gefilmt – Wahnsinn!

EK: Jeder Kieler wusste natürlich von dem Delfin, das ging ja auch durch die Nachrichten und die sozialen Netzwerke. Ganz klar, dass da auch die Kajakfahrer neugierig werden. Wie in unserem Vorfilm zu sehen ist, habe ich Fiete dann auch tatsächlich auf der Förde angetroffen und mit etwas Geduld konnte ich mich genug annähern, um einige Eskimorollen zu wagen.

 

Auf Facebook tauchten bei Fietes Besuch ja auch mehrere Videos von Sichtungen auf, aber niemand ist dem Delfin so nahe gekommen wie du. Was empfiehlst du einem Kameramann, der diese Technik ebenfalls meistern will?

EK (lacht): Intensives Training!

 

Eike, jetzt zeigst du erstmal Into the Waves II. Wie kann man in Zukunft auf dem Laufenden bleiben?

EK: Meine Website ist www.eikefilm.com und auf www.baltic-surge.de (YouTube: Baltic Surge) kannst du unseren Trailer sehen. Auf diesen Websites bleibst du auf dem Laufenden – und kannst natürlich den ersten Into the Waves nachträglich ansehen …und natürlich die Eskimorolle nochmal studieren!

 

 

Nach Sichtung des Films hat unser Redakteur es sich nicht nehmen lassen, beim HDK Kiel eine Milieurecherche anzustellen und erste Trockenübungen für die Eskimorolle zu machen. Vielen Dank an die beiden Kajakfans Christian Wiesner und Fanny Krause, die bei dieser Gelegenheit einige Fotos für das Interview machten.

 

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