Nachbericht: Filmen mit DSLR-Kameras

In gemütlicher Runde diskutierten am 13. Oktober 2014 Filmemacher Torben Sachert, Johannes Karstens und Sarang Aria, die Kameraassistenten Björn Kurtenbach und Daniel Wehrend sowie Studenten der FH Kiel über das „Filmen mit DSLR-Kameras“. Der Kieler Filmemacher Stammtisch fand wie immer unter der Leitung von Jessica Dahlke statt. Der folgende Bericht fasst einige interessante Aspekte der Diskussion zusammen, die nicht zwangsläufig die Meinung aller Teilnehmer darstellen.

DSLR – Was ist das eigentlich?

Mit dem Verkaufsstart der 5D Mark II löste Canon 2008 den Hype um die „filmenden Knipsen“ aus. Sie war die erste Spiegelreflexkamera, die mit Vollformatsensor Videos in voller 1080p-HDTV-Auflösung aufnehmen konnte. Das brachte einen klaren Vorteil: Trotz des (relativ) günstigen Preises konnten plötzlich Bilder in (scheinbarer) Kinoqualität produziert werden.

Mythos Canon 5D und das Kinobild

Beim näheren Hinsehen ist das natürlich nicht so. Profis erkennen schnell, dass der Kontrastumfang dieser Kameras nicht besonders gut ist. Ebenso müssen die Farben meist nachkorrigiert werden und die Nachbearbeitung in der Postproduction (Farbkorrektur, CGI) wirkt sich sichtbar auf die Qualität aus. Zudem hat der Vollformat-Sensor der Spiegelreflexkameras einen Hype um die Arbeit mit der Tiefenschärfe ausgelöst. Kaum ein Filmstudent, der nicht versucht möglichst mit offener Blende zu filmen, ohne sich Gedanken über den erzählerischen Wert dieses Stils zu machen. Warum muss ein Filmbild heute wie ein Foto aussehen? Nichts spricht gegen Filme, die mit Blende 4 oder sogar 11 gedreht wurden. Böswillig gesagt scheinen sich manche mehr auf die Angeberei mit ihrem großen Bildsensor zu konzentrieren als sich Gedanken über den Inhalt ihrer Filme zu machen. Das gilt für Kinokameras genauso wie für DSLRer. Und dann steht am Ende die Frage im Raum: Ist die Canon 5D Mark II und III wirklich das Maß aller Dinge oder macht ihr Mythos blind vor anderen Herstellern wie Panasonic (Lumix DMC-GH-Serie), Nikon oder Sony?

Von der Demokratisierung des Filmemachens

Mit dem digitalen Wandel und den günstigen Digitalkameras sowie immer besser werdenden Smartphone-Kameras hat sich das Filmemachen demokratisiert. „Es ist nicht länger Sache einer Elite“, so Torben Sachert. Jeder kann heute einen Film drehen und ihn veröffentlichen. Auch der Auswahlprozess, welcher Film erfolgreich wird und welcher nicht liegt in den Händen der Community. Ein Prozess, der durchaus positiv ist, aber auch Ängste auslöst. So sehen sich gerade etablierte Filmemacher einer Schwemme junger Videoproduzenten ausgesetzt, die mal eben so und untertariflich Videos herstellen und so die angespannte Auftragslage auf dem Markt weiter verschärfen.

Zudem hören Filmemacher häufig von ihren Kunden: „Das ist ja nur eine Spiegelreflexkamera, das könnte ich ja auch selbst machen.“ Das Image, dass Filmer ihr Geld für das Aufwarten von teurem Filmequipment bekommen, ist noch immer tief verankert. Hier muss ein Bewusstseinswechsel stattfinden, weg von den Werkzeugen hin zum KnowHow der Kameraleute. Denn zu einem guten Film oder Werbespot gehört mehr als nur eine teure Kamera. Da ich selbst seit einigen Jahren im Marketing arbeite, kann ich Unternehmen nur vor schlechten und langweiligen Imagefilmen warnen, die mehr schaden als nützen. An dieser Stelle Geld zu sparen, ist genau der falsche Weg. Kreativität und Erfahrung sind hier gefragt, denn nur dann können diese Filme ihre Werbewirksamkeit entfalten.

Vor- und Nachteile DSLR

Zurück aber zu den DSLR-Kameras. Sollte man mit ihnen arbeiten? Ja. Es kommt immer darauf an, wie der Film später ausgewertet werden soll. Ein Internetvideo mit einer Alexa oder Red zu drehen ist (offenkundiger) Unsinn. Ebenso sind Auflösungen von 4K bis 6K eher unnötig, außer man hat vor, seinen Film im Imax zu zeigen. Einziger Vorteil dieser Auflösungswerten ist eigentlich nur, dass man in der Postproduktion in das Bild hineinzoomen kann. Aber kann man über die Einstellungsgröße nicht gleich am Set entscheiden?

Kameraleute, die mit DSLR arbeiten schätzen ihre Kompaktheit und das geringe Gewicht. „Man kann schnell da hinlaufen, wo etwas passiert“, erklärt Björn Kurtenbach, der für Dokumentationen die von der Größe her einer DSRL Kamera ähnelnde Canon C100 nutzt. Auch in beengten Räumen wie Autos ist die Spiegelreflexkamera weitaus nützlicher, als größere Kameras.

Zudem können DSLR-Kameras mit Zusatzmodulen individuell aufgerüstet werden, was so bei einem Camcordern nicht möglich ist. Mit Open Source Programmen wie Magic Lantern ist sogar die Firmware erweiterbar.

Klarer Nachteil ist jedoch das umständliche Handling. Die Schulter-Rigs der DSLRler sind im Gegensatz zu Camcordern nicht ergonomisch ausbalanciert und legen ihr Gewicht statt auf die Schulter auf die Arme des Kameramanns. Zudem muss man sich mit viel Technik auseinandersetzen, denn eine Spiegelreflexkamera ist eben ein Fotoapparat, der um Funktionen erweitert werden muss, die bei einer üblichen Kamera selbstverständlich und leicht bedienbar eingebaut sind. Über bildtechnische Mankos muss man hinwegsehen können, um sich auf die eigentliche Filmarbeit konzentrieren zu können. Die Leichtigkeit der DSRL ist ein Vorteil, aber auch ein Nachteil, denn um so leichter die Kamera, umso größer die Gefahr, dass das Bild bei Bewegung verwackelt. Hier sind neben Rigs und Gimbals Objektive mit Stabilisierung zu empfehlen.

Gerne vergessen, aber das eigentlich Entscheidende sind jedoch die Objektive für eine Kamera. Eine teure Kamera ist witzlos, wenn nur mit billigen Objektiven gefilmt wird.

DSLR: Fluch oder Segen?

Jede Technik hat am Anfang ihre Kinderkrankheiten. Auch die filmenden DSLRler werden sich weiterentwickeln und sind vom Markt nicht mehr wegzudenken. Das löst natürlich Existenzsorgen aus, vor allem bei denjenigen Videoproduzenten, die sich durch den Besitz von teurer Technik einen Schutzraum vor der Konkurrenz verschaffen wollten. Darin einen Fluch zu sehen, wird ihnen nicht weiterhelfen. Vielmehr sollte sich der Fokus weiter auf die Inhalte der Filme verschieben, auf das, was man damit erzählen und verkaufen will.

Bericht und Fotos: Jessica Dahlke

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