15 Fakten über Kubricks 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM

Seit Start des aktuellen Kinohits „Interstellar“ wird auch der SciFi-Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“ von 1968 wieder heiß diskutiert. Damit ihr mitreden könnt, gibt es hier fünfzehn Fakten über Stanley Kubricks Film.

1. „2001: Odyssee im Weltraum“ basiert teilweise auf der Kurzgeschichte von Arthur C. Clark „The Sentinal“ (1951). Zusammen mit Stanley Kubrik erweiterte der Autor die Geschichte zu einem Roman während die beiden am Drehbuch für den Film arbeiteten. Einer der Arbeitstitel war „Reise zu den Sternen“. Als jedoch „Fantastic Voyage“ (US 1966) Premiere feierte, hasste Stanley Kubrick den Film so sehr, dass er nicht wollte, dass sein Film einen ähnlichen Titel hatte. Am Ende fiel die Wahl auf „2001: A Space Odyssey“, weil es das erste Jahr des 21. Jahrhunderts und der Beginn des dritten Jahrtausends ist.

2. Kubrik hasste es zu fliegen. Daher schickte er für die Szene „Der Morgen der Menschheit“ die Second Unit Crew nach Afrika. Diese machte dort alle Landschaftsaufnahmen und kommunizierten mit Kubrick per Telefon, um die Bilder zu machen, die er wollte. Die sogenannte Dawn-of-Man-Szene ist ein großartiges Beispiel für Glasplatten-Fotografie und Frontprojektion. Im Gegensatz zur Rückprojektion wurde der in Afrika gedrehte Hintergrund nicht von hinten, sondern von vorne auf eine hochreflektierende Leinwand projiziert, vor der die Affen-Darsteller spielten, während gefilmt wurde. Stuart Freeborn schuf für die Menschenaffen zunächst ein primitives aber menschenähnliches Make-up, doch dadurch konnten die Frühmenschen nicht in voller Größe fotografiert werden, ohne dass der Film von der MPAA (zuständig u.a. für die Altersempfehlung) zensiert zu werden, weil sie nackt waren. So nahm Kubrick stattdessen die Affenvariante. Außer zwei Baby-Schimpansen wurden alle Affen von Menschen im Kostüm gespielt.

3. Stanley Kubrick war für seinen Perfektionismus bekannt und ließ Einstellungen sehr oft wiederholen. Bei „2001: Odyssee im Weltraum“ schoss Kubrick zudem bis zu 50 Polaroid-Bilder, um das perfekte Licht zu finden. Das konnte Stunden dauern. Kein Wunder, dass das gesamte Filmmaterial 200 Mal länger ist als der endgültige Film. Kubrick überzog das Gesamtbudget um 4,5 Millionen Dollar (statt veranschlagen 6 Mio. Dollar) und brauchte 16 Monate länger für die Dreharbeiten. Trotzdem gehört der Film zu den Werken, die das Vokabular der Filmsprache entscheidend geprägt haben und SciFi-Blockbustern wie Star Wars den Weg ebneten.

4. Die Special Effekts sind alle physisch, chemisch und mechanisch gemacht. Um das Raumschiff sowie das Fehlen eines oben und unten so realistisch wie möglich darzustellen, wurde in England von der Flugzeugfirma Vickers Armstrong eine gigantische Zentrifuge gebaut. Sie wog etwa 30 Tonnen und war zwölf Meter hoch. Kosten 750.000 Dollar. Durch die besondere Technik scheint es im Film, als könnten die Darsteller die Wände hochgehen. Dieser Effekt entsteht dadurch, dass sich die Kamera mit der Zentrifuge bewegt, während die Darsteller an der Stelle blieben. Teilweise waren die Aufnahmen so kompliziert, dass Sequenzen von einigen Sekunde mehrere Tage Arbeit in Anspruch nahmen. Hauptdarsteller Dullea verglich die Zentrifuge mit einem gigantischen Hamsterrad, abgeschlossen, mit Scheinwerfern an der Außenseite.
Der fertige Film beinhaltet erstaunlicherweise nur 205 Special Effects Einstellungen. Im Vergleich: „Star Wars: Episode IV – A new Hope“ hatte 350 Einstellungen und „Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith“ über 2.200 Special Effects Einstellungen. „2001: Odyssee im Weltraum“ gewann einen einzigen Oskar für die besten Special Effects. Alle Credits gingen an Kubrick, der damit die Techniker verärgerte, die an dem Film gearbeitet hatten. Kubrick selbst war während der Verleihung nicht anwesend.

5. Production-Designer Tony Masters und Special Photographic Effects Supervisor Dough Trumbull schufen alle Modelle aus den Skizzen des Production-Designers Harry Lange. Lange kam von der NASA und seine Designs erforderten eine sicherheitstechnische Überprüfung durch die CIA. Um Kubricks Verlangen nach Perfektion genüge zu tun, brauchte der Künstler sechs Monate zum Zeichnen. Das Production-Design-Team mit Masters, Lange und Ernest Archer gewann den Best Art Direction Award und BAFTA.

6. Das Mond-Set wurde in den Pinewood Studios gebaut. Dazu hob man tatsächlich den Boden aus und schüttete ihn später wieder zu. Kubrick ließ verschiedene Sandsorten und -farben für das Antlitz des Mondes importieren. „2001: Odyssee im Weltraum“ ist der letzte Film vor der Mondlandung, was Verschwörungstheoretiker für keinen Zufall halten.

