Premiere NON OMNIS MORIAR (Björn Kurtenbach)

Ein Herzensprojekt hat sich Björn Kurtenbach mit seinem Vampirfilm „Non Omnis Moriar“ verwirklicht. Produktion, Drehbuch, Regie, Kamera, Schnitt, Visual Effects/Compositing, Farbkorrektur – wo Björn Kurtenbach draufsteht, ist hier auch Björn Kurtenbach drin. Rund sieben Jahre sind seit der ersten Idee ins Land gezogen, bis der Film am 19. September schließlich im Studio Filmtheater in Kiel seine Premiere feierte. 14 Drehtage und 10 Tage Nachdreh, dann war der No-Budget-Film im Kasten, bereit für die doch relativ aufwendige Postproduktion. Als diese im Wesentlichen abgeschlossen war, verzögerte sich die Veröffentlichung, bis schließlich auch die extern beauftragte Tonbearbeitung – deutlich später als vorgesehen – fertiggestellt war.

 

Bericht: Benjamin Bräuer, Bilder: Freya Keydel

Bis(s) in die Gegenwart

Der Film erzählt von der Adelstochter Marianne (Vivien Ziska) und dem Tagelöhner Dorian (Simon Kase), Liebenden im Frankreich des 18. Jahrhunderts, die aufgrund gesellschaftlicher Zwänge und zusätzlich durch einen Vampirbiss in Dorians Hals auseinandergerissen werden. Non omnis moriar, das kann Dorian fortan immerhin noch von sich behaupten – ich werde nicht ganz sterben. Einmal zum Vampir geworden, erliegt er aber schnell dem schier unstillbaren Durst nach Blut. Tja, er beißt sich durch. Gänzlich in Ungnade fällt er, als seine Zähne sich schließlich vor Mariannes entsetzten Augen in den bepuderten Hals des überaus bornierten hohen Herren bohren, dessen Frau sie werden soll. Auch sie tötet Dorian fast in seiner Raserei. Jahrhundertelang hält er daraufhin eine Art Winterschlaf, bis er schließlich in unserer Zeit erwacht, erweckt von der jungen Vivianne, einer Nachfahrin seiner geliebten Marianne, die ihn nur allzu sehr an Marianne erinnert und die er deshalb davor bewahrt, sich das Leben zu nehmen. Bis auf ihr Punk-Outfit und die dunkelgefärbten Haare sieht sie der blonden Marianne in der Tat zum Verwechseln ähnlich…

 

Interview mit einem Genre-Vampir

Die Geschichte ist insgesamt gut aufgebaut und wird filmisch schön erzählt. Na klar, Vampirstorys gibt es in der Film- und TV-Welt ja durchaus schon so ein paar. Aber so ist das nun einmal mit Genre- und Subgenre-Filmen, erst aus dem Wiederkehrenden etabliert sich das (Sub-) Genre überhaupt. Ja, die Elemente der Geschichte von Non Omnis Moriar sind uns allesamt vertraut: Nichts haben wir so noch nie gesehen. Ist das schlecht? Nein. Denn der Film will ganz einfach ein echter Genrefilm sein, der seinen Genrevorbildern ausdrücklich nacheifert und etablierten Konventionen folgt – mit einem Hauch von Genre-Mix. Ein Film von einem Genrefreund für Genrefreunde. Besonders stark, und das laut Björn Kurtenbach alles andere als ungewollt, sind Anleihen an „Interview mit einem Vampir“ (USA 1994) von Neil Jordan mit Tom Cruise und Brat Pitt erkennbar, sowohl was die Ästhetik im Allgemeinen als auch was die Erzählstruktur anbelangt – französischer Vampir erzählt in der Gegenwart, wo die Geschichte dann weitergeht, zunächst von seinen Erlebnissen in der Zeit der Puderlocken.

 

 

No-Budget mit hohem Production Value

Der Film macht viel aus seinem sehr, sehr schmalen Budget und wird durchaus dem von seinem Macher formulierten Anspruch gerecht, „den Beweis zu erbringen, dass auch mit wenigen Mitteln ein hoher ‚Production Value‘ erreichbar ist“. Kann der Film mit einer großen Hollywood-Produktion wie eben z.B. „Interview mit einem Vampir“ mithalten? Natürlich nicht. Wie auch? Aber gemessen an den Mitteln, die zur Verfügung standen, ist das Ergebnis mehr als beachtlich. Kamera, Schnitt, Ton, Musik, auch Maske und Kostüme – all das hat Qualität. Die Visual Effects? Ja, man sieht in Einzelfällen schon, dass es Tricks sind. Gerade gemessen am Budget sind sie insgesamt jedoch gelungen bis sehr gut, in Einzelfällen sogar einfach großartig, wie beispielsweise bei der nicht unblutigen Enthauptung eines der Opfer Dorians oder auch in der Sequenz, in der Dorian in sein Vampirdasein gebissen wird. Die Haupt- und Nebendarsteller machen ihre Sache ordentlich, wenn sie auch nicht in jeder Szene vollends zu überzeugend wissen. Der Twist am Ende hat was, hätte vielleicht noch einen Tick packender inszeniert und nuancierter gespielt werden können. Aber das alles ist – im No-Budget-Bereich – Meckern auf hohem Niveau. Es sind letztlich wirklich unterhaltsame 45 Minuten, zu denen man Björn Kurtenbach nur gratulieren kann.

 

Episode 1?

Wie gesagt, natürlich sieht man größere und kleinere Unterschiede zu einer großen Hollywood-Kinoproduktion. Ist ja klar. Aber schon der Umstand, dass der Film einem in gewisser Weise abnötigt, in diese Richtung zu vergleichen, sagt etwas über besagtes hohes Production Value aus. Als Pilotfilm bzw. erste Episode einer Fernsehserie kann man sich Non Omnis Moriar durchaus gut vorstellen. Da passen dann ja auch die 45 Minuten Laufzeit genau. Und Überlegungen in eine solche Richtung gibt es ja vielleicht sogar schon…

NON OMNIS MORIAR
Deutschland 2015
Björn Kurtenbach
45 Min.

Mehr Informationen über Björn Kurtenbach.

 

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