Patong Girl (D, T 2014, Susanna Salonen)

Eine Familie aus der norddeutschen Provinz macht Urlaub in Thailand. Ein junger Mann, der sich in eine schöne Thailänderin verliebt. Und eine Mutter, die ihre Söhne nicht erwachsen sehen will. Das ist der Stoff von „Patong Girl“, den Susanna Salonen am Eröffnungsabend auf dem Filmfest Schleswig-Holstein vorstellte. Eine Kritik.

Familie Schröder verbringt den letzten gemeinsamen Weihnachtsurlaub auf der thailändischen Ferieninsel Phuket. In Patong verliebt sich der achtzehnjährige Sohn Felix in die bildschöne Thailänderin Fai. Auch sie macht hier Urlaub und kommt eigentlich aus dem Norden Thailands. Felix’ Bruder und seine Mutter Annegret vermuten zwar, dass Fai eine Prostituierte ist, aber Felix ist von der rätselhaften Urlaubsliebe hingerissen. Und sie erwidert seine Gefühle! Deshalb beschließt er kurzerhand, länger zu bleiben und folgt ihr in die thailändische Provinz – ohne das wirkliche Geheimnis der Schönen zu kennen. Seine Eltern sind entsetzt. Aufgebracht lässt auch Mutter Annegret den Rückflug sausen und setzt sich auf die Fersen ihres Jüngsten.

Susanna Salonen liefert mit ihrem Spielfilm-Debüt ein authentisches Porträt von Thailand ab, dass ohne Stereotype und Klischees auskommt. Der jugendliche Felix verliebt sich, ohne es zu wissen, in eine Frau, die früher ein Mann gewesen ist. Ein Umstand, der den noch unerfahrenen Jungen naturgemäß zunächst schockiert. Mit feiner Feder zeichnet Salonen den Konflikt aus und stößt den Zuschauer auf seine eigenen Vorurteile. Stark auch die Figur der Mutter, die ihr Kind wie eine Henne im Nest halten will, damit sie sich selbst nicht mit ihrem neuen Lebensabschnitt – ohne Kindererziehung – befassen muss. Mit ihrem Verhalten – sie wirft Fai vor eine Prostituierte zu sein – stößt sie schließlich nicht nur ihren Sohn aus dem Nest, sondern auch den Zuschauer von sich weg, der sie angewidert mit den beiden jungen Menschen verlässt. Am Ende wünscht man sich auch mehr über den Konflikt mit der thailändischen Familie zu erfahren, den Felix ausgesetzt werden wird, da diese ebenfalls Vorbehalte gegen Ausländer hat. Doch dies lässt die Filmemacherin ausgeklammert. Trotzdem ein starker, sehenswerter Film.

PATONG GIRL
D/T 2014
Susanna Salonen – Buch und Regie
Yoliswa von Dallwitz – Bildgestaltung
Bettina Böhler – Montage

http://www.patong-girl.com

Trailer PATONG GIRL from HANFGARN & UFER on Vimeo.

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