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Filmberufe im Gespräch – Nina Kötter über ihre Arbeit als Script Continuity

Mehrmals im Jahr stellen die Industrie- und Handelskammer zusammen mit der Filmförderung Schleswig-Holstein Filmberufe vor, die das Publikum nicht auf dem (Bild)- Schirm sehen kann, die jedoch ein wichtiges Standbein in jeder Film – und Fernsehproduktion sind. Am 6.12.2018 erzählte uns Nina Kötter in der IHK alles über ihren Beruf als „Script Continuity“, wie viel Arbeit dahintersteckt, aber auch wie viel Spaß diese Arbeit machen kann. Aber was ist das überhaupt?

Bericht von Merle Dölle

(K)ein typischer Beruf?

Regisseur*in, Schauspieler*in und Kamerafrau/mann. Das sind die Berufe, die uns zuerst in den Sinn kommen, wenn wir an die Filmbranche denken. Vom Beruf „Script-Continuity“ haben jedoch die wenigsten schon einmal etwas gehört. Dabei ist das eine der wichtigsten Aufgaben am Set.

Dokumentation, Koordination, Ansprechpartner*in und eine gute Kenntnisse vom Drehbuch: Wer Script-Continuity macht, arbeitet eng mit der ganzen Crew am Set zusammen. Hierbei wird auf jedes kleinste Detail geachtet. Wobei einem die voranschreitende Digitalisierung die Arbeit deutlich erleichtert.

Zum Aufgabenfeld eine*r*s Script-Continuity gehört auch das Dokumentieren am Set. Jeder Take bekommt einen eigenen Bericht. So kommt man am Tag auf ungefähr 20-30 Berichte, die genau erfassen, wann welche Szene gedreht wurde und wo bzw. wie die Kameraeinstellungen waren,  sowie eine ausführliche Beschreibung der Szene. Zudem ist man Ansprechpartner*in für Requisite, Maske, Kostüm, Ton und Regie, also im Grunde für fast jede*n am Set.       

Das Drehbuch als wichtigster Begleiter

Dies ist tatsächlich der älteste Frauenberuf am Set. Ausgeübt wurde er damals noch unter der Bezeichnung „Atelier-Sekretärinnen“. Später würde das Tätigkeitsfeld einfach „Script“ genannt und heute eben Script Continuity oder auch Script-Supervisor. Wobei es hier doch einen kleinen aber feinen Unterschied gibt: Als Script-Supervisor zählt man zusätzlich noch die beratende Funktion für Regie und Kamera zu seinen Aufgaben.

Dies alles erklärt uns Nina Kötter, die seit 25 Jahren in dem Beruf arbeitet, während wir eines ihrer Drehbücher, das ihr wichtigster Begleiter in diesem Job ist, in den Händen halten dürfen. Es ist so dick wie ein Lexikon und  übersät mit kaum leserlichen Notizen und bunten Haftstreifen. Für Laien fast unmöglich, hier den Überblick zu bewahren.

Man muss ins kalte Wasser springen

Doch wie wird man eigentlich Script-Continuity? Eine konkrete Ausbildung oder ein Studium hierzu gibt es nicht. Stattdessen kann man Fortbildungskurse besuchen oder Volontariate bei erfahrenen Continuities oder praktische Übungen bei Filmprojekten von Filmhochschulen absolvieren.  Allgemein gilt: Je mehr Set-Erfahrung, desto besser. Man muss nur ins kalte Wasser springen. Jede*r kann also Script-Continuity werden, wenn er/sie filmtechnische Grundkenntnisse, Set-Erfahrung und optisches Verständnis mitbringt. Zudem sind auch noch Konzentrationsfähigkeit, Selbstorganisation, Flexibilität und Teamfähigkeit wichtige Grundpfeiler.

Script- Continuities werden nur für die Länge der Produktionsdauer angestellt. An rund 5 Produktionen wirkt Nina Kötter pro Jahr mit.              Manchmal bekommt sie das Drehbuch erst ein paar Tage vor Drehbeginn zugeschickt, bei Kinofilmproduktionen kann dies bis zu einem Jahr vorher geschehen. Generell gibt es große Unterschiede zwischen Serien, Fernsehspielen und Kinofilmen. Nicht nur in der Vorbereitungszeit sondern auch in der Anzahl der Drehtage. Durchschnittlich 21 Drehtage sind pro Film vorgesehen, dabei sind Arbeitszeiten zwischen 12-18 Stunden keine Seltenheit und das in ganz Deutschland. „Man ist ständig mit gepackten Koffern unterwegs“ , so Kötter.

Ein Beruf, in dem es keinen Rhythmus gibt

Was sie an ihrem Beruf liebt? „Es ist vielfältig und man beschäftigt sich inhaltlich viel mit dem Drehbuch und den Schauspielern. Man hat einfach täglich mit unterschiedlichen Menschen zu tun und es herrscht ein großer Zusammenhalt am Set, wie in einer Familie. Aber vor Allem macht es Spaß“, betont Nina, die aufgrund ihrer Liebe zum Schauspiel an dieses Berufsfeld geraten ist. Jedoch sagt sie auch, dass durch die enorme Vielfältigkeit der Aufgabenbereiche mehr Druck entsteht. Es gilt, die ganze Zeit mit voller Konzentration dabei zu sein in einem Beruf, in dem es keinen Rhythmus gibt. Jede Produktion, jeder Drehtag ist anders. Auch den Respekt am Set muss man sich erst hart erarbeiten. Hier herrscht eine „Hierarchie mit Freundlichkeit.“ Man muss Geduld haben. „Umso entspannter, desto besser“, rät Kötter. Und nicht alles persönlich nehmen. Aber vor Allem nicht aufgeben!

Bild: 
Photo by Avel Chuklanov on Unsplash

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