Neu im Kino „Nurejew – The White Crow“

Lautsprecher im Kino in der Pumpe. Es ist Tag Vier der diesjährigen „Kieler Woche der Kinos“ die unter dem Motto „Altes Kino – Neues Kino“ eine Preview des Filmes „Nurejew – The White Crow“ zeigt.

Bericht von Anna Lena Möller

Kunst imitiert Leben imitiert Kunst

In den 1960er Jahren, auf dem Höhepunkt des kalten Krieges, schickt die Sowjetunion eine Tanzkompanie nach Paris, um dort ihre künstlerische Überlegenheit zu demonstrieren. Darunter auch die spätere Ballettlegende Rudolf Nurejew (Oleg Ivenko), der sich vom kulturellen Leben der Stadt mitreißen lässt und die Freiheiten genießt, die er in dieser Stadt kennenlernt.

Erzählt wird in drei Zeitebenen, die asynchron miteinander verwoben werden. Szenen aus seiner Kindheit in Ufa wechseln sich mit Momenten aus seiner Ausbildung beim Kirow-Ballett in St.Petersburg ab, die immer wieder in Bezug zu Nurejews Erlebnissen in Paris gesetzt werden, häufig erzählt über Blicke und Gesten.

Spiegelungen durchziehen als Grundmotiv alle Ebenen des Films von Regisseur und Darsteller Ralph Finnes. Die Füße einer Statue im Louvre werden so zu Nurejews Füßen, die Augen eines Bildes von Rembrandt zu Nurejews Augen. Kunst imitiert Leben imitiert Kunst, von der Struktur des Filmes bis hin zu den agierenden Figuren und ihrer Handlungen.

Für Alle die durchästhetisierte Filmräume mögen

Die Bildästhetik, die diesen Film prägt, erinnert mit seinen schlichten symmetrischen Bildaufbau, den leicht unscharfen Zooms der genutzten 16mm Handkamera, sowie dem Verzicht auf künstliches Licht an die Filme der französischen Nouvelle Vague. Die assoziative Montage der verschiedenen Zeitebenen scheint jedoch eher in Sergej Eisensteins Attraktionsmontage zu fußen, welche die Filmhandlung vorantreibt.

Ein Kinofilm, der es schafft, an sich zu binden, indem er eine authentische Historizität zu konstruieren vermag, die die Zusehenden mitreißt, dessen schlichte Dialoge zum Schmunzeln sind und der mit nur einem Satz in der Realität des Hier und Jetzt endet: „Mein Name ist Rudolf Nurejew. Ich bitte um politisches Asyl“.

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