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Nordische Filmtage Lübeck: Offene Wunde Filmforum Lübeck?

Es brodelt wieder in der Filmszene in Schleswig-Holstein. Der Grund ist ein Blick in das Programm des Filmforums in Lübeck, in dem originäre Filme aus dem Land erneut unterrepräsentiert sind. Nach einem ersten Anstieg der schleswig-holsteinischen Filme im letzten Jahr, fällt die Ausbeute für hiesige Filmschaffende 2018 wieder mager aus. Wir zeigen auf, warum den Filmemacher*innen das Filmforum so wichtig ist und warum hier dringender Handlungsbedarf besteht.

Ein Bericht von Jessica Dahlke

Schleswig-Holstein brechen die Schaufenster weg

Das Filmforum ist eine Untersektion der Nordischen Filmtage Lübeck, die sich im Schwerpunkt mit dem skandinavischen Kino beschäftigen. 1988 gegründet war es das zweite Festival, auf dem schleswig-holsteinische Filmemacher*innen ihre Filme zeigen konnten, 1986 waren bereits die Husumer Filmtage mit dem gleichen Ziel gestartet. 1993 folgte die Augenweide in Kiel, die inzwischen Filmfest Schleswig-Holstein heißt. Durch eine Fusion mit den Nordischen Filmtagen Lübeck gehörte das Filmforum Schleswig-Holstein schließlich zum Festival. Seit 2007 dürfen auch Hamburger Produktionen ihre Filme in der Sektion einreichen. Seitdem heißt das Programm nur noch Filmforum.

Liest man die Seite der Landesregierung, so soll das Filmforum, das hier noch Filmforum Schleswig-Holstein heißt, dafür sorgen, dass “schleswig-holsteinische Filmproduktionen in die Programme in- und ausländischer Festivals (gelangen)”. Diesen Auftrag kann das Filmforum heute nicht mehr erfüllen, da viele Vertreter*innen der Filmszene Schleswig-Holstein fehlen. Und das obwohl das Land keine unwesentlichen Gelder in das Festival steckt. 70.000 Euro im Jahr. Damit ist zwar auch das skandinavische Festival, die Nordischen Filmtage gemeint, aber eben auch das Filmforum.

Schleswig-Holstein zu Gast im eigenen Filmforum

Betrachtet man die Filmauswahl der letzten sieben Jahre (nur Titel, nicht nach Spielzeit), so gibt allein dieser kurze Zeitraum ein trauriges Bild wieder. Selbst im guten Jahr 2017 wurde ein Anteil von 50 Prozent nicht erreicht. 2015 rutschte dieser sogar auf 25 Prozent. Zählte man nur originäre Filme aus Schleswig-Holstein oder berücksichtigte man die Spielzeiten, so wären die Zahlen bei weitem niedriger.

JahrSchleswig-HolsteinHamburgsonstige (MVP, NS, HB)
201839 %57 %4 %
201748 %38 %14 %
201629 %58 %13 %
201525 %63 %12 %
201441 %57 %2 %
201333 %57 %10 %
201238 %57 %5 %

In die Zahlen eingerechnet wurde, ob ein SH-Bezug bei den Filmen besteht. Dabei reichte es, wenn Filmschaffende in SH geboren sind, das Thema über Schleswig-Holstein handelt oder in SH vorwiegend (!) gedreht wurde. Die Prozente sind aufgerundet. Sie basieren auf Recherchen über die Filmemacher*innen und Produktionen und haben keinen wissenschaftlichen Anspruch.

Wo sind unsere Plattformen?

Auch das Filmfest Schleswig-Holstein wird immer weniger seiner Rolle als Plattform für die Filmemacher*innen gerecht. Wir berichteten. Die Husumer Filmtage suchen mit ihrem Programm inzwischen andere Wege, daher lassen wir sie hier außen vor. Von einer Unterstützung der Filmszene im Land, wie sie in jedem anderen Bundesland zu finden ist, kann keine Rede mehr sein. Ein zweites Manko der beiden Festivals ist, dass die Hochschulen kaum bis gar nicht eingebundene werden, obwohl diese jedes Jahr mindestens ein kleines Filmprogramm hervorbringen. An der Produktion von Filmen mangelt es also nicht. Von den etablierten Filmemacher*innen ganz zu schweigen.

Was sollte getan werden?

Was also tun, um die Filmschaffenden auch in der Distribution ihrer Filme wieder mehr zu unterstützen? Das Filmfest Schleswig-Holstein muss finanziell besser aufgestellt werden, damit es seinem Auftrag laut Namen gerecht werden kann. Vor allem im Marketing und personell stößt das Filmfest an seine Grenzen. Zudem sollte man sich mit den Hochschulen zusammensetzen und an einem Studierenden-Programm inklusive Studienpreis arbeiten. Dabei sollte neue Medien wie VR, Gamedesign, Medienkunst und 360 ° Grad Projektionen mit eingebunden werden. Das bietet die Chance, neue Zielgruppen zu erreichen. Eine ähnliche Vernetzung zu den Hochschulen sollte es auch beim Filmforum geben. Der Auftrag sollte klar formuliert sein, dass das Forum ein Schaufenster der Schleswig-Holsteinischen Szene mit all ihren Aspekten ist. Und ein Anteil von mindestens 50 Prozent sollte bei einem Festival, das in Lübeck spielt mindestens drin sein.

Photo by Jad Limcaco on Unsplash

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