Malte Blockhaus über FOLLOWING HABECK

Robert Habeck gehört 2018 zur den interessantesten Politikern in Deutschland. Malte Blockhaus verfolgt mit seinem Dokumentarfilm FOLLOWING HABECK seine Karriere von 2014 is 2017 und schafft damit einen spannenden Einblick hinter die Kulisse der Demokratie.

Ein Interview von Jessica Dahlke

 

Warum Robert Habeck und was hat dich an einem Politiker-Portrait besonders interessiert?
Malte Blockhaus: Bei der Landtagswahl 2012 in Schleswig-Holstein war ich als Videojournalist von einer Agentur beauftragt O-Töne zu sammeln. Also Kurz-Interviews mit Politikern. Dort begegnete ich Robert Habeck zum ersten Mal. Kurz darauf wird er Umweltminister. Monate später sprach ich ihn am Rande einer Veranstaltung recht unbeholfen von der Seite an. Für meine Diplomarbeit wollte ich ihn bei einem Termin mit der Kamera begleiten. Das klappte und bei den Dreharbeiten entstand recht schnell eine filmische Nähe. Für meine Diplomarbeit war das erstmal egal – es ging um das Thema Krabbenfischerei. Aber es blieb mir im Gedächtnis.

Die Wahl Robert Habecks war für mich im Jahr 2014 dann vor allem der persönliche Zugang und die filmische Nähe bei den Dreharbeiten. Diese Nähe und die daraus entstehenden Situationen und Atmosphären machen für mich den Reiz eines Dokumentarfilms aus. Inhalte rücken in den Hintergrund. Daher handelt es sich bei diesem Film nicht um ein „klassisches“ Politiker-Portrait, wenn es so etwas gibt. Der Zuschauer erfährt wenig über politische Inhalte oder die persönliche oder politische Vita Habecks. Man erhält dafür Eindrücke vom Politik-Alltag mit Ups und Downs und hier und da einen Blick hinter die Kulissen.

 

 

In welchem Zeitraum von Habecks politischer Karriere ist der Film genau entstanden?
Malte Blockhaus: Die ersten Gespräche habe ich mit Robert Habeck und dem Ministerbüro im Dezember 2014 geführt, die Dreharbeiten starteten dann im März 2014. In der Presse wurde in den folgenden Wochen immer wieder spekuliert, ob er seinen Hut in den Ring werfen würde und nach Berlin gehen will. Die Entscheidung teilt er am 05. Mai 2015 der Presse mit. Ich begleite ihn über die nächsten Monate und Jahre an etwa 40 Drehtagen. Im Kern ist es die Zeit, in der er für die Grünen-Urwahl kandidiert. Diese verliert er im Januar 2017 hauchdünn gegen Cem Özdemir. Ich drehe anschließend weiter bis nach der schleswig-holsteinischen Landtagswahl im Sommer 2017.

 

Du bist durch Robert Habeck nah an den politischen Prozessen gewesen. Hat das deinen Blick auf die Demokratie verändert?
Malte Blockhaus: Ich konnte nicht bei allen Situationen des politischen Alltags dabei sein. Die Teilnahme an einer Kabinettssitzung, Situationen echter Entscheidungsfindung oder harte innerparteiliche Diskussionen blieben mir verwehrt.

Was ich gesehen habe und was für mich in dem Maße neu war ist die enorme Anzahl unterschiedlicher „Bühnen“, auf denen Politiker, die höhere Ämter inne haben, unterwegs sind. Vom Einzelinterview mit einem Abiturienten im Ministerbüro, über die Großdemonstration aufgebrachter Bauern und Fischer bis hin zum Interview vor der versammelten Berliner Großstadt-Presse oder dem Grußwort in einer vollbesetzten Kirche.

Viele Politiker müssen überall dort die passende Ansprache finden. Wie sie dort agieren ist enorm wichtig. Ist es eher negativ, abwertend, aufhetzend. Oder bevormundend, arrogant. Vielleicht lässig oder überlässig. Ist es theoretisch und ruhig oder aber laut und engagiert. Ist man immer voll da oder liest eher vom Zettel ab. Ob man sich für die jeweiligen Menschen interessiert oder primär die Fernsehkameras im Blick hat. Ich glaube, das alles wird von den Menschen emotional registriert. Emotionen haben eine enorme Bedeutung für den politischen Erfolg und sind daher ein wichtiger Teil der Demokratie.

 

 

Wie geht es weiter mit der Dokumentation. Wo wird der Film zu sehen sein?
Malte Blockhaus: Ich freue mich jetzt erstmal auf das Filmfestival Max-Ophüls-Preis mit der Uraufführung am 23.01.2018. Dort wird der Film im Verlauf der Woche vier Mal gezeigt. Danach hoffe ich auf weitere Festivalaufführungen im Frühjahr, z.B. bei der Dokumentarfilmwoche Hamburg, dem Filmkunstfest Mecklenburg Vorpommern und natürlich dem Filmfest Schleswig-Holstein. Aufführungen soll es darüber hinaus auch im Kino in der Pumpe Kiel geben. Und falls sich in den nächsten Monaten ein Verleiher findet, kann ich mir auch gut eine kleine, deutschlandweite Kinotour vorstellen.

 

Hast du schon ein nächstes Projekt ins Auge gefasst?
Malte Blockhaus: Nein. Ein neues Thema oder Projekt ist bei mir leider nicht nur eine planbare Sache. Da spielt Zufall auch eine Rolle. Ich bleibe daher jetzt wachsam und horche etwas in mich hinein, was mich bewegt und motivieren könnte. Wenn sich dann ein interessanter Zugang zum Thema auftut, geht’s wieder los.

 

FOLLOWING HABECK
Deutschland 2018
Dokumentarfilm
75 Min.

Regie: Malte Blockhaus
Musik: Sergey Cheremisinov, Oliver Leggewie
Produktion: Blockhaus Filmproduktion
Förderung: Filmwerkstatt Kiel der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FWHSH), Stadt Kiel

„Also ist es ein Ja“ – mit diesen Worten bestätigt Robert Habeck, Umweltminister im beschaulichen Schleswig-Holstein, im Mai 2015, was viele bereits vermutet haben: Er will in die Bundespolitik und Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen bei der Bundestagswahl 2017 werden. Die Kandidatenfrage klärt die Partei in einer Urwahl, bei der es Habeck mit dem Parteivorsitzenden Cem Özdemir und dem Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter aufnimmt. Es ist ein auf den ersten Blick ungleicher Wettbewerb: Underdog gegen Parteigrößen, Nobody gegen Politprominenz. Der Film begleitet den charismatischen Politiker über mehrere Monate. Es ist eine politische und menschliche Nahaufnahme zwischen Wahlkampf und Ministeramt, Provinz und Großstadt, Sieg und Niederlage.

Malte Blockhaus ist Diplom-Geograph mit dem Schwerpunkt GeoMedien. Nach ersten Dokumentarversuche wie „Bücken für 8 Cent“ (2009) arbeitete er als Videojournalist. Seit 2010 ist er selbständig und hat zunächst längere Zeit touristische Werbeclips produziert. Seit 2014 dann die Arbeit an FOLLOWING HABECK, als ersten Langfilm.

Schreibe einen Kommentar