Refugees – Kinder auf der Flucht (D 2016)

Sören Wendts 2016 erschienener 2-D Animationsfilm, der im März auf dem Filmfest Schleswig-Holstein lief, gibt einen seltenen Einblick in das Innenleben geflüchteter Kinder. Der Film entstand in Zusammenarbeit mit drei geflüchteten Minderjährigen in der Flüchtlingsambulanz im UK-Eppendorf. Die Protagonisten des Dokumentarfilms nehmen dort an einer Kunsttherapie teil, um ihre auf der Flucht und davor gemachten Erfahrungen zu verarbeiten.

 

Ein Bericht von Jascha Bürki

Zeichnungen geben Anonymität und zugleich große Nähe

Die in dieser Therapie entstandenen Zeichnungen bilden die Grundlage der 2D-Animationen des Films. So schafft er eine große Intimität zwischen dem Zuschauer und den geschilderten Geschichten der drei Kinder. Um die Anonymität der Geflüchteten zu wahren, haben sie sich für den Film selbst Spitznamen gegeben.

 

Die Flucht aus der Sicht der Kinder

Die erste Fluchtgeschichte ist die der sechsjährigen Butterfly, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter vor der sozialen Ächtung im Iran geflohen ist. Ihre 2-jährige Flucht führte über die Türkei und das Mittelmeer nach Europa. Insbesondere die Schilderung der zwei gescheiterten Versuche, mit dem Boot nach Italien zu kommen, gibt einen beklemmenden Einblick in die Realität junger Geflüchteter. Und auch die Schilderung ihrer psychischen Probleme und ihres selbstverletzenden Verhaltens, seit der Ankunft in Hamburg, gewähren eine intime Perspektive auf die Probleme vieler in Deutschland ankommender Menschen. Der Film zeigt, was alles bewältigt werden muss, um eine erfolgreiche Integration zu ermöglichen.

Als zweites erzählt der mit 13 Jahren geflüchtete Camel die Geschichte seiner vierjährigen Odyssee von Afghanistan nach Deutschland. Um der erzwungenen Radikalisierung zu entgehen, wurde er von seinen Eltern alleine auf den Weg nach Europa geschickt, um dort seine Schwester zu treffen.

Die letzte Episode schildert den Weg des 14 Jahre alten 50 Cent von Guinea nach Deutschland. Er machte sich mit 13 Jahren auf den Weg nach Europa, um den Unruhen in seinem Heimatland zu entkommen.

 

Distanz und Fokus auf die Subjektive der Kinder

Der Film erreicht sowohl durch die Verwendung der Arbeiten der drei Kinder, als durch die Tatsache, dass zumindest Camel und 50 Cent ihre Geschichten selbst erzählen, eine große Nähe zwischen dem Zuschauer und den Erzählungen der Protagonisten.
Hierbei gibt sich der Film große Mühe, keine Wertung in die Erzählungen einfließen zu lassen. Natürlich sind es subjektiv gefärbte Berichte der Geflüchteten. Diese Subjektivität spiegelt jedoch gerade die empfundene Realität der in Deutschland Angekommenen wieder.

 

Film als Unterrichtsmaterial

Die subjektive Erzählhaltung bildet auch eine gute Grundlage für die pädagogische Weiterverarbeitung im Unterricht, für die der Film gemacht ist. Gerade hier kann er als Anregung für eine weiterführende Diskussion und als Grundlage für weitere Ausarbeitungen zu diversen Themen, wie etwa den jeweiligen Fluchtursachen, der Europäischen Flüchtlingspolitik oder den Herausforderungen der Integrationspolitik dienen.

Weitere Infos, auch zu den unterschiedlichen Lizenzen für eine Pädagogische Weiterverarbeitung, gibt es auf http://www.studiorakete.de/project/3-refugees/

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