„Mythos am Meer“ – Neues Dokumentarfilm- und Crowdfunding-Projekt von Grote, Opperman & Bohde

Gerald Grote und Claus Oppermann sind als Kreativ-Duo in der schleswig-holsteinischen Filmszene seit ihrem erfolgreichen gemeinsamen Kurzfilmdebut „Tödliche Roman(z)e“ bekannt. Auf weitere Kurzfilmprojekte folgte eine Reihe mit Dokumentarfilmen, die man zusammenfassend als „Augenzeugenberichte von Privatmenschen über regionale historische Ereignisse“ beschreiben kann. Ob Schneekatastrophe, Kieler Woche oder Berliner Mauer. Grote und Oppermann montierten aus Kilometern von Super-8 und 16-mm-Filmen, ergänzt durch Interviews, kleine, dokumentarische Zeitkapseln. Der Erfolg in Form von ausgebuchten Kinovorstellungen und Absatz von DVDs belegt, dass die beiden dabei einen Nerv im Publikumsinteresse gefunden haben. Nun planen sie ein neues Projekt, Arbeitstitel „Mythos am Meer“. Daniel Krönke stellte den beiden und ihrem neuen Kreativpartner Sven Bohde ein paar Fragen dazu.

Das Interview führte Daniel Krönke

Gerald & Claus, nach mehreren erfolgreichen Dokumentarfilmen wie „8mm Kieler Woche“ und „Schnee von Gestern“ habt Ihr Euch eines weiteren regionalen Themas angenommen. Worum geht es in Eurem aktuellen Projekt?

Der Film „Mythos im Meer“ soll von den Besonderheiten der Insel Sylt handeln. Wir sammeln derzeit historisches Filmmaterial, u25m zu zeigen, wie es einst auf der Nordseeinsel war und was sich verändert hat. Das Material zeigt uns Geschichten und die Filmgeber erzählen uns diese zusätzlich in Interviews. Viele Geschichten würden sonst in Vergessenheit geraten. Ähnlich wie die alten Privatfilme. Zu sehen gibt es Strandleben, Sturmfluten und sonderbare Ereignisse.

Was hebt die Insel Sylt von anderen Inseln oder Küstenorten in der norddeutschen Region ab?

Überall an der Küste ist es schön, aber Sylt hat nun mal ein legendäres Image. Dadurch interessieren sich sehr viele Menschen für die Insel. Mehr als 800.000 Gäste zählt sie pro Jahr. Wir produzieren unseren Film für die Menschen, die auf der Insel leben, für die Touristen, aber auch für die, die bisher noch nie auf Sylt waren, um ihnen zu zeigen, was das Besondere dieser Insel ausmacht und was sich in nur wenigen Jahrzehnten verändert hat. Wir wollen die Zuschauer gut unterhalten und gleichzeitig ein Stück Inselgeschichte bewahren.

Wie geht ihr bei der Recherche und Suche nach Filmmaterial vor? Ist da viel Glück im Spiel oder hat das Aufspüren von unveröffentlichtem Material Methode?

Natürlich ist sehr viel Glück im Spiel. Aber wir steigern unsere Chancen, gutes Material zu finden durch eine strukturierte Pressearbeit und die Pflege von Kontakten. Indem wir Aufrufe in Zeitungen, Fachzeitschriften und im Internet machen, werden die Besitzer von Material auf uns und unser Projekt aufmerksam. Wenn Sie sich bei uns melden, bieten wir ihnen an, die Filmrollen persönlich einzusammeln, damit das Material nicht auf dem Postweg verloren geht. Auf diese Weise lernen uns die Filmgeber gut kennen. Ihr Vertrauen ist unser größtes Kapital.

Beschränkt Ihr Euch wie bei „8 mm Kieler Woche“ auf ein spezielles Filmformat?

Nein, wir suchen, sammeln und verwenden jedes Filmformat. Aber es muss Film sein! Videos oder Fotos nutzen wir nicht. Wir lieben die Ästhetik von Film. Das Filmmaterial digitalisieren wir mittlerweile selbst. Dafür haben wir uns das beste Abtastgerät angeschafft, das es derzeit gibt. Nach dem wir das Material digitalisiert haben, sieht es nach einer Bildkorrektur besser aus als jemals zuvor.

Mit Sven Bohde habt ihr aus dem bekannten Duo Grote/Oppermann jetzt ein Trio gemacht. Wie kam es dazu?

Ein Film wie „Mythos im Meer“ ist ein Langzeitprojekt. Somit ist es gut, die Arbeit auf mehreren Schultern zu verteilen. Die Gelegenheit war günstig. Sven ist Journalist, hat sich beruflich aber jüngst neu orientiert. Er gab eine Festanstellung beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag auf, um seinen Traum vom Filmemachen zu verwirklichen. Wir drei sind seit über zehn Jahren befreundet. Kennengelernt haben wir uns beim Filmdreh von „Tödliche Roman(z)e“.

Sven, Ihr finanziert das Projekt mittels Crowdfunding. Erklär doch bitte auch für Laien, wie das vor sich geht.

Ein Filmprojekt kostet viel Geld. Dank Filmförderung und Sponsoren haben wir ein Startkapital. Weitere Geldmittel erhoffen wir durch das Crowdfunding zu erhalten. Dabei können uns Privatpersonen mit kleinen Beträgen unterstützen. Wir finden den Gedanken charmant, dass ein Film, der aus privatem Filmmaterial besteht, auch dank Privatpersonen möglich wird. Für einen selbstgewählten Geldbetrag erhalten die Unterstützer ein Dankeschön wie eine DVD, die Nennung im Abspann, eine Einladung zur Premiere auf Sylt oder sogar ein Ölgemälde. Das Crowdfunding ist unter www.startnext.com/sylt-film zu finden und läuft noch bis zum 31. Juli.

Wie geht es weiter? Wann wird der Film fertig sein?

Im Moment sammeln und digitalisieren wir das Filmmaterial. Anschließend sichten wir es. Bereits jetzt haben wir 160 Filmrollen mit etwa 40 Stunden Material. Dann interviewen wir einige der Filmgeber und setzen uns an den Schnitt. Wir lassen eigene Musik komponieren und den Kommentartext von einem Sprecher einsprechen. Premiere soll der Film im Frühjahr 2017 auf Sylt feiern.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Euch viel Erfolg und freuen uns auf Euren Film!

Gerne. Und wir freuen uns auf Euren Premierenbesuch.

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