Bens Kolumne: Ode an das amerikanische Mainstream-Kino – insbesondere an Star Wars

Hollywood ist und bleibt in der Welt des Films das Maß aller Dinge, und Hollywoods besonderer Repräsentant, der Oscar, ist der mit Abstand wichtigste Filmpreis. Eine Erörterung der Frage, welche Kategorien von „wichtig“ hier gemeint sein mögen, können wir uns schlichtweg schenken. Auch Überlegungen zu Hollywoods himmelschreiender Eitelkeit und Selbstbezogenheit wären hier geradezu Zeitverschwendung. Filmkünstler aus aller Welt, aus allen Jahrzehnten könnten wir – mal mehr, mal weniger bewundernd – aufzählen und die Wucht ihrer vereinten Schaffenskraft ins Feld führen. Wir könnten all das tun und noch viel mehr, wir würden die Eingangsthese letzthin mit all diesen Versuchen, sie zu relativieren, nur bekräftigen.

Von Benjamin Bräuer

Oscar vs. Deutscher Filmpreis – Noch Fragen?

Als Christoph Waltz („Inglourious Basterds“, „Django Unchained“, „James Bond 007 – Spectre“) einmal auf seinen späten Ruhm in Hollywood angesprochen wurde, sagte er sinngemäß, jeder Schauspieler in der deutschen Filmlandschaft wünsche sich doch insgeheim, nach Hollywood zu gehen. Wer diesen Wunsch leugne, mache sich etwas vor. Christoph Waltz ist zweifacher Grimme-Preisträger, hat den Deutschen Filmpreis und den Bambi gewonnen. Man könnte also sagen, er weiß wovon er spricht, wenn er Hollywood und Deutschland (und den Rest der Filmwelt) miteinander vergleicht. Warum nur, fragen wir uns vielleicht, bricht er keine Lanze für den deutschen und den internationalen Film? Ist überall sonst denn nicht viel mehr Niveau und wahre Filmkunst zu finden, als im „total verkitschten“ Hollywood? Bedeuten Christoph Waltz seine zwei Oscars und sein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame denn wirklich mehr als… Ja! Ja! Ja! Und noch mal ja! Selbstverständlich tun sie das! Als einer, der sich auskennen muss, sagt er uns gewissermaßen: „Leute, es ist Hollywood! Noch Fragen?“

Die dunkle Seite Hollywoods

Nein, Hollywood ist nicht perfekt. Natürlich nicht. Es hat leicht auszumachende Schwächen. Zum Beispiel wiederholt es sich ja bisweilen gern und bedient sich immer wieder vermeintlich (?) bewährter Schablonen. Nein, nicht jeder mag Hollywood, und nicht jeder muss es mögen. Zu Recht kann man es sicherlich sogar für vieles verachten.

Star Wars: die helle Seite

Hollywood ist aber auch eines: Star Wars. Star Wars vereint alles, was Hollywood über ein gutes Jahrhundert hinweg groß gemacht hat, und hebt dieses ‚Alles‘ sogar auf ein ganz eigenes Niveau. Star Wars ist mehr als eine der erfolgreichsten und populärsten Filmreihen Hollywoods. Es ist ein kultureller – teilweise auch interkultureller – Fixpunkt, der Werten, die als solche immer seltener ernsthaft verhandelt oder gar vertreten werden, auf geradezu magische Weise erfahrbare Größe verleiht.

Erfolgsgeheimnisse von Star Wars

Star Wars kommt im Gewand einer schlichten klassisch-romantischen Abenteuergeschichte daher, verlegt in die Weiten einer von unzähligen Fantasiewesen bevölkerten Galaxis. Ist Star Wars daher einfach nur beliebige Fantasie? Nein. Anhand von Dingen, die es nur in der Fantasie gibt, zeigt es uns nämlich Dinge, die es wirklich gibt, und zwar – und das ist das Magische – in ihrer wahren inspirierenden Schönheit. Das ist eines der Geheimnisse von Star Wars, einer der wichtigsten Gründe, warum Star Wars nun schon über Generationen hinweg so phänomenal erfolgreich ist. Anhand einer anderen Welt zeigt Star Wars uns das Potenzial unserer eigenen Welt, und das so überzeugend, dass wir wie verzaubert sind und wieder – solange, bis die vermeintlich wirkliche Realität uns wieder von sich überzeugt hat – mit reinen Kinderaugen sehen. Star Wars hat nicht zuletzt auch einen philosophischen und theologischen Tiefgang, der bei dieser Art Film einzigartig ist. Blockbuster um Blockbuster versucht dies nachzuahmen. Im Wesentlichen vergebens. Star Wars bleibt gerade auch in dieser Hinsicht unerreicht. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis der Saga. Vollendet wird der inspirierende Kern dieser modernen und zugleich eben klassischen Märchengeschichte von der technischen Brillanz in nahezu allen Produktionsbereichen, vorne weg den Visual Effects, dem Ton, dem Produktionsdesign und natürlich der grandiosen Musik. Star Wars ist unendlich viel mehr als Popcorn und Unterhaltung. Es funktioniert so gut, weil es eben AUCH und zuallererst Popcorn und Unterhaltung auf höchstem Niveau ist. Es ist mehr als nur eine Filmreihe, zu Recht ein Phänomen. Star Wars ist ein Wunder der Kinomagie.

