Der Film ruft – Drittsemester der FH Kiel zeigen ihre Filme

Mit dem Fachbereich Medien sorgt die FH-Kiel jedes Jahr für talentierte Nachwuchskräfte in ganz unterschiedlichen Einsatzgebieten. Audio-/Videoproduktion ist ein Teil der Ausbildung. Studierende, die sich vor ihrem Studium nicht weiter mit Filmproduktion auseinandergesetzt haben, lernen in den ersten drei Semestern die Grundlagen hierfür. Große Filmkunst ist natürlich noch nicht zu erwarten – zumal nicht jede/r Medien-Studierende/r später auch im Bereich Film tätig sein möchte.

Ein Bericht von Christoph Zickler

Die diesjährige Projektschau des Drittsemesters lässt erkennen, dass die Wahl der Kameraperspektiven, Schnittrhythmen und vor allem der Ton große Künste sind, die viel Zeit und Geduld brauchen, um sie beherrschen zu können. Jeder Film hat es jedoch trotz technischer Mängel geschafft, seine Geschichte mit interessanten Ideen zu erzählen. Wenn wir uns diese technischen Mängel einmal wegdenken, so ist jeder einzelne Film unterhaltsamer als 80% aller Kurzfilme der diesjährigen Berlinale.

#einfachperfekt

#EINFACHPERFEKT erzählt mit einer Parallelmontage … ja, was erzählt dieser Kurzfilm eigentlich? Es geht irgendwie um Social Media, Kochkünste, moderne Beziehungsführung, Konsumverhalten und das Erzeugen einer Scheinwelt. Vielleicht ist letzteres genau der Zweck dieses Films: der Schein. Denn leider sehen wir hier nur den Schein einer genialen Geschichte, einem Streich am Zuschauer, der jedoch nicht wichtig und interessant genug ist, um ein so elementarer Teil der Geschichte zu sein.

Ein Film der Gruppe Marie Kirsten, Melanie Dahm, Tim-Patrick Matthes, Sebastian Scholz, Cora Braun und Mira Haack.

Projektschau FH Kiel Multmedia Production

Schlüsselerlebnis

Das Leben kann so schön sein, wenn eine neue Person ins Leben tritt. Plötzlich ist da jemand, der einem ganz viel bedeutet. Liebe ist schon etwas Besonderes. Doch in nur einem Augenblick, durch nur eine kleine Unachtsamkeit kann sich alles ändern.

SCHLÜSSELERLEBNIS setzt sich mit dem Tod und der damit einhergehenden Trauer auseinander, jedoch aus einer ungewöhnlichen Perspektive.

Der Kurzfilm der Gruppe Martje Nehlsen, Lars Wiesekopsieker, Tobias Schmidt, Julia Börth, Julia Fries, Dennis Przytarski ist in Punkto Kamera und Schnitt noch nicht perfekt. Die schauspielerischen Leistungen unterscheiden sich sehr stark und auch die Dialoge könnten noch einen Feinschliff vertragen. Trotz alledem erzählt Schlüsselerlebnis seine Geschichte unterhaltsam und regt zum Nachdenken an.

Projektschau FH Kiel Multmedia Production

Abgestaubt

Laienhaftes Schauspiel verleiht diesem Film eine besondere Komik, wenn auch ungewollt(?). Der Film soll lustig sein, insofern ist dies unbedingt als Bereicherung zu sehen – es gibt auf jeden Fall den vollen Trash-Score. Abgestaubt erzählt die Geschichte einer (viel zu) jungen, männlichen Reinigungskraft, die fast ihren Job verliert, aber noch eine letzte Chance bekommt. Diese besteht aus einem Soforteinsatz bei einer Kundin. Er macht sich auf den Weg und nimmt schon bald voller Freude seine Arbeit auf. Weil es seine letzte Chance ist, hält die Wohnung natürlich ausreichend Potenzial bereit, um diese zu versauen.

