Der nichtsilberne Hering – Der Muthesius Filmpreis 2016

Die Vielfalt der schleswig-holsteinischen Filmszene ist beeindruckend groß. Doch kaum einer weiß, dass man auch seit einigen Jahren Experimentalfilm an der Muthesius Kunsthochschule studieren kann. Die Filmklasse von Prof. Stefan Sachs zeigte am 13. Januar 2016 aktuelle Produktionen. Gor Margaryan gewann mit dem im bitterkalten Russland gedrehten Film „Aurora“ den nichtsilbernen Hering 2016.

 

Der nichtsilberne Hering

 

„Eigentlich wollte ich Nordlichter filmen, aber es war so kalt, dass die Akkus immer leer waren“, erklärte Gor mit einem Schmunzeln im Gesicht. Der knapp 13 Minuten dauerenden Film zeigt eine Jetski-Fahrt durch die Eiswüste von Russland, bei der sich eine kleine Gruppe Menschen auf einen scheinbar ewig dauernden Weg befindet. Die Wintersonne und das überpräsente Weiß des Schnees gemixt mit einem klugen Sounddesign lässt das Univerale und das Menschliche miteinander verschmelzen. Der Mensch als Teil eines übergeordneten Prinzips, das wir Erde nennen. Der Filmemacher selbst schreibt zu seinem Film: „Ein ewiger Weg, der kein Ende hat. Menschen und Natur, die zusammenmischen. Die Soundebene betont dabei den subjektiven Realismus.“

In der Jury saßen Arne Sommer (Leiter der Filmwerkstatt Kiel), Prof. Norbert Schmitz (Muthesius Kunsthochschule) und Quinka Stöhr (Filmemacherin).

 

Aus allen Einreichungen für den Filmpreis „Der silberne Hering“ wurde an diesem Abend eine Auswahl gezeigt. Nenad Cosvic und Milica Jovcic stellten mit ihrer 16mm-Arbeit den Fußgängerübergang eines Bahnhofes in den Mittelpunkt und abstrahierten mit Bild- und Soundexperimenten Form und Bewegung der im Übergang dahineilenden Bahngäste.

Mit „Jadwiga“ rekonstruiert Alexander Wagner einen Traum. Die Musik spielte er selbst ein und mixte sie mit Bildern aus Geheimnis und Spiritualität.

 

Der nichtsilberne Hering

 

Hannes Fleckstein zeigte seinen Film „Multifunktionsebenen“, den ich an dieser Stelle bereits besprochen habe.

Yannik Kaiser erforscht in „on board under“ das Verhältnis von Schiff und Wasser mit dramatischem Ende.

 

Der nichtsilberne Hering

 

Kennenlernen durften die nichtstudentischen Zuschauer die Filmklasse im Interviewzusammenschnitt „Wir machen’s trotzdem“ von Laura Carlotta und Yannick Kaiser. Der Film entstand auf einer Exkursion nach Dänemark und reflektiert die persönlichen Erfahrungen des Workshops Retreat, der dort stattgefunden hat.

Leider ungesehen blieb der Film von Lasse Heisel „Dasir“, der aufgrund unlösbarer technischer Probleme ausfallen musste.

 

Der nichtsilberne Hering

 

Mein Favorit – und ich hoffe es ist mir niemand böse, das ich das hier sage – ist der Film „Towards“ von David Scheffler. Das Spiel mit den Kameraachsen baut einen geheimnisvollen Dialog zwischen zwei Protagonisten auf.

„Nichts“ von Reza Ghadyani erzählt die Geschichte von drei Männern, die aus erst am Ende ersichtlichem Grund zusammen reisen. Es ist ein Film über Sprache und Grenzen. Dabei trifft er den aktuellen Zeitgeist wie den Nagel auf den Kopf.

 

Der nichtsilberne Hering

 

„Tragödie in fünf Akten“ von Conrad Witten und Stephan Schakulat ist ein Experiment mit dem Narrativen, dass sich nur schemenhaft dem Zuschauer öffnen will und doch zu spannend ist, um nicht dran zu bleiben.

Mehr Informationen über das Studium und die Filmklasse gibt es auf der Seite der Muthesius Kunsthochschule Kiel

 

Der nichtsilberne Hering

 

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