Shoki-Night: Vom Filmriss zum Ampelmann

Kiel im Januar ist grau und kalt. Die perfekte Zeit also, um sich in die warmen Kinosessel zu kuscheln und Kurzfilme zu schauen. Das dachten sich auch Christoph Zickler und Jessica Ullrich, die am 22. Januar zur ersten Shoki-Night ins Studio Filmtheater am Dreiecksplatz luden.

Der Studiengang Multimedia Production ist seit langem fester Bestandteil des Fächerangebots der FH Kiel. Zwei Masterstudenten suchten nach einem Forschungsprojekt und kamen unabhängig voneinander auf die Idee, einen Kurzfilmabend zu organisieren. „Jessica kam auf mich zu, um die Idee vorzustellen. So war schnell klar, dass wir das gemeinsam angehen“, erklärt Christoph Zickler filmszene-sh.de, „auf der Suche nach Vorbildern stellten wir fest, dass fast keiner der Veranstalter im Vorwege über die Filme, die gezeigt werden sollten, berichtete. Der Kurzfilm-Abend als Event war das gängige Konzept. Manche Veranstaltungen erschienen auch eher Kultur-Events und keine Unterhaltungsabende zu sein. Wir wollten Unterhaltung! Und so machten wir Unterhaltung.“

 

Eine Webseite und ein Trailer sollten Neugier wecken und den Fokus auf die Filme richten. „Da es bei einem Kurzfilmabend stets mehr als um nur einen einzigen Film geht und der Abend als Ereignis daher auch nicht ganz außer acht gelassen werden kann, standen wir vor der Herausforderung, einen Weg zu finden, sowohl die Filme als auch den Kurzfilmabend an sich als Ereignis zu präsentieren.“ Heraus kam die Shoki-Night mit einem durchaus sehr sehenswerten Programm. filmszene-sh.de hat die gezeigten Kurzfilme genauer unter die Lupe genommen.

 

Der Untermieter (D 2009, Max Zähle)


Wohnungen in Berlin sind rar. Warum also nicht ein bisschen Geld nebenher verdienen und die Abstellkammer an einen verzweifelten Untermieter vermieten? Doch Vorsicht. Dieser Herr ist schlauer, als das Vermieter-Paar gedacht hätte. Witzige Komödie über Dreistigkeit.

 

Lost in Kiel (FH Kiel 2014)


Der WG-Einstand von Lana wird ordentlich gefeiert, doch am nächsten Morgen kommt der Schock. Lana ist weg! Bei dem Versuch, den vorigen Abend zu rekonstruieren und Lana so wiederzufinden, klappern die WG-Mitglieder die halbe Stadt ab und erinnern sich Stück für Stück an die letzte Nacht. Ein Hangover mit witzigen Momenten zum Schmunzeln. Leider mit einem zu konstruierten Konflikt und klischeebeladenen Nebenfiguren.

 

Antje und wir (D 2007, Felix Stienz)


Acht Menschen erzählen von ihrer Begegnung mit Antje. Im Interviewstil geschnitten entblätterte sich das spannende Psychogramm der jungen Frau. An manchen Stellen jedoch zu vorhersehbar.

 

Ampelmann (D 2010, Giulio Ricciarelli)


Eine einspurig befahrbare Brücke, eine Polizeistation und ein gelangweilter Polizist. Eine neue Ampel soll etwas Leben in den öden Alltag des Dorfpolizisten bringen. Ein genialer Schabernack über Pflichtversessenheit und der Sehnsucht des Menschen nach einer erfüllenden Aufgabe.

 

Rotkäppchens Fahrrad (D 2014, FH Kiel)


Acaralp – ein junger Architekturstudent aus der Türkei – möchte ein Auslandssemester in Kiel absolvieren, um seinen Abschluss nachzuholen. Doch die wortkargen Norddeutschen machen ihm das Leben schwer. Dabei kann er ihnen bei einem ganz konkreten Problem helfen. Ein schönes Märchen aus der Ostseestadt, das nix weiter will, als schön zu sein. An einigen Stellen verläuft sich der Film jedoch zu sehr in Umgebungsaufnahmen und wird gerade zum Ende hin den Anschein eines Werbefilms nicht los. Die schönen Impressionen aus der Landeshauptstadt machen ihn trotzdem sehenswert.

 

Steinfliegen (D 2009, Anne Walther)


Steinfliegen können nicht fliegen. Doch Ferdis größter Wunsch ist es, fliegen zu können. So macht sich der kleine Steinfliegenjunge auf die Reise, um es zu lernen. Eine nette kleine Kindergeschichte.

 

Maries Lächeln – Distant Memory (D 2006, Michael Schäfer)


Die kleine Marie trifft in der NS-Zeit auf einen jüdischen Straßenclown, der Luftballons für ein Lächeln verschenkt. Marie kann seinen Wunsch anfangs nicht erfüllen, doch dann ist es zu spät. Es scheint, als bleibe sie ihm ihr Lächeln für ewig schuldig. Geschichten aus der NS-Zeit gibt es am Sand am Meer, doch dieser Kurzfilm schafft es, das Herz des Zuschauers mit seiner Menschlichkeit tief zu berühren.

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