Nordische Filmtage Lübeck: Die 60. Ausgabe widmet sich dem Debütfilm und Meister Ingmar Bergman

Die Nordischen Filmtage Lübeck feiern 2018 ihre 60. Ausgabe. Aus diesem Anlass wird das Festival um einen Tag verlängert und startet bereits am Dienstag, 30. Oktober. An sechs Tagen gibt es dann bis zum 4. November 2018 Filme aus den nordischen und baltischen Ländern sowie aus Norddeutschland mit Schwerpunkt auf Schleswig-Holstein und Hamburg.

Zum Jubiläum setzen die Nordischen Filmtage Lübeck auf den Nachwuchs. Erstmalig wird der „Preis für das Beste Spielfilmdebüt“ vergeben.

Die Hansestadt Lübeck als Veranstalter trägt, unterstützt von Partnern und Sponsoren, einen Hauptanteil der Finanzierung des Festivals, das regional und international einen starken Anziehungspunkt darstellt.

Im Bereich „360° Filme/Immersives Kino“ werden wieder 360°-Filme im Fulldome-Kino am zentral gelegenen Klingenberg gezeigt werden. Eine wahre Entdeckung, sozusagen ein „Astro-Special“, ist ein bislang nahezu unbekannter Lübecker Sternenprojektor. Ein originaler Planetariumsprojektor, der 1937 „Made in Lübeck“ als Auftragsarbeit für ein Kopenhagener Planetarium hergestellt wurde, ist in Kopenhagen entdeckt worden und wird nach mehr als 80 Jahren für sechs Tage wieder an seinen Ursprungsort zurückkehren. Sternenprojektoren sind der Ursprung der 360°-Kinos – ein Konkurrenzmodell zum damaligen weltweit einzigen Hersteller Zeiss. Ein solcher Projektor aus Lübecker Produktion und mit derart früher Datierung ist in der Fachwelt bislang unbekannt. Mit ihm werden täglich zwei Live-Formate vorgeführt: Ein Kinderformat (ab 6 J.) sowie ein Abendprogramm für Erwachsene. Des Weiteren gibt es mit dem Fulldome-Film „The Baltic Sea“ von Hannes Vartiainen und Pekka Veikkolainen aus Finnland eine Weltpremiere im Programm. Ein poetischer Rundum-Film über die Ostsee als Lebensraum, der aber die Probleme mit Plastikmüll im Meer, schädlichen Mikro-Organismen usw. nicht außen vor lässt. Die beiden präsentierten zuvor 2016 „The Secret World of Moths“ bei den Filmtagen.

Dem schwedischen Kultregisseur Ingmar Bergman ist, anlässlich seines 100. Geburtstages in diesem Jahr, eine kleine Hommage innerhalb der „Specials“-Sektion gewidmet, die neben bekannten Filmen wie „Beröringen/The Touch“, Bergmans erste internationale Ko-Produktion (Schweden/USA 1971), auch eher unbekanntere Werke wie „Hamnstad/Hafenstadt“ (SWE 1948) oder die deutsch-österreichische TV-Produktion „Aus dem Leben der Marionetten“ (1980) zeigt und durch Dokumentationen und Kurzfilme ergänzt wird. Linde Fröhlich, Künstlerische Leiterin der Nordischen Filmtage Lübeck, betonte in diesem Zusammenhang die geschichtliche Bedeutung des Jahres 1918, als gegen Ende des Ersten Weltkrieges zahlreiche europäische Staaten ihre Unabhängigkeit erlangten. Nachdem das Festival im vergangenen Jahr bereits  „100 Jahre Finnland“ thematisiert hat, würdigt es nun das 100-jährige Jubiläum der Baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie die Unabhängigkeit Islands. Filme aus diesen Ländern werden in allen Sektionen des Festivals herausgehoben präsentiert. Ingmar Bergmans Milieustudie „Hafenstadt“ eröffnet zudem die diesjährige Retrospektive, hierin erzählt der Regisseur auf überraschend realistische Weise von sozialen Außenseitern während der Nachkriegszeit in Göteborg.

Die Retrospektive widmet sich mit ihrem Thema BALTIC TRANSFER – Ostsee und Häfen des Nordens im Film“ in diesem Jahr „überseeischen Beziehungen“ und wurde vom langjährigen Kurator Jörg Schöning vorgestellt. Sie lädt dazu ein, Filme zu entdecken, die von Schiffspassagen und Fährverbindungen, von Handelsschifffahrt und Seetouristik erzählen, aber unvermeidlich auch von kriegerischen Auseinandersetzungen und Fluchtbewegungen im 20. Jahrhundert. Die Filme sind mehrheitlich vor der Jahrtausendwende entstanden. Neben maritimen Themen behandeln sie das Alltagsleben an Land: Löschen und Laden, Liebe und Arbeit im Hafen, Hafenromantik und -realität. Im Zentrum dieser Sektion steht dabei das „Hafenkino“: an vier Abenden sind an den Kaianlagen der Lübecker Untertrave im „Schuppen 6“ Stummfilme (vorwiegend) mit Live-Musik zu erleben. Sie erzählen von den alten „Heuerbüros“ in Lübeck (Baldevins Hochzeit, NOR 1926), vom Kampf gegen eine Schmugglerbande in Gdingen (Ruf des Meeres, POL 1927), von dunklen Machenschaften im Hafenviertel Oslos (Café X, NOR 1928) und von illegalem Schnapshandel in den Kaschemmen von Tallinn (Wellen der Leidenschaft, EST 1930).

Unter www.nordische-filmtage.de gibt es Aktuelles und News zu den Filmtagen, ebenso auf Facebook und Twitter.com/NordicFilmDays – Akkreditierungen für die Nordischen Filmtage sind im Laufe des Septembers möglich.

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