Love Hotel (Gb, F, J 2014)

In einer konservativen Gesellschaft wie in Japan, in der Sex und öffentliche Zurschaustellung von Zuneigung verpönt sind, sind die Love Hotels zu Zufluchtsorten für Ehepaare, frisch Verliebte und Homosexuelle geworden. Philipp Cox und Hikaru Toda werfen einen liebevollen Blick hinter die sonst verschlossenen Türen.

Bericht von Jessica Dahlke

Der Inhalt

Das „Angel Love Hotel“ gehört zu Osakas zahlreichen Liebesnestern. Erstmals hat ein Filmteam beinahe uneingeschränkte Einsicht in das Geschäft des Unternehmens erhalten. Das Filmteam begleitet die Angestellten und den besorgten Chef, der angestrengt versucht, das Hotel in Zeiten staatlicher Intervention über Wasser zu halten. Auch die intimsten Momente im Leben der Kunden bleiben der Kamera nicht verborgen.

 

Die Kritik

In liebevoll gestalteten Bildern erzählen Philipp Cox und Hikaru Toda die Geschichte der Liebespaare, die sich für eine Nacht im Love Hotel eingemietet haben. Da ist das langjährige Ehepaar, das sein eingeschlafenes Sexleben wieder zum Leben erwecken will. Da sind die homosexuellen Rechtsanwälte, die hinter verschlossenen Türen ihre Liebe ausleben können. Da ist der einsame Alte, der sich an eine Liebesnacht erinnert, die vor Jahrzehnten stattgefunden hat.

Obwohl es um Sex geht, ist die Dokumentation nicht schmuddelig. Ganz im Gegenteil: Vielmehr zeigt sie auf romantische Art und Weise die Freude, aber auch die Melancholie der Menschen, die hier halt gemacht haben. Dabei bleibt sie nahe an der Realität, auch wenn man kaum glauben will, dass es wirklich solche Orte gibt. Aber es gibt sie. In Japan finden sich ganze Stadtviertel voller Love Hotels, die teilweise vollautomatisiert sind, um ein Maximum an Intimität (und Profit) zu erreichen. Und obwohl die japanische Gesellschaft stockkonservativ ist, werden sie als Rückzugsorte akzeptiert.

Was fehlt sind leider Hintergrundinformationen über die Schließung des im Film gezeigten Hotels. So sind es keine moralischen Gründe, warum es von Seiten des Staates geschlossen werden muss. Der Entertaiment-Sektor ist der zweitgrößte Industriezweig Japans und größtenteils nicht unter staatlicher Kontrolle. Viele Love Hotels wurden aufgrund des Verdachts auf Geldwäschegeschäfte geschlossen.

Zudem hätten sich die Filmemacher auf weniger Protagonisten konzentrieren sollen, denn leider verliert man mit der Zeit den Überblick. Insgesamt erzählt die Dokumentation jedoch eine runde Geschichte mit einer wunderbaren Filmästhetik.

Dieser Film lief auf dem Fetisch Film Festival in der Traum GmbH (Kiel)

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