„Die Zeit, die uns bleibt“ – Das war die KielNET-Kurzfilmnacht 2014

Am 22. und 23. Oktober 2014 fand die siebte KielNet-Kurzfilmnacht im metro-Kino Kiel statt. Vor ausverkauftem Haus sahen die Zuschauer 10 Kurzfilme aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Der Sieger des Publikumspreises wird in den nächsten Wochen bekannt gegeben.

„Nach der ersten KielNet-Kurzfilmnacht waren die Zuschauer so emotionalisiert, dass sie nach Hause gegangen sind und Kinder gemacht haben.“ Inzwischen sind diese Kinder eingeschult, so Christoph Dobbitsch, der mit einer spritzigen Moderation durch den Abend führte. Wieder zeigte die Auswahl der Filme, wie rege die Filmszene in Kiel und Umgebung ist. Doch leider ist sie noch immer fast unsichtbar für viele potentielle Zuschauer, die wirklich Lust auf Kurzfilme haben. Das konnte die KielNet-Kurzfilmnacht ändern, denn im Gegensatz zu anderen Kurzfilm-Veranstaltungen in der Stadt fielen die vielen fremden Gesichter sofort ins Auge.

„Wind“ von Robert Löbel

Vorjahresgewinner Robert Löbel konnte leider nicht persönlich erscheinen, um seinen Preis für den beliebtesten Film entgegen zu nehmen. Stattdessen wurde er live per Skype nach Kiel projiziert und stellte sich den neugierigen Fragen des Moderators. Löbel hatte 2013 mit seinem Animationsfilm „Wind“ die Herzen der Zuschauer erobert. Die Idee zu seinem Abschlussfilm sei bei WG-Gesprächen entstanden. Nach der ersten Idee, es solle um Kulturanpassung und Systemkritik gehen, recherchierte Löbel weiter und produzierte schließlich einen Kurzfilm über Menschen, die sich an ihre windige Umgebung angepasst haben.

„Mopping“ und „Aground: Terra 9629“

Der „Nur-48-Stunden“ Wettbewerb ist eine Kieler Erfindung und inzwischen fester Bestandteil der schleswig-holsteinischen Filmszene. Ab diesem Jahr wird er auch in anderen Bundesländern ausgetragen. Dobbitsch lobte die zunehmende Qualität der Kurzfilme, die in nur 48 Stunden entstanden sind. Dazu gehören auch der Erst- und Zweitplatzierte des diesjährigen Wettbewerbs. Mit „Mopping“ setzten sich Filmemacher Torben Sachert und Oliver Ott ein musikalisches Denkmal. Kaweh Kordouni versuchte sich mit „Aground: Terra 9629“ zum ersten Mal an SciFi. Idee und Drehbuch entstanden in Zusammenarbeit mit Jackie Gillies, Jessica Dahlke, Kristin Danger, Martin Sprung und Pierre Schmalfeldt.

„Gangsterbraut“ von Jan Waßmuth

Der Wahlhamburger und ehemalige Kieler Jan Waßmuth zeigte seinen neuen Kurzfilm „Gangsterbraut“, den er zusammen mit seinem Team auf dem Hamburger Dom drehte. Der Film wurde von der Filmförderung HHSH, Filmwerkstatt Kiel gefördert. „Gangsterbraut“ erzählt die Geschichte eines jungen Schausteller-Paares. Sehr eindrücklich fotografiert erzählt Waßmuth eine tragische Geschichte, die leider an einigen Stellen seine Längen hat. Dennoch sehenswert.

„Es war einmal im Winter“ von Friedrich Tiedtke

Der erste Film von Friedrich Tiedtke wurde sofort zum Festival-Hit. Eine Seltenheit auf dem hart umkämpften Festival-Markt, der vor allem von Filmstudenten dominiert wird. Die Geschichte beschäftigt sich mit dem erdrückenden Gefühl der Schuld. Für einen 18-Jährigen wirkt der Film sehr reif, auch wenn man ihm vorwerfen kann, dass er von Anfang an mit dem Grabtuch erzählt.

„From Dad to Son“

Interessant für Animations-Fans war der Überraschungsfilm. Die mit Papier gefaltete Story erzählt auf liebevolle Weise von der Beziehung eines inhaftierten Sohnes zu seinem Vater.

„Ente und Anfang“ von Friederike Hoppe

Angenagelte Kuscheltiere an der Wand. Politisch herrlich unkorrekt ist dieser Kurzfilm von „Ente und Anfang“ und löste ausgelassenes Gelächter an diesem Abend aus.

„Testfahrer“ von Florian Arndt (Gastfilm)

Noch besser trifft jedoch diese Kurzdoku den Ton. Begleitet wird ein Rollifahrer, der mit seiner sympathischen Art die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert und offen sowohl über seine Kugelschreibersammlung als auch über den Tod philosophiert. Großartig!

„Nie Solo Sein“ von Jan Schomburg

Wenn Filme rückwärts abgespielt werden, dann sieht das lustig aus. Doch genial ist es, die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der im Gegensatz zu allen anderen vorwärts läuft und zu verdursten droht. Wäre da nicht eine junge Frau, die ihm Abhilfe verschaffen kann. Ein Kneipenidee, aus der etwas Ordentliches geworden ist.

„Peters Prinzip“ von Jim Lacy und Kathrin Albers

Womit lässt sich ein schnödes politisches Thema wie die Kapitalismuskritik besser erzählen, als mit einer Fabel. Knallbunt und humorvoll kommt „Peters Prinzip“ daher.

Ob es eine weitere KielNet-Kurzfilmnacht 2015 geben wird, steht noch in den Sternen. Es wäre zu hoffen, denn die beiden Abende waren mehr als gelungen.

Bericht und Bilder: Jessica Dahlke

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