Moschee DE (D, 2016)

Moschee De ist die filmische Neuinterpretation des gleichnamigen, 2010 uraufgeführten Theaterstücks. Unter der Regie von Michael Honnes und Mina Salehpur sowie unter der Mitwirkung vieler, bereits am Theaterstück beteiligter Schauspieler, entstand 2016 die filmische Inszenierung. Im März lief der Film auf dem Filmfest Schleswig-Holstein.

Grundlage bilden Interviewprotokolle von 2006, die mit diversen Beteiligten der Kontroverse um einen Moscheebau in Berlin Pankow gehalten wurden.

 

Bericht: Jascha Bürki

Versachlichung und Emotion

Die sehr minimalistische Bildgestaltung stellt die Charaktere und ihre Meinungen in den Vordergrund. Vor weißem Hintergrund bekommen die unterschiedlichen Protagonisten Platz, die verschiedenen Meinungen zu präsentieren, die um die Diskussion um den Moscheebau entstanden sind.

Hierbei merkt man vielen der Schauspieler ihren Theaterhintergrund deutlich an, was allerdings durchaus als geplante Überspitzung zur Darstellung der hochkochenden Emotionen während der Debatte verstanden werden kann. Der Film stellt voll und ganz den Dialog in den Vordergrund und verzichtete dabei leider darauf, die Möglichkeiten des Mediums Film auszunutzen. Der durchgehend weiße Hintergrund vermittelt eine leichte Monotonie, die leider auch von den unterschiedlichen Darstellern nicht kompensiert werden kann.

 

Medienpädagogische Weiterverarbeitung

Des Weiteren verzichten die Macher darauf, die präsentierten Meinungen mit Hintergrundinformationen detaillierter zu beleuchten. Wie bereits gesagt, soll der Dialog, sowohl zwischen den Protagonisten als auch zum Zuschauern hin, im Vordergrund stehen. Dementsprechend macht die, in der anschließenden Diskussion erwähnte, geplante medienpädagogische Weiterverwertung viel Sinn. Denn in diesem Feld liegen eindeutig die Stärken des Films. Er konfrontiert den Zuschauer mit einer Vielzahl unterschiedlicher Meinungen zum Thema Moscheebau und Islam in Deutschland, ohne sie zu werten.

So eignet sich der Film hervorragend als Diskussionsgrundlage, genauso wie als Grundlage für eine weiterführende Recherche zu diversen Themen, wie Islam, die Ahmadiyya Gemeinde, aber auch Moral und Identität. Man merkt dem Film an, dass dies die Priorität der Macher war und wahrscheinlich deshalb die Möglichkeiten des Mediums Film auf der Strecke geblieben sind. Aber alles in allem kann Moschee DE nur als das verstanden werden, was er sein will, nämlich als wertvoller Beitrag zu einer hochaktuellen Diskussion.

 

Weitere Information finden sich auf:
https://www.moschee-de.de/
http://www.kundschafterfilm.de/projekt/18

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