Ein universeller Grundsatz – auch für das Filmemachen

Generationen von Filmemachern träumen davon, einmal etwas Derartiges erschaffen zu können. Die vielen, die daran letztlich scheitern, mögen sagen: „Es ist unmöglich, so etwas zu wiederholen. Die Aufgabe ist zu groß, zu schwierig.“ Wie Luke Skywalker in Episode V mögen wir bisweilen sagen: „Das glaub ich einfach nicht.“ Yodas weise Entgegnung: „Darum versagst du.“ Star Wars erinnert uns daran, dass vieles von dem, was wir für unmöglich halten, in Wirklichkeit möglich ist. Dieser universelle Grundsatz gilt auch für das Filmemachen. Star Wars selbst ist der Beweis dafür, dass es möglich ist, etwas wie Star Wars zu erschaffen. Und wer sagt, dass so etwas zu erschaffen nicht noch einmal und noch einmal und noch einmal möglich ist?

Filmemachen und die Macht

Nun, eines sollte dabei natürlich nicht vergessen werden: die Demut. Wir sollten demütig anerkennen, wie unwahrscheinlich es doch ist, dass es Filme wie die „Star Wars“-Filme überhaupt gibt (ja, natürlich vor allem die ursprüngliche Trilogie – auf Episode VII ruht eine neue Hoffnung), was sich vor allem auch darin zeigt, dass die Saga bis heute eben unerreicht geblieben ist, obwohl sie von Filmemachern immer wieder zum Muster genommen wurde. Weil die Filme einer strukturellen Analyse zugänglich sind, meint der eine oder andere vielleicht, er könne das ganze Geheimnis einfach mit dem logischen Verstand entschlüsseln und dann etwas Gleichwertiges hervorbringen. Nun, gelungen ist das bis heute niemandem, nicht in allen wesentlichen Punkten. Und es kommt eben auf alle wesentlichen Elemente an und darauf, wie sie im Verhältnis zueinander angeordnet sind, nicht zuletzt auch auf unzählige Feinheiten und Nuancen. Es braucht letztlich mehr als Expertise und einen Bordcomputer mit Zielvorrichtung, um mit dem Torpedo den kleinen Schacht im Todesstern zu treffen. Ja, es braucht mehr als Knowhow, super Equipment und einen Multimillionen-Etat, um Filme wie die „Star Wars“-Saga zu erschaffen. Es bedarf der „Macht“ und der Fähigkeit, sich von ihr leiten zu lassen, nämlich von dem Element, das in der Wirklichkeit der „Macht“ aus Star Wars entspricht. Vergessen wir nicht: Star Wars ist eigentlich selbst Teil der wirklichen Welt, weil es anhand von Dingen, die es nicht gibt, Dinge der wirklichen Welt darstellt und erfahrbar macht, Dinge, die wir allzu häufig einfach übersehen oder nicht wahrnehmen, die aber doch da sind.

Die Magie und Bedeutsamkeit Hollywoods

Um abschließend noch einmal auf die Ausgangsthese zurückzukommen: wir sollten dankbar anerkennen, dass Filme wie vor allem die „Star Wars“-Saga ohne die Filmindustrie Hollywoods nicht existieren würden. Wir sollten Hollywood daher nicht nur an seinen Schwächen messen, die ja nicht allzu schwer auszumachen sind, sondern auch an seinen Stärken und an seinem erwiesenen Vermögen, etwas so Magisches und Bedeutsames wie die „Star Wars“-Filme hervorzubringen.

Der 17. Dezember rückt näher. Schon bald „erwacht“ die Magie von Star Wars erneut und zeigt uns vielleicht – hoffentlich!!! – ein weiteres Mal, zu welch wunderbaren und bedeutsamen Werken das amerikanische Mainstream-Kino fähig ist. Wir sollten uns davon vor allem in jeder Hinsicht inspirieren lassen. Star Wars ist für unzählige Filmschaffende – nicht nur in Hollywood – der Grund, warum sie tun, was sie tun. Es hat so vielen die Augen dafür geöffnet, was Film sein kann: grandiose Inspiration, die die ganze Welt bereichert und geradezu elektrisiert.30

 

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