Filme als kultureller Auftrag: Das Kino in der Pumpe

Mit dem Kinopreis SH würdigt das Land Schleswig-Holstein kulturell wertvolle Arbeit. Die Preisträger vom Kino in der Pumpe sprechen mit Filmszene SH über Programmarbeit, den kulturellen Auftrag des Kinos und das Verhältnis des Kinos zu Netfflix und anderen Streaming-Diensten. Im ersten Teil dieser Interviewserie sprechen Eckhard Pabst, Zara Zerbe und Kirsten Geißelbrecht über das Programmjahr 2016 und ihre Highlights.

 

Das Interview führte Yorck Beese

Das Kino in der Pumpe hat kürzlich für das Programmjahr 2016 den Kinopreis SH gewonnen. Das Wichtigste natürlich zuerst: Gratulation zum Gewinn des Kinopreises! Als kommunales Kino seid ihr in der Kategorie nichtkommerzielles Kino angetreten und nun ist es urkundlich: Euer Filmprogramm ist hervorragend. Was verbindet ihr mit dem Gewinn des Kinopreises SH?

Pabst: Der Kinopreis würdigt die Programmarbeit eines Kinos und trägt dazu bei, ihm mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu verschaffen. Das Marktgeschehen funktioniert nämlich so, dass Filmverleiher ihre Filme zu bestimmten Terminen veröffentlichen und so für ein breites Publikum sorgen. Die Kinoprogrammarbeit beginnt dann, wenn man eine Auswahl treffen oder eine Beschränkung machen muss. Das heißt, man muss durch Kombination, Anreicherung oder Kontextualisierung das Programm gestalten bzw. mitgestalten. Wir schaffen einen Mehrwert zu den Filmen, die wir ins Programm nehmen. Und die Überlegung des Ministeriums für Justiz, Kultur und Europa war es, das Augenmerk darauf zu lenken, dass Kinos genau so etwas machen können oder eben nicht: Programmarbeit.

Zerbe: Das war schon eine tolle Wertschätzung. Wir sitzen ja hier und zerbrechen uns den Kopf darüber, was wir für ein Programm anbieten können. Und wenn man dann so eine Wertschätzung bekommt, das ist schon toll. (scherzt) Außerdem waren die Schnittchen bei der Verleihung sehr gut…

 


Das Team des Kinos in der Pumpe: Eckhard Pabst, Zara Zerbe, Kerstin Geißelbrecht (v.l.n.r.; Foto: Yorck Beese)

 

2016 ist nicht das erste Programmjahr, für das das Kino in der Pumpe mit dem Kinopreis SH ausgezeichnet wurde. Damit nicht genug: Ihr habt in diesem Jahr den ungeteilten Kinopreis gewonnen. Was zeichnet euer Kino vor anderen nichtkommerziellen Kinos aus?

Pabst: Ich würde gerne zunächst auf den Begriff „nicht kommerziell“ eingehen: Wir sind genauso kommerziell wie andere Kinos. Was den Verleih angeht, unterliegen wir den gleichen Regeln wie die Mainstreamkinos. Der Unterschied ist: Wir müssen Lohneinkünfte nicht erwirtschaften. Wir haben in der Pumpe neun Angestellte und mein Team und ich sind Angestellte des Vereins im Bereich Kino. Das heißt, unser Lohnniveau ist nicht vom Gewinn abhängig – nur den Verleih interessiert das nicht. Der Verleih gibt uns einen Film nach den gleichen Regeln, die auch für die großen kommerziellen Kinos gelten. Es gibt Verleiher, die ihre Filme gezielt zu uns bringen. Da wird aber genauso hart verhandelt: Wir müssen vereinbaren, ob ein Film nur einmal gezeigt wird, oder an drei bestimmten Tagen in der Woche, zu welchen Zeiten er gespielt wird und wenn er dann gut spielt, möchte der Verleiher gerne eine Verlängerung. Unser Kino verlängert Filme nicht, weil bei unserem Programm eine Verlängerung nicht planbar ist.

Zerbe: …und es würde auch nicht zu unserem Programm passen. Wir gehen das deutlich anders an.

 

Das heißt, die Programmarbeit hat bei euch Vorrang?

Pabst: Die Standardsituation ist diese: Wir bekommen einen neuen Film angeboten, z.B. den neuen Valeska Griesebach, und wir müssen ihn zwei Wochen lang spielen. Wenn dann aber z.B. ein Stummfilmfest ansteht, dann kann ich nicht verlängern. Eine Verlängerung ist da unrealistisch.

 

2016 war auch das Jahr, in dem das Team der Pumpe gewachsen ist. Zara und Kirsten, wie habt ihr euch eingelebt?

Zerbe: Das größte Problem, wenn man seine Masterarbeit gerade abgeschlossen hat und in einem Kino arbeitet, ist, dass dann Leute kommen und sagen „Guck mal, eine Geisteswissenschaftlerin, die Popcorn an der Kasse verkaufen muss“. Es kann abenteuerlich sein, Leuten zu vermitteln, dass es halt ein richtiger Job ist. Alltägliche Aufgaben gehören genauso dazu, wie die anspruchsvolleren Aufgaben der Programmarbeit. Im Endeffekt macht der Job aber in jedem Fall sehr viel Spaß.

Geißelbrecht: Für mich war diese Stelle aus anderen Gründen sehr reizvoll. Ich arbeite schon seit 16 Jahren in der Organisation der SchulKinoWoche Schleswig-Holstein. Unsere Aufgabe dort war es, den Kinoraum für Jugendliche wieder erfahrbar zu machen, also vor allem Schülern das Kino näherzubringen. Durch die Perspektive des Kinos gewinne ich jetzt sozusagen den Blick auf die andere Seite hinzu.

 

Die persönlichen Highlights des Teams 2016

Mit dem Kinopreis SH wird die Gestaltung einer lebendigen Kinolandschaft gewürdigt. Das Programm eures Kinos war im Jahr 2016 dementsprechend breit gefächert. Da gab es neben einem interessanten Programm auch Kooperationen mit verschiedenen Interessensgruppen aus Kiel, u.a. die Reihe „Propaganda. Das Kino der NS-Zeit“, die sehr erfolgreich war. Was waren im Nachhinein eure persönlichen Highlights?

Pabst (lacht): Mein Problem ist, dass ich es immer so schnell vergesse. Aber im Ernst: Die „Propaganda-Reihe“, die in Kooperation der CAU Kiel entstanden ist, war wirklich ein Highlight. Da kam so viel Support, so viel Unterstützung von den Studenten, das war wirklich beglückend. Es gab zu jedem Film eine Einführung, in die jedes Mal viel Arbeit gegangen ist. Das Publikum war interessiert, bewegt und zugleich entsetzt über den aufpeitschenden Schund auf der Leinwand. Und die Diskussionen mit dem Publikum im Anschluss waren ebenso offen wie aufschlussreich.

 


Großes Programm im kleinen Kino: Die Filmreihe „Propaganda. Das Kino der NS-Zeit“ (Foto: Christina Srebalus)

 

Pabst: Ganz toll war auch der Estnische Filmabend. Da hatte uns vor drei oder vier Jahren eine Gruppe angesprochen, die mit estnischen Filmemachern eine Tour durch Norddeutschland machten. Im zweiten Jahr haben sie hier angefragt und inzwischen kann man richtig zugucken, wie dieses kleine aber feine Filmfest wächst. Die Filme sind natürlich „skandinavisch“, also schon ein wenig düster und da wird auch mal gestorben…

 

…auch ein wenig Bergman-esk?

Pabst: Mehr so wie, sagen wir, Aki Kaurismäki vermischt mit poststalinistischem rumänischen Kino …

Zerbe: …oder Kaurismäki mit einer poststalinistischen Depression.

Pabst (lacht): Auch das! Und zu diesem Festival kommen so viele verschiedene Leute, dass da natürlich auch die landesüblichen Getränke gereicht werden.

Geißelbrecht: Den Dokumentarfilmsommer nicht zu vergessen!

Pabst: Absolut. Die großen Kinos haben den großen Sommerfilm, also Disney-Pixar & Co., wir haben den Dokumentarfilmsommer. Ich bin euphorisch, wenn ich daran denke. Man muss es natürlich in Relation sehen: Wir haben zwar nur eine vergleichsweise kleine Anzahl an Sitzplätzen, aber der Dokumentarfilmsommer war gut besucht – deutlich besser als die übliche Sommerkomödie. Und was noch ein Highlight war: Die Einweihung unseres Flügels. Mit Werner Loll konnten wir einen erfahrenen Mann für die Tasten gewinnen. Genauso wie Willem Strank, unser junger „Hauspianist“. Dieses Jahr noch werden wir ein ganzes Stummfilmwochenende machen. Da zeigen wir einige besondere Schätze wie zum Beispiel Dziga Vertovs DER MANN MIT DER KAMERA, um nur einen zu nennen.

 


Als die Pumpe ihren Flügel erhielt, war auch ein eifriger Filmemacher dabei, um das Geschehen zu dokumentieren (Quelle: YouTube, Fabian Leptien)

 

Der zweite Teil dieses Interviews erscheint wie gewohnt bald auf Filmszene SH. Dann sprechen Eckhard Pabst und sein Team über die Arbeit mit regionalen Filmemachern und die Idee des Kommunalen Kinos.

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