PENTAQUAD startet in ferne Galaxien

Diesen Freitag zeigt das Kino in der Pumpe die Pilotfolge der neuen SciFi-Webserie PENTAQUAD. Das von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein geförderte Projekt verspricht Science-Fiction gepaart mit Comedy und einer gesunden Mischung aus Special FX mit echten Kulissen, die noch mit Hand und Herz (aber ohne Bügeleisen) gebaut wurden. Wie PENTAQUAD die unendlichen Weiten des Weltraums ergründen wird, erzählt Regisseurin und Autorin Jessica Dahlke im Interview.

Das Interview führte Yorck Beese

Mit PENTAQUAD steht uns eine SciFi-Webserie ins Haus. Worauf dürfen wir uns am Freitag freuen?

Die Story ist zu Beginn der interstellaren Raumfahrt der Menschheit angesiedelt. Die meisten Serien beginnen in der Regel viel später und die Schiffe können dort dann schon von einem Sonnensystem zum nächsten springen. PENTAQUAD spielt in der Pionierzeit, ganz am Anfang, als die Menschheit noch überhaupt nicht weiß, ob es Außerirdische gibt oder nicht. In PENTAQUAD versuchen die fünf Raumfahrer einer StartUp-Raumfahrtbehörde (genannt CPLE), ähnlich wie Space-X, den großen Wurf und testen einen Antrieb, mit dem sie ins nächste Sonnensystem springen wollen. Außerdem dürfen sich die Zuschauer auf Retro freuen, auf Comedy und selbstgebaute Kulissen.

PentaQuad, Jessica Dahlke, Webserie

Ist PENTAQUAD mehr STAR TREK oder mehr STAR WARS?

Große SciFi-Serien und Filme spielen eine kleine Rolle, doch viel wichtiger sind mir Anspielungen auf die Theoretische Physik, vor allem aus der Populärwissenschaft. Da darf zum Beispiel Schrödingers Katze nicht fehlen. Eine gute Geschichte stellt für mich zudem immer eine Beobachtung des Zeitgeistes dar.

Erzähl mir mehr. Wie gehst du an Comedy heran?

Ich lege mich da nicht auf einen einzigen Ansatz fest. Besonders wichtig war mir zuallererst die Figurenkonstellation. Auf einem Raumschiff hast du einen abgeschlossenen Raum, aus dem du nicht entkommen kannst. Das heißt, wir haben eine Schicksalsgemeinschaft, aus der absurde Situationen entstehen. Comedy lebt von Konflikten und ein Raumschiff ist der perfekte Ort dafür.

Comedy ist auch immer abhängig vom Wissens- und Gefühlshorizont der Zuschauer. Gags können daher nach einer gewissen Zeit nicht mehr verstanden werden, besonders wenn sie an aktuelle Ereignisse gekoppelt sind. Andere Witze altern quasi nie, weil sie universell sind. Die gute Mischung macht es.

Und vor allem: Wir lachen meist über Dinge, die uns Angst machen.

PentaQuad, Jessica Dahlke, Webserie

…die uns Angst machen?

Ja, wir lachen über Vorgesetzte oder auch Rechtsextremismus, sieh Dir nur die HEUTE SHOW an. Aber man muss soweit gar nicht gehen: Loriot hat sich der Ängste des Kleinbürgers vor Peinlichkeiten angenommen und das war grandios.

Welche Aufgaben übernimmst du neben der Regie noch?

Verschiedene, vom Drehbuch bis zur Produktion. Außerdem habe ich mit Nico Andresen die Kulisse gebaut und die Kostüme stammen von mir. Zum Filmemachen gehört auch einiges an Verwaltungskram.

Im Logo der Raumfahrtbehörde in PENTAQUAD finden sich zwei rosa Einhörner. Ich denke, es geht um Raumfahrt?

Tut es auch. Die Einhörner sind eine Anspielung auf die „Unicorns“: So nennt man Startups, die über ein Budget von über einer Milliarde Dollar verfügen. Das Raumfahrtunternehmen in meiner Geschichte ist so arrogant, dass sie das Symbol des Einhorns nicht nur im Logo haben, sondern auch noch gleich zwei davon.

Wann hast du mit den Vorbereitungen begonnen?

Das war 2013. Ich lag „ein wenig krank“ auf dem Sofa und habe mir alle drei Staffeln der originalen STAR TREK Serie „Raumschiff Enterprise“ mit Captain Kirk angesehen. Vor allem die erste Staffel war sehr erhellend, was die – sagen wir mal – Kreativität der Ausstatter anging. Bei einer Folge läuft Mr. Spock mit einem Imkeranzug als Raumanzug herum, in einer anderen hat man einem Hund zwei Hörner auf den Kopf gesetzt, um aus ihm ein Außerirdischen Tier zu machen. Das hat mich angesprochen, weil es ein Kontrapunkt zu den computergenerierten Bildern heutiger Hollywoodfilme darstellt.

Nichtsdestotrotz lag das Projekt dann erstmal in der Schublade, weil für die Umsetzung eine Halle fehlte. Anfang 2016 traf ich dann auf Nico Andresen, der mir von einer Halle in Neumünster erzählte. Als klar war, dass wir dort drehen konnten, habe ich einen Antrag bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein eingereicht. Die konnten sich am Anfang nicht viel darunter vorstellen, weil der Dreh mit echter Kulisse doch recht selten in Schleswig-Holstein ist, vor allem im Low-Budget-Bereich. Darum erhielten wir zunächst eine Produktionsvorbereitungsförderung, um eine Pilotfolge zu drehen. Um die Finanzierung zu schließen, mussten wir weitere Sponsoren anwerben, die uns mit Sach- und Geldspenden bzw. Rabatten unterstützt haben. Das waren vor allem Holz, Eisenwaren und Elektroschrott. Dank dieser Hilfe war es überhaupt möglich, die Pilotfolge zu drehen, die am Freitag zu sehen ist.

PentaQuad, Jessica Dahlke, Webserie

Welche Hürden musstet ihr dann während des Drehs nehmen?

Da muss ich erstmal überlegen, weil bei diesem Dreh unheimlich viel gutgegangen ist! An ein oder zwei Stellen hat es aber tatsächlich geklemmt. So wollte wir blinkende LEDs und den ganzen Kram haben, doch derjenige, der diese bauen wollte ist aus Zeitgründen abgesprungen. Da unser Zeitplan sehr eng war, mussten wir für die Pilotfolge auch bauliche Kompromisse eingehen. So fehlte der Raum hinter der Tür sowie die vierte Wand. All das wird für den Rest der Serie noch nachgebaut.

Besteht Spoilergefahr, wenn ich dich frage, woher der Name PentaQuad kommt?

Nein (lacht). Der Name kommt daher, dass ich einen kleinen Zahlenfetisch habe. Gerade bei SciFi-Filmen finde ich das konsequent. Nehmen wir THX 1138 von George Lucas, das ist ein gutes Beispiel. Zahlen vermitteln im SciFi immer eine gewisse Technologisierung.

Im Namen stecken die griechischen bzw. lateinischen Zahlen penta und quad drin. Ich fand es passend, eine Zahlenkombination zu nehmen, die zunächst einmal bedeutungslos ist, aber zur selben Zeit Assoziationen auslöst, wobei ich vor allem Wert auf Bedeutungsspiele und Lautmalerei lege. So ist zum Beispiel „Quad“ von der Lautstruktur her sehr nah bei „Squad“, also einer Mannschaft oder einer Einsatztruppe. Dasselbe Prinzip greift auch an vielen anderen Stellen, so wie bei unserer Figur des Professor Higgs: Einerseits ist der Name eine Referenz auf einen renommierten Physiker, andererseits hört man das lautmalerische „Hicks“ bei einem Schluckauf heraus.

PentaQuad, Jessica Dahlke, Webserie

Ein wichtiges Kriterium für Qualität in Science-Fiction ist, dass es fulminante Außenaufnahmen des Raumschiffs vor einem weiten Weltraum gibt. Wird es am Freitag Außenaufnahmen zu sehen geben und wenn ja, welche Qualität dürfen wir von ihnen erwarten?

Also, wir haben VFX eingesetzt, aber nur solche Computer-Effekte, die man auch auf analogen Film oder per Stoptrick hätte herstellen können. Und es gibt Außenaufnahmen und zwar in Form der klassischen Raumschiff-Modelle, wie sie in alten SciFi-Filmen verwendet wurden.

Da muss ich kurz einhaken: Ridley Scott, hat mit PROMETHEUS meines Erachtens ein Zeichen gesetzt, dass auch physische Requisiten genutzt werden sollten. Ich erinnere da an das krakenähnliche Alien, welches sich Dr. Shaw aus ihrem Leib herausschneidet, das war eine Latexrequisite. Und obwohl Scott nach eigener Aussage davon überzeugt ist, so viel wie möglich auch durch die Linse zu filmen, hat er sich für VFX und CGI geöffnet. Wie denkst du über diesen Unterschied zwischen „gibt es“ und „kommt aus dem Computer“?

Ich finde die richtige Mischung machst. Einige Dinge funktionieren mit dem Computer besser, bei anderen sind Bauten gefragt. So etwas wie das Gummikostüm des Gorn, mit dem sich Captain Kirk in STAR TREK duelliert hat, das kannst du heute nicht mehr machen. Inzwischen zeigt sich auch im großen Kino, dass eine Balance zwischen Realfilm und CGI gefragt ist. STAR WARS – EPISODE 1-3 haben es mit dem Einsatz des Greenscreen so übertrieben, dass man sich fragt, ist das ein Film oder ein Computerspiel. Der Ansatz, tatsächliche Kulissen zu bauen hat danach wieder zugenommen. Am Ende muss man auf das beste Mittel zurückgreifen, je nachdem was man darstellen will.

PentaQuad, Jessica Dahlke, Webserie

Wie soll es nach der Premiere mit PENTAQUAD weitergehen?

Wir haben eine weitere Förderung erhalten und werden den Rest der Serie im Herbst drehen. Doch auch hier haben wir noch nicht alle finanziellen Mittel zusammen. Daher starten wir nächste Woche eine Crowdfunding-Aktion, wo jeder die Möglichkeit hat, uns mit kleinen oder größeren Beträgen zu unterstützen.

Worauf freust du dich am Freitag?

Ich freue mich auf das Publikum. Man muss einen Film zeigen können, um zu sehen, wie er ankommt. Das ist bei Comedy enorm wichtig, denn nur so kann man dazulernen. Ich bin sehr gespannt wie PENTAQUAD beim Zuschauer ankommt.

PENTA QUAD feiert Premiere am Freitag, den 19. Mai 2017, im Kino in der Pumpe (20.30 Uhr).

Website: http://www.the-flying-discman.de/
facebook: https://www.facebook.com/theflyingdiscman/

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