7. Stanley Kubrick wurde vom ehemaligen NASA-Mitarbeiter Fred Ordway wissenschaftlich beraten und stellte ihm die neuesten Informationen und Erkenntnisse zur Verfügung. Während der fast sechsmonatigen Preproduction-Planung und Design-Arbeit sind sechs große Space-Fahrzeuge entstanden: das Orion III Earth-to-Orbit Shuttle, Raumstation V im Orbit der Erde, das Aries IB Earth-orbit-to-lunar Surface Shuttle, der Rocket Bus, der Menschen und Material von einem Teil des Mondes zu einem anderen transportiert, das riesige interplanetare Raumschiff Discovery und dessen kleines Hilfs-Düsenraumschiff für Wartung und lokale Erforschung.
Jedes dieser Fahrzeuge wurde mit großer Sorgfalt entworfen, damit sie absolut realistisch aussehen konnten. Die Designer bestanden darauf, den Zweck und die Funktionen jeder Komponente auszuarbeiten, bis hin zur logischen Beschriftung der einzelnen Knöpfe und der plausiblen Anzeige von Operationen, Analysen und anderer Daten auf den Bildschirmen. Bei der Umsetzung dieser Arbeit wurden sie von der NASA, Unternehmen und Universitäten beraten.

8. Wer ein aufmerksamer Schachspieler ist, kann während Poole’s Schachszene mit HAL einen Fehler bei den Zügen erkennen. Stanley, selbst Schachliebhaber, der gern im Washington Square Park spielte, soll absichtlich einen Fehler im Film eingebaut haben, um zu sehen, ob es irgendwem auffällt.

9. In einer Szene verweigert HAL Dr. David „Dave“ Bowman (Keir Dullea) den Zugang zum Schiff. Er ist gezwungen, sich von der Luft in seiner Fähre durch das Vakuum des Alls in die Luftschleuse schießen zu lassen. Diese Szene wurde auf dem Kopf gedreht, das heißt die Luftschleuse befand sich an der Decke direkt über der Kamera am Boden. Ziel war es, Dave in die Luftschleuse hineintrudeln zu lassen. Dazu wurde Dullea an ein Seil gebunden, das ein stämmiger Zirkusarbeiter mit schweren Handschuhen hielt. Das Seil war genau abgemessen und hatte Knoten an mehreren Stellen. Wenn der Arbeiter das Seil mit voller Geschwindigkeit bis zum nächsten Knoten durch seine Handschuhe gleiten ließ, stürzte Dullea in Richtung Kamera. Dann sprang der Arbeiter auf eine Plattform und weil er schwerer als der Schauspieler war, schoss Dullea zurück zur Decke. In dem Moment, als seine Füße den Untergrund berührten, ließ der Mann das Seil wieder bis zum nächsten Knoten los.
Der Stunt wurde nur einmal und ohne Schnitt gedreht. Da Dullea alias Dave mit dem Gesicht Richtung Kamera stürzte, konnte nicht auf einen Stuntman zurückgegriffen werden. Stanley Kubrick hielt in dieser Sequenz persönlich die große Panavision-Kamera.

10. Sich auf Arthur C. Clarke beziehend wollte Stanley Kubrick eine Versicherung von der Lloyd’s of London gegen Verluste im Falle, dass Außerirdische die Erde entdecken, bevor der Film im Kino lief. Lloyd lehnte ab.

11. Während der Premiere verließen 241 Menschen das Kino, inklusive Kritiker Rock Hudson, der fragte: „Will mir jemand sagen, was zur Hölle das sein soll?“ Da der Film in der ersten Woche kein finanzieller Erfolg war, wollte MGM ihn zurückziehen, doch mehrere Kinobetreibern überzeugten das Studio vom Gegenteil. Sie hatten beobachtet, dass eine wachsende Zahl junger Erwachsener 2001 besuchten, um die Star-Gate-Sequenz unter Einfluss psychodelischer Drogen zu sehen. Das half dem Film am Ende doch zu einem finanziellen Erfolg.

12. Die Schwarzbild Overture, gesetzt mit einer atonalen Atmosphäre von György Ligeti, erzählt die Story des Films in drei Minuten, vollständig nur über den Sound. Er ist mysteriös, ominös und spannend. 2001 eröffnete zunächst mit einem 10-minütigen, auf 35-mm gefilmten Prolog, in dem die Möglichkeiten von außerirdischen Leben per Interview diskutiert wurden. Kubrick entfernte diesen Anfang nach einer Vorführung bei MGM, aber der Text überlebte in „The Making of Kubrick’s 2001“ von Jerome Agel.

13. Floyd ruft seine Tochter auf der Erde mit einem Video-Telefon an, das viel Ähnlichkeit mit dem heutige Skype hat. Kubrick berücksichtigte die Inflation nicht hoch genug: Der Anruf aus dem All zur Erde kostet nur 1,70 Dollar. Es gibt zudem nur einen bewussten Witz in 2001. Es ist die wortlose Szene, in der Floyd eine lange Liste an Anweisungen liest, bevor er die Null-Gravitations-Toilette benutzt.

14. Der mysteriöse Monolith ist als TMA-1 bekannt. Gefunden auf der Tycho-Basis auf dem Mond. Er verströmt einen auffälligen Ton, der dem des Computer-Modems ähnelt. Etwa das erste Internetsignal?

15. George Lucas gestand 1977, dass 2001 besser als Star Wars sei: “Stanley Kubrick made the ultimate science fiction movie, and it is going to be very hard for someone to come along and make a better movie, as far as I’m concerned. On a technical level, [Star Wars] can be compared, but personally I think that 2001 is far superior.

Kennt ihr noch mehr unglaubliche Fakten über „2001: Odysee im Weltraum“? Dann ab in die Kommentare.

Ein Artikel es ehemaligen Kultur-Blogs kult-literaten.de

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