ABGESTAUBT von Kirsty Rixen, Lea Wiegand, Madlin Streipert, Annika
Künstle, Tabea Bender zeigt sehr gut, wie sehr ein Publikum Fehler und Unschönheiten vergibt, wenn die Geschichte unterhaltsam erzählt ist.

Projektschau FH Kiel Multmedia Production

Concilio

Was wäre, wenn heute mein Tag gekommen wäre, wenn ich heute dem Tod in die Augen schauen müsste? Wäre es möglich meine Zeit noch etwas zu verlängern, noch ein paar Tage, Wochen oder gar Jahre? Der Tod lässt ausnahmsweise mit sich verhandeln – das Spiel ums Leben beginnt, doch wer wird siegen?

CONCILIO vom Team Alexandra Metz, Natalie Adler, Nico Kuhn, Mats Claessen, Maria Wille, Kim Heinze möchte mit seiner düsteren Szenengestaltung, dem Spiel mit farbigem Licht, dem Einsatz von Nebel eine Atmosphäre der Angst, des Unwohlseins erschaffen. Eine Atmosphäre, in der der Zuschauer selbst dem Tod ins Gesicht blickt. Das schafft der Film auch, jedoch mit kleinen Einschränkungen.

In eine Geschichte, ja in eine andere Welt eintauchen, das möchte man als Kinozuschauer – die grelle Notausgangsbeleuchtung nicht mehr wahrnehmen und die popcornverzehrenden Sitznachbarn vergessen und einfach einen tollen Film genießen. Immer dann, wenn ein Film nicht perfekt ist, ist man draußen, also wieder zurück im Kino – das Notausgangschild ist wieder viel zu hell und neben einem wird geschmatzt.

Es waren vor allem die Dialoge und allgemein das Schauspiel, das einen zurück in die reale Welt wirft. Es fehlte noch der letzte Schritt zur gänzlichen Verinnerlichung der jeweiligen Rolle. Trotz aller Kritikpunkte muss hier gesagt werden: Weiter so!

Projektschau FH Kiel Multmedia Production

Ins Herz geschlossen

Der große Tag ist gekommen. Die Frage des Lebens soll gestellt werden. Die Blumen sind bestellt, die Pralinen liegen bereit – alles ist perfekt, na ja fast alles. Die Welt ist halt voller Trottel und so muss noch schnell ein anderer Strauß besorgt werden. Die Zeit wird knapper und die Aufregung steigt. Wird sie ja sagen? Oder wird sie vielleicht einfach weglaufen?
Matthias Plich, Sönke Witt, Louisa Ziebell, Bastian Lorenzen, Paulina Burtz, Antonia Hauschild haben ausgesprochen gute Arbeit geleistet. Fast niemand würde hier vermuten, einen Drittsemesterfilm zu sehen. Lediglich die Nebenrollen ließen dies erahnen.

Der Hauptdarsteller schafft es, den Zuschauer auf seiner kurzen Reise zum großen Moment mitzunehmen und ihn dabei mitfühlen zu lassen. Mit seiner außergewöhnlichen Endszene wird jedem Zuschauer vor Augen geführt, wie echte Sprachlosigkeit aussieht und was es bedeutet, wenn endlich wieder Licht in den Raum des Lebens tritt.

Projektschau FH Kiel Multmedia Production

Lasse rennt

Jeder hat diesen einen Freund, der einfach immer zu spät kommt. Die meisten schaffen es wenigstens pünktlich zur Arbeit zu kommen, doch in LASSE RENNT besteht genau darin das Problem. Die Verwarnung lässt nicht lange auf sich warten – das kann kein gutes Ende nehmen. Aber ebendies ist besonders gut an diesem Film.

Henrike Wiesemann, Sarah Flint, Paulina Artinger, Karen Krüger, Katja Becht und Lisa Vollack haben mit Lasse rennt eine witzige Geschichte auf die Leinwand gezaubert. Trotz klassischer Schönheitsfehler in Kamera, Schauspiel und Dialogen ist der Film gelungen.

Projektschau FH Kiel Multmedia Production

Morbus

Schon viele Autoren waren fasziniert von dem schmalen Grat zwischen Realität und Einbildung. Morbus von Fynn Krüger, Natalie Wüpper, Neele Siemann, Philipp Pretel, Benedict Bremert, Eva Scharfenberg nimmt den Zuschauer mit in die Welt einer Person, die nicht mehr weiß, was real ist. Qualitativ entspricht er dem Niveau des dritten Semesters und lässt erahnen, dass Mitglieder des Teams zukünftig gute Filme produzieren werden.

Projektschau FH Kiel Multmedia Production

Nice to meat you

Die Schweinesteaks sind in der Pfanne, der Tisch ist gedeckt – das Tinderdate kann losgehen. Eine letzte Nachricht vorm ersten Treffen erscheint auf dem Handydisplay und plötzlich steht ihm der Schweiß auf der Stirn.

Mit NICE TO MEAT YOU haben Sophie Schweitzer, Jasmin Meziou, Inken Rott, Clara Gigling, Sina Hoyer, Malin Metten witzige viereinhalb Minuten Film erschaffen.

Ein Witz lebt primär von der Pointe, ein lustiger Film braucht aber noch ein wenig mehr. NICE TO MEAT YOU hat schon ganz viel von dem was eine Komödie braucht, um so richtig rund und lustig zu sein. Der Raum wurde gezielt mit Accessoires gespickt, die jeweils selbst kleine Geschichte mit Witzpotenzial erzählen. Die Geschichte ist auch ohne große Schlusspointe unterhaltsam, jedoch fehlte ebendiese. Vor allem in Drehbuch, Regie und Schauspiel stecke noch mehr drin. Aber auch hier sei gesagt: Weiter so!

Projektschau FH Kiel Multmedia Production

Null

Er ist angespannt. Zwei Stifte liegen auf seinem Schreibtisch. Eine Mappe kommt aus einem Schlitz im Schreibtisch. Er zieht sie heraus und schwärzt Wörter in einem Text aus der Mappe. Die Zeit läuft, er beeilt sich. Er legt das Papier zurück in die Mappe und schiebt sie in den Schlitz. Eine neue Mappe taucht auf. Er ist angespannt. Der Test geht weiter und auch die Uhr zählt weiter runter. Worum geht es in diesem Test? Was sind das für Aufgaben? Was passiert, wenn die Zeit abgelaufen ist?

NULL merkt man nicht an, dass er ein studentischer Film ist. Er schafft es den Zuschauer zum Nachdenken zu bringen. Er hält der Gesellschaft mit all ihren Fehlern einen Spiegel vor und regt dazu an, den ständigen Leistungszwang, enge Zeitpläne und die existenzielle Abhängigkeit davon zu hinterfragen.

NULL von Falko Behrens, Lorenzo Huskamp, Frithjof Kottek, Ulf Rasmus Schmidt, Nina G. Steinkamp, Erik Wetendorf hat null Sekunden Langeweile. Ein formvollendeter Kurzfilm auf den jeder Zuschauer sich freuen kann.

Projektschau FH Kiel Multmedia Production

Tisch und Bett

Ein kurzer Blick auf das gemeinsame Frühstück eines Paares kann Bände sprechen. Er ist der Nörgler mit Ansichten aus dem letzten Jahrtausend und sie ist die Schweigsame, die scheinbar alles über sich ergehen lässt. Dieser kurze Blick in das Leben der beiden zeigt mehr einen Zustand als eine Abhandlung.

Während die Protagonistin ohne ein einziges Wort grandios ihre Lebensgeschichte erzählt, kränkelt es bei ihm vor allem an den Dialogen.

TISCH UND BETT entstand im Team Marie-Kristin König, Jan-Lukas Bichel, Jonathan Schulz, Timo Plähn, Nele Jo Thamsen, Karl Knobloch und ist ein gutes Beispiel für eine minimalistische Geschichte mit viel Aussage.

Kommentare

M.Nehlsen

Ich bin eine der Regisseurinnen der genannten Filme. Ich habe mich sehr gefreut, dass über unsere Filme berichtet wird. Allerdings ist dieser Bericht in meinen Augen nicht ganz gelungen. Am Anfang des Artikels wird darauf hingewiesen über die technischen Mängel hinweggesehen, wäre „jeder einzelne Film unterhaltsamer als 80% aller Kurzfilme der diesjährigen Berlinale ". Im Anschluss dann wird jedoch immerzu auf eben jene technischen Mängel hingewiesen, womit die Geschichten an sich in den Hintergrund gedrängt werden. Wir wollen nicht in den Himmel gelobt werden, aber wir wollen honoriert werden für das, was wir geleistet haben und nicht in Relation zu einem professionellen Filmteam gestellt werden. So lese ich diese Zeilen leider mit einem leicht bitteren Nachgeschmack.

Christoph Zickler

Ich freue mich über Deine Nachricht. Wer kritisiert, muss sich auch selbst der Kritik stellen können.

Mir ist bewusst, dass in jedem Film viele Arbeitsstunden stecken. Lediglich mit der Idee eines Kurzfilms konnte ich nicht so viel anfangen, sonst hatten alle Ideen richtig Substanz und waren in der Umsetzung ganz ordentlich. Die Filme waren unterhaltsam, hatten aber auch ihre Probleme.
Ich hoffe sehr stark, dass es niemanden gibt, der sich wünscht auf diesem Niveau zu bleiben. Der professionelle Film muss doch das Ziel sein. Wer an seinem eigenen Film nicht erkennt, was ihn vom professionellen Film unterscheidet, muss unbedingt gute Filme gucken, um die eigene Wahrnehmung zu schulen. Wer erkennt, was seinen Film vom professionellen unterscheidet, muss üben bzw. seine Menschenkenntnis (oder was auch immer der Grund für den Mangel ist) verbessern, um die richtigen Leute ins Team zu holen.
Ich kann mich noch gut an meinen ersten Kurzfilm erinnern, wie er gelobt, aber auch wie er verbal vernichtet wurde - ein total blödes Gefühl. Der Film war schon ganz viel gut, aber auch ganz viel noch nicht. Hätten mir alle nur erzählt, dass alles super ist, wäre mir in einigen Punkten nie ein Licht aufgegangen. Jetzt sehe ich, dass einer der Schauspieler nicht auf die Rolle passte, die Dialoge zu platt waren und noch mehr in der Story steckte.

Wenn wir mal Schlüsselerlebnis als Beispiel nehmen, dann muss ich sagen, dass die Idee und das Konzept sehr cool sind. Man könnte kritisieren, dass das Thema Tod vielleicht etwas abgegriffen ist in studentischen Produktionen, aber gerade die Sicht der Erzählung hat richtig was, also so gar nicht abgegriffen. Der Protagonist geht einen Weg und verändert sich auf diesem. Ein Element, das ganz vielen Filmen fehlt. Ihr habt sehr viel richtig gemacht. Man merkt, dass es kein dahin geklatschter Film ist. Da stecken viele Stunden Drehbuchüberarbeitung drin. Gleichzeitig steckt da aber noch mehr drin.
Wenn Du möchtest, kann ich Dir gerne persönlich noch ein paar konstruktive Worte zu eurem Film sagen (Bei Interesse: cz@filmkultur.sh).

Zu Deinem Hinweis bezüglich des Aufbaus meines Artikels, muss ich eingestehen, dass die Kritik in der Einleitung vielleicht genügt hätte. Jedoch waren es ja durchaus unterschiedliche Dinge, die zu kritisieren waren - keine leichte Entscheidung